Fremde Sorgen

Fremde Sorgen

Herrje, wie schön das ist! Nur müde bin ich wirklich hundemüde! Annemarie streckte die Arme weit aus, stellte sich auf die Zehenspitzen und dehnte sich. So eine fordernde Nachtschicht hatten wir schon lange nicht mehr

Erzähl mir was Neues! Der Opa heute Nacht war die Krönung! Katja gähnte. Ich will einfach nur nach Hause. Obwohl Schlafen lassen mich die Kinder heute sicher auch nicht, aber wenigstens sieht man mich dann wieder wie einen Menschen aus.

Warum lassen sie dich nicht schlafen? Annemarie kramte in ihrer Tasche und zog eine Schachtel Zigaretten heraus.

Markus ist arbeitsbedingt unterwegs. Die Schwiegermama bleibt übers Wochenende im Schrebergarten. Die Kinder sind meine Verantwortung.

Katja warf ihrer Freundin einen Seitenblick zu, die gerade mit dem Feuerzeug spielte. Sie sagte nichts, aber ihr fiel auf, dass Annemarie wieder zur Zigarette griff, obwohl sie fast drei Monate nicht mehr geraucht hatte. Kein Wunder! Erst vor Kurzem hatte sie ihren Großvater verloren, der sie praktisch großgezogen hatte

Zwei Jahre lag er schwer krank, so schlimm Annemarie hat sich bis zur Erschöpfung um ihn gekümmert. Sogar einen Kredit hatte sie aufgenommen, um ihn in die Uniklinik nach München zu bringen, aber auch dort meinten die Ärzte, mehr als einen Monat gebe man ihm nicht. Er hielt ganze zwei Jahre durch. Solche Leute zerbricht man nicht! Ein ehemaliger U-Boot-Fahrer eben! Und Annemarie war sein Sonnenschein. Wie hätte er sie allein lassen können? Immer sagte er:

Wohin soll ich denn mein Mädchen alleine lassen? Das kann ich doch nicht!

Katja hatte Annemarie in den letzten Monaten so oft beim Pflegen geholfen und gesehen, wie tief die Bindung zu ihrem Opa war. Es gab eben solche Familien! Wenige Leute, aber so viel Liebe, dass es für eine ganze Welt reichen würde.

Katja kannte die Geschichte ihrer Freundin aus dem Effeff. Kein Wunder, denn sie wohnten schon ewig Tür an Tür, seit Katjas Eltern damals die elterliche Wohnung gegen eine neue eintauschten und beim Opa von Annemarie Nachbarn wurden. Seitdem, sie waren beide fünf, gingen sie gemeinsam durch dick und dünn.

Katja lächelte bei der Erinnerung an ihr erstes Treffen mit Annemarie.

Damals hatte ihre Mutter das ernste, schweigsame Mädchen zum Spielen eingeladen, ohne zu wissen, was in Annemaries Familie los war. Sie stellte die beiden Mädchen einander vor, ließ sie allein im Kinderzimmer und meinte: Die sind ja schon groß, die klären das schon.

Das taten sie auch auf ihre Art. Erst versuchte Katja, die Neue auszufragen, wer ihre Eltern seien, aber Annemarie schwieg.

Sie hockte am Kindertisch, malte im Malbuch, und weigerte sich, Katja auch nur anzusehen.

Eine Weile beobachtete Katja sie und beschloss dann, das angefangene Bauwerk aus Holzklötzen fertigzustellen. Nur eine Minute war sie abgelenkt, drehte sich zurück und erstarrte vor Schreck.

Ihre neue deutsche Puppe, die Papa ihr von einer Dienstreise nach Hamburg mitgebracht hatte, war halb kahl. Annemarie schnitt mit gespitzter Zunge bedacht die Haare ab.

Was hast du gemacht?! Katja riss ihr die Schere aus der Hand. Und schon eilte ihre Mutter aus der Küche herbei.

Mädchen! Was ist los?

Annemarie weigerte sich standhaft, zu erklären, warum sie das gemacht hatte. Sie weinte leise, bis ihr Opa sie abholte.

Entschuldigen Sie! Ich besorge Katja eine neue Puppe.

Das brauchen Sie nicht! Katja schluchzte, während sie die Puppe am kahlrasierten Kopf streichelte. Ihre Finger tasteten über die schütteren Stoppeln, wo eigentlich seidiges Haar sein sollte, und sie weinte noch heftiger. So eine bekomm ich nie wieder! Mein Papa hat sie extra mitgebracht!

Aber eigentlich weinte Katja weniger um die Puppe, sondern weil ihre Mutter Annemarie nicht ausgeschimpft hatte, wie sie es sonst bei Katja getan hätte. Sie schaute das Mädchen nur an und dachte offenbar an etwas anderes.

Katja liebte ihre Mutter sehr, wusste aber, wie streng sie war. Für sie war die Erziehung ihrer Tochter das Wichtigste im Leben, das hatte sie oft gesagt. Katja verstand nie, wie es sein konnte, dass für Mama nichts anderes wichtiger war als sie selbst. Wenn das so war warum schimpfte sie jetzt nicht mit Annemarie?

Nachdem Annemarie und ihr Opa gegangen waren, schaltete Katjas Mutter mit einem Befehl Katja ab:

Wasch dir die Hände! Und komm zum Tisch! Ich habe Pfannkuchen gemacht.

Das wirkte zuverlässig. Katja liebte es zu essen, besonders Mamas Pfannkuchen. Nur dazu hatte Mama nur selten Zeit.

Elena, Katjas Mutter, war Kinderärztin im lokalen Gesundheitszentrum und meinte oft, sie habe neben ihrer Tochter noch halb München als Kinder. Das war keineswegs übertrieben: Ärztemangel, viele Überstunden, oft betreute sie nicht nur ihren Bezirk.

Was soll ich machen? Von zu wenigen Ärzten werden die Kinder ja nicht weniger krank! meinte sie abends im Flur, streckte die müden Beine und bat: Hol mir bitte ein Glas Wasser, Katja!

Katja balancierte das gefüllte Glas mit beiden Händen und beobachtete, wie Mama gierig trank. Die kleine Hand strich über Mamas Wange Katja atmete erleichtert auf. Da war es, das Lächeln! Alles gut nun

Satt von Pfannkuchen fand Katja, es reiche jetzt mit Groll. Sie konnte nie lange böse sein. Sogar im Kindergarten, wenn Tobi an ihrem Zopf zog, schüttelte sie die Faust und lud ihn doch gleich wieder zum Spielen ein.

Mama? Katja naschte den letzten Schluck Kakao und strich gewissenhaft den Schaum ab. Warum bist du traurig?

Elena stellte den letzten sauberen Teller weg, seufzte und setzte sich dazu.

Schatz, bist du sehr böse auf Annemarie?

Sie ist fies! Sie wollte nicht mit mir reden.

Weißt du, Liebes, sie redet momentan mit niemandem. Nicht mal mit ihrem Opa.

Katja verschluckte sich fast. Wie bitte?!

Ist sie krank?

So in der Art. Annemarie hat keine Eltern mehr. Und daher geht es ihr ganz, ganz schlecht.

Wo sind sie denn hin? Katja runzelte die Stirn.

Kann es wirklich sein, dass ein Kind keine Eltern mehr hat?

Sie waren alle zusammen im Auto, hatten einen Unfall. Annemarie schlief auf dem Rücksitz und wurde hinausgeschleudert. Darum hat sie überlebt. Aber ihre Eltern Katja, sei nicht böse mit ihr. Sie wollte dir wirklich nicht weh tun.

Katja stellte sich bildlich vor, wie Mama und Papa gemeinsam Auto fuhren Sie erschrak, rutschte vom Stuhl und umarmte Elena so fest, dass diese vor Schmerz quietschte, als Katjas Finger an einer Haarsträhne zogen.

Katja, Spätzchen, was ist denn los? Ich bin da! Ich geh’ nirgends hin!

So blieben sie noch lange umschlungen sitzen, flüsterten aufgeregte Nichtigkeiten. Dann ging Katja ins Kinderzimmer, kam kurz darauf mit der ramponierten Puppe und einer Schere zurück:

Mama, kann ich deine Burda nehmen?

Elena hob überrascht die Brauen, sagte aber nichts, reichte ihrer Tochter die neueste Burda, öffnete leise die Wohnungstür und klingelte bei den Nachbarn.

Herr Wilhelm, Annemaries Großvater, öffnete und beobachtete erstaunt, wie Katja zielstrebig an ihm vorbeimarschierte.

Lassen Sie sie nur, flüsterte Elena. Sollen die Mädchen noch einen Versuch starten.

Katja trat ins Kinderzimmer, ignorierte Annemaries skeptischen Blick und drückte ihr die geschundene Puppe in die Hand.

Bitte.

Dann breitete sie die Burda aus, blätterte eifrig und tippte auf das Bild einer hübschen jungen Frau.

Sieh! Ich hab’s verstanden! Du wolltest ihr so eine Frisur machen, wie hier, stimmt´s? Na los, dann fertig schneiden! Du hast ja erst die halbe Arbeit gemacht!

Annemarie stand, völlig überrascht, zitternd mit der Puppe in der Hand.

Na komm schon! Katja patschte auf den Boden. Lass uns sie hübsch machen. Mama sagt, Mädchen müssen schön sein. Ohne Frisur ist das aber nix!

Machen wir Annemaries Stimme war leise wie Seide, aber die Schere schnitt weiter und die alten Gräuel verflogen. Sie merkten gar nicht, wie zwei Erwachsene leise die Tür geschlossen hatten und verstohlen Tränen wegwischten, dabei schmunzelnd.

So entstand unsere Freundschaft.

Die skalpierte Puppe stand jahrelang auf Annemaries Küchenregal, gekrönt mit einem roten Hut, den Annemarie einst genäht hatte weil Pixie-Haarschnitte schließlich dann doch aus der Mode waren. Jedes Mal, wenn wir bei Tee zusammensaßen, zog Annemarie die Augenbraue hoch:

Glaubst du, wir kaufen ihr mal eine Perücke?

Nein, lass mal, lachte ich und stellte ihr eine Riesen-Tasse grünen Tee hin. Alte Geschichten lässt man ruhen.

Annemarie Sie war da, als meine Mutter starb. Ich war schwanger, im fünften Monat, und man sagte mir bis zuletzt nicht, dass meine Mutter nach einem massiven Herzinfarkt gestorben war.

Als mein Mann es mir vorsichtig beibringen musste, fing er mich ohnmächtig auf und lief aus lauter Panik direkt zu Annemarie, statt den Notarzt zu rufen. Annemarie, der meine Mutter wie eine zweite Mutter geworden war, zögerte keine Sekunde, spritzte mir zwei Spritzen und saß die ganze Nacht an meinem Bett, wiegte mich wie ein Kind:

Katja, dein kleiner Schatz im Bauch weint mit Lasst uns nun beide beruhigen, ja? Weißt du, Tante Elena hätte dich ausgeschimpft!

Wofür denn? Ich schniefte, die Augen verschmiert vom Weinen.

Dafür, dass du dem Kind schadest! Wer soll das denn wieder heilmachen? Sie hätte dich ausgeschimpft, aber richtig!

Sie wird ihn nie kennenlernen

Doch, sie hat von ihm gewusst. Lass uns sie stolz machen, ja?

Meine erste Tochter habe ich nach Mama genannt, die zweite nach Annemarie.

Eine kleine Annemarie für mich! lachte ich, während ich meine Tochter wiegte.

Das ist doch keine Annemarie! sagte meine Freundin liebevoll und nahm ihre Patentochter behutsam. Das ist doch eine Marie! Guck sie dir an lauter Wimpern bis nach Hamburg! Tja, Mama, dann halt dich schon mal bereit.

Wofür?

Um die Schwärme von Jungs zu verscheuchen!

Annemarie, die nach dem Tod ihres Großvaters keine Familie mehr hatte, fühlte sich nie einsam. Warum auch? Eigene Kinder hatte sie nicht, aber meine behandelte sie wie ihre eigenen und überschüttete sie zu allen Festen mit Geschenken, so dass ich schimpfte:

Kauf dir endlich Kleider oder Schuhe! Nie krieg ich dich unter die Haube!

Brauch ich nicht! War schon genug verheiratet. Findet da nix für mich.

Ja, Annemarie war mal verheiratet. Doch die Ehe war so kurz, dass sie selbst nicht recht wusste, was das eigentlich war.

Sie lernte Fabian im Krankenhaus kennen, jung, aufstrebend, Chirurg alle Damen im Haus himmelten ihn an, von der Praktikantin bis zur Küchenchefin. Fabian machte keine halben Sachen und hielt Annemarie bereits nach wenigen Monaten um die Hand an.

Der will doch nur ihre Wohnung, sie lebt ja allein! tuschelten die Schwestern, verstummten jedoch, sobald Annemarie in der Nähe war.

Sie hörte das, maß dem aber keine Bedeutung bei. Sie war glücklich!

Doch das Glück hielt nicht lang. Schon kurz nach der Hochzeit bemerkte sie komische Dinge: Schichten stimmten nicht, zu Hause war alles verrückt, Dinge lagen nicht an ihrem Platz, Parfüm war fremd. Ihre Fragen beantwortete Fabian mit zuckersüßen Umarmungen:

Was redest du, Spatz? Du fantasierst! Ich liebe nur dich!

Alles endete, als Annemarie nach einer besonders harten Schicht den Mantel überwarf, sich auf ein heißes Bad freute griff in die Tasche und zog knallrote Damenslips hervor, wie Katja immer scherzhaft sagte: Agentenrot!

Fabian, beim Umziehen erwischt, versuchte zu erklären, dann stoppte er, als Annemarie laut zu lachen begann.

Hysterie?

Genau

Der Spitzenslip machte als Parodie auf Rotlichtdamen unter der Wohnzimmerlampe weiter Karriere. Annemarie schmiss ihn angewidert auf den Leuchter, zog Jeans und T-Shirt an und kommandierte:

Wenn ich zurückkomme, bist du weg!

Ich öffnete ihr damals wortlos, trank mit ihr Baldriantee, brachte sie in ihr Bett.

Reden wir später!

Ein paar Stunden später standen wir dann in Annemaries Wohnung; ich blickte auf die rote Unterhose am Kronleuchter und meinte nachdenklich:

Weißt du, irgendwo hab ich gelesen, dass man für Glück rote Unterwäsche an den Kronleuchter hängen soll.

Wofür?

Bringt Wünsche oder so Aber nur, wenn sie einem selbst gehört.

Das heißt, ich verzaubere jetzt ausgerechnet das Glück für eine fremde Frau?

Exakt!

Wir prusteten so sehr vor Lachen, dass erst mein Mann Markus im Zimmer auftauchte:

Ihr Lieben braucht ihr Wasser? Oder was Stärkeres? Ihr habt das ganze Haus erschreckt

Ihre große Liebe hat Annemarie kurz und schmerzlos verarbeitet. Wer einer Fata Morgana hinterherweint, wäre ja verrückt! Sie liebte Fabian, er sie keinen Deut. Wie Opa gesagt hätte: jeder fährt in seinem Kielwasser. Und oft sogar in die Gegenrichtung.

Ganz anders als bei Opas Zinaida. Annemarie kannte ihre Oma nur von Fotos, sie war früh gestorben. Aber das Bild der lachenden Frau mit Zopf im Arbeitszimmer? Die war wie immer da. Wilhelm, ihr Opa, sprach so oft von ihr, dass man fast meinte, sie wäre eben erst aus dem Zimmer gegangen.

Sie hat mich am Leben gehalten, Annemarie. Ihre Liebe. Als ich zur See fuhr, wusste ich: sie wartet. Sie betete. Heimlich, obwohl das verboten war. Vielleicht bin ich deshalb am Leben geblieben. Nach ihrem Tod wars, als wär ich selbst gestorben Bis du kamst. Du bist ihr so ähnlich nicht nur im Aussehen.

Worin noch, Opa?

Im Herzen, Annemarie, im Herzen…

Annemarie warf den roten Slip weg, putzte die ganze Wohnung.

Zärtlich, sagst du? Das war einmal, Opa!

Ein halbes Jahr ging vorbei, und ich merkte, sie erinnerte mich an das kleine Mädchen, das damals die Puppe so entschlossen kahl schnitt, um ihr Unglück abzuschneiden.

Und als sie neulich den älteren Patienten in der Nachtschicht sah, wurde sie kreidebleich. Der alte Herr auf der Trage glich ihrem Opa wie aus dem Gesicht geschnitten

Annemarie geriet völlig aus dem Tritt, aber ich schrie:

Reiß dich zusammen! Er ist schwer dran. Wir holen ihn schon durch.

Die Nacht war anstrengend, doch der alte Herr überlebte. Nun hieß es abwarten.

Wir hatten das oft erlebt Männer, die sich nach einem Schicksalsschlag aufgeben, werden nicht gesund, während die Omas mit mieser Prognose schon nach einer Woche wieder auf den Beinen sind, weil der Opa täglich mit Suppe da steht.

Noch ein Löffelchen, Nini! Für mich!

Ich seufzte, wollte zur Zigarette greifen, doch Annemarie hielt mich auf:

Lass das!

Dann rauch aber du auch nicht! Ich blickte auf den Himmel. Komm, gleich gibts wieder Wolkenbruch.

Gerade als wir gehen wollten, sprang Annemarie erschrocken beiseite: Aus dem Gebüsch trat ein großer, zotteliger Hund.

Mama ich erstarrte: schon als Kind hatte ich panische Angst vor Hunden.

Annemarie stellte sich furchtlos zwischen mich und das Tier:

Na los, weg jetzt! Bruno!

Der Hund beobachtete uns neugierig, blieb aber ruhig, kein Knurren, kein Zähnefletschen als wolle er sagen: Ich gehöre doch dazu!

Sieht aus wie die Plattencover-Hund von Opa, erinnerst du dich? kramte Annemarie ein Sandwich hervor, das sie in der Nacht nicht gegessen hatte.

Was redest du da? Ich verstand gerade gar nichts.

Bei Opa stand so ein Hund immer auf der Plattensammlung. Der, der auf das Grammophon hört. Der hier ist nur doppelt so groß und doppelt so zottelig. Na, komm her! Wie heißt du denn? Magst du Wurst?

Der Hund bewegte sich keinen Zentimeter. Er setzte sich nur, rollte den Schwanz galant ein und neigte den Kopf.

Wir kommen heute nicht heim, was? Ich lugte über Annemaries Schulter. Frisst der mich jetzt?

Sieht nicht hungrig aus Aber du bist schon appetitlicher als meine Wurst, grinste Annemarie, ich stieß ihr in die Seite.

Noch so ein Spruch, und du kriegst zwei Kinder zum Geschenk!

Ich werd einfach nicht auf Montag warten! lachte Annemarie und wich meiner finsteren Miene geschickt aus.

Immer wenn wir einkaufen gingen, packte mich das schlechte Gewissen meine Figur nach zwei Kindern Annemarie lachte:

Hol doch einfach deine Größe, Dickkopf! Soll ich dir die bringen?

Gemeinheit! Ich fang am Montag mit Sport an du wirst schon sehen!

Annemarie lachte wissend. Montag änderte bei mir nie etwas.

Der Hund blieb ließ uns aber nicht vorbei, selbst als der Krankenwagen mit der nächsten Schicht kam.

Annmarie redete strikt mit dem Hund, bis der ältere Fahrer sagte:

Der gibt nicht auf! Ist der treue Opa-Hund. Lief hinter dem Wagen hinterher. Gut, dass wir nicht weit mussten. Treuer Kerl, der Bruno!

So so, Annemarie war plötzlich ganz sanft zu dem Tier. Ein deutscher Hachiko Was machen wir nur mit dir?

Der Hund wollte nur widerwillig mit Annemarie gehen, rollte sich aber schließlich in den Büschen zusammen. Sie filmte ihn kurz:

Ich schicke das deinem Herrchen. Er soll sehen, wie es dir geht!

Am nächsten Tag brachte Annemarie eine Dose Fleisch. Der Hund fraß manierlich, und Annemarie beschloss, ihn mitzunehmen.

Im Krankenhaus suchte sie den Patienten Herrn Karl Herrmann auf.

Sie sind wegen ihm hier, stimmts?

Ich heiße Annemarie.

Ich erkenne Sie

Gut. Sehen Sie mal, was ich Ihnen bringe!

Sie zeigte das Handyvideo. Ein zaghaftes Lächeln glitt übers Gesicht des alten Herrn.

Rudi

Bruno!

Wie bitte?

Hauptsache, Ihr Hund! Er ist die einzige Seele, die an Sie denkt.

Bruno sitzt seit letzter Nacht unter Ihrem Fenster und vermisst Sie. Und Sie machen sich Sorgen! Das kann ich als Krankenschwester nicht dulden. Darf ich ihn mitnehmen, bis es Ihnen besser geht?

Herrmann nickte, verriet Rezepte und fütterte Annemarie mit Geschichten sie hatte nie einen Hund gehabt und wollte alles wissen.

Nach genau zwei Wochen durfte Herrmann nach Hause. Annemarie hatte den Hund inzwischen fest ins Herz geschlossen; jeden Morgen schickte sie dem alten Herrn ein Handybotschaft aus dem Park und ließ Bruno sanft bellen.

Kurz vor der Entlassung drückte Herrmann ihr den Wohnungsschlüssel in die Hand:

Ich habe ja nichts war nur im Pyjama, als ich geholt wurde.

Als Annemarie in die kleine Wohnung kam, stellte sie fest: Bruno lag ganz entspannt in seinem Eckchen als ob er heimgekommen wäre.

Als es an der Tür klingelte, stand ein junger Mann da. Bruno rührte sich nicht. Offenbar kannte er ihn.

Ich bin Annemarie.

Sehr aufschlussreich. Und ich heiße Sebastian. Ist Herrmann zuhause?

Er ist im Krankenhaus ich arbeite dort.

Was ist passiert? Sebastian war wirklich schockiert. Kam eben aus Kiel zurück und niemand da.

Er wird morgen entlassen. Komm am Abend vorbei, dann ist alles erledigt.

Wer holt ihn denn aus dem Krankenhaus? Er hat doch sonst niemanden.

Am nächsten Tag ging Annemarie früh auf Station und verabschiedete sich von ihrem Patienten. Sie versprach, am nächsten Tag vorbei zu kommen Bruno Gassi führen.

Ein Jahr später stand Karl Herrmann bei einer Hochzeit vor der Braut, verbeugte sich galant und bat Annemarie zum Tanz. Sebastian lächelte, machte ihr höflich Platz und neckte seine Frau:

Ich werd’ ja direkt eifersüchtig!

Sei froh, dass ich dich nur mit Bruno betrüge, Annemarie streckte Sebastian die Zunge raus und verbeugte sich tief.

Ist das herrlich! schnalzte der Fotograf.

Nach dem Tanz zog ich Annemarie beiseite.

Unglaublich, nicht? Hat sich bestätigt wer Gutes tut, dem widerfährt Gutes. Hättest du Bruno damals nicht gerettet nie würdest du Sebastian kennen, hättest keinen zweiten Opa gefunden. Herrmann ist Balsam für dich. Ich habe dich lange nicht mehr so gesehen, Annemarie. Und weißt du, was ich glaube?

Was denn?

Dein Opa passt immer noch auf dich auf! Das ist seine Aufgabe, ganz sicher.

Ich habe keinen Zweifel daran!

Annemarie schickte einen Luftkuss in den goldenen Abendhimmel und lächelte.

Am Ende des Tages bleibt mir eines: Was du Gutes hinausgibst, kommt irgendwann zu dir zurück und manchmal macht es Umwege über einen Hund namens Bruno.

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Homy
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