Das Schicksal einer Tochter kann man nicht erkaufen

Das Schicksal der Tochter kann man nicht kaufen

Die Martens hatten nur eine Tochter, Annemarie, die von Geburt an nicht die Kräftigste war. Im Teenageralter stellten die Ärzte schicksalsergeben die Diagnose: Skoliose.

Die Anweisung lautete: viele Sportarten sind tabu, keine schweren Lasten heben; und sollte irgendwann mal eine Schwangerschaft geplant sein, dann bitte erst mit ärztlicher Beratung, denn ein krummer Rücken ist währenddessen nun mal ein Sonderangebot für noch mehr Wirbel.

Annemaries Mutter, Gertrud Martens, setzte alle Hebel in Bewegung, damit die Wirbelsäule des Kindes so kerzengerade wächst wie der Kirchturm in Lübeck. Sie schleppte ihre Tochter zu jedem namhaften Orthopäden, Chiropraktiker und Masseur im ganzen Bundesland, von Sylt bis Berchtesgaden. Sie machte Kreuzfahrten natürlich in Reha-Sanatorien und kündigte am Ende ihren Job, damit sie sich diesem Projekt Gerade Rücken voll und ganz widmen konnte.

Und siehe da, die Anstrengungen zahlten sich aus: Pünktlich zum 18. Geburtstag sah Annemaries Rücken so gerade aus wie das Lineal ihres Mathelehrers. Nur wenn man ganz genau hinschaute, konnte man sehen, dass Annemarie leicht nach links schwankte.

Zu Hause wurde Annemarie natürlich kaum mit Arbeit überhäuft, und als die Schulzeit vorbei war und Annemarie langsam in das heiratsfähige Alter kam, suchte die resolute Mutter den perfekten Bräutigam aus. Die Wahl fiel auf Jonas Rehfeld.

Der Bräutigam

Jonas, 25 Jahre jung, aus gutem Hause, ebenfalls Einzelkind. Gertrud war entzückt:

Stell dir vor, Annemarie, keine lästigen Schwägerinnen oder Schwager, die dir das Leben schwer machen! Da kannst du Jonas um den kleinen Finger wickeln!

Annemarie, die gerade an der Sprossenwand Dehnübungen vollführte, machte ein grimmiges Gesicht:

Na klar, Mama! Jonas guckt garantiert nicht mal in meine Richtung. Der hat doch schon längst eine Freundin!

Wie bitte, welche Freundin denn? Reiß dich am Riemen, Kind!

Das weiß doch die halbe Gemeinde! Er geht mit Katharina Meier aus!

Aha, nickte Gertrud nachdenklich. Dann müssen wir uns wohl ins Zeug legen. Der Jonas ist ein guter Fang, meine Liebe, und um den muss man eben kämpfen! Ich hab damals auch deinen Papa aus der Fange-Meute gerettet und so werd ich Jonas schon unter die Haube bringen!

Die Unruhe

Gertrud Martens war mit allen Müttern im Dorf per Du, auch mit Jonas Mutter, Rosemarie Rehfeld, und natürlich mit Barbara Meier, Katharinas Mama.

Zuerst setzte sie sich zu Rosemarie auf einen Kaffee und brachte geschickt das Thema zukünftige Schwiegertöchter ins Gespräch.

Du, ich hab gehört, dein Jonas trifft sich öfters mit der Katharina Na, da würde ich echt aufpassen!

Wieso denn? wunderte sich Rosemarie. Die Katharina ist doch ein nettes Mädchen, die mag Jonas wirklich, hilft ihrer Mutter im Garten und ist immer höflich zu mir, nennt mich schon Mama!

Tsss, du hast ja keine Ahnung! Die ist zu Hause wie eine kleine Furie: zickig, meckert dauernd ihre Mutter an und lässt sich bedienen wie die Königin von Bayern! Glaub mir, ich kenn die Familie seit Ewigkeiten! Die Barbara heult sich regelmäßig bei mir aus, wie anstrengend die Tochter ist. Die hofft, sie bald heiraten zu können hauptsache weg!

Rosemarie war entsetzt und starrte vor sich hin:

Nee, das kann ich gar nicht glauben! Die kommt doch immer so freundlich rüber

Gertrud schüttelte den Kopf:

Ach, du kennst sie einfach nicht! Wenn du die ins Haus holst, wirst du vom Dienst nicht mehr loskommen.

Ist ja verrückt! staunte Rosemarie weiter. Gut, dass du mich warnst, das hätte mir niemand gesagt! Ich werd Jonas mal klar machen, dass er besser aufpasst, bevor er die Falsche ins Haus holt!

Gertrud nickte zufrieden:

Mach das, Jonas ist ein lieber Junge, ich will nicht, dass er unter die Fittiche einer Zimtzicke gerät. Am Ende bist du noch die Haushälterin!

Mal ehrlich, Katharina war schon ein ziemliches Energiebündel, die konnte ordentlich austeilen.

Als sie Rosemaries Haus verließ, bat Gertrud im Flüsterton, über dieses heikle Gespräch Stillschweigen zu bewahren. Vor allem Jonas und Katharina dürfen von nichts wissen, du kennst das doch: kurz vor der Hochzeit tun sie immer besonders harmlos.

***

Danach zog Gertrud prompt zu Barbara Meier weiter, leerte gemeinsam eine Kanne Tee und spann ihre nächste Intrige:

Hast du gehört, deine Katharina trifft sich immer noch mit Jonas Rehfeld… Nur, dass seine Mutter überhaupt nicht begeistert ist! Die Rosemarie will keine Bäuerinnen zur Schwiegertochter. Die hat in der Stadt schon Kandidatinnen aufgetan.

Da blieb Barbara fast der Teekessel in der Hand stehen.

Wie bitte?!

Gertrud nippt am Tee, nickt:

Sie hat es mir selbst gesagt: Der Jonas soll in der Stadt heiraten, da gibts genug Auswahl.

Barbara war empört:

Aha! Und ich wunder mich, warum Rosemarie bei meinen Andeutungen zur Hochzeit immer nur vage guckt! Das hat sie also mit meiner Katharina vor? Na warte! Ich verbiete Jonas ab jetzt den Zutritt zu unserem Hof! Sollen die mal sehen, was sie an uns haben!

Meinst du, das hält Katharina auf? Pah! Mädchen in dem Alter hören nie auf die Mütter. Steck sie lieber unter Verschluss, bis Jonas mit den Schwiegereltern anrückt, sonst gibts ein kleines Problem und die Börse für Schwiegertöchter sinkt rapide!

***

Gertrud schaffte es, ordentlich Unruhe unter die Dörfler zu streuen. Kaum war der eine Flurfunk gesetzt, ging es am anderen Dorfende schon weiter. Barbara steckte Katharina den ganzen Sommer zur Verwandtschaft nach Bayern, und setzte Jonas die Pistole auf die Brust:

Wenn du wirklich willst, dann komm mit deinen Eltern um offiziell zu fragen, sonst kannst du dir deine Flirtversuche sparen!

Jonas war wenig begeistert, beschwerte sich bei seiner Mutter: Jetzt soll ich gezwungen werden?

Rosemarie aber meinte: Es gibt noch andere Frauen auf dieser Welt, mein Junge!

Gertrud nutzte die Gelegenheit und lotste Annemarie regelmäßig in Jonas Nähe.

Und siehe da: Kaum hatte sich Jonas wieder umgesehen, schon schob Gertrud ihre Tochter wortwörtlich an seine Seite.

Annemarie hielt sich auch nicht lange zurück; sie tröstete Jonas nach dem Streit mit Katharina und schaffte es, dass Jonas sie zur Frau nahm.

Die Hochzeit fand im Eiltempo statt, groß Einladen lohnte nicht, man feierte nur im engsten Familienkreis.

Wie sich Katharina und Barbara Meier gefühlt haben, kann man nur ahnen

Teil 2 Zwanzig Jahre später

Mir ist alles zu schwer klagte Annemarie.

Sie lag auf ihrem Stammplatz der kuschelig-warmen Ofenbank unter dem Dach und spähte nur gelegentlich von dort herunter.

Jonas Rehfeld werkelte währenddessen in der Küche am Herd sah wenig begeistert aus, eher wie ein Mann auf Bewährung.

Ich hätte so Lust auf Pfannkuchen, aber ehrlich ich kann schon nicht mehr!

Dann back sie doch! entgegnete Annemarie.

Ich kann das nicht.

Mensch, du hattest zwanzig Jahre Zeit zum Üben!

Ich hab schließlich ne Ehefrau, die das übernehmen könnte!

Annemarie seufzt schwer und nestelt weiter an ihrer Rückenlehne:

Ich schon wieder! Ich schufte doch die ganze Zeit: erst die Kühe melken, jetzt hab ich schon Rückenschmerzen, nur weil du unbedingt noch ne zweite Kuh kaufen musstest! Jetzt muhen Berta und Elsa im Duett, und mein Rücken fühlt sich an wie ein kaputter Heizkörper!

Jonas rührte an seinem Brei und meinte trocken:

Vielleicht wär die Sache mit dem Rücken besser, wenn du nicht den halben Tag auf der Ofenbank verbringen würdest. Als ich dich geheiratet hab, dachts’te ich eigentlich, du würdest mit anpacken.

Annemarie sprang von der Bank, stemmte die Hände in die Hüften.

Ja klar, meckern kannst du, aber danke sagen? Dass ich dir das Leben verschöne? Nö, zu viel verlangt!

Sie verließ die Küche, warf im Flur einen Blick in den großen Spiegel, kontrollierte ihre molligen Schultern und den weichen Bauch.

Jonas schaute missgelaunt herüber:

Im Ernst, Annemarie du sagtest doch damals, du bist schwanger! Und? Jetzt sitze ich hier kinderlos reingelegt hast du mich, das sag ich dir!

Jonas seufzte und blickte träumend aus dem Fenster. Er dachte an Katharina, die schon seit Jahren mit ihrer Familie in der Schweiz lebte.

Katharina

Zur selben Zeit knetete Katharina Meier irgendwo in Zürich den Hefeteig und dachte wehmütig an die Heimat.

Mensch, wie bin ich hier nur gelandet?

Vor allem ihre Schwiegermutter, Frau Alpiger eine Dame mit der Fröhlichkeit einer Stechuhr nörgelte in bestem Schweizer Hochdeutsch:

Katharina, wie lange brauchst du denn noch? In einer halben Stunde kommt der Franz zum Mittagessen, und du hast nicht mal Zopf gebacken! Bei uns wäre so eine Schwiegertochter was fürs Museum! Wo hat er dich bloß aufgelesen?

Katharina seufzte und biss sich auf die Lippen. Hier in der Schweiz war Widerspruch gegen die ältere Generation tabu und Schutz von daheim gabs sowieso nicht.

Sie belegte den Ofen mit Teig, versuchte auf dem Rückweg in die Küche, nicht in den Spiegel zu schauen. Seit sie sich beim Kochen mit heißem Wasser verbrüht hatte, zog sich eine Narbe über ihre linke Wange.

Statt Mitgefühl bekam sie ein Stirnrunzeln von ihrer Schwiegermutter und einen tadelnden Blick vom Mann:

Wieso bist du so ungeschickt? Du bist doch gesund, das war immer so!

Katharina schwieg, niemand verstand sie so recht. Der Mann, einst verliebt wie Bolle, war nach der Hochzeit deutlich ruhiger und stand ohnehin unter Mutters Pantoffel.

Wieso tust du meiner Mutter immer widersprechen, Katharina? Du weißt doch, hier entscheidet meine Mutter! Wenn das nicht besser wird, reiche ich die Scheidung ein.

Doch wie Katharina sich auch mühte, es reichte Frau Alpiger nie.

Am nächsten Tag verkündete ihr Mann stolz:

Übrigens, morgen bring ich meine neue Frau mit sie heißt Zita!

Katharina klatschte entgeistert das Backblech auf den Tisch:

Wie bitte? Wir sind doch verheiratet!

Na und? Hier ist das eben so! Meine Mutter meint, du schaffst das nicht. Aber keine Sorge, du und Zita, ihr versteht euch bestimmt prima!

Die Schwiegermutter war plötzlich selig, küsste ihren Sohn.

Katharina tobte und kündigte an, die Scheidung einzureichen.

Das bedeutete aber: Der Haushalt und insbesondere das Haus gehörte der Schwiegermutter. Im Ernstfall stand sie dann mit leeren Händen da.

Der Ehemann sagte zum Abschied noch gönnerhaft:

Denk dran, wer du sein willst: meine Katharina oder eine Fremde.

Katharina schüttelte nur den Kopf und zog aus.

***

So landete Katharina wieder in Norddeutschland ohne Ehemann, ohne Tochter.

Die Eltern nahmen sie stillschweigend auf. Mutter seufzte irgendwann:

Ach, Tochter, wir wollten dich vor Jonas beschützen am Ende hättest du vielleicht den Ausländer lieber loswerden sollen. Schau dich an! Jung und hübsch warst du, jetzt bist du mit einer Narbe im Gesicht zurück und ohne alles! So einen Schwiegersohn braucht kein Mensch!

***

Als sie hörte, dass Katharina endgültig zurück war, bekam Annemarie fast einen Schreck.

Mit Jonas war die Ehe im Eimer, Kinder gabs keine weil Mutter Gertrud ihr jahrelang eingetrichtert hatte, nach einer Schwangerschaft könne sie sich gleich einen Krückstock kaufen. Annemarie hatte also nie gewagt, Mutter zu werden und schob es weiter auf die Rückengesundheit.

Jonas erledigte deshalb alles im Haus, Annemarie schlüpfte in die Rolle der Krankenschwester auf Lebenszeit.

Bis zu jenem Tag, als Schwiegermutter Rosemarie Annemarie unerwartet aus dem Schönheitsschlaf riss.

***

Rosemarie hüpfte durchs Haus, rief nach Annemarie. Da kroch diese auch schon von der Ofenbank.

Na, Annemarie, verschlafen? Mitten am Tag?

Ich? Überhaupt nicht, mir gehts nur nicht gut, rechtfertigte sich Annemarie.

Rosemarie schüttelte den Kopf:

Ich wollte das ja nie glauben, aber hier siehts aus, als hättest du seit Jahren nichts mehr gemacht. Der Garten überwuchert, die Fenster sind blind, bei euch wächst schon Moos an der Decke!

Na, und? Soll ich mit krummem Rücken auf die Leiter? Willst du mich umbringen? Machs doch selbst, bist ja eh Rentnerin und hättest Zeit!

Rosemarie schnalzte mit der Zunge:

So viel zum Thema Rückenschmerzen. Ich hab Bluthochdruck und halt den Laden trotzdem sauber! Ich tu euch jetzt was Gutes. Ich hab eine Haushaltshilfe organisiert.

Und dann öffnete sie die Tür Annemarie sackte fast zusammen.

Katharina?!

Annemarie war schlagartig wach.

Das bist du?!

Die alte Rivalin lächelt:

Ja, ich bins! Hallo, Annemarie!

Annemaries Blick wanderte prüfend über Katharinas Gesicht:

Ui, was hast du denn mit deinem Gesicht gemacht?

Kleiner Unfall, hab mich verbrannt.

Kleiner?! Das nennst du klein? Das ist doch riesig!

Katharina wurde rot und legte verlegen die Hand auf die Wange.

Annemarie kicherte innerlich und ließ etwas Schadenfreude durchblitzen.

Rosemarie erklärte sachlich:

Katharina sucht Arbeit, braucht ganz dringend Geld. Sie hilft ab jetzt im Haus. Und keine Sorge, Annemarie ich zahle sie. Du verdienst ja eh nix.

Annemarie knurrte, aber stimmte notgedrungen zu.

Rosemarie zeigte Katharina das Haus und verschwand. Annemarie rümpfte die Nase:

Und? Was hat dich wieder nach Deutschland gezogen?

Ach, Heimweh, lächelte Katharina und holte Wasser.

Und was willst du machen?

Erst mal putzen Decke, Fenster, dann der Boden.

Und wer kocht?

Katharina hob die Brauen: Willst du ernsthaft sagen, du kannst noch nicht mal das? Annemarie, was fehlt dir wirklich?

Als ob ich meine Probleme mit dem Dienstmädchen teile!

Katharina seufzte nur leise und legte los.

***

Jonas kam von der Arbeit und stutzte, als er Katharina am Fenster sah.

Du?

Er räusperte sich:

Katharina?

Genau. Deine Mutter hat mich eingestellt. Ich mach hier sauber.

Jonas schaute ihr mitfühlend ins Gesicht.

Wie ist das passiert?

Katharina schaute etwas traurig:

Unfall in der Küche. Schon okay. Ich putz nur die Decke fertig.

Beim Abendessen machten Jonas und Annemarie zwar gute Miene, doch der fade Suppengeschmack trieb Katharina am nächsten Tag an den Herd und siehe da, endlich schmeckte es nach Zuhause.

Katharina riss die Familie aus dem Winterschlaf; sie kochte, putzte, brachte frischen Wind.

Annemarie aber glaubte weiterhin, Jonas würde niemals auf eine Frau mit einer Narbe hereinfallen.

Falsch gedacht.

Jonas begriff schnell, dass Katharina sich mehr um ihn kümmerte als seine Ehefrau. Und als ihm klar wurde, dass auch Katharina ihm nicht gleichgültig war, fasste er sich ein Herz:

Katharina, darf ich dich heimbringen?

Sie zierte sich:

Was sollen die Leute sagen? Du bist schließlich verheiratet!

Jonas druckste:

Du siehst ja, wie unsere Familie läuft. Ich habe damals einen Riesenfehler gemacht.

Katharina lächelte schief:

Ach, Jonas. Ihr Männer macht euch alles leicht. Aber willst du wirklich mich oder nur eine bessere Haushälterin?

Sie ließ ihn stehen, Annemarie lauschte heimlich im Busch.

***

Annemarie begann zum ersten Mal nachzudenken. Sie beobachtete Katharina mit Ehrfurcht, weil die nicht sofort in Jonas Arme stürmte. Und sie bemerkte, wie sie sich selbst ausgebremst hatte.

Eines Tages sprach sie es aus:

Weißt du, Katharina, ich beneide dich. Du bist wie ein Wirbelwind, hast Energie für zwei Häuser und ich schiebe seit zwanzig Jahren nen Bandscheiben-Bonus vor.

Katharina putzte gerade mit Schwung die Polster, sah auf:

Das Leben ist kurz! Wozu die ganze Zeit an Rücken denken? Du hast die besten Jahre auf dem Sofa verbracht. Ich hab eine Tochter, die auch schon verheiratet ist! Schau mich an mir tut auch mal das Kreuz weh. Aber ich will leben! Willst du am Ende alt und klapprig werden, nur weil du nichts riskiert hast?

Annemarie ging nachdenklich in den Garten.

Sie betrachtete jetzt ihre Welt neu.

Sie hat recht, murmelte sie. Ich habe das Leben verpasst.

Epilog

Während Jonas seinen Gefühlen zu Katharina nachhing, riss sich Annemarie zusammen. Sie jammerte weniger, half im Garten, kochte, wurde fleißiger und siehe da, sie wurde tatsächlich schwanger.

Gertrud, die Mutter, war außer sich:

Kind! Nun hast du nicht auf mich gehört und bist schwanger! Das geht doch nicht mit deinem Rücken! Du musst das Kind abgeben, schaffst das nicht! Oder verlang wenigstens eine Nanny natürlich bezahlt von der Schwiegermutter!

Aber siehe da, von sämtlichen Horrorgeschichten blieb Annemarie verschont dem Rücken gings blendend.

***

Jonas vergaß nach der Geburt alle Schwärmerei für Katharina. Sie gab ihm auch keinen Grund, bei ihr zu landen.

Dazu tauchte plötzlich Katharinas Ex-Mann Franz aus der Schweiz auf mit Koffern und einem Kuvert:

Ich hoffe, du schmeißt mich nicht raus, Katharina. Ich hab meiner Mutter in Zürich erzählt, dass mein Platz bei dir ist, und sie hats verstanden. Hier bin ich!

Und was ist mit deiner jungen Frau?

Franz winkte ab:

Ach, ohne dich ist das alles nichts. Hier das Geld, und die Adresse eines Arztes, der dir die Narbe entfernt. Ich hab sofort zu sparen begonnen, als es passiert ist.

Katharina kämpfte mit den Tränen:

Du hast an mich gedacht? Aber ich habe doch nichts

Franz zuckte die Schultern:

Am Anfang leben wir bei deinen Eltern, später such ich Arbeit, und dann wer weiß! Vielleicht kaufen wir uns gemeinsam ein kleines Häuschen.

Und so umarmte Katharina ihn vorsichtig und konnte es kaum glauben: ein Mann, den sie schon abgeschrieben hatte, kam für sie zurück.

Tja, das Schicksal einer Tochter das kann man in Deutschland genauso wenig kaufen wie anderswo.

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Homy
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Das Schicksal einer Tochter kann man nicht erkaufen
Lkw-Fahrer bringt von seiner Tour eine Frau mit.