Frisch gebackene Piroggen direkt auf dem Küchenboden – typisch deutsche Backtradition mit einem Augenzwinkern

Brötchen auf dem Boden

Klara stellte mit einem leisen Seufzen einen dampfenden Teller Erbsensuppe vor Markus auf den Tisch und setzte sich ihm gegenüber. Die Suppe war gut geworden, kräftig im Geschmack, mit einem Klecks saurer Sahne darauf. Drei Stunden hatte sie gekocht, während ihr Mann irgendwo zwischen S-Bahnhof und Stau von der Arbeit nach Hause kam.

Markus griff nach dem Löffel, rührte die Suppe einmal um, dann legte er ihn wieder zurück.

“Hab keinen Hunger,” murmelte er, ohne den Blick vom Handy zu heben.

“Gar nicht? Du hast doch heute Morgen nichts gegessen.”

“Ach, Klara, ich will einfach nicht. Musst du mich jetzt ausfragen?”

Sie widersprach nicht. Sie stand auf, räumte seinen Teller weg, nahm sich eine halbe Portion, aber essen konnte sie auch nicht. Die Suppe war gut. Nur, mit wem sollte sie sie teilen?

Draußen wurde es langsam dunkel über den roten Ziegeldächern von Stuttgart-Hedelfingen. Die Straßenlaternen warfen glühende Kreise auf den Bürgersteig, aus den Nachbarhäusern flimmerten die blauen Lichter des Fernsehers. Ein gewöhnlicher Herbstabend, irgendwann Mitte der Woche. Nichts Besonderes.

“Wie wars bei der Arbeit?” fragte Klara, wohl wissend, dass keine echte Antwort mehr kam.

“War okay.”

“Gab’s Ärger?”

Markus hob zum ersten Mal den Kopf vom Display, schaute sie müde an, leicht genervt, wie jemand, der die gleiche Frage schon oft genug beantwortet hat.

“Klara. Ich bin müde, verstehst du? Einfach nur müde. Den ganzen Tag Sitzungen, dann Stau. Lass mich heute wenigstens Ruhe haben.”

“Ja, okay”, sagte sie leise.

Sie spülte das Geschirr. Er saß im Wohnzimmer, wischte weiter durchs Handy, dann ließ er gedankenverloren den Fernseher laufen, zappte durch die Programme, blieb nirgends hängen. Als Klara mit einem Handtuch vorbeiging, bemerkte er sie nicht einmal.

So saßen sie im selben Raum, aber in ganz verschiedenen Welten.

Gegen halb zehn wagte Klara einen Versuch.

“Du, vielleicht fahren wir am Wochenende zu deiner Mutter? Sie hat uns schon lange nicht mehr zusammen gesehen. Sie vermisst uns.”

Markus verzog das Gesicht.

“Ach, muss das sein? Warum hinfahren?”

“Sie hat doch angerufen. Sie wollte ”

“Klara. Ich krieg das jede Woche von dir zu hören. Du kannst ja alleine hin. Sie freut sich auch, wenn du kommst.”

“Sie will aber UNS beide sehen, Markus. Nicht nur mich.”

Er zuckte mit den Schultern.

“Morgen wieder Sitzung bis spät, am Freitag auch. Vielleicht ein anderes Mal.”

Klara nickte. Vielleicht ein anderes Mal diese Antwort galt jetzt seit vier Monaten für alles: für die Schwiegermutter, fürs Kino, für einen Besuch bei Anja aus der alten Arbeitsstelle, fürs Spazierengehen im Park. Immer wurde verschoben. Immer nächstes Mal. Klara schwieg, ging in die Küche, stellte den Wasserkocher an und starrte minutenlang ins düstere Fenster, während das Wasser kochte.

Zwölf Jahre waren sie jetzt verheiratet. Zwölf Jahre kochte sie Suppe, bügelte Hemden, versuchte alles glatt zu ziehen, zwischen Reibungen kleiner Frieden zu stiften. Sie war nie laut gewesen, hatte nie gefordert, keine Szenen gemacht. Die Nachbarinnen im Treppenhaus sagten manchmal: Du hast einen ruhigen, häuslichen Mann, Klara. So ein Glück. Klara lächelte, nickte. So hatte sie es auch empfunden. Ruhig. Beständig. Vertraut.

Nur war es in den letzten Monaten besonders still geworden. Nicht behaglich still. Einfach leer.

Sie trank ihren Tee und las ein Buch. Markus kam um halb zwölf ins Schlafzimmer, drehte sich zur Wand und schlief nach drei Minuten ein. Klara lag lange wach und starrte zur Decke.

***

Hildegard Schäfer, die Mutter von Markus, rief am nächsten Tag während Klaras Schicht an.

Acht Jahre arbeitete Klara schon an Kasse vier im großen EDEKA am Ostendplatz. Sie kannte gut die Hälfte der Nachbarn, wusste, wer Diätprodukte kaufte, wer Babybrei brauchte, wer jeden Freitag die gleiche Flasche Wein aufs Band legte. Die Arbeit war nicht schwer, aber ihre Füße taten am Ende des Tages weh. Das Gehalt war bescheiden. 1.200 Euro netto. Markus erinnerte sie gern daran, besonders wenn sie sich etwas gönnen wollte.

Das Handy vibrierte in der Schürzentasche während der Mittagspause.

“Klarchen, hier ist die Hildegard,” säuselte die bekannte, halb vorwurfsvolle Schwiegermutterstimme. Sie bereitete sich förmlich schon darauf vor, dass die Schwiegertochter sich schuldig gemacht hatte.

“Guten Tag, Hildegard.”

“Hast du dem Markus was Ordentliches zu essen gemacht? Er sagte gestern am Telefon, er ernähre sich mittlerweile von Butterbroten! Ich fragte isst du denn nicht zuhause? Und weißt du, was er sagt? ‘Na ja, Mama…'”

Klara zögerte kurz.

“Ich hab gestern Erbsensuppe gekocht. Wollte er nicht, hatte keinen Hunger.”

“Vielleicht wollte er dich nur nicht kränken. Er war immer einer, der still gelitten hat. Von klein auf. Er sagt nie, wenn ihm was fehlt.”

Klara schloss die Augen. Leiden. Markus leidet wegen ihrer Suppe. Ihrer guten, kräftigen Suppe.

“Auf der Arbeit isst er angeblich nur Tütensuppen. Er sieht ganz abgemagert aus. Mir tut das Herz weh, Klarchen!”

“Hildegard, er isst jeden Tag zuhause. Ich koche wirklich.”

“Ich sag ja nicht, dass du nicht kochst. Ich sage nur… Markus ist dünn geworden. Vielleicht kauf ich ihm Vitamine? Oder ich bring Brötchen vorbei? Selbstgemachte natürlich!”

“Nein, danke… Das mache ich selbst”, sagte Klara.

Nach dem Gespräch saß sie noch einen Moment im Personalraum, starrte ihren kalten Tee an, dann stand sie auf und ging wieder an die Kasse.

Den Rest des Tages, während sie Quark, Waschmittel und Tiefkühl-Pelmeni über den Scanner zog, kreiste ihr Kopf um ein Thema: Sie müsste Brötchen machen. Am besten seine Lieblingsbrötchen mit Sauerkirschen. So hatte ihre Mutter immer gebacken, sonntags, als sie klein war. Der süßsäuerliche Duft von Kirschen in Hefeteig war für Klara Kindheit.

Nach Feierabend kaufte sie aus ihrem Geld ein: Mehl, Hefe, Zucker, Butter. Zwei Tüten tiefgefrorene Sauerkirschen.

Zu Hause arbeitete sie bis acht Uhr abends. Der Hefeteig wollte langsam gehen, wie immer. Klara rollte ihn aus, stach Kreise mit einem Glas aus, rührte die Füllung extra an ein bisschen zu süß, sie gab Zitronensaft dazu. Jetzt passte es.

Als die Brötchen goldbraun im Ofen waren, rief sie Markus an.

“Bist du heute spät dran?”

“Bleib bis neun, schätze ich.”

“Ich bring dir was zu essen vorbei du hast doch auf der Arbeit nichts Richtiges!”

Kurze Pause.

“Klara, lass das. Muss echt nicht sein.”

“Ich habe schon gebacken.”

“Dann lass die Brötchen hier. Ich esse später.”

“Aber ich will sie dir bringen. Frisch sind sie am besten. Sag mir die Adresse, ich stelle sie an der Pforte ab.”

Noch eine Pause. Dann die Stimme, abgeklärt, matt:

“Na gut… aber nur ganz kurz. Arbeit ist noch nicht fertig hier.”

“Ich bring nur die Brötchen an die Tür. Dann fahr ich wieder.”

Sie steckte die Brötchen in einen Beutel, wickelte sie in ein Küchentuch, damit sie warm blieben. Zog den Mantel an, band sich vor dem Spiegel die Haare zusammen. Ein gewöhnliches Gesicht, nichts Besonderes. Vierunddreißig Jahre, ein wenig müde, aber die Brötchen waren wirklich gut.

Sie machte sich auf den Weg.

***

Das Bürogebäude von Spedition Krämer lag im Industriegebiet, eine halbe Stunde von ihrer Siedlung entfernt. Glasfassade, Pförtner, Drehkreuze. Klara rief Markus von unten an. Keine Antwort.

Sie wartete fünf Minuten. Versuch zwei. Keine Antwort.

Der Pförtner sah sie verständnisvoll an. Klara erklärte, sie bringe ihrem Mann Essen, der habe noch Sitzung. Der Pförtner sagte, ohne Ausweis gehe es nicht. Aber wenn Sie die Stahltreppe hinter dem Haus nehmen, kommen Sie auf den Raucherbalkon. Von da geht meistens die Tür zum Flur. Unsere Frauen machen das oft so. Er wandte sich wieder seinem Bildschirm zu.

Klara fand die Stahltreppe, stieg hinauf. Die Balkontür stand offen. Ein Flur mit Neonlicht und lauter identischen Bürotüren, aus den Räumen klang der Geräuschpegel von alten Rechnern. Sie suchte die Schilder ab: “Logistik”.

Hinter der Ecke hörte sie Stimmen.

Kurz verstand sie nicht, dass die Männerstimme Markus gehörte. Noch blieb sie stehen, instinktiv, weil man fremde Gespräche ungern stört.

Dann erkannte sie ihn.

“Und wann lässt du dich endlich scheiden von deiner langweiligen Hausmannskost?”

Junge Frauenstimme, leicht kokett.

Jana, hab ein bisschen Geduld. Es ist alles in Arbeit.

Markus.

Das sagst du seit Monaten. Ich hab es satt, Geheimnis zu sein!

Ich regel das. Es sind nur Formalitäten. Sie ist… öde, verstehst du? Wie fade Suppe. Mit ihr gibt’s nie was zu reden. Gewohnheit, zwölf Jahre, das ist nicht so einfach…

Dann lebe weiter mit deiner Gewohnheit.

Jana. Komm schon…

Ein Rascheln. Dann Schweigen.

Klara stand hinter der Ecke. Den Beutel mit den Brötchen umklammerte sie so fest, dass ihre Finger weiß wurden. Das Küchentuch war nicht mehr warm.

Plötzlich öffneten sich ihre Hände.

Der Beutel fiel. Die Brötchen purzelten heraus, die Kirschen kullerten über den grauen Linoleumboden, kleine dunkelrote Kugeln rollten davon. Eines davon bis fast zur Ecke.

Sie wusste nicht mehr, wie sie aus dem Gebäude kam. Die Treppe, die kalte Abendluft. Sie lief einfach los, Richtung Bushaltestelle. Das Handy klingelte, sie blickte nicht drauf. Irgendwann blieb sie stehen.

Ein Bus kam, sie stieg ein.

Der Bus war fast leer. Vorne drei Leute, eine Rentnerin mit Einkaufstasche, zwei Jugendliche mit Kopfhörern. Klara setzte sich ganz nach hinten und starrte ins dunkle Fensterglas. Ihr Gesicht spiegelte sich erst erkannte sie sich nicht, dann doch, und sie wandte sich ab.

Die Tränen kamen stumm, ohne Schluchzen. Einfach flossen sie, und Klara ließ sie.

“Da,” sagte plötzlich eine Stimme.

Sie schaute auf.

Ein Mann saß neben ihr. Vielleicht Mitte vierzig, kräftige Schultern, Arbeitsjacke, abgetragen, aber ordentlich. Windgegerbtes Gesicht. Er hielt ihr ein Stofftaschentuch hin.

Klara nahm es, ohne zu wissen warum. Sie wischte die Tränen ab.

“Danke.”

Er nickte, rückte ein Stück ab, aber nicht so, dass sie sich verloren alleine fühlte.

“Ich frage nicht, was war,” sagte er ruhig. “Ist nicht meine Angelegenheit.”

Sie nickte.

Eine Weile fuhren sie schweigend. Menschen kamen und gingen. Klara dachte dabei nur an die Kirschen, die jetzt auf dem Linoleumboden im Büro lagen. Jemand trampelt drauf. Zerquetscht sie.

“Schau,” sagte der Mann plötzlich, in die Leere gesprochen, nicht direkt zu ihr. “Wenn an einer Suppe das Salz fehlt, ist doch nicht die Suppe schuld. Nur der Koch hat’s vergessen. Das liegt nicht an dir. Mach dich nicht fertig.”

Sie schaute ihn an. Er blickte aus dem Fenster.

“Woher”

“Ach, Lebensbeobachtung”, zuckte er die Schultern. “Nicht nur auf Suppe bezogen.”

Der Bus bremste.

“Meine Haltestelle,” sagte der Mann, stand auf, zog die Jacke zu. “Verlier lieber nicht mein Taschentuch. Ich such das schon ewig.”

Das war als Scherz gemeint. Klara lächelte kaum, aber in ihrer Brust löste sich für einen Moment etwas.

“Wie heißen Sie?” wollte sie noch wissen, aber da schloss sich schon die Tür.

Er hörte es nicht mehr, blickte nicht zurück. Der Bus fuhr an.

Klara hielt das Taschentuch fest und sah zu, wie der Mann mit dem sicheren Schritt eines, der weiß wohin er geht, zum Bordstein lief.

***

Markus war schon zu Hause, als sie zurückkam.

Sie wusste nicht, wie er es vor ihr geschafft hatte. Vielleicht war er gleich gefahren, als er die Brötchen sah. Oder jemand hatte ihn angerufen. Vielleicht wusste er es instinktiv.

Er stand im Wohnzimmer. Mit einem Gesicht, das sie an ihm noch nie gesehen hatte. Nicht schuldbewusst. Sondern voller Ärger.

“Warum bist du überhaupt dahin gekommen?”

Klara zog langsam den Mantel aus, hängte ihn weg. Ihre Hände waren ruhig. Sie staunte über sich selbst.

“Ich hab dir Brötchen gebracht.”

“Ich habe gesagt, du sollst nicht!”

“Ja, hast du.”

Sie ging in die Küche, stellte den Wasserkocher an. Markus kam ihr nach.

“Du hast im Büro eine Szene gemacht! Verstehst du das? Kollegen haben dich gesehen! Das ist meine Arbeit, Klara.”

“Ich habe keine Szene gemacht. Ich bin einfach gegangen.”

“Du hast die Brötchen durch den ganzen Korridor verstreut! Der Pförtner hat es gesehen, Kollegen auch!”

“Es tut mir leid. Ich war abgelenkt.”

Er sagte nichts. Dann holte er etwas aus der Jackentasche, legte es wortlos auf den Tisch: Ein Tütchen von Rossmann.

“Hier. Ich hab’s gekauft, wo du schon mal gekommen bist. So ist es wenigstens zu was nütze.”

Klara sah auf das Tütchen. Sie nahm es nicht.

“Liebst du mich, Markus?”

Stille.

“Klara, was ist das für eine Frage?”

“Liebst du mich? Einfach nur: Ja oder Nein.”

Er wandte sich dem Fenster zu.

“Das ist kompliziert. Zwölf Jahre…”

“Alles klar,” sagte Klara.

“Was meinst du denn damit?”

“Nur: alles klar.”

Der Wasserkocher pfiff. Sie goss keinen Tee auf, sondern schaltete ihn aus und ging ins Schlafzimmer.

Markus folgte ihr. Die Stimme wurde lauter, schärfer. Er redete von ihrer Opferrolle, dass sie nie redet, immer schweigt, “wie ein Automat an ihrer armseligen Kasse für 1.200 Euro rumsitzt” und denkt, das sei ein Leben.

Klara öffnete den Schrank, holte einen Koffer.

“Was machst du?”, fragte er fassungslos.

Sie antwortete nicht, packte ruhig: Jeans, Pullover, Unterwäsche, Pass und andere Unterlagen aus der Kommode.

“Wer will dich schon mit 1.200 Euro? Du verschwindest doch, niemand wird dich nehmen! Nur an der Kasse bist du zu gebrauchen!”

Sie schloss den Koffer. Das leichte Klicken war ein überraschend gutes Gefühl: klar, eindeutig.

“Anna?” Sie rief ihre Freundin an. “Kann ich heute zu dir kommen? Ja… Ich bin in einer Stunde da. Danke dir.”

Sie nahm den Koffer, ihre Tasche, den Pass, das Handyladekabel. Aus dem Kühlschrank die Tafel bittersüßer Schokolade, ihr Geheimvorrat, weil Markus immer schimpfte, wenn sie Süßes aß.

“Klara… Klara, warte! Wir können doch mal vernünftig reden!”

Am Flur zog sie Stiefel an und hob den Koffer.

“Machs gut, Markus.”

Die Tür fiel ins Schloss.

Auf dem Treppenabsatz zögerte sie eine Sekunde. Vielleicht kommt er raus. Kommt er aber nicht. Also ging sie die Stufen runter.

Draußen war es kalt. Sie rief ein Taxi, stand vor dem Haus und sah noch einmal hoch zu ihren erleuchteten Fenstern. Seinen Fenstern. Markus hatte die Wohnung gekauft, bevor sie zusammenkamen. Zwölf Jahre war es ihr Zuhause gewesen.

Das Taxi kam. Klara stieg ein und fuhr zu Anna.

***

Anna Vogt war schon Großstadtfriseurin, da trug Klara noch Zöpfe. Im eigenen kleinen Salon in Cannstatt schnitt sie seit zwanzig Jahren Haare: “Frisurvolltraum” der Name war ein Witz, aber Kundschaft hatte sie immer genug. Anna war laut, mit farbigen Ohrringen und stets frisch lackierten Nägeln. Sie waren seit der Grundschule befreundet. Bei Klaras Hochzeit war Anna die, die im knallroten Kleid hinter ihr stand und ins Ohr flüsterte: Klara, hübsch ist er ja, aber langweilig. Nur, dass dus weißt. Damals hatte Klara sich gekränkt.

Jetzt saß sie bei Anna in der Küche, trank Tee mit selbstgemachter Himbeermarmelade und erzählte. Alles. Ohne Auslassen.

Anna hörte zu. Das war ungewohnt. Meist unterbrach sie pausenlos. Aber heute nur Zuhören.

Als Klara endete, holte Anna aus dem Schrank eine gute Flasche Rotwein, füllte zwei Gläser.

“So”, sagte sie. “Darauf, dass du gegangen bist, bevor er dich rauswarf.”

Sie tranken.

“Anna, mir ist so elend.”

“Ich weiß.”

“Zwölf Jahre, weißt du? Zwölf Jahre…”

“Ich versteh’s.”

“Ich wusste es alles nicht. Oder… wollte es nicht wissen.”

“Schau”, sagte Anna. “Heul dir heute Nacht die Augen aus, morgen auch noch ein bisschen. Aber dann bitte, jetzt fang an zu leben. Du bist vierunddreißig. Das ist kein Alter. Absolut nicht.”

“Leicht gesagt.”

“Mag sein. Aber ich meine es ernst. Du hast doch den Buchhalterabschluss, oder? Du hast doch die Abendschule gemacht?”

Klara sah überrascht auf.

“Ja… Aber ich hab nie in dem Beruf gearbeitet…”

“Fehler. Du zählst an der Kasse seit acht Jahren Geld, bist ordentlich. Rechne nicht nur den Leuten die Einkaufswagen zusammen bewerb dich als Prüferin, als Buchhalterin, irgendwo im Handel… aber bitte nie mehr an die Kasse!”

“Klar, ohne Erfahrung nimmt mich keiner.”

“Natürlich nimmt dich wer. Du bist nicht dumm du hast es nur vergessen.”

Klara schwieg, sah die Himbeermarmelade im Glas funkeln tiefrot, schön.

“Schlaf heute im Gästezimmer”, sagte Anna. Morgen überlegen wir weiter.

Drei Tage wohnte Klara bei Anna. Am vierten brachte Anna sie in den Salon.

“Ich will nicht zum Friseur.”

“Ich hab dich nicht gefragt.”

Anna schnitt selbst. Klara saß im Stuhl, betrachtete im Spiegel, wie ihr Gesicht sich durch den neuen Schnitt veränderte. Anna färbte die Spitzen karamellblond, die Haare wurden kürzer als sonst. Ihr Gesicht… war anders. Nicht fremd. Einfach anders.

“Schau”, sagte Anna stolz. Das bist jetzt du.

“Ich hatte immer lange Haare. Markus mochte das.”

“Markus ist nicht mehr der Oberboss über dich. Merk dir das. Gefällt es dir?”

Klara nickte langsam.

“Ja, gefällt mir”, flüsterte sie. Und es war wahr.

***

Sie schrieben den Lebenslauf zusammen abends am Küchentisch. Anna diktierte, Klara protestierte, “das klingt doch angeberisch”. Anna lachte: “Genau so soll es klingen!”

Acht Jahre Einzelhandelserfahrung, Kassenverantwortung, Grundkenntnisse Buchhaltung, Abschluss, Online-Kurse in Steuerrecht. Anna lud das Profil auf mehreren Jobbörsen hoch.

Der erste Anruf kam nach zwei Tagen.

Eine kleine Stuttgarter Großhandlung für Bauzubehör suchte eine Junior-Prüferin. Praxis im Handel gewünscht.

Klara erschien zum Vorstellungsgespräch in ihrem eigenen Mantel, dem, in dem sie noch die Brötchen getragen hatte. Anna wollte ihr etwas ausleihen, aber Klara verneinte sie wollte sie selbst sein.

Das Gespräch leitete Frau Winter, die Chef-Buchhalterin, eine Frau um die Fünfzig mit einem Blick, als könne sie Menschen sofort preislich einschätzen.

Sie haben keine Revisionspraxis.

Nein. Aber acht Jahre mit der Kasse gearbeitet. Ich weiß, wo die Fehler zu finden sind ganz unten.

Frau Winter hob die Braue.

Wie meinen Sie das unten?

Naja, die meisten suchen von oben: Listen, Zahlen. Ich sehe, wie viel bei mir durch die Kasse lief, wie viele Rückgaben, was fehlt. Das spüre ich. In den Fingern, sozusagen.

Pause. Dann:

Wann könnten Sie anfangen?

Klara begann eine Woche später.

Der erste Monat war hart. Andere Programme, neue Abläufe, neue Fachbegriffe. Sie kam früher, blieb länger, machte Notizen, las abends nach. Frau Winter war streng, aber fair. Junge Kollegin Rita half gern, ohne Herablassung.

Im zweiten Monat entdeckte Klara einen Fehler in der Warenannahme klein, aber systematisch. Sie schrieb intern den Hinweis. Frau Winter sagte: Gut gemacht. Genau das meine ich.

Danach wurde Klaras Rücken etwas gerader.

Sie mietete ein Zimmer bei einer alten Dame in Gablenberg, zwei S-Bahnstationen von der Arbeit entfernt. Winzig, aber eigenständig. Die Vermieterin, Frau Fuchs, war ruhig, diskret und brachte manchmal Suppe vorbei. Musst essen, Klara, du bist jung. Klara aß und sagte Danke.

Markus rief einige Male an. Erst zornig, dann beleidigt, schließlich nüchtern. Wir müssen Formulare ausfüllen, Klara, wo wohnst du jetzt, Wohnungskram regeln. Klara blieb sachlich, kurz. Die Scheidung lief ohne Drama. Ein Nachbar half als Anwalt, günstig und gründlich.

Hildegard, die Schwiegermutter, rief ein Mal, redete lang. Am Ende sagte sie: Du weißt, wie Markus ist vielleicht überlegt er es sich noch mal. Klara erwiderte: Alles Gute für Sie, Hildegard. Und legte auf.

Anna rief täglich an. Sie trafen sich manchmal am Wochenende, aßen Kuchen, redeten. Das Leben begann sich neu zu ordnen ungewohnt, fremd, aber nicht schlecht.

Klara dachte manchmal an den Mann im Bus. Wenn an der Suppe das Salz fehlt Ein einfacher Satz, nichts besonderes. Aber er blieb hängen, tauchte auf, wenn sie im Spiegel das neue Gesicht sah.

***

Das Café Zur Rast lag an einer großen Kreuzung, gleich um die Ecke der neuen Firma. Schlichte Plastikstühle, karierte Tischtücher, ehrliche deutsche Hausmannskost. Nach ein paar Wochen wurde es Klaras Stammplatz zur Mittagspause.

Ein halbes Jahr verging. Ende April, das laue Licht lockte erstes Grün hervor, überall duftete es nach Aufbruch.

Klara betrat zur Mittagszeit das Café, nahm Erbsensuppe und Frikadellen mit Kartoffelbrei und blickte nach freien Plätzen. Nur am Fenster war noch frei dort saß ein Mann in Arbeiterjacke.

Sie stellte ihr Tablett an einem Nachbartisch ab, machte sich fertig zum Alleinsein.

“Du hast mein Taschentuch nie mehr zurückgegeben.”

Sie blickte auf.

Es war der Mann aus dem Bus wettergegerbtes Gesicht, breitschultrig, ruhige Stimme, leicht spöttisch.

Klara brauchte einen Moment.

Du? Aus dem Bus?

Genau. Und ich seh, es geht dir besser.

Du erinnerst dich an mich?

Jemand, der Tränen und Kirschen im Gesicht hat das bleibt.

Klara musste lachen. Plötzlich war ihr witzig zumute, der Lacher kam überraschend und echt.

Ich heiße Sebastian, sagte er.

Klara.

Ein schöner Name.

Danke. Kommst du oft her?

Fast jeden Tag. Bin bei der städtischen Straßenbaufirma, wir machen den Bezirk. Ich bin Vorarbeiter.

Darum die Jacke also.

Genau. Warm ist sie auch.

Sie aßen zusammen. Plauderten über Kleinigkeiten. Er erzählte von seinem Team, wie sie bis zum Sommer die Straßen erneuern mussten, dass einer, Micha, nie pünktlich kommt, aber der beste Asphaltierer ist. Klara erzählte von Revisionen, neuen Programmen, Frau Winter, die manchmal streng ist, aber auch Kekse mitbringt.

Bald wurde aus Mittag im Café Routine. Sie trafen sich täglich, quatschten, lachten. Er fragte irgendwann:

Was machst du Samstag?

Nicht viel. Wollte Wäsche waschen, einkaufen.

Komm, Kino?

Klara sah ihn an. Er tat beschäftigt, schaute in seinen Teller.

Ja, gerne.

Im Kino war’s ein Abenteuerfilm ohne großes Drama, weil ich keine Tränen brauche, meinte Sebastian lachend. Am Ende lachten sie beide. Sie saßen im letzten Kinoreihe, aßen Popcorn, tuschelten albern. Im dunklen Kinosaal war es angenehm still.

Danach gingen sie spazieren. Einfach die Königstraße entlang. Sebastian erzählte von seiner Tochter Lena.

Vierzehn. Schwieriges Alter. Seit drei Jahren allein mit mir. Ihre Mutter ist an Krebs gestorben. Es ging schnell.

Klara schwieg, sagte nicht Oh Gott oder Du Armer. Sie hörte einfach zu.

Lena war verschlossen. In ihr Handy stiert sie tagelang, redet mit mir kaum, manchmal ist sie böse auf mich. Vielleicht, weil ich noch da bin ihre Mutter nicht mehr.

Kommt manchmal vor, sagte Klara ruhig.

Ich weiß selten, wie ich sein soll. Bin halt ein Handwerker, sie ist ein Teenie mit ihren Sachen. Versteh sie nicht immer.

Redet ihr?

Ich versuchs. Manchmal klappts. Ich koche, sie isst, sagt sogar Danke. Das ist schon viel.

Klara dachte nach.

Sehr viel, antwortete sie.

Er lachte leise ehrlich.

Sie verabschiedeten sich am Hauptbahnhof, Klara fuhr nach Hause. Im dunklen Fenster der U-Bahn betrachtete sie ihr Spiegelbild und fand es seltsam spannend. Sie sah eine Frau, die wieder ein bisschen lebte.

***

Frauenschicksale sind unterschiedlich. Manche finden nach der Scheidung schnell ihr Glück, als hätten sie nur gewartet. Manche kommen ewig nicht los, drehen sich um die gleichen Fragen. Klara war irgendwo dazwischen. Sie fand nicht leicht, aber sie blieb auch nicht stehen. Sie ging weiter, Tag für Tag, manchmal im Rückblick, aber nie zurück.

Mit Sebastian wurde es langsam mehr. Sie aßen gemeinsam im Café, gingen sonntags spazieren. Ab und zu fuhr Sebastian sie mit seinem alten Opel abholen. Sie fuhren in den Schlossgarten, auf den Bauernmarkt, einkauften Werkzeug, Klara sah Apfelbäume und dachte, vielleicht pflanze sie irgendwann eine Sauerkirsche.

Anna, die Freundin, wollte sofort alles wissen:

Ist er hübsch?

Normal.

Groß?

Größer als ich.

Reich?

Anna…

Völlig ernst gemeint.

Vorarbeiter beim Straßenbau. Kein Millionär. Aber ehrlich verdient.

Bist du verliebt?

Pause.

Mit ihm ist es angenehm, sagte Klara schließlich.

Anna nickte still. Gut so. Das ist mehr wert.

Einmal rief Sebastian an, seine Tochter sei krank. Klara bot an, selbst gekochten Hühnersud und Anna-Marmelade zu bringen. Er wollte sie nicht bemühen. Klara bestand darauf.

Lena lag griesgrämig im Bett, nahm die Suppe kommentarlos hin. Klara drängte sich nicht auf, sondern stellte alles nur in die Küche.

Abends aß Lena doch die Suppe leer; Sebastian schrieb: Alles gegessen, danke!

Später trafen sie sich zu dritt. Lena blieb distanziert, Klara drängte nicht. Am schneidigen Küchentisch, wo sie zu dritt Pizza machten, wirkte Lena vorsichtig interessiert. Klara forderte sie sanft auf, den Teig zu probieren. Lena rollte professionell aus. Am Esstisch blieb sie sitzen.

Vor dem Gang ins Zimmer murmelte sie: Teig war gut.

Sebastian sagte leise zu Klara: Das ist Höchstlob.

So ging es weiter. Nicht Mutter und Tochter, eher etwas Unbenanntes. Lena fragte kleine Dinge, lernte Vertrauen. Klara begegnete ihr so, wie man Menschen begegnet, denen man langsam vertraut.

Eines Abends, Klara wollte gehen, rief Lena:

Klara?

Sie drehte sich um.

Kommst du wieder?

Die Pause war kurz.

Ja. Bestimmt.

Lena sagte nichts mehr, blieb aber so lange in der Tür stehen, bis Klara das Haus verließ.

***

Nach einem Jahr hatte Klara bereits eine kleine Beförderung bekommen, Verdiensterhöhung inklusive. Frau Winter lobte sie für ihre “Sorgfalt”. Das war mehr wert als jedes Zeugnis.

Anna beobachtete Klara aus der Ferne und rief sie eines Tages an:

Weißt du was? Du bist eine andere. Deine Haltung, wie du gehst als wüsstest du, wohin!

Klara dachte nach.

Diesmal weiß ich es auch.

Von Markus hörte sie nur über Dritte. Er lebte wohl mit Jana zusammen. Klara wartete auf Eifersucht oder Wut. Aber da war nichts. Eine Randnotiz der Wetterlage.

Manche Nächte lag Klara in ihrem schmalen Bett bei Frau Fuchs und erinnerte sich an diesen Abend im Büroflur, an die Kirschen auf dem Linoleum. Damals war der Schmerz echt. Jetzt war er verblasst, wie eine überwundene Krankheit.

Wie übersteht eine Frau den Betrug des Mannes? Meist mit Tränen, mit langen, schweren Nächten. Klara hatte beides. Sie kannte die Einsamkeit, die Existenzangst, die Sorge, zu versagen. Sie kannte die stummen Stunden, in denen das Leben jeder anderen Frau auf der Straße besser schien.

Aber es ging weiter. Immer weiter.

Das neue Leben sah nicht aus wie im Liebesfilm. Es gab keinen magischen Moment, in dem Musik ertönt und alles gut wird. Es begann ganz unscheinbar: Eines Morgens fehlte die schwere Enge in der Brust. Einfach, weil es vorüber war.

Klara entdeckte die kleinen Dinge, die ein Leben ausmachen.

Im Herbst machte Sebastian einen Vorschlag.

Sie saßen im Café, am ihrem Platz.

Klara, hör mal…

Na?

Du lebst noch bei Frau Fuchs. Wir sehen uns viel und es ist schön. Aber…

Er suchte nach Worten.

Ich sags direkt: Ich möchte, dass du zu uns ziehst. Ich verspreche kein Himmelreich Lena hat ihre Kanten, ich arbeite oft zu lang; unsere Wohnung ist alt, müsste renoviert werden aber ich will, dass du bei uns bist. Jeden Tag.

Klara sah ihn an. Die von Wind und Leben gezeichneten Züge, die ruhigen Arbeiterhände auf dem Tisch.

Ich denke drüber nach.

Okay. Er aß weiter. Nur die Ohren röteten sich leicht.

Klara starrte in ihren Tee, dachte an alles den Betrug, die Scheidung, das neue Glück. Glück musste nicht immer laut sein. Manchmal war es einfach. Wie Erbsensuppe und ein ehrlicher Mann.

Gut, sagte sie leise.

Er hob den Blick.

Ich ziehe ein. Lass es uns versuchen.

Er nickte nur. Aber in seiner Haltung lag Erleichterung, als habe er etwas Schweres lange getragen.

***

Sie zog im November um. Sebastian nahm sich frei, fuhr mit Klara und ihren wenigen Kisten im alten Opel zur Wohnung nach Fellbach. Zwei Koffer, drei Kartons mit Büchern, das neue Küchenwerkzeug und ein Ficus, den sie zum Einzug von ihrer Kollegin Rita bekam.

Lena half beim Tragen schweigend, aber sichtbar beteiligt. Als Klara die Bücher in den Schrank stellte, fragte Lena an der Tür:

Liest du gern?

Sehr. Und du?

Manchmal. Wenns spannend ist.

Hier, das ist über ein Mädchen, das mit dem Schiff über den Atlantik fährt.

Lena nahm das Buch, sah es an.

Okay. Ich schaus mal durch.

Beim Abendessen, Kartoffeln und Fischfrikadellen, saßen sie zu dritt. Lena sagte Danke und zog sich zurück. Das Leselicht brannte noch lange in ihrem Zimmer.

Klara spülte ab, Sebastian wärmte seine Hände an der Kaffeetasse.

Und?

Gut, sagte Klara.

Und es war genau das: gut.

***

Die Einweihung war keine große Feier: Anna mit Mann, Rita und zwei Kollegen von Sebastian, Lena mit einer Freundin. Essen, Wein, Lachen, ein bisschen Musik. Anna umarmte Klara ganz fest beim Kommen: Siehst du, sagte ihr Blick.

Als die Gäste langsam gingen, holte Sebastian aus dem Zimmer ein kleines Päckchen.

Für dich.

Klara öffnete es: eine kleine hölzerne Salzstreuer, handgeschnitzt, etwas rau an den Kanten, aber liebevoll auf dem Deckel war eine Kirsche eingeschnitzt.

Hab ich selbst gemacht bin kein Künstler, aber, murmelte er.

Klara hielt das Salzfässchen in der Hand, schwieg.

Erinnerst du dich an den Bus? An die Sache mit dem Salz? Wenn an der Suppe das Salz fehlt du weißt schon. Ich hab damals gedacht: Guck dir diese Frau an die trägt Brötchen vorbei, dann rollen die Kirschen über den Boden, aber sie hat sie gebacken.

Sie blickte ihn an.

Ich weiß.

Die Salzstreuerin ist für dich. Damit du immer selbst bestimmst, wie viel Salz du in dein Leben gibst. Kein anderer mehr. Nicht zu wenig, nicht zu viel. Nur du.

Klara schwieg. Diesmal war der Kloß im Hals wohltuend. Das, was jetzt kam, hatte kein Wort, aber jeder Mensch, der einen langen, schweren Weg hinter sich hat, kennt es.

“Sebastian”, sagte sie.

“Ja?”

Sie nahm seine Hand einfach in ihre.

Nichts. Ich wollte das nur mal machen.

Ich habs verstanden.

Aus der Küche klang Geklappere, Lena und ihre Freundin wuschen ab, Anna rief lachend etwas zu ihrem Mann. Der Ficus stand am Fenster, draußen tanzten in der Dunkelheit die Lichter der Siedlung.

Klara betrachtete das hölzerne Salzfässchen mit der kleinen, etwas krummen Kirsche.

Vor anderthalb Jahren war sie in einem Büro gestanden, hatte Brötchen aufgelesen, sich fade Kost nennen lassen. Heute war sie angekommen. Nicht ohne Makel, nicht perfekt, aber endlich zu Hause.

“Gehen wir Tee trinken?” fragte Sebastian.

“Gehen wir”, sagte Klara.

Und sie gingen in die warme Küche.

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Homy
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Frisch gebackene Piroggen direkt auf dem Küchenboden – typisch deutsche Backtradition mit einem Augenzwinkern
Schlosswechsel: Wie wir mit einem neuen Türschloss unsere Schwiegermutter davon abgehalten haben, einfach in unsere Wohnung einzudringen