Stell dir vor wir mussten tatsächlich die Schlösser austauschen, damit meine Schwiegermutter endlich aufhört, sich in unserer Wohnung wie zu Hause zu fühlen.
Seit einem Jahr bin ich nun offiziell mit meinem Mann verheiratet. Aber seitdem kommt seine Mutter einfach nicht damit klar, dass er einen anderen Weg eingeschlagen hat, als sie es sich ausgemalt hatte. In ihren Träumen sollte er eine Tochter aus reichem Hause heiraten, am besten von einem Industriellen, damit sie gemeinsam im Luxus leben und sie ihn in diese goldene Gesellschaft begleiten kann. Woher sie solche Wünsche nimmt? Wer weiß das schon. In Wahrheit haben wir ein ganz normales Einkommen: Anfangs mussten wir ziemlich sparen und uns einen Kredit aufnehmen. Jetzt wohnen wir in meinem kleinen Apartment und vermieten unsere neue Wohnung unter. Mit etwas Glück kaufen wir uns als Nächstes vielleicht ein Auto. Kurz gesagt: Wie die meisten jungen Paare, keine Eskapaden, aber wir kommen zurecht.
Doch meine Schwiegermutter will die Realität einfach nicht akzeptieren. Sie lebt in ihren Fantasien und tut alles, um unsere Ehe zu sabotieren. Ihre Methoden sind wirklich einfallsreich: Lippenstiftspuren auf den Hemden meines Mannes, seine Kleidung riecht nach fremdem Parfüm, und plötzlich finde ich Kondome in meiner Handtasche. Natürlich hat das jedes Mal zu Stress, Misstrauen und heftigen Streitigkeiten geführt. Immerhin haben wir die Wahrheit jedes Mal herausgefunden, aber das hat Spuren hinterlassen.
Vor Kurzem musste mein Mann beruflich für mehrere Monate nach Hamburg, um dort eine neue Filiale zu eröffnen eine große Chance für ihn, also haben wir zugesagt. Er fuhr weg, ich blieb in München, alles schien gut zu laufen.
Doch ein paar Tage danach fiel mir Seltsames auf: Dinge lagen plötzlich woanders, Schränke waren durchwühlt. Zuerst dachte ich, mein Mann sei nochmal vorbeigekommen, unser neues Apartment liegt ja nicht weit entfernt. Ich rief ihn an er war ganz erstaunt und schwor, nicht hier gewesen zu sein. Eine Stunde später ruft er mich ganz ernst zurück: Er glaubt, es sei seine Mutter gewesen. Er hatte ihr nämlich vor einer Reise unsere Schlüssel gegeben für den Notfall und später vergessen, sie zurückzuholen.
Am nächsten Tag nahm ich mir sofort frei und ließ die Schlösser austauschen. Ich sagte meinem Mann klipp und klar: Wenn er nochmal jemandem unsere Schlüssel gibt, kann er draußen schlafen. Am Abend war alles an seinem Platz es war also wirklich sie. Ich sah nochmal alles durch und entdeckte plötzlich oben im Regal eine kleine versteckte Kamera.
Ich griff sofort zum Telefon. Mein Mann war erst sprachlos, dann brach er in schallendes Lachen aus das Ganze war einfach absurd. Ich habe die Wohnung durchsucht, zum Glück war sonst nichts Auffälliges. Keinen Theaterdonner, mein Mann bat mich nur, mit ihr zu warten, bis er zurück ist, damit er sich selbst darum kümmert.
Und jetzt rate mal am nächsten Tag ruft meine Schwiegermutter an. Wahrscheinlich hat sie gemerkt, dass die Schlüssel nicht mehr passen, und sie wollte in die Wohnung. Sie fragt, ob ich zu Hause sei, sie wolle mal eben auf einen Tee vorbeischauen. Ich sagte, dass ich nicht da bin, aber dass wir das Tee-Trinken gerne mal nachholen können. Eine halbe Stunde später meldet sich mein Mann: Sie hat sich bei ihm beklagt, ich würde irgendwo rumlungern und die Wohnung stünde leer.
Wir mussten schon lachen, so grotesk wurde das Ganze. Bald haben wir Wetten abgeschlossen, mit welchen Ausreden sie als Nächstes bei uns aufkreuzen würde. Sie ließ sich nicht lumpen: Mehrmals am Tag klingelte das Telefon ein Paket sei irrtümlich bei uns, ihre Brille vergessen, oder sie wolle uns frische Brezen bringen.
Als mein Mann endlich zurück war, kündigte sie gleich an, dass sie zu Besuch kommt. Wir waren vorbereitet. Sie kommt mit einer Tüte Brezen, gibt vor, sich die Hände waschen zu wollen und geht schnurstracks ins Schlafzimmer. Natürlich sind wir ihr gefolgt. Und tatsächlich: Wir erwischen sie beim Durchstöbern meines Kleiderschranks. Ertappt, stottert sie rum. Mein Mann zieht ganz ruhig die Kamera aus der Tasche und hält sie ihr hin.
Und dann eskaliert die Szene völlig: Sie schreit, ich würde meinen Mann betrügen, ich hätte ihn belogen, er sei viel zu leichtgläubig. Sie inszeniert Tränen, hält sich die Brust, als bekäme sie gleich einen Herzinfarkt. Schließlich stürmt sie raus, die Tür knallt hinter ihr wie bei einer beleidigten Diva.
Im Ernst, ich hätte applaudieren können. Ein solches Theater ganz ohne Probe! Aber das war nur ein Gefecht ich weiß, es ist noch nicht vorbei. Doch diesmal haben wir nicht klein beigegeben. Unsere Botschaft war klar: Unsere kleine Familie ist kein Schauplatz für absurdes Drama.



