Der Bruder meines Vaters kam zu uns und verkündete, dass auch er Anspruch auf das Erbe hat.

Vor sechs Monaten ist in unserer Familie das große Unglück passiert: Mein Vater ist gestorben.

Kurz nach der Beerdigung kam Vaters Bruder, mein Onkel Jörg, zu Besuch. Er tauchte selten auf. Mit meinem Vater hatte er wenig Kontakt nie gestritten, aber auch nie wirklich verstanden. Sie hatten immer eine frostige Beziehung, jeder lebte sein eigenes Leben.

Wie war die Fahrt? fragte ich höflich. Und warum duzen Sie mich plötzlich? Mein Onkel Jörg grinste und meinte: Na, weil ich ja dein Lieblingsonkel bin! Als wäre er das tatsächlich.

Onkel Jörg hatte sich nicht angekündigt und wir waren absolut nicht auf seine Ankunft vorbereitet. Seit der Beerdigung hatten wir ihn nicht gesprochen, keinen einzigen Anruf und plötzlich stand er vor der Tür.

Während wir Kaffee und Kuchen servierten, fragte er plötzlich: Wie teilen wir das Erbe? Unter uns dreien? Es kommt ja keiner sonst infrage, oder? Mutter schnappte erst mal nach Luft, völlig überrascht: Welches Erbe denn? fragte sie, nachdem sie wieder zu sich gekommen war.

Natürlich gab es ein Erbe. Wir hatten eine schöne Eigentumswohnung, ein großes Haus auf dem Land und zwei Autos. Mama wollte das Landhaus verkaufen und mir eine Wohnung in München kaufen, wo ich studiere. Aber ich wollte das erstmal nicht, wir entschieden, keinen Schnellschuss zu machen.

Welches Erbe? Na, das Vermögen, das mein Bruder mir vermacht hat! rief Onkel Jörg. Weißt du, wenn Martha und ich nicht da wären, hättest du doch alles geerbt. Und deshalb steht mir das zu! Aber ich bin doch sein Bruder! Ich habe Anspruch aufs Erbe! Nein, hast du nicht! Das Gesetz ist auf unserer Seite! Und was, wenn das unfair ist?

Onkel Jörg ist clever er wusste genau, dass er nach deutschem Recht keinen Anspruch hat. Also versuchte er, unser schlechtes Gewissen zu manipulieren. Aber wir konnten seinen Argumenten überhaupt keinen Sinn abgewinnen. Papa und Onkel Jörg waren nie Freunde. Da war keine Verbindung zum Erbe.

Als Papa krank wurde, hat er sofort gesagt, dass sein gesamtes Vermögen mir und Mama gehören soll. Er hatte nicht vor, irgendetwas mit anderen zu teilen.

Und ohne schlechtes Gewissen gegenüber dir, Jörg! Das weißt du doch ganz genau! Du warst nie eng mit deinem Bruder! Ja, ja! Das ist wie im schlechten Fernsehfilm. Einer heiratet, die Ehefrau bekommt alles. Eltern, Geschwister, Cousins, und alle gehen leer aus!

Onkel Jörg ließ nicht locker und versuchte, uns mit Schuldgefühlen weich zu kochen: Wir sollten das Erbe zu dritt teilen. Tschüss! Darüber reden wir nicht mehr! meinte Mama genervt.

Nachdem Jörg verschwunden war, haben Mama und ich das Haus abgeschlossen und sind zurück in unsere Münchner Wohnung. Wir kannten Onkel Jörg er würde das wohl nicht einfach akzeptieren. Schließlich ging es um viel Geld: ein Drittel von einer Luxusvilla, ein Drittel einer schicken Eigentumswohnung im Stadtzentrum, und ein Drittel von zwei Autos. Eine beachtliche Summe in Euro.

Onkel Jörg hat uns dann verklagt. Er hofft auf einen Gewinn. Aber das Gesetz ist eindeutig auf unserer Seite. Was genau hofft er eigentlich rauszubekommen?

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Homy
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