Die leibliche Mutter meines Sohnes hat ihn verlassen und behauptet, dass die Geburt des Kindes ihr Leben nur ruiniert habe

Ich war eigentlich nie jemand, dem andere Menschen gleichgültig waren. Vor ein paar Jahren bin ich aus einem kleinen Dorf nach München gezogen rein ins Großstadtgetümmel. Und ehrlich gesagt, bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie man an jemandem vorbeigehen kann, der offensichtlich Hilfe braucht, oder wie man es übers Herz bringt, eine Mutter samt Kind aus der Wohnung zu schmeißen, nur weil sie die Miete diesen Monat nicht zahlen kann. Klar, Ausnahmen bestätigen die Regel.

Es war 2007. Ich kam gerade von der Arbeit zurück ich arbeitete damals noch im Münchner Innenministerium. Auf dem Heimweg machte ich einen kurzen Zwischenstopp im EDEKA. Direkt am Eingang stand eine Frau mit ihrem Jungen. Sie fielen mir sofort ins Auge: Die Mutter sah erschöpft aus, ihre Nerven lagen offenbar blank.

Was willst du denn schon wieder?, schnauzte sie den Jungen an.

Er antwortete ganz leise: Ich hab Hunger, Mama.

Von überall strömten Eltern mit Kindern aus dem Supermarkt prall gefüllte Einkaufstaschen mit Leberwurst, Brezn und Gummibärchen in der Hand. Der Junge sah ziemlich hungrig aus, wenn man sich seinen abgetragenen Pullover so anschaute. Die Mutter wurde plötzlich ganz aufgelöst, schubste ihn sogar ein Stück zur Seite und schrie, dass er ihr das Leben ruiniert hätte. Und ehe ich mich versah, war sie auch schon in irgendeine Richtung davongestürmt Kind einfach dagelassen.

Ich war baff. Der Junge setzte sich auf die Stufen und fing an zu weinen kein großes Theater, sondern so ein leises, zurückhaltendes Weinen, wie es nur verlassene Kinder können.

Mir tat das Kind unglaublich leid, aber noch hoffte ich, die Mutter käme gleich zurück. Nach einer halben Stunde wurde mir klar: Da kommt keiner mehr. Ich konnte gar nicht länger wegschauen, also nahm ich allen Mut zusammen und setzte mich zu dem Jungen. Im ersten Moment kam ich mir schon komisch vor was würden die Leute, die vorbeigehen, wohl denken? Aber, typisch Großstadt, niemand schenkte uns auch nur einen zweiten Blick.

Der Junge hatte anfangs Angst, mit mir zu sprechen. Erst als ich einen der Security-Männer bat, uns zu helfen, taute er ein bisschen auf. Er erzählte mir, dass er Mark heißt ein echter bayerischer Name und fünf Jahre alt ist. Während der Security-Mann versuchte, seine Mutter ausrufen zu lassen, holte ich im EDEKA ein paar Butterbrezen und Apfelschorle für Mark. Erst wollte er nichts essen, dann hat er jedoch verschlungen, als hätte er seit Tagen nichts mehr bekommen.

Später stellte sich heraus: Er hatte tatsächlich den ganzen Tag nichts gegessen. Seiner Mutter war endgültig das Weite gesucht. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als Mark zu den Behörden zu bringen, damit diese seine Mutter suchen konnten. Aber ich hatte das Gefühl, dass dies für uns beide nicht das Ende der Geschichte sein würde.

Zum Glück habe ich ein paar Bekannte beim Jugendamt in Giesing, so konnte ich Marks Weg weiterverfolgen. Es stellte sich heraus, dass seine Mutter ihn allein großgezogen hatte. Der Vater war längst abgehauen. Vor Marks Geburt hatte sie noch gearbeitet, aber dann war für sie alles nur noch kaputt. Diese Geschichte bekam Mark immer und immer wieder zu hören.

Die Mutter tauchte irgendwann tatsächlich wieder auf allerdings nicht, um ihren Sohn zu holen, sondern um mit einem Achselzucken zu sagen: Passt schon, der kommt ins Heim. Mark flehte und bettelte, sie solle ihn doch nach Hause holen. Aber sie schrieb eine offizielle Verzichtserklärung.

Der Junge verstand die Welt nicht mehr.

Zwei Jahre später durfte ich Mark schließlich adoptieren. Bis dahin war jedoch noch so berg Papierkram zu stapeln, dass er für einige Zeit im Kinderheim bleiben musste. Ich besuchte ihn regelmäßig, brachte LEGO, Playmobil und manchmal Schokolade mit. Einige Freunde fragten mich, warum ich mir überhaupt ein fremdes Kind ans Bein binde.

Die Jahre vergingen wie im Flug. Ehe ich mich versah, war aus Mark längst ein Teenager geworden und ich kann sagen: Nie im Leben habe ich es bereut, ihn damals zu mir geholt zu haben. Und wenn ich heute an all das denke, muss ich meistens lächeln manchmal spielt das Leben einfach freche Streiche, aber manchmal eben auch ziemlich schöne.

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Homy
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Die leibliche Mutter meines Sohnes hat ihn verlassen und behauptet, dass die Geburt des Kindes ihr Leben nur ruiniert habe
Als Vera ihren Sohn aus dem Kindergarten abholte, stürmte er auf sie zu, fiel ihr um den Hals und flüsterte ihr leidenschaftlich ins Ohr: