Je älter man wird, desto träger fühlt sich alles an selbst das Waschen wird zur riesigen Aufgabe.
Das fließt immer wieder durch meine Träume, wie ein loses Märchen, das sich in den Windungen meines Geistes wiederholt.
Ich widerspreche nie, sondern erzähle einfach weiter.
Wirklich, im Alter wird selbst das Aufstehen aus dem weichen Bett ein eigenartiges Abenteuer als müssten die Füße erst die Uhrzeit kennenlernen. Das erneute Zähneputzen erscheint wie ein seltsames Ritual. Das Frühstück, einst ein Fest aus Brötchen und Marmelade, verschwindet im Nebel der Gewohnheit. Und die Wäscherei? Die Socken tanzen um den Wäschekorb, als ob sie zu müde wären, noch einmal gewaschen zu werden. Wir sind träge, machen nicht viel, und Fleiß ist wie das Glitzern einer vergangenen Epoche.
Doch in diesen Traumlandschaften gibt es unsichtbare Regeln, eingeflochten in das Muster des Morgens. Regulierungen und Erwartungen huschen leise durch die Gassen von München oder Berlin, und niemand will wirklich gegen das gesellschaftliche Gefüge rebellieren. Zähne, Gesicht, Kleidung müssen gereinigt werden, immer und immer wieder, denn wir leben in einer Gesellschaft mit Gesetzen stehend unter dem Blick der Nachbarn aus dem Mehrfamilienhaus.
Die Hemden müssen nicht wie neu aussehen oder die letzte Mode widerspiegeln, aber sauber sollen sie sein kein Hauch von gestern, kein Tropfen Schweiß auf dem Kragen, kein Anzeichen, dass die Jacke seit zwei Wochen den Körper umarmt.
Das Haar grau, silbern, wie die winterliche Elbe. Die Rente soll nicht in Haarfarbe investiert werden; das wäre doch eine verrückte Idee im Labyrinth des Alterns. Ein einfaches Shampoo vom Supermarkt reicht allemal; das Haar will gebändigt und gereinigt werden, wie der Strom der Donau. Das Gesicht? Mit Wasser gesäubert, kein Make-up, denn Fassade verliert ihren Charme mit den Jahren, aber Sauberkeit ist Ehrensache.
Die Hände ein Hauch Nivea, eine Spur Creme. Unter den Armen ein günstiges Deodorant aus dem Drogeriemarkt, zwischen den Zehen im Schuh ein Löffel Natron, Held gegen den Duft des ständigen Gehens. Wenn der Körper uns im Traum mit seltsamen Gerüchen neckt, hilft das Natron auch hier.
Plötzlich ist alles ganz einfach, fast wie im Märchen der Gebrüder Grimm. Wir genießen heimlich das süße Nichtstun und rechtfertigen die seltsamen Düfte körperlich wie moralisch mit dem Alter, der Pension, dem wenigen Geld. Doch Sauberkeit braucht keine Münzen, keine Fülle an Euro nur ein wenig Wille, der zwischen den Wolken schwebt.
Also, ganz gleich, wie alt du bist oder wie viele Jahre deine Füße gesehen haben, bleib Mensch, achte auf dich und bewahre deine Würde. Das ist meine ganz persönliche Meinung, in diesen seltsam wirren und deutschen Traumstunden.




