Ich hab die Nase voll…

Es reicht

Schatz, du machst dem Jungen Angst Das ist doch unser einziger, unser geliebter Sohn Tu das nicht! schrie er, als Klara mit erhobener Hand dastand.

Klara lauschte den Geräuschen aus dem Treppenhaus. Am unregelmäßigen Tappen hörte sie sofort, dass jemand nicht ganz nüchtern die Stufen emporkam. Mit einem erschöpften Seufzer murmelte sie:

Paul

Sie wandte sich an den kleinen Roman, der gerade erst sieben Jahre alt geworden war, und befahl ihm leise:

Mein Schatz, geh bitte in dein Zimmer und schließ die Tür ab. Licht auslassen, ja?

Schon wieder Papa? wollte der Junge fragen, schwieg aber und verschwand ins Kinderzimmer. Er kauerte auf dem Bett, bewegte sich kaum und hielt die Luft an nur um ja nicht des Vaters Aufmerksamkeit zu erregen. Denn wenn Paul betrunken heimkam, stellte er gemeine Fragen und spottete dann über jede Antwort:

Was soll man denn anderes von dir erwarten, du stilles Wasser? Ganz die Mama, hahaha!

Roman fürchtete sich jedes Mal, wenn sein Vater so heimkam. So schnell wie möglich sollte er sich unsichtbar machen. Mittlerweile wusste er, je weniger Paul an ihn dachte, desto besser. Klara gab ihm immer wieder das Zeichen, sich in Sicherheit zu bringen.

Kurze Zeit später rasselte das Türschloss, und Paul stand im Flur. Schon von weitem drang der beissende Alkoholgeruch zu Klara. Paul brauchte eine Ewigkeit für die Schuhe und taumelte fluchend nach drinnen.

Ist jemand zu Hause? Klara, verdammt noch mal, hilf mir mit den Schuhen!

Klara atmete tief ein und ging, den Ärger nicht verbergend, auf ihren Mann zu. Paul mochte diesen Blick gar nicht.

Nicht zu fassen, zischte er, kein bisschen Respekt vor dem Familienoberhaupt. Stehst da wie eine Hohepriesterin. Wenigstens hast du gekocht oder sollen wir wieder an deiner trockenen Tiefkühlpizza ersticken? Wer nennt sowas Essen? Ich will eine schöne kräftige Suppe, ordentlich deftig und mit viel Fleisch. Du würdest ja am liebsten nur einen Sack Salat essen, Wiederkäuer.

Murmelt weiterhin seine Beleidigungen, bis er endlich die Schuhe loswurde, und stolperte Richtung Badezimmer. Händewaschen und Kleiderwechsel darauf bestand er. Das war er von seiner Frau so gewohnt. Frisch umgezogen und mit gewaschenen Händen trottete er schlurfend in die Küche und stolperte beinahe über die Stufe.

Was soll das, Klara! Eine anständige Frau hätte diese bescheuerte Schwelle längst beseitigt, damit ihr Mann nicht hinfällt. Du lässt sie absichtlich liegen, was?

Mit unbewegter Miene stellte Klara ihm einen Teller dampfende Suppe vor die Nase. Paul zog die heiße Brühe zu sich, schnupperte theatralisch und grinste spöttisch:

Na, bring mal ein normales Gesicht zustande. Du tust ja so, als müsste ich dir für Suppe eine Medaille verleihen. Ist schließlich dein Job oder? Sonst bräuchte ich dich nicht! Du bist für die Familie da und sonst gar nix. Paul überlegte kurz Ein Buch mit kaputten Seiten biste. Jede Schraube locker.

Klara brachte ihm noch ein paar Frikadellen, etwas Reis und frischen Salat. In letzter Zeit konnte sie kaum noch hinsehen, wie er aß: schmatzend, rülpsend, sich die Lippen lecken. Und immer wieder musterte er sie von unten herauf, nur um noch einen Spruch loszuwerden.

Nach dem Essen fiel er in höhnisches Gelächter.

Dein Gesicht ist echt der Brüller. Was hab ich mir damals eigentlich gedacht, als ich dich geheiratet habe? Sogar mein Hintern sieht besser aus als dein Gesicht!

Klara atmete vor Zorn schwer aus, Paul wieherte schrill.

Och Klara, jetzt spielst du den Kampfhund! Ich zittere schon!

Geh schlafen, sagte sie angespannt.

Was murmelst du da? stichelte er und erhob sich, um sich demonstrativ am Bauch zu kratzen. Wenn du fertig mit dem Abwasch bist, mach mir einen Massage. Ich bin völlig fertig.

Klara biss sich auf die Lippe:

Massage

Dieses Wort hatte sie zu hassen gelernt. Jedes Mal, wenn Paul betrunken war, beklagte er sich über seine angeblichen Beinprobleme aus Kindertagen und forderte von ihr eine Massage, immer begleitet von Drohungen und Geschrei. Klara, die aus einem ruhigen Elternhaus stammte, gab jedes Mal nach, um den Streit so schnell wie möglich zu beenden. Paul merkte längst, wie er sie gefügig machte. Je mehr Verantwortung mit Romys Geburt kam, desto stärker wurde ihr Drang, Auseinandersetzungen vom Kind fernzuhalten.

Pauls Mutter Gertrud war von Anfang an gegen Klara. Für sie war die Schwiegertochter eine miserable Hausfrau, schlechte Mutter, Ehefrau, die mit jedem Mann der Stadt unter der Decke gesteckt habe. Ihre vermeintlichen Beweise blieb sie schuldig, aber sie zitierte regelmäßig:

Wer nicht auf Mama hört, muss eben durchhalten. Sie wird dich noch betrügen, Paul, bis die Hörner Meter werden!

Das wilde Zechverhalten ihres Mannes ging Klara besonders auf die Nerven. Jeden Freitag wollte Paul feiern egal mit wem. Klara blieb die Rolle als Dienstmädchen: Tische decken, bedienen, alles schweigend. Stolz prahlte Paul vor seinen Kumpels:

So muss das, meine Frau kann aus Nichts ein Festmahl zaubern und hält den Mund. Die macht alles für mich denn ohne mich, da wär sie nichts.

Klara lächelte eisern, aber Paul interessierte das wenig. Im Rausch redete er sich dermaßen um Kopf und Kragen, dass sogar Gäste ihn irgendwann zurechtwiesen. Klara fing sich immer öfter dabei, sich zu fragen, wie lange sie das alles noch ertrüge. Reden traute sie sich mit niemandem, weil sie glaubte, selbst schuld zu sein. Bleibt also geduldiges Ertragen aber wofür?

Dann kam der Tag, als Paul stockbesoffen nach Hause kam und anstatt zu schlafen ausrastete. Er stürmte ins Kinderzimmer, riss Roman hoch und schleifte ihn auf den Balkon:

Wenn du mir nicht sofort sagst, von wem das Kind ist, schmeiß ich ihn runter! Seine irren Augen ließen Klara das Blut in den Adern gefrieren. Doch der Schock um ihren Sohn wog noch schwerer.

Drei Meter lagen zwischen ihr und Paul, ein weiterer bis zum Balkon. Ohne nachzudenken, griff Klara nach dem kleinen Gummiball, mit dem sie sonst ihre Füße massierte, und schleuderte ihn mit voller Wucht gegen Pauls Stirn. Treffer! Paul sackte zu Boden und blieb kurz bewusstlos. Mit einem Satz war Klara bei Roman, zog ihn aus der Umklammerung und brachte ihn in Sicherheit.

Wutentbrannt wirbelte sie herum, die Skatkelle in der Hand. Paul fasste sich benommen an die Stirn:

Was war das? Klara, warst du das?

Ja, zischt sie und du wolltest unseren Sohn wirklich aus dem Fenster werfen? Sags mir, du Mistkerl, oder ich brech dir die Beine!

Paul war gepackt von blanker Angst. Wie gelähmt kroch er zurück, unfähig zu kapieren, was geschah. Seine Beine versagten, und in seinem Kopf schien alles zu schwimmen. Noch nie hatte Klara so mit ihm gesprochen. Noch nie war sie so, so gefährlich.

Über wen hebst du da die Stimme? Ich hau dir gleich eine

Auf die Gelegenheit habe ich jahrelang gewartet Klara krempelte die Ärmel hoch, bereit zum Angriff. Paul wich instinktiv zurück, suchte beschwichtigende Worte, als wäre er schon deutlich kleiner geworden:

Schatz, du erschreckst unser Kind unser einziges, unser geliebtes Bitte tu das nicht! rief er, als Klara die Kelle schwang. Hastig rannte er barfuß aus der Wohnung und brüllte im Treppenhaus:

Hilfe, sie bringt mich um!

Klara jagte kurz hinterher, doch beim Anblick seines panischen Laufschritts winkte sie gelassen ab.

Lauf, Feigling.

Sie kehrte zu Roman zurück, nahm ihn zitternd in die Arme.

Keine Angst, mein Liebster ich lass nie wieder zu, dass dir einer was tut

Klara begriff nicht, was mit ihr geschehen war. Jahrelang hatte sie die Erniedrigungen ihres Mannes klaglos geschluckt für sich, dann für ihren Sohn. Still weinend in die Kissen nachts, tagsüber Haltung bewahren. Niemand hätte je geahnt, was sie durchmachte, allein mit einem Menschen, den sie doch einst so liebte.

Paul reagierte auf Mitleid mit sich selbst nur noch mit Eskalation. Soffen bis zum Umfallen, tagelang, den Blick leer, immer auf der Suche nach dem Kick. Meist war der Alkoholbestand ein paar Bierkästen und mehrere Flaschen Korn gut gesichert im Küchenschrank. Erst zwei Flaschen zum Start, dann übermannte ihn der Heißhunger: er aß Unmengen und soff entsprechend viel. Dann rief er jeden an, spannte alle um sich, bis Nachbarn die Polizei riefen und dem Spuk ein Ende machten.

Das Echo? Noch mehr Wut auf Klara, die ihm nie beistand, sondern immer schuld war. In solchen Momenten dachte sie nur noch an ihren Sohn. Das machte Paul nur noch rasender, erfluchte sie, warf absurde Beleidigungen durch den Raum.

Geboren hast du so einen Jammerlappen! Nicht mal mein Kind, so wie der aussieht! Wieso ist der so? Für nichts zu gebrauchen. Sieh dir Griesinger an, sein Sohn kann die halbe Klasse vertrimmen, oder Sannes Tochter die macht jeden Burschen platt! Aber unserer? Kriecht in die Ecke, sobald er mich sieht. Aus dem wird doch niemals ein Mann!

Du machst ihm halt Angst! Was erwartest du? versuchte Klara abzublocken, aber Paul brüllte nur noch mehr, bis er erschöpft aufs Sofa fiel.

Einmal erwachte er mit einem stechenden Schmerz im Bauch. Panisch rief er nach Klara:

Klara, ruf sofort einen Arzt, mir ist schlecht

Voll Sorge rief sie den Notarzt. Ein älterer Herr mit Medizinkoffer kam, warf beißenden Blick auf Pauls Alkoholfahne.

Wann fingen die Schmerzen an? Was haben Sie getrunken, gegessen? Medikamente?

Als er hörte, dass Paul nichts genommen hatte, meinte der Arzt streng:

Gut so. Aber Sie, mein Lieber, lassen hin und wieder die Finger von Alkohol! Sie ruinieren Ihre Bauchspeicheldrüse, Leber, Magen und Darm. Und das alles für ein bisschen fettes Essen? Bald wünschen Sie sich, es wäre vorbei. Verantwortung tragen Sie allein.

Wieso alleine? stöhnte Paul Meine Frau kocht das doch!

Sie kippt Ihnen aber keinen Schnaps in den Hals! Sie kocht, weil Sie das fordern, und weil so ein Typ wie Sie, jedem Engel auf die Nerven ginge. Ihre Frau ist nicht schuld.

Paul schnaufte beleidigt.

Hätt ich eine ordentliche Frau, müsste ich nicht trinken. Aus lauter Frust!

Schluss jetzt, sagte der Arzt und legte ihm den Tropf. Entweder Sie ändern was, oder Sie können sich auf Schlimmeres gefasst machen.

Paul wollte nicht weiter über Schuld reden, sondern war froh, als die Behandlung durch war und nörgelte prompt:

Wo hast du diesen Besserwisser gefunden? Ist das dein Ex oder was? Jetzt lässt du schon alte Männer für dich springen!

Hör auf bitte, bat Klara müde. Du redest Unsinn. Ich kannte ihn auch nicht.

Am Folgetag musste Paul wieder an den Tropf diesmal das Herz, und die Angst war groß.

Wenn ich abkratze, tanzt die sicher auf meinem Grab, dachte Paul voller Selbstmitleid. Aber ich zeig der schon noch, wos langgeht Frauen gehören an die Leine.

Solche Gedanken bauten Paul jedes Mal wieder auf. Roman zeigte sich seitdem lieber gar nicht mehr, was Klara traurig erkannte.

Ihm reicht sein Bier und ein Kreis Saufkumpanen. Sonst will er nichts. Uns bleibt nur das Ertragen. Herrgott, wie war ich nur so blind? Warum hoffte ich, ein Kind würde ihn ändern? Es wurde nur schlimmer

Sie erinnerte sich an die vielen Nächte in der Suchtklinik, weil Paul darauf bestand, dass sie ihn besuchen kam.

Was soll ich mit Roman machen? klagte sie. Deine Mutter nimmt ihn ja nicht. Die straft den Kleinen, wann immer er aufmuckt.

Pass bloß auf, freche Göre. Lass meine Mutter in Ruhe. Die ist eine Heilige! Dir nicht ebenbürtig!

Schon klar, meinte Klara tonlos. Deine Mutter eine Heilige, ich wertlos. Hab ich notiert, Liebling.

Paul murrte. Es schien ihm, seine Frau nehme ihn nicht mehr ernst.

Diese Frauen, dachte er, und versuchte, freundlich zu werden.

Ich tu alles für dich und den Jungen, sagte er, nahm sie bei der Hand. Wenn du nur meine Mutter respektierst, dann ist alles gut. Roman muss ein Mann werden! Mein Vater hat mich auch geschliffen, so wird das was. Kein Kerl wird er, wenn du ihn mit Watte packst!

Er ist noch klein, entgegnete Klara, und sein Gesicht verzog sich vor Zorn.

Dann schneid ihm gleich alles ab! Dann ists wenigstens eindeutig!

Mit den Worten zog er sich zurück und erwartete, dass Klara ihm nachlief und um Vergebung bat. Doch sie blieb sitzen. Von oben aus dem Fenster sah Paul, wie Klara eilig davonlief und sich dabei die Tränen aus den Augen wischte.

Er fühlte ein Stechen im Herz.

Eine Mutter beschützt halt ihr Kind, versuchte er, sie zu entschuldigen. Doch ihm kam es nie in den Sinn, sich zu entschuldigen.

Frauen heilen schneller als Hunde, dachte er spöttisch und trank sein Bier, das ihm ein Mitpatient reichte.

Nach der Sache mit dem Ball war Klara wie ausgewechselt. Als Paul, endlich nüchtern, nach Hause zurückkehrte, traf er auf eine Klara, die mit der Skatkelle wartete. Ihr kühler, harter Blick ließ nichts Gutes ahnen.

Lass mich rein, bin wieder ruhig, murmelte er. Gibts was zu essen?

Klar, ihre Lippen waren schmal. Ohrfeigen und ein paar Schläge dazu. Zum Nachtisch: die Kelle.

Was?! Pauls Augen wurden groß. Du hast den Verstand verloren! Ich zeig dir, wer hier der Herr im Hause ist!

Versuch es ruhig Klara holte noch fester aus. Ich kann damit umgehen. Sonst wirst du Sterne zählen.

Was soll das für ein Schauspiel sein? protestierte Paul, wurde aber innerlich nervös.

Ja, ich bin verrückt geworden, als ich sah, was du mit Roman machen wolltest, ihre Augen blitzen. Rein kommst du, um dein Zeug zu holen. Dann raus. Ich will dein Saufergesicht nie wieder sehen.

Widerwillig packte Paul seine zwei Koffer und die Tasche. Klara hatte alles schon ordentlich rausgestellt. Ohne ein Wort ließ sie ihn gehen.

Im Taxi zu seiner Mutter grummelte Paul, dass irgendwo ein Fehler passiert war. Er hatte gehofft, Klara würde auf Knien um Vergebung flehen, doch sie warf ihn einfach raus und schlug ihn mit einem Gummiball K. o. Noch immer pochte die Beule an seiner Stirn. Mit tief ins Gesicht gezogener Schirmmütze saß er grimmig im Wagen.

Da sind wir, dachte er, als er das alte Münchener Mehrfamilienhaus mit den blauen Türen sah.

Seine Mutter Gertrud war nicht bereit, sich von ihrer Wohnung zu trennen sie wollte immer noch einen Traumpreis. Die Nachbarn tuschelten schon lange, dass Gertrud zwar von Jahrhundert-Angeboten rede, aber ihre heruntergekommene Wohnung keinen Cent mehr wert war.

Gertrud hatte in Sachen Liebe auch nie wieder Erfolg gehabt, der Ruf der Streitsüchtigen war ihr enteilt. Es gab niemanden, der es mit ihr aufnehmen wollte, und Gertrud schob alle Schuld auf Klara.

Stillen Mädchen kann man nicht trauen, grantelte sie oft. Mein Paul hätte es besser verdient!

Wie auf Stichwort klopfte es abends an der Tür. Draußen standen Paul, die Koffer und die Tasche.

Was willst du um diese Zeit? Hast du Klara verlassen? fragte Gertrud.

Nein, sie hat mich rausgeworfen.

Wie bitte? schrillte Gertrud auf. Ich habs dir ja immer gesagt, man muss eine Frau kurz halten! Sie ballte die Faust.

Paul grinste schief:

Tja, ich hab immer auf dich gehört und jetzt steh ich so da. Wenn du nichts dagegen hast, ich geh duschen und dann ins Bett.

Gertrud roch den Alkohol und wurde wütend:

Was fällt dir ein, dich so vollgepisst bei mir blicken zu lassen?

Du hast doch gesagt, ich kann trinken, wann ich will! rief Paul ihr zu, was Gertrud kurz die Sprache verschlug.

Sie wollte ihm ja nur das Leben bei Klara schwer machen nun hatte sie ihn selbst am Hals. Sie musste wohl öfter kochen, und möglichst deftig. Dabei waren Restaurant und Lieferdienst bequemer gewesen. Doch Pauls Anwesenheit machte alles anders.

Gertrud gönnte sich eigentlich alles selbst erzählte aber jedem, dass sie für Paul auf Schlaf und Mahlzeiten verzichtete, Tag und Nacht malochte. Ob es stimmte, interessierte niemanden. Klara wollte die Wahrheit schon lange nicht mehr wissen.

Als ob eine Mutter ihr eigenes Kind rauswirft! Mach’s dir bequem, Junge. Weißt ja, wo alles steht. Ich mach uns Tee.

Paul verbrachte eine halbe Stunde im Bad. Gertrud zählte dabei innerlich den Wasserzähler hoch.

Erst kurz nach Mitternacht saßen sie zusammen am Esstisch. Paul machte den Kühlschrank auf, fand aber nur einen Container mit Bratkartoffeln.

Mama, sonst nix mehr da? fragte er, enttäuscht.

Tut mir leid, wusste ja nicht, dass deine Puppe dich heute Nacht rausschmeißt, gab sie eisig zurück. Was ist passiert?

Er konnte jedem was vormachen, nur nicht seiner Mutter. Also erzählte er ihr, wie er Klara drohen wollte und wie sie ihn mit dem Gummiball zu Boden streckte. Und dass sie ihn mit der Kelle bedrohte.

Hat die denn den Verstand verloren? das war Gertruds erster Kommentar. So was hätte ich ihr nicht zugetraut. Eigentlich ist sie doch immer so ruhig.

Scheint nur so, murmelte Paul und ihm schossen unvermittelt Tränen in die Augen. Ich tauge zu nichts, niemand schätzt mich mehr

Seine Mutter schwieg. Sie konnte sich sehr gut in Klara hineinversetzen. Den täglichen Irrsinn aus Pauls Mund zu ertragen, das forderte Kraft, von der Gertrud wusste, wie wenig sie selbst davon besaß.

Mein Ebenbild, urteilte sie, und merkte nicht, dass Paul auch all ihre schlimmsten Seiten geerbt hatte.

Bald schon sagte Klara, sie wolle die Scheidung. Das schockierte Gertrud das würde sich finanziell für beide bitter rächen.

Lass uns erstmal getrennt leben, flehte Paul, früher immer großspurig mit Scheidung drohend. Gib mir noch eine Chance als Mann und Vater!

Klara gab nach unter strengen Bedingungen: Er durfte nur noch zu fest abgesprochenen Zeiten kommen, sie nicht mehr bedrängen. Ein paar Wochen benahm sich Paul tatsächlich. Sogar Roman sagte:

Ich finde es schade, dass wir nicht mehr zusammenwohnen. Papa ist richtig nett geworden.

Klara gab ihnen beiden eine letzte Chance mit der klaren Warnung: Nur ein einziger Ausrutscher, und er ist weg.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis Paul alles zunichtemachte, eine beleidigende Bemerkung, ein dummer Spruch gegen den Sohn und Klara rief die Polizei.

So kannst du doch nicht, ich bin der Vater deines Sohnes! schrie Paul.

Wirklich? Warst du es nicht, der mich immer beschuldigte, Roman von wem anders zu haben?

Auch Gertrud ließ nicht locker:

Du kannst deinen eigenen Mann doch nicht einfach vor die Tür setzen! Was sollen die Leute sagen? Du ruinierst deinen Ruf als geschiedene Frau mit Kind bist du hier nichts mehr wert! Überleg, wie man als Frau klug bleibt

Klara aber war längst unerreichbar für diese Worte.

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Homy
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Ich hab die Nase voll…
Straße ohne Wiederkehr