Wir haben beschlossen, unsere Tochter nicht mehr zu ihrer Oma zu schicken.

Tagebucheintrag

Unsere Nichte Annemarie war gerade mal dreizehn Jahre alt, als wir sie für zwei Wochen Ferien zu ihrer Großmutter nach Bayern schickten. Am Anfang genoss Annemarie die Zeit mit ihrer Oma sehr und die beiden verstanden sich prächtig. Doch je älter Annemarie wurde, desto mehr verlor das kleine Dorf seinen Reiz für sie. Sie sehnte sich nach ihren Freunden, dem Kino in der Stadt und den vielen Aktivitäten, die München zu bieten hat. Für die Großmutter war Annemarie die einzige Enkelin, und ihr Besuch brachte stets Freude und Abwechslung in den Alltag.

Eines Tages brachte Annemaries Vater sie zu ihrer Oma, denn ihre Mutter, Johanna, bekam gerade das zweite Kind. Es war eine gute Gelegenheit für Annemarie, frische Landluft zu schnappen und Zeit mit der Großmutter zu verbringen. Der Aufenthalt war für Oma außerdem finanziell leichter, denn der Schwiegersohn überwies etwas Geld, damit für Annemaries Ausgaben gesorgt wurde ein kleiner Zuschuss in Euro, über den sich die Oma freute.

Zu Beginn erwartete die Großmutter gar nicht, dass Annemarie im Haushalt mithalf. Sie war einfach glücklich, jemanden zum Reden zu haben und ihren Alltag teilen zu können. Doch im Laufe der Zeit begann Annemarie, Ansprüche zu stellen und sich häufiger zu beklagen. Sie wusste, dass ihr Vater der Großmutter Geld für sie schickte, und erwartete, dass es ihr an nichts fehlen würde besonders beim Essen und beim Komfort.

Leider eskalierte die Situation, als Annemarie wütend wurde, weil ihr ein Stück Apfelstrudel fehlte. Sie warf einem Verwandten, der ebenfalls bei der Großmutter wohnte, vor, es gegessen zu haben. Die ganze Angelegenheit wurde immer größer, bis Annemaries Vater anreisen musste, um zu schlichten. Die Missverständnisse und Annemaries eigensinnige Ausbrüche führten zu Spannungen in der Familie. Schließlich wurde beschlossen, Annemarie nicht mehr zu Oma zu schicken.

Die Großmutter war darüber sehr traurig. Sie vermisste die Zeit mit Annemarie und trotz aller Schwierigkeiten genoss sie die gemeinsamen Tage. Doch die Umstände änderten sich und die Besuche blieben aus.

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Homy
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