Schon auf dem Weg spürte Tanja, wie sich ihr Magen zusammenzog. Je näher der luxuriöse SUV auf den weitläufigen Hof der Familie Sottner zusteuerte, desto stärker überkam sie die Unruhe.

Schon auf der Fahrt spürte Annika ein Ziehen in der Magengegend. Je näher der luxuriöse SUV dem weiten Grundstück der Familie Steinmann kam, desto mehr verkrampfte sie sich vor Angst.

Das hier war nicht einfach ein Umzug. Es fühlte sich an wie ein Sprung in einen Abgrund.

Als das schmiedeeiserne Tor sich geräuschlos öffnete, als hätte es nur auf sie gewartet, schluckte Annika schwer.

Das Haus groß, lichtdurchflutet, mit hohen Säulen und einer Kopfsteinpflasterauffahrt, eingerahmt von Zypressen und Buchsbaum wirkte eher wie eine Privatvilla am Starnberger See als wie ein Zuhause.

Wir sind da, sagte Markus leise. Felix ist oben in seinem Zimmer. Ich sage ihm, dass ich ein Geschäftstelefonat habe. Geh einfach rein. Hab keine Angst.

Hab keine Angst

Annika lächelte ungewiss.

Drinnen roch es nach Holz, Vanille und frischer Wäsche. Dicke Teppiche lagen auf dem Boden, auf den Wänden Fotos aus alten Tagen, alte Heiligenbilder und Urkunden.

In der Küche stand eine Frau mit Schürze und knetete Teig. Am Fenster hingen Kräuter zum Trocknen.

Alles war ruhig. Zu ruhig.

Die zweite Tür rechts oben, flüsterte Markus und legte ihr sanft die Hand auf die Schulter. Wenn es dir zu viel wird ruf mich.

Annika stieg die Treppe hinauf.

Ihre Knie zitterten.

Als sie vor der Tür stand, hörte sie ein gleichmäßiges Summen ein Ventilator? Ein Computer? Sie konnte es nicht sagen.

Sie klopfte leise.

Keine Antwort.

Sie drückte die Klinke.

Das Zimmer war weit, hell, ordentlich, mit einem großen Fenster zur Terrasse.

Davor der Mann.

Felix.

Er saß im Rollstuhl, vornüber gebeugt, den Blick in die Ferne gerichtet. Sein Gesicht lag teilweise im Schatten, dunkles, kurzes Haar. Seine Hände ruhten reglos auf den Armlehnen.

Felix? flüsterte sie.

Er zuckte zusammen und drehte langsam den Kopf.

Seine Augen waren müde, dunkel die Augen eines Menschen, der jahrelang in Stille lebte.

Wer sind Sie? Seine Stimme war rau, fast unhörbar.

Ich heiße Annika. Ich bin gekommen, um Sie kennenzulernen.

Er blickte sie lange an, als versuche er zu prüfen, ob sie wirklich da war.

Wieder mein Vater, nicht? fragte er mit leiser Verzweiflung.

Er bat mich, mit Ihnen zu sprechen. Aber wenn Sie nicht wollen

Setzen Sie sich. Er unterbrach sie. Ist eigentlich egal. Aber setzen Sie sich.

Annika gehorchte.

Einige Sekunden herrschte Schweigen.

Sie wissen, was mein Vater vorhat, oder? fragte Felix.

Sie nickte.

Ja.

Und Sie sind einverstanden.

Meine Tochter ist krank, wisperte Annika. Sie braucht Behandlung, und ich habe keine Wahl.

In Felix Gesicht zeigte sich etwas kein Schmerz, kein Zorn sondern Verständnis.

Verstehe, sagte er leise.

Dieses eine Wort verstehe war ein Geständnis.

Ein Stillhalten.

Eine leise Dankbarkeit.

Ich bin kein Ungeheuer, fuhr er fort. Aber ich bin auch kein einfacher Mensch. Sieben Jahre in diesem Raum das nagt an allem Menschlichen in einem.

Sagen Sie das nicht, murmelte Annika.

Sie sind die Erste, die mir das sagt.

Die nächsten Tage verliefen seltsam.

Annika und ihre Tochter Frieda zogen in das großzügige Gästezimmer.

Schon am nächsten Morgen organisierte Markus Termine in München Privatklinik, Spezialisten. Zum ersten Mal hörte Annika eine klare Diagnose, einen Plan, eine Prognose.

Vor Erleichterung weinte sie.

Währenddessen begann Felix, sein Zimmer häufiger zu verlassen. Erst für zehn Minuten. Dann für eine Stunde.

Er sagte nicht viel, aber er beobachtete Annika. Hörte ihr zu.

Vielleicht hatte seit Jahren niemand mehr so mit ihm gesprochen.

Eines Tages, als Annika Handtücher zur Waschküche brachte, erstarrte sie.

Felix war im Garten.

Er STAND.

Er hielt sich an Metallstangen fest, der Physiotherapeut einige Meter entfernt, langsam bewegte er das linke Bein.

Dann das rechte.

Annika hielt den Atem an.

Er sah sie, und zum ersten Mal lächelte er.

Zwei Schritte.

Heute zwei.

Ihr liefen Tränen über das Gesicht.

Das ist unglaublich.

Unglaublich? Er schnaubte trocken. Ein Mann von fast dreißig feiert zwei Schritte

Diese zwei bedeuten mehr als hundert, entgegnete sie.

Felix blickte lange auf sie.

Wegen dir mache ich das.

Annika verstummte.

Sie fingen an, öfter miteinander zu sprechen.

Abends brachte sie ihm Tee.

Er erzählte ihr von dem Unfall, seiner Arbeit, den gestorbenen Träumen.

Sie sprach von Frieda, ihren Ängsten, der Einsamkeit.

Eines Abends fand sie ihn mit einem Foto.

Das sind Sie?

Ja. Früher. Als ich noch dachte, das Leben läuft nach meinem Plan.

Manchmal muss man das Leben wieder aufbauen, sagte sie leise. Manchmal fängt man in den Trümmern an.

Er sah sie lange an.

Bleiben Sie noch ein bisschen?

Frieda schloss Felix von Anfang an ins Herz.

Sie hatte keine Angst vor dem Rollstuhl, nicht vor seiner Traurigkeit oder den Schmerzen.

Jeden Tag brachte sie ihm eine Zeichnung.

Eines dieser Bilder veränderte alles.

Darauf waren sie zu dritt Annika, Frieda und Felix.

Alle hielten sich an den Händen.

Schaut! Unsere Familie!, rief Frieda.

Frieda!, fuhr Annika sie an, peinlich berührt. Sag das nicht!

Aber das Mädchen lachte und rannte davon.

Felix flüsterte:

Aber ich hätte nichts dagegen.

Annikas Herz setzte einen Schlag aus.

Sagen Sie so etwas nicht. Wir haben einen Vertrag

Ich will keinen Vertrag mehr, sagte er leise. Ich will dich.

Sie konnte nicht antworten.

Es kam der Tag, an dem sich alles änderte.

Annika stand auf der Terrasse, hielt eine Tasse Tee in den Händen.

Die Sonne ging unter.

Annika, hörte sie hinter sich.

Sie drehte sich um.

Felix ER GING.

Langsam, schwerfällig, mit Mühe aber ohne Hilfe.

Als er bei ihr war, hielt er sich am Geländer fest.

Du hast mir das Leben zurückgegeben, sagte er. Du hast mir einen Grund gegeben, zu atmen, zu kämpfen, morgens aufzustehen. Ich will nicht, dass du nach einem Jahr gehst. Ich will dass du bleibst. Dass wir zu dritt sind. Für immer.

Annikas Tränen liefen, ohne dass sie es bemerkte.

Felix

Das ist keine Dankbarkeit. Das ist Liebe.

Er umarmte sie.

Und zum ersten Mal seit sieben Jahren hielt er jemanden wirklich fest.

Sie lehnte sich an ihn.

Und wusste die Entscheidung war gefallen.

Sechs Monate später streifte Annika den Ring ab, den Markus ihr nur vertraglich angesteckt hatte

und nahm einen anderen an.

Der Ring, den Felix ihr gab aus Liebe, wirklich gewollt.

Frieda hüpfte jubelnd, warf Blumenblätter auf den Boden.

Ich hab jetzt einen Papa! Einen richtigen!, rief sie.

Markus stand abseits, wischte sich die Augen.

Endlich etwas Gutes in diesem Haus, murmelte er.

Felix griff Annikas Hand.

Danke, dass du mich gerettet hast.

Sie schüttelte den Kopf.

Nein. Wir haben uns gegenseitig gerettet.

Und ihr Leben begann von Neuem.

Nicht aus Pflicht.

Nicht aus Zwang.

Aus freiem Willen. Aus Liebe.

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Homy
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Schon auf dem Weg spürte Tanja, wie sich ihr Magen zusammenzog. Je näher der luxuriöse SUV auf den weitläufigen Hof der Familie Sottner zusteuerte, desto stärker überkam sie die Unruhe.
Nach der Arbeit nach Hause gekommen, aber niemand war da und die Wohnung war in einem furchtbaren Zustand