Als ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam, klingelte ich wie immer an der Wohnungstür im dritten Stock. Stille. Ich klopfte noch einmal keine Antwort. Mit dem Schlüssel in der Hand öffnete ich die Tür.
Der Anblick, der sich mir bot, ließ mich kurz den Atem anhalten. Der Fernseher summte leise, die Kühlschranktür stand offen. Auf dem Boden lagen verstreut T-Shirts, Handtücher und ein paar Kinderspielzeuge.
Ich trat einen Schritt weiter, spähte ins Bad dort stand ein nasses Tümpchen, als wäre jemand gerade hastig davongerannt.
Wo ist Anke? Wo ist unser kleiner Lukas? Mein Handy vibrierte nicht; ihr Telefon war ausgeschaltet.
Plötzlich hörte ich hinter mir Schritte.
Ich bin seit drei Jahren verheiratet. Anke und ich haben uns im Büro kennengelernt typische Geschichte: gemeinsame Projekte, Mittagessen, lange Gespräche. Nach der Hochzeit änderte sich alles. Sie wurde schwanger, ging in Elternzeit, und die finanziellen Pflichten fielen auf meine Schultern. Der Alltag wurde zur Routine: morgens Büro, abends Zuhause. Anke kümmerte sich um den Haushalt, saß mit Lukas, bereitete das Abendessen zu, und ich freute mich immer auf die ruhige Zeit zu Hause.
Doch an diesem Abend war etwas anders.
Ich öffnete die Haustür, fuhr hinauf, klingelte und wieder nur Stille. Ich klopfte erneut, doch keine Antwort. Vielleicht war Anke im Bad? Sie hört doch immer meine Schritte. Ich zog den Schlüssel und trat ein.
Der Anblick ließ mich fast umfallen. Der Fernseher brummte, die Kühlschranktür stand offen, überall lagen Kleidungsstücke, Handtücher und Spielzeug verstreut.
Ein Schritt nach vorne, ein Blick ins Bad dort ein Wasserbecken, als hätte jemand in Eile das Bad verlassen.
Wo ist Anke? Wo ist Lukas?
Mein Kopf arbeitete wie ein wildes Uhrwerk. Der erste Gedanke war Einbruch. Doch wir haben zu Hause weder Geld in Euro noch wertvollen Schmuck.
Was war hier passiert? Warum sah alles aus, als hätte jemand alles in seinem Lauf umgeworfen?
Mit zittrigen Fingern wählte ich Ankes Nummer. Nur ein Piepton, dann die kalte Stimme des Anrufbeantworters: Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar.
Mein Herz hämmerte wie wild in der Brust. Vielleicht kam ich nur ein paar Minuten zu spät? Hätte ich früher geklopft, hätte ich etwas ändern können?
In diesem Moment hörte ich hinter mir wieder Schritte.
Oh, Schatz, bist du schon zu Hause?, ertönte ihre Stimme.
Ich drehte mich abrupt um. Anke stand im Türrahmen, einen Einkaufstaschen in der Hand, lächelnd und völlig ungerührt.
Was ist hier passiert? Wo ist unser Junge? Warum ist dein Handy aus?, fuhr ich hastig fort.
Sie zog die Jacke ab, ließ die Tüte auf den Tisch fallen.
Wie war dein Tag?, fragte sie ganz normal.
Ich konnte kaum noch atmen.
Was ist los? WO IST DAS KIND?!
Anke hob überrascht die Augenbrauen.
Beruhig dich. Er ist bei seiner Mama. Ich war nur für eine halbe Stunde im Supermarkt.
Und und dieser Wirrwarr?
Sie lächelte, setzte sich auf das Sofa.
Frag mich doch, was ich heute gemacht habe.
Ich verzog das Gesicht.
Was?
Sie gähnte leicht, streckte sich und sagte mit einem Lächeln:
Nichts Besonderes. Ich habe einfach mal die Seele baumeln lassen.





