28. Juni 2024
Heute hatte ich wieder einmal ein Erlebnis, das mich tief zum Nachdenken gebracht hat. Ich saß wie gewöhnlich an meinem Arbeitsplatz im Modegeschäft in München, und alles schien zunächst ganz ruhig zu laufen. Doch plötzlich flog eine Apfelscheibe wie aus dem Nichts auf mich zu. Kunden, Kolleginnen, die Filialleiterin und selbst die Geschäftsführerin waren Zeugen dieses Vorfalls.
Vom Auftreten her hättest du ja nie gedacht, dass sie sich so daneben benimmt, sagten später einige Kunden. Die Frau, die diese Beleidigung gegen mich schleuderte, sah wirklich gepflegt aus: ein eleganter Hosenanzug, frisch gestylte Haare und eine sorgfältige Maniküre. Ihre Schuhe glänzten und sie trug hohe Absätze. Was war nur schiefgelaufen?
Unsere Mitarbeitenden erinnerten sich noch gut an diese Dame, die zuletzt vor etwa zwei Monaten bei uns war. Damals suchte sie stundenlang nach dem passenden Kleid ganze fünf Stunden, um genau zu sein. Sie führte sich schon damals merkwürdig auf. Sind Sie hier alle so faul und ungebildet?, hatte sie damals beleidigend gefragt. Niemand hat sie jedoch unhöflich behandelt; sie kaufte das Kleid und verließ den Laden. Das wars bis heute.
Heute trat sie erneut auf und verlangte, das Kleid zurückzugeben. Da dachte ich zunächst, es müsste wohl einen Defekt geben. Aber nein sie hatte es zwei Monate getragen und wollte es nun einfach wegen der Farbe zurückgeben, obwohl die Rückgabefrist längst abgelaufen war. Ich erklärte ihr höflich, dass das leider nicht möglich sei. Gut, dann machen Sie einfach einen Umtausch wegen eines Mangels, schlug sie vor. Das tut mir leid, aber das geht nur bei einem echten Mangel. Wir können das Kleid gern zur Prüfung einschicken, antwortete ich. Ich habe keine Zeit für sowas. Schreiben Sie einfach, dass es mangelhaft ist! Sie wurde lauter und aufdringlicher.
Ich habe verstanden, dass Sie einen Mangel melden möchten, aber ohne Prüfung können wir das nicht einfach deklarieren, versuchte ich ruhig zu bleiben. Soll ich etwa ins Ausland fliegen, um das Kleid dort umzutauschen? eine absurde Bemerkung, die ich nicht verstand. Worauf sie hinauswollte, blieb unklar. Sie fing an zu schreien, sodass die Filialleitung aus dem Büro kam und alles mitbekam.
Was ist denn hier los? fragte die Filialleiterin. Sind Sie die Chefin? Mir werden meine 300 Euro nicht rückerstattet! Wann haben Sie das Kleid gekauft? Warum sind Sie so besessen von der Kaufdatum? Das Kleid ist mangelhaft, da ist ein Fleck drauf! Ja, da ist ein Fleck, aber wir müssen erst prüfen, ob der schon beim Kauf da war.
Das ist Gesetzesbruch, überall Betrug und Abzocke? schrie die Kundin die Chefin an. Ich versuchte noch einmal: Sie haben das Kleid zwei Monate getragen und es dabei wohl verschmutzt. Jetzt möchten Sie es zurückgeben. Wir können keine Ware verschenken oder kostenlos austauschen.
Und im nächsten Moment traf mich die Apfelscheibe. Niemand hatte gesehen, wie die Dame sie herausgeholt hatte ich fühlte mich unglaublich beleidigt und verließ kurz den Laden, um mich zu beruhigen. Die Kundin brüllte weiter, diskutierte mit der Filialleitung und der Geschäftsführerin.
Lass uns ihr das Geld einfach geben und sie gehen lassen, schlug die Filialleiterin vor. Nein, sagte die Geschäftsführerin, die sonst immer Konflikte zu entschärfen versuchte. Wir werden uns nicht von ihr bei der Nase herumführen lassen. Sie will uns betrügen darauf gehe ich nicht ein. Letztlich rief sie die Polizei.
Ich frage mich, warum manche Menschen das Gefühl haben, alles tun zu können. Nach so vielen Jahren im Einzelhandel geht mir solche Respektlosigkeit immer noch nahe. Soweit zu meinem heutigen Tag ich hoffe, morgen wird es ruhiger.





