Ich war seit drei Jahren mit David zusammen, als er mir vorschlug, mit ihm zusammenzuziehen was übersetzt bedeutete: Willkommen im Elternhaus! Kaum waren wir verheiratet, begann der eigentliche Spaß.
Meine Schwiegermutter schob für alles, was ich tat, grundsätzlich David den schwarzen Peter zu. Das sorgte natürlich für regelmäßige Missverständnisse und die ein oder andere Familienstreiterei. Egal, ob ich arbeiten ging oder zu Hause blieb ihre Kommentare blieben mir garantiert nicht erspart. An einem Sonntag zum Beispiel wollten wir (ausnahmsweise!) länger schlafen, doch sie platzte ohne Vorwarnung ins Schlafzimmer und hielt erst mal eine Standpauke, warum wir uns um Gottes Willen noch im Bett aufhielten. David versuchte zwar, uns zu verteidigen, aber sie stellte klar: Mein Haus, meine Regeln!
Irgendwann hatte David genug und begann noch am gleichen Abend, nach einer Mietwohnung in München zu suchen. Die Preise waren astronomisch, aber Hauptsache raus da. Kaum hatten wir unser eigenes Nest, wurde das Leben regelrecht rosig.
Später haben wir uns sogar nach einem Grundstück umgesehen. Aber für einen eigenen Brunnen reichte das Kleingeld beim besten Willen nicht. Da half nur noch: Eltern anpumpen! Mein eigener Vater war früh verstorben, meine Mutter lebte auf dem Dorf und zog mit bewundernswerter Geduld meine beiden jüngeren Brüder groß.
Wir starteten also unser Bauprojekt in Rekordzeit doch beim Durchforsten der Unterlagen stolperte ich über den Grundbuchauszug: Das Grundstück war auf den Namen meiner Schwiegermutter eingetragen! Ich fiel fast vom Stuhl und konfrontierte David damit. Der blieb gelassen und versicherte mir, das sei nur aus formalen Gründen so gewesen ihre Eltern hätten das Grundstück bezahlt und dann an uns überschrieben.
Mir war das alles zu windig. Also bat ich meine Schwiegermutter, aus unserem Haus auszuziehen. Ein Monat Funkstille folgte, aber David versprach hoch und heilig, alles werde sich klären und überredete mich, es noch einmal zu versuchen. Einige Monate später stellte sich heraus, dass ich schwanger war ein kleiner Lebenstraum, der wahr wurde.
Als wir der Familie die Neuigkeiten mitteilten, war das Verhältnis nicht besser geworden. Die Schwiegereltern bombardierten uns weiterhin mit Einladungen zu Kaffee und Guglhupf, weil sie das Enkelkind sehen wollten, obwohl ich eigentlich um Ruhe gebeten hatte. Meine Schwiegermutter schürte die Stimmung fleißig weiter Anlass für jede Menge kleiner Ehestreitigkeiten und systematische Schwiegersohn-Degradierung inklusive. Ich erinnerte David regelmäßig an seine Versprechen und die anhaltend schlechte Stimmung, die durch seine Familie ins Haus flattern kam.
Der große Knall kam, als meine Schwiegermutter schließlich tatsächlich meine Mutter kontaktierte, um über eine Umschreibung des Hauses zu sprechen allerdings nur, wenn meine Mutter auf die Hälfte des Hauswertes verzichtete. Als sie sich weigerte, gab es erst mal Vorwürfe: Ich wäre faul und hätte keine Ahnung vom Arbeiten oder vom Leben überhaupt.
Da wurde mir endgültig klar: Hier zählte nie das Miteinander, sondern allein das Geld. Also war Schluss. Ich beschloss, mein Leben nach meinen eigenen Regeln zu führen und nicht nach den Erwartungen irgendeines Familienrates in Bayern.
Kein bisschen bereue ich diese Entscheidung. Ich weiß, dass ich mich und mein Kind ganz wunderbar allein durchs Leben bringen kann. David? Der lebt vermutlich noch immer bei seiner Mama.
Findet ihr, ich habe richtig gehandelt?
Das Verhalten der Frau kann man durchaus als gesunden Egoismus verbuchen: Sie hat ihre Unabhängigkeit und ihr Wohlbefinden in den Vordergrund gestellt nach allem, was sie erlebt hat. Jede Lebenslage ist einzigartig und am Ende muss jeder und jede für sich selbst entscheiden, was das Beste für sich und die Familie ist.





