Geboren und aufgewachsen auf dem Land, war ich immer höflich und zuvorkommend. Mit 18 Jahren beschloss ich, nach München zu ziehen, um mir einen Beruf zu suchen. Meine Familie war skeptisch und riet mir davon ab sie glaubten, es gäbe genug Arbeit auf dem Land, aber ich war entschlossen und ließ mich nicht beirren.
Meine Mutter, die mich allein großgezogen hatte, nachdem mein Vater früh verstorben war, wollte mich nicht gehen lassen. Dennoch setzte ich meine Ausbildung fort und wurde Kfz-Mechaniker. Den Großteil meines Gehalts überwies ich meiner Mutter, damit sie ein gutes Leben führen konnte. Ich heiratete eine Frau aus der Stadt sie hieß Hildegard doch unsere Ehe scheiterte nach fünf Jahren. Hildegard war mit unserer finanziellen Lage unzufrieden und suchte das Glück woanders. Trotzdem schätzten mich meine Freunde und meine Verwandten sehr.
Das Leben in der Stadt war einfach nichts für mich. Es enttäuschte mich, dass viele Dinge nur mit Geld gelöst werden konnten. Ich sehnte mich nach einer ehrlichen, einfachen Existenz, nach einem Leben mit mehr Sinn.
Während meiner Telefonate mit meiner Mutter schlug sie mir vor, zurück ins Dorf zu kommen. Sie meinte, dass dort genug Arbeit sei und dass ich vielleicht mit meiner Jugendfreundin Gisela eine Familie gründen könnte. Ich hatte immer Gefühle für Gisela gehabt, aber auch meine zweite Ehe, ebenfalls mit einer Frau aus München, die Sabine hieß, ging in die Brüche auch aus Geldproblemen.
Mit 40 Jahren traf ich die Entscheidung, wieder in mein Heimatdorf im Bayerischen Wald zu ziehen. Ich fand eine Stelle in einem Sägewerk und das veränderte mein Leben. Zum ersten Mal spürte ich die echte Wertschätzung und den Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt. Ich traf Gisela wieder und bald darauf heirateten wir. Nur wenig später kam unser erstes Kind zur Welt.
Am wichtigsten war für mich, wie glücklich meine Mutter wurde, als ich zurückkam. Mir wurde klar, was die alte deutsche Weisheit bedeutet: Wo Menschen zusammenkommen, entsteht Wert. Im neuen Leben, eingebettet in die Wärme und den Zusammenhalt der Dorfbewohner, habe ich wahrhaftige Erfüllung und einen tieferen Sinn gefunden.
Heute weiß ich: Manchmal muss man den eigenen Weg gehen, doch am Ende zählt, wo man sich zu Hause fühlt und die Menschen, denen man begegnet.





