Max, ein Schüler der fünften Klasse, hat schon immer Bewunderung für seine jüngere Nachbarin Greta empfunden. Mit ihren langen, goldenen Zöpfen und dem bezaubernden, sommersprossigen Gesicht zog sie stets seine Aufmerksamkeit auf sich. Häufig begleitete Max Greta nach Hause, um sie vor den größeren Jugendlichen im Viertel zu schützen, die es liebten, die jüngeren Kinder einzuschüchtern. Doch ihre Leben änderten sich schlagartig, als eine Tragödie eintrat Gretas Vater wurde schwer krank und verstarb nach einem langem, schwierigem Kampf.
Gretas Mutter kam mit dem Verlust nicht zurecht und verfiel dem Alkohol. Dies führte dazu, dass Greta vernachlässigt wurde und nicht ausreichend umsorgt war. Ihre Mutter vergaß sogar manchmal, Greta zu essen zu geben. Schließlich hörte Greta ganz auf, zur Schule zu gehen. Anfangs vermutete Max, sie sei einfach krank. Doch als sich Wochen in Monate verwandelten, wuchs seine Sorge um ihr Verschwinden. Er fasste den Mut und erzählte seiner Mutter von seinen Gedanken und fragte, wo Greta sei.
Seine Mutter teilte ihm sanft mit: Max, Greta wurde in ein Kinderheim gebracht. Traurigkeit erfüllte Max, denn ihm wurde klar, dass er sie vielleicht nie wiedersehen würde. Die Jahre vergingen, Max wurde erwachsen und kehrte nach seiner Wehrdienstzeit zurück in seine Heimatstadt, Bamberg. Eines Tages begegnete er zufällig Greta. Sie spazierte Hand in Hand mit ihrem Mann, ihr hochschwangerer Bauch war unter dem Mantel zu erkennen. Es war offensichtlich, dass sie bald Mutter sein würde. Ihr Treffen war jedoch kurz, und vier weitere Jahre verstrichen ohne eine neue Begegnung.
Als Greta eines Tages nach Bamberg zurückkehrte, kreuzten sich ihre Wege erneut. Nun war sie alleinerziehende Mutter, denn ihr Mann war bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung im Viertel ums Leben gekommen, nachdem er seiner Alkoholabhängigkeit erlegen war. Greta blieb allein zurück, um ihren kleinen Sohn großzuziehen. Immer wenn Max sie ansah, stieg eine tiefe Empfindung in ihm auf. Es schien, als wären ihre Schicksale auf besondere Weise miteinander verwoben. Sowohl Greta als auch ihr Sohn brauchten ihn und Max wusste, dass er eine wichtige Aufgabe in ihrem Leben übernehmen konnte. So tat er es auch, denn in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie bedeutsam Fürsorge und Verantwortung sind. Jede Herausforderung kann zur neuen Hoffnung werden, wenn wir den Mut haben, füreinander da zu sein.





