Ich habe die beste Mutter der Welt! Sie hat mich viel zu jung zur Welt gebracht sie war gerade mal 16. Meine ganzen Verwandten waren entsetzt, nur meine Großeltern haben zu ihr gestanden. So kam es, dass ich das ausgeglichenste und liebste Kind wurde.
Meine ganze Familie hat mich gemeinsam großgezogen. Oma und Opa kümmerten sich in dieser Zeit darum, dass meine Mutter ihre Ausbildung abschließen konnte. So mussten wir zum Glück nie in Armut leben. Weil meine Mutter fleißig gearbeitet hat, mussten wir nie groß auf jeden Cent achten und es gab auch keinen Streit um Geld.
Schließlich wurde ich älter, und dann passierte mir mit 16 das Gleiche: Ich wurde schwanger. Zum Glück hat mein Freund Verantwortung übernommen er stand zu mir und heiratete mich. Mit 17 kam unsere Tochter zur Welt. So wurde meine Mutter bereits mit 33 Großmutter. Sie war nicht verzweifelt, im Gegenteil, sie war ehrlich glücklich wir hielten wie eine Familie zusammen. Ich konnte meinen Abschluss machen und einen tollen Job in München finden.
Jetzt ist mein Kind schon zwölf Jahre alt und ich selbst erwarte mein zweites Kind. Bis vor Kurzem war alles einfach wunderbar doch das war ist entscheidend.
Vor einiger Zeit eröffnete mir meine Mutter, dass sie noch einmal ein Kind bekommen möchte. Ich fragte sie, warum. Sie erzählte mir, dass sie sich in einen Mann verliebt hat. Aber dieser Mann hat bereits eine Familie und will sich nicht trennen. Ich war ziemlich schockiert. Keine Gespräche konnten sie umstimmen. Schließlich gestand sie mir, dass sie bereits schwanger ist und das Kind behalten will.
Wir saßen zusammen und haben beide geweint. Ich habe geweint, weil der Mann meiner Mutter sie nicht heiraten wird, das Kind nicht anerkennen wird und sich an den Kosten nicht beteiligen wird. Will sie das Baby, muss sie es allein schaffen. Dabei hat der Mann doch schon Kinder.
Meine Mutter war am Boden zerstört. Eigentlich hätte ich sie trösten und unterstützen wollen, aber ich wusste nicht wie. Sie ist verliebt, schwanger und steht plötzlich ganz allein da es hätte für sie kaum schlimmer kommen können.
Ich mache mir viele Gedanken darüber, was passieren wird, wenn das Kind geboren ist. Bestimmt werden die Nachbarn und Bekannten in unserer kleinen Stadt Regensburg tuscheln und über meine Mutter lachen. Schließlich wird sie im fünften Lebensjahrzehnt noch mal Mutter und das als Alleinerziehende. In so einer kleinen Stadt wie unserer verbreiten sich solche Dinge rasch.
Natürlich unterstütze ich meine Mutter, so gut ich kann. Denn wenn ich auch noch ablehnend wäre, würde sie daran zerbrechen. Meine Großeltern wissen übrigens noch nichts von der Schwangerschaft meine Mutter hat mich gebeten, ihnen noch nichts zu erzählen.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie darüber nachdenkt, das Kind nicht zu bekommen. Ich weiß nicht, ob ich sie davon abhalten oder unterstützen sollte. Ich habe Angst, und gleichzeitig tue sie mir sehr leid. Es ist ihre Entscheidung, egal was andere sagen. Ich glaube, sie hat dieses ungeborene Baby schon ins Herz geschlossen. Was also tun? Abtreiben oder gemeinsam einen Weg finden? Diese Entscheidung liegt allein bei ihr.
Meinem Mann, der als einziger unser Geld verdient, habe ich alles erzählt. Er blieb erstaunlich ruhig. Für ihn sind Schwierigkeiten nichts Neues er sagt: Wo zwei Kinder Platz haben, da passt auch ein drittes dazu. Und doch bleibt die Angst vielleicht ganz umsonst?
Am Ende habe ich eines gelernt: Egal wie schwierig die Situation auch ist, das Wichtigste ist Zusammenhalt in der Familie. Niemand sollte sich von Vorurteilen oder Spott der Gesellschaft brechen lassen. Das Herz weiß oft besser, welcher Weg der richtige ist, als jede Meinung von außen.





