Bittere Wahrheit ans Licht gebracht: Als Irinas jüngere Schwester Dasha mit der Neuigkeit ihrer Schw…

Verrechnet

Leonie schaut heute vorbei, so gegen sieben. Ist das für dich in Ordnung?
Saskia legte die Bürste beiseite und wandte sich ihrem Mann zu, der mit der Fernbedienung herumspielte. Michael nickte, ohne den Blick vom Fernseher zu lösen.

Klar, sie kann ruhig kommen.
Saskia lächelte erleichtert und trat wieder vor den Spiegel. Es gefiel ihr, dass ihr Mann und ihre Schwester sich so gut verstanden. Leonie kam oft vorbei, manchmal zwei- oder dreimal die Woche, blieb bis spät in die Nacht, und die Wohnung war dann voller Lachen und Geplauder. Saskia hörte ihnen zu, wie sie über die neueste Serie diskutierten oder sich über Politik stritten, und dachte dabei, wie sehr sie das Glück gepachtet hatte. Ein verlässlicher Mann, eine geliebte Schwester, eine stabile Familie. Wie im Film, nur eben echt.

Trotzdem, manchmal nagte etwas an ihr. Kleinigkeiten, nichts Großes. Wie Michael sich zu Leonie beugte, wenn sie wieder von einem Erlebnis im Büro erzählte. Wie ihre Schwester lachend sein Schulter berührte. Oder wie sie in der Küche tuschelten und verstummten, wenn Saskia den Raum betrat. Sie verscheuchte diese Gedanken Unsinn! Es war doch nur Leonie, die kleine Schwester, die sie als Jugendliche noch gehütet hatte. Und Michael, ihr Michael, mit dem sie fünf Jahre verheiratet war. Bald stand sogar ihr Jubiläum an.

An jenem verhängnisvollen Abend bat Saskia auf der Arbeit um früheren Feierabend. Sie wollte noch einkaufen, Zutaten für ein Festessen für den Jahrestag besorgen, um den morgigen Abend besonders zu machen.

Der Schlüssel drehte sich ungewohnt leicht im Schloss. Saskia betrat den Flur und blieb stehen. Die Stille in der Wohnung wirkte dickflüssig, beinahe beklemmend. Gedämpfte Stimmen drangen aus dem Wohnzimmer.

Sie ging den Gang entlang, öffnete die Tür und hielt auf der Schwelle inne.

Leonie saß in IHREM Sessel. Die Schwester hatte es sich darin bequem gemacht, als gehöre er schon immer ihr. Michael stand am Fenster, doch als Saskia eintrat, drehte er sich noch mehr weg, als wolle er in der Wand verschwinden.

Was ist denn mit euch los? Saskia zwang sich zu einem Lächeln, aber ihre Lippen gehorchten nicht recht. Habt ihr was?
Leonie sah sie an. Und Saskia erkannte in diesem Blick ihre Schwester nicht wieder. Wo war die sanfte, leicht unsichere Leonie, die früher immer um Rat gefragt und bei Liebeskummer an ihrer Schulter geweint hatte? Vor ihr saß eine fremde Frau mit einem kühlen, triumphierenden Ausdruck.

Es gibt was. Ich bin schwanger. Von deinem Mann, sagte Leonie leise, aber bestimmt. Pack deine Sachen und geh. Ich wohne jetzt hier.
Ihre Hand lag auf dem Bauch, noch flach und unter der weiten Bluse kaum zu erkennen.

Saskia stand regungslos. Auf der Straße hupte ein Auto. Durch die Wand klang das Flimmern eines Fernsehers. Die Welt drehte sich weiter, während sie kaum noch Luft bekam.

Was?!, presste Saskia heiser hervor, die Stimme gebrochen.
Du hast schon richtig gehört. Leonie ließ sich zurück in den Sessel fallen. Michael und ich haben längst entschieden. Wir haben keine Lust mehr, zu verstecken.
Saskia schaute zu ihrem Mann. Der wich ihrem Blick aus, schultern zusammengefallen, die Finger umklammerten das Fensterbrett, bis die Knöchel weiß hervortraten.

Michael, trat sie an ihn heran. Schau mich an, bitte.
Er drehte sich widerwillig. In seinen Augen war weder Reue noch Scham nur Erschöpfung, vielleicht sogar Erleichterung.

Saskia… so ist es nun mal… es tut mir leid.
So ist es nun mal? Sacki hörte ihre Stimme wie durch einen Nebel. Fünf Jahre Ehe und das ist alles?
Keine Dramen jetzt, warf Leonie dazwischen. Wir sind doch alle erwachsen. Die Liebe ist vorbei, das passiert. Aber zwischen Michael und mir, das ist ernst.

Sie hatte ihn Michaelchen genannt. Genau wie früher Saskia.

Wie lange läuft das schon?, fragte Saskia mit letzter Kraft.
Leonie tauschte einen Blick mit Michael und zuckte mit den Schultern.

Vielleicht ein Jahr. Oder mehr. Ist doch egal.
Ein Jahr. All die Abende, an denen Leonie länger blieb. All die Witze in der Küche. All die Blicke, die Saskia für Geschwisternähe gehalten hatte.

Ich dachte, du bist meine Schwester, Saskia spürte, wie die Wut ihre Stimme fester werden ließ. Ich dachte, du liebst mich.
Tu ich ja, erwiderte Leonie mit einer Gelassenheit, die Saskia erschüttern ließ. Aber mich liebe ich mehr. Und Michael. Du warst immer so… langweilig, Saskia. Alles immer richtig machen wollen. Das nervt manchmal.

Saskia packte Michael am Hemd und drehte ihn zu sich.

Sag, dass sie lügt! Bitte, sag mir, dass das ein schlechter Scherz ist!
Michael stemmte sich zurück, aber Saskia klammerte sich fest, der Stoff riss beinahe.

Saskia, lass mich… du weißt doch…
Nein! Nichts weiß ich!, rief Saskia und stieß ihn so fest weg, dass er gegen das Fenster prallte. Fünf Jahre! Ich hab dir vertraut, sogar ein Jobangebot in München ausgeschlagen, deine Mutter einen Monat im Krankenhaus gepflegt, und du…
Ihre Hand griff nach dem Sofakissen, das sie auf Michael warf. Er wich gerade noch rechtzeitig aus.

Mit ihr in UNSEREM Bett! Schämen solltest du dich!
Beruhig dich doch, sagte Leonie und stand auf, zog demonstrativ die Bluse glatt. Was soll das Theater? Du drehst völlig durch.

Saskia griff nach einem Bilderrahmen. Das Weihnachtsfoto vom letzten Jahr, auf dem sie gemeinsam vor dem Baum standen, lachend, als Familie vereint und glücklich.

Ich hab dich groß gezogen!, brüllte Saskia und schleuderte den Rahmen an die Wand, Glas splitterte, das Foto segelte zu Boden. Mit dir Hausaufgaben gemacht, dich vor Schlägern beschützt und du vergiltst mir das so?
Ach, jetzt kommt das wieder, Leonie schnaubte. Du warst immer die Märtyrerin. Michael liebt halt junge, lebendige Frauen und hat dich aus Mitleid ertragen. Ich war wenigstens ehrlich statt zu flüstern

Ehrlich?, Saskia lachte, ein bitteres, schrilles Lachen, das selbst Michael zusammenzucken ließ. Ein Jahr Lügen, DAS nennst du ehrlich?
Sie griff nach dem schweren Bleikristallaschenbecher, Geschenk von Michaels Mutter, und holte aus.

Saskia! Lass das!, rief Michael, doch da war es zu spät.
Die Aschenbecher donnerte gegen den Schrank, Gläser zerbrachen.

Das ist erst der Anfang!, keuchte Saskia, Schweiß auf der Stirn.
Sie rannte zum Regal, fegte Bücher, Alben, kleine Figuren lauter Andenken aus gemeinsamen Urlauben auf den Boden.

Hör auf!, schnappte Michael und versuchte, sie festzuhalten.
Fass mich nie wieder an!
Leonie wich zur Tür zurück, jetzt blitzte erstmals Unsicherheit in ihrem Gesicht.

Lass uns das klären, okay? Du solltest gehen. Wir brauchen die Wohnung, es wird bald eng mit Kind. Bitte, pack deine Sachen
Ich soll gehen? Saskia blieb mitten im Chaos stehen und starrte die Schwester an, so wütend, dass Leonie noch einen Schritt zurückwich. Ich?

Mit einem Mal wurde ihr klar, dass unter Schmerz und Scham noch etwas anderes lag: Eiseskälte, absolute Klarheit.

Offenbar habt ihr euch verschätzt, sagte sie leise und strich sich Haare aus dem Gesicht. Diese Wohnung gehört mir. Ich habe sie gekauft, bevor ich mit Michael verheiratet war. Sie läuft allein auf meinen Namen. Oder hat Michael dir das verschwiegen?
Leonie blickte zu Michael, der blass wurde und den Blick senkte.

Was soll das?, fuhr Leonie Saskia an. Wir sind jetzt eine Familie, wir brauchen die Wohnung dringender als du alleine.
Familie?, Saskia lachte, dieses Mal leise, ohne jede Freude. Dann baut euch eure Familie woanders auf. Jetzt verschwindet aus meiner Wohnung.

Das kannst du nicht machen!, schrie Leonie. Das ist unmenschlich ich bin schwanger!
Hättest du vorher bedenken sollen, als du dich an meinen Mann rangeworfen hast., Saskia riss die Tür auf. Raus. Beide.

Michael trat zu ihr, wollte ihre Hand nehmen.

Saskia, warte, wir können doch… Ich habe keinen Ort, wo ich hin kann. Meine Sachen sind hier… Ich klage dich an!
Versuchs ruhig. Wohnung gekauft vor der Ehe du hast keine Chance. Deine Sachen kannst du abholen, ich sage dir, wann.
Saskia, bitte
RAUS!, sagte sie so ruhig und fest, dass Michael abbrach. Du und deine schwangere Geliebte raus aus meiner Wohnung!

Leonie griff ihre Tasche, schob sich an ihr vorbei und warf beim Hinausgehen hin:
Mama wird erfahren, wie du mit mir umgehst. Sie wird dir das nie verzeihen.
Das werden wir sehen.

Saskia schlug die Tür hinter ihnen zu, ließ sich mit dem Rücken dagegen sinken. Die Tränen liefen ihr über die Wangen, sie zitterte am ganzen Leib.

Drei Tage später rief ihre Mutter an. Saskia nahm ab, bereit für das Schlimmste.

Saskia, klang die Stimme ihrer Mutter müde, Leonie hat mir alles erzählt. Ihre Version zumindest.
Mama, ich
Lass mich ausreden. Ich hab sie angehört und dann gesagt: Solange du dich nicht besinnst und Saskia um Verzeihung bittest, brauchst du bei mir nicht auftauchen.
Saskia schnappte nach Luft.

Du Du stehst auf meiner Seite?
Natürlich. Leonie hat sich unmöglich benommen. Und dein Mann ist auch kein Deut besser. Kopf hoch, mein Kind. Lass dich scheiden, fang von vorne an. Du hast immerhin die Wohnung, und er bekommt nichts verdient. Du schaffst das, du bist stark.

Saskia sank an der Wand zu Boden und weinte hemmungslos. Sie war in diesem Kampf doch nicht allein. Die Unterstützung ihrer Mutter fühlte sich an wie ein Rettungsanker, mit dem sie nie gerechnet hätte.

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Homy
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Bittere Wahrheit ans Licht gebracht: Als Irinas jüngere Schwester Dasha mit der Neuigkeit ihrer Schw…
Sie zerriss mein Kleid, um mich bloßzustellen – doch dann erfuhr der Saal, wer ich wirklich bin