Saras Vater beschloss, seine Tochter wie einen Jungen zu erziehen, weil er eigentlich einen Sohn erwartet hatte, dann aber eine Tochter bekam. Das Mädchen selbst wusste lange nicht, ob sie sich eher als Junge oder als Mädchen fühlte – bis eines Tages plötzlich alles anders wurde!

Sofort als Klara geboren wurde, wehte ein seltsamer Wind durch das kleine Häuschen am Rande von Köln ihr Vater hatte doch fest einen Sohn erwartet. Stattdessen lag da dieses zarte, schlafende Mädchen im Licht der alten Holzbalken. Ohne groß zu zögern rollte er die Kinderwelt für Klara wie auf einer Modelleisenbahn neu aus: Sie wuchs auf mit Hosenträgern, knielangen Jeans und ausgelatschten Turnschuhen, immer zwischen den Jungs der Nachbarschaft, immer als einer von ihnen. Manche machten Späße über ihren weichen Vornamen, doch sie grinste breit und ihr rostbrauner Zopf baumelte wie ein Ausrufezeichen über dem staubigen Rasen. Wer Klara nur von hinten sah, hätte nie vermutet, dass sie eigentlich ein Mädchen war so wild, so selbstverständlich, wie sie Fangen spielte.

Die Jahre zogen vorbei wie vorbeifliegende ICE-Züge und plötzlich fand sich Klara unter den dicken Mauern der Universität Heidelberg wieder. Der Traum formte alles seltsam um: Da wuchs sie zu einer eleganten jungen Frau heran, ihre Bewegungen ruhig und ihre Stimme tief und fest verwurzelt. Der Übergang war wie Morgendunst über Feldern: schwer greifbar, aber da.

Eines Tages flatterte eine Einladung zu einer surrealen Geburtstagsfeier ihrer Kommilitonin Lydia herein. Klaras Mutter, die Wangen gerötet vom Abendtee, war unruhig und bestand darauf, dass Klara ihr regelmäßig per SMS aus der Nacht berichtete. Der strenge Ton wurde vom Traum jedoch weichgespült und so erschien Klara schließlich auf der Party in einem feuerroten Minikleid und lakschwarzen Stilettos wie aus einer längst verschwundenen Modezeitschrift. Als ihr Vater sie so sah, zog sich für einen Moment die Zeit in die Länge: Er sah nicht mehr den mutigen Jungen seiner Vorstellung, sondern eine empfindsame, strahlende Tochter und seine Augen füllten sich mit Tränen, leise wie der Rhein am Morgen.

Auf dem Heimweg von der Party, irgendwo zwischen Kopfsteinpflaster und Straßenlaternen, begegnete Klara drei taumelnden Männern. Sie rochen nach Bier, Bockwurst und alten Träumen. Es wurde bedrohlich. Doch dann tauchte, fast aus Nebel, ein langer Schatten auf ein Mann namens Matthias, der einen alten Hockeyschläger in der Hand hielt wie einen Zauberstab. Die Männer verschwanden, als hätten sie sich in Rauch aufgelöst. Klara war zugleich schockiert und erleichtert, ihre Hand noch zitternd, als Matthias sie heim begleitete.

Schon bald wurden Klara und Matthias ein unzertrennliches Paar. Sie heirateten in einer kleinen Kapelle auf dem Land, wo Echos von Kinderstimmen und Kirchenglocken sich vermischten. Klara wurde Sportlehrerin an einem Gymnasium, energisch und herzlich; Matthias bekam durch Zufall eine leitende Position bei einem Energieversorger, irgendwo zwischen Kohle und Windrädern, wo Zahlen wie Euro-Münzen durch die Computer schlitterten.

Ihr gemeinsames Leben, voll von Respekt und stiller Übereinkunft, bekam einen noch wärmeren Ton, als ihre Tochter geboren wurde: Luise, ein quirliges Mädchen mit dunklen Löckchen und sprühendem Blick. Trotz Matthias traditioneller Vorstellungen von Weiblichkeit, wuchs Luise als tapfere, selbstsichere junge Frau heran ihr Vater, ein Fels im Leben, stand ihr bei, wo immer sie ihn brauchte.

Klaras Mutter strahlte vor Stolz, und ihr Vater, nun Großvater, fand in Matthias endlich den Sohn, von dem er immer heimlich geträumt hatte.

Und der Wind über Köln trug ihre Geschichte davon, ein bisschen wie ein seltsamer, wunderbarer Traum.

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Homy
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Saras Vater beschloss, seine Tochter wie einen Jungen zu erziehen, weil er eigentlich einen Sohn erwartet hatte, dann aber eine Tochter bekam. Das Mädchen selbst wusste lange nicht, ob sie sich eher als Junge oder als Mädchen fühlte – bis eines Tages plötzlich alles anders wurde!
Ich hasse dich nicht!Ich hasse dich nicht!