Nora benahm sich erst nach ihrer Hochzeit gegenüber ihrer Stiefmutter distanziert und kühl. Der Auslöser war, dass ihre Schwiegermutter finanziell nichts zur Hochzeitsfeier beigetragen hatte. Einziger Trost war, dass sie nicht gemeinsam wohnen mussten, denn die Eltern von Katharina hatten dem jungen Paar großzügig eine moderne Dreizimmerwohnung im Herzen von München geschenkt. Im Gegensatz dazu hatte Marks Mutter, Helga, ihnen nur ein schlichtes, gewöhnliches Essgeschirr überreicht. Außerdem war sie nicht einmal zur Tafel eingeladen, sondern hatte sich mit einer angeblichen Krankheit entschuldigt insgeheim war Katharina darüber sogar erleichtert.
Zunächst verlief ihr Familienleben ruhig und geordnet. Doch als Helga in ihrem Haus auf dem Land schwer erkrankte und nicht mehr allein zurechtkam, gab es keine andere Möglichkeit, als sie zu sich zu nehmen auch wenn Katharina das lieber vermieden hätte. Helga versuchte, sich im Haushalt nützlich zu machen, doch das brachte Katharina erst recht auf die Palme. Alles, was die Schwiegermutter anpackte, missfiel ihr; man spürte, Helga fühlte sich nicht willkommen. Nachdem es Helga wieder besser ging, fasste sie schweren Herzens den Entschluss, in ihr eigenes Haus zurückzukehren. Katharina hoffte, das Leben hätte nun wieder seinen gewohnten Gang, doch dann geschah das Unfassbare: Mark erkrankte schwer und konnte trotz aller Bemühungen nicht gerettet werden.
Von Trauer und Verzweiflung überwältigt, erfuhr Katharina wenig später, dass sie schwanger war. In dieser dunklen Zeit war es ausgerechnet Helga, die ihr Kraft und Halt gab. Die Schwiegermutter, selbst von Schmerz über den Tod ihres einzigen Sohnes gebeutelt, war Katharina eine treue Stütze. Sie spendete Trost, hörte ihr zu und erinnerte sie daran, dass das Leben weitergeht dass Hoffnung nicht verloren gegeben werden darf. Katharina fühlte sich verloren angesichts der Aussicht, ein Kind allein großziehen zu müssen, aber durch Helgas Unterstützung wirkte die Zukunft nicht mehr ganz so bedrohlich und leer. Schritt für Schritt fanden sie beide ins Leben zurück und ein Jahr später brachte Katharina ein gesundes Mädchen zur Welt.
Ein weiteres Jahr verstrich, als Katharina einen wunderbaren Mann kennenlernte. Doch auch jetzt vergaß sie Helga nicht. Oft besuchte sie gemeinsam mit ihrer Tochter die fürsorgliche alte Dame die Frau, mit der alles so schwierig begonnen hatte und die am Ende doch zur Familie geworden war.





