Ich habe Fehler in meinem Leben gemacht, doch der größte von ihnen wohnt immer noch neben mir und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich war 25 Jahre alt, als ich einen Mann namens Bernd heiratete. Er war zwei Jahre älter als ich. Damals erschien er mir fast wie ein Märchenprinz auf einem weißen Ross.
Er brachte mir ständig Blumen, beschenkte mich, trug meine schweren Taschen, wir stritten nie und konnten immer jede Schwierigkeit ganz ruhig lösen. Zusammen gewohnt hatten wir vor der Hochzeit nie weder er noch ich fanden das Zusammenleben vor der Ehe sinnvoll, sondern hielten es eher für eine leichtsinnige Idee. Und dann haben wir eben geheiratet. Meine Eltern gaben uns Euro zur Hochzeit, doch dieser Betrag reichte bei weitem nicht aus, um eine eigene Wohnung in Berlin zu kaufen. Auch wollte ich eigentlich nicht mieten warum soll ich das Geld irgendeinem Vermieter geben und ständig nachfragen, ob wir gut oder schlecht leben? Kurz gesagt, Bernds Mutter schlug vor, bei ihr einzuziehen. Ihre Altbauwohnung in München hatte zwei Zimmer, ihr war sowieso langweilig, und es gab genug Platz. Warum also nicht?
Ich habe eigenmächtig zugestimmt. Bernds Mutter schien eine herzliche Frau zu sein, so fand ich schnell eine gemeinsame Sprache mit ihr. Aber kaum dass ich Bernd geheiratet und bei meiner Schwiegermutter eingezogen war, erfuhr ich viel mehr über meinen Mann. Es stellte sich heraus, dass seine Mutter ihn immer noch für einen kleinen Jungen hielt. Solange er bei ihr lebte, tat er nichts im Haushalt seine Mutter wusch sogar Unterwäsche und Socken für ihn, einen erwachsenen Mann. Das muss man einfach zugeben, das ist kein normales Verhalten.
Bernd tat nichts anderes als zur Arbeit zu gehen und sich um seine eigenen Dinge zu kümmern. Kein Wunder, dass, sobald wir zusammen wohnten, alle Verantwortungen auf meinen Schultern lagen. Ich musste nun für alle kochen, putzen, Wäsche waschen, bügeln. Brauchte ich das wirklich? Meine Schwiegermutter mischte sich zumindest nicht in meine Angelegenheiten, betrat nicht die Küche, wenn ich kochte. Aber dass sie mir in nichts helfen wollte, gab mir das Gefühl, ich wäre in ihrer Familie nur als Bedienstete willkommen.
Dann kam es noch schlimmer. Eines Tages fing eine Steckdose Feuer, ich löschte den Brand. Als ich Bernd bat, das alte Teil zu ersetzen und eine neue zu installieren, kam er mir vor wie bei einer Aufgabe aus höherer Mathematik. Es zeigte sich, dass mein Mann nicht einmal wusste, wie man eine Steckdose wechselt. Was soll ich sagen selbst einen Glühbirnenwechsel scheute er, zog sich zurück und sagte, das mache er nicht. Also nahm ich einen Hocker und wechselte selbst die Lampe. Letztlich konnte mein Mann wirklich gar nichts im Haushalt. Man könnte sagen, das sei nicht so schlimm. Aber er hatte nicht einmal den Wunsch, etwas zu lernen. Wozu auch? Man kann ja jemanden holen und dafür zahlen. Gut, aber Bernd verdiente keineswegs genug Euro, um andere alles machen zu lassen.
Am meisten brachte mich zur Weißglut, dass meine Schwiegermutter ihren Sohn immer behandelte wie einen Siebenjährigen und er ihr schüchtern mit einem Mutti antwortete.
Bernd, hast du deine Socken angezogen, die Unterhose gewechselt? Bernd, hast du dich ordentlich gewaschen? Bei solchen Gesprächen wurde mir ganz flau im Bauch. Er ist ein erwachsener Mann, und seine Mutter fragt, ob er seine Unterhose gewechselt hat.
Kurzum, ich will mich scheiden lassen. Aber was dann? Ich habe keine eigene Wohnung, das Geld meiner Eltern ist längst weg. Aber all das kann ich nicht länger ertragen. Wie lange soll ich diese stumme Absurdität noch aushalten?





