Nachdem ich von der schrecklichen Tat meiner Schwiegermutter erfahren habe, habe ich jegliches Verlangen verloren, ihr zu helfen – doch ich kann sie trotzdem nicht im Stich lassen.

Liebes Tagebuch,

ich habe zwei Kinder. Sie stammen aus verschiedenen Ehen. Mein erstes Kind ist meine Tochter. Meine liebe Annalena ist mittlerweile 16 Jahre alt. Ihr Vater zahlt regelmäßig Unterhalt und hält stets Kontakt zu ihr. Obwohl mein erster Mann inzwischen wieder verheiratet ist und in seiner zweiten Ehe zwei weitere Kinder bekommen hat, vergisst er Annalena nie.

Mein fünfjähriger Sohn hingegen hatte weniger Glück. Vor zwei Jahren ist mein zweiter Mann plötzlich schwer erkrankt und nach nur drei Tagen im Krankenhaus verstorben. Auch wenn seitdem einige Zeit vergangen ist, will mir sein Tod immer noch nicht in den Kopf. Ich ertappe mich so oft dabei, wie ich hoffe, dass gleich die Tür aufgeht, er hereinkommt, mich anlächelt und mir einen schönen Tag wünscht. Dann sitze ich da und weine den ganzen Tag.

In dieser schweren Zeit war mir vor allem meine Ex-Schwiegermutter Monika eine große Stütze. Obwohl sie mindestens genauso gelitten hat wie ich schließlich war ihr Sohn ihr einziges Kind haben wir uns gegenseitig Halt gegeben. Wir haben oft miteinander telefoniert und uns besucht. Ständig haben wir über meinen Mann gesprochen.

Eine Zeit lang wollten wir sogar zusammenziehen, aber dann hat Monika es sich doch anders überlegt. Wir haben immerhin sieben Jahre zusammen unter einem Dach gelebt. Unser Verhältnis war immer wunderbar, fast wie zwischen Freundinnen.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich damals schwanger wurde und Monika plötzlich mit einem Vaterschaftstest ankam. Sie hatte im Fernsehen irgendeinen Bericht gesehen, in dem ein Mann jahrelang ein fremdes Kind großgezogen hatte und erst später die Wahrheit erfahren hatte. Ich habe sofort deutlich gemacht, wie unangenehm mir das ist.

Wenn ein Mann daran zweifelt, ob es sein Kind ist, dann soll er sich scheiden lassen und halt nur am Wochenende Papa spielen!

Monika beruhigte mich und sagte, dass sie selbstverständlich glaube, das Kind sei von ihrem Sohn. Dennoch hatte ich schon damals das Gefühl, dass sie mich bei der Geburt zum Test drängen würde, aber sie hat nie wieder etwas gesagt.

Diesen Sommer hat sich Monikas Gesundheitszustand dann plötzlich stark verschlechtert. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass sie näher zu mir ziehen sollte. Wir haben eine Maklerin engagiert und wollten für Monika eine neue Wohnung in München finden.

Doch bevor alles geregelt war, musste Monika erneut ins Krankenhaus. Für die Maklerin brauchten wir eine Sterbeurkunde ihres verstorbenen Ehemanns. Da Monika selbst nicht dazu in der Lage war, bin ich zu ihr gefahren, um das Dokument zu suchen. Ich habe in all ihren Ordnern gewühlt, bis ich fündig wurde.

Dabei fiel mir noch ein ganz anderes Dokument in die Hände ein Vaterschaftstest! Es stellte sich heraus, dass Monika tatsächlich so einen Test machen ließ, als mein Sohn gerade mal zwei Monate alt war. Der Test bestätigte, dass sie wirklich die Großmutter meines Sohnes ist.

Als ich das gelesen habe, war ich fassungslos. Sie hatte mir nie wirklich vertraut! Ich habe Monika sofort darauf angesprochen. Sie entschuldigte sich und meinte, sie schäme sich heute für diesen Fehler. Trotzdem kann ich einfach nicht darüber hinwegsehen. Ich fühle mich betrogen, weil sie knapp fünf Jahre lang geschwiegen hat.

Jetzt merke ich, wie schwer es mir fällt, Monika weiterhin helfen zu wollen. Schließlich hat sie mein Vertrauen missbraucht. Andererseits weiß ich genau, dass sie niemand anderen hat, der sie unterstützen könnte.

Ich will meinen Sohn nicht um seine Oma bringen, deshalb werde ich Monika auch weiterhin begleiten. Aber diese Herzlichkeit und das tiefe Vertrauen, die unser Verhältnis einmal geprägt haben, werden wohl nie wieder zurückkehren…

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Homy
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Nachdem ich von der schrecklichen Tat meiner Schwiegermutter erfahren habe, habe ich jegliches Verlangen verloren, ihr zu helfen – doch ich kann sie trotzdem nicht im Stich lassen.
Ich bin nicht mehr da