Ich war drei Jahre mit meinem Mann zusammen, bevor wir geheiratet haben, und nun sind wir seit zwei Jahren verheiratet.
Mein Ehemann ist tatsächlich mein erster und einziger Mann. Ich habe nie auch nur einen anderen Typen angeschaut ehrlich, manchmal frage ich mich, ob ich da vielleicht ein bisschen langweilig bin. Doch mein Mann war von Anfang an unfassbar eifersüchtig, als hätte ich täglich drei Liebhaber im Schrank versteckt. Unsere Schwangerschaft war geplant und als der Test endlich zwei Streifen zeigte, wären uns fast die Brezeln aus der Hand gefallen vor Freude. Mein Mann hatte schon immer geträumt, einen Sohn zu bekommen, und war praktisch vom ersten Tag an überzeugt, es könne nur ein Junge sein. Der Schock beim Ultraschall war dann entsprechend groß, als uns verkündet wurde: Herzlichen Glückwunsch, Sie bekommen eine Tochter!
Ab da begann mein Göttergatte plötzlich, an meiner Treue zu zweifeln. Er erklärte mir lang und breit, in seiner Familie gebe es nur echte Kerle also würden gewöhnlich nur Jungen geboren. Keine Schwestern, nur Brüder, auch sein Vater eine reine Jungenspardose. Dass das Geschlecht des Kindes von einer verschwindend kleinen Chromosomenangelegenheit und nicht von testosterongeladenem Aberglauben abhängt, wollte er partout nicht hören. Mein Biologiebuch hätte angesichts solcher Aussagen eigentlich eine eigene Marketingschiene verdient.
Tief in der Schwangerschaft klammerte ich mich noch leise daran, dass es vielleicht doch ein Junge sein könnte. Doch die Ärzte behielten recht, wir bekamen eine Tochter unsere kleine Maria.
Mein Mann bemühte sich, begeistert zu sein, aber seine Freude wirkte eher so überzeugend wie eine Tiefkühlpizza, die als frisches Backwerk verkauft wird. Die Verwandtschaft meines Mannes legte auch fleißig nach und redete ihm ein, das Kind könne doch unmöglich von ihm sein. Natürlich hatte Maria, wie der Zufall es wollte, meine blauen Augen und blonden Haare geerbt, während er selbst wie der klassische süddeutsche Braunbär aussah. Sie war mein Ebenbild aus Kindertagen als hätte man ein altes Foto von mir in einen kleinen Menschen gesteckt. Täglich wiederholte ich die gleichen Erklärungen, bis mir beim Wort Rezessiv schon fast schlecht wurde.
Das ging so über vier Monate. Ich war irgendwann mit meinen Nerven am Ende, wie eine überdrehte Kuckucksuhr ohne Rückfeder. Dann ganz plötzlich verwandelte sich mein Mann in den liebevollsten Papa westlich des Rheins. Ich dachte, er hätte sich endlich damit abgefunden, dass Maria eben nach mir kam. Falsch gedacht.
Zum ersten Geburtstag unserer Tochter luden wir einen Haufen Verwandtschaft ein, Stiefelträger und Klugscheißer aller Art und mit jedem Monat wurde Maria mir ähnlicher, was natürlich niemandem entging. Die Familie meines Mannes goss weiterhin fleißig Öl ins Feuer und nuschelte immer wieder was von Kuckuckskind. Eines Tages warf mein Gatte das Handtuch und verkündete grinsend: Ich weiß jetzt zu einhundert Prozent, dass Maria mein Kind ist hab ja den Vaterschaftstest gemacht!
Als ich ihn darauf am Abend ansprach, gab ers kleinlaut zu: Er hatte heimlich einen DNA-Test machen lassen, als Maria vier Monate alt war. Und was soll ich sagen natürlich kam raus, dass sie SEIN Kind ist. Er hat mir davon nichts erzählt, aber ab da änderte sich sein Verhalten von Grund auf ich dachte, er hätte sich einfach in unsere Tochter verliebt. Doch als ich den Grund erfuhr, hätte ich vor Wut fast das obligatorische Sonntagsbrötchen an die Wand geworfen. Wirklich, wie konnte er mir nur so wenig vertrauen? Sogar soweit gehen, heimlich einen Test zu machen? Ich fragte mich: Wie will man da gemeinsam leben, wenn das Grundvertrauen fehlt? Und beim nächsten Anlass für Eifersucht steht dann gleich Sherlock Holmes mit dem Abstammungskoffer parat, anstatt mir zuzuhören?
Mein ganzer Blick auf meinen Mann veränderte sich. Mir wurde übel bei dem Gedanken, mein Leben neben einem solchen Kontrollfreak zu verbringen. Klar, Maria ist seine Tochter, aber offensichtlich war meine Meinung für ihn nicht mehr wert als eine alte Quittung vom Metzger.
Deshalb beschloss ich, die Reißleine zu ziehen und zum Anwalt zu gehen. Mein Mann fiel aus allen Wolken und versuchte, sich zu rechtfertigen, aber ich blieb stur wie ein schwäbischer Sparfuchs. Seine Familie nannte mich verrückt und prophezeite mir tiefe Reue, aber meine Eltern naja, sie verstanden es auch nicht, ließen mich aber immerhin in Ruhe mein Bett im alten Jugendzimmer frisch beziehen.
Warum sollte ich mein Leben damit verbringen, mich vor jemandem zu rechtfertigen, der mir so wenig vertraut? Ich ziehe es vor, Maria allein großzuziehen, als ständig auf Zehenspitzen durch die Ehe zu tänzeln.
Was meint ihr hab ich da richtig gehandelt oder bin ich einfach nur zu empfindlich?





