Meine Eltern haben vorgeschlagen, uns eine beträchtliche Geldsumme zu geben, wenn ich schwanger werde – doch mit der Zeit haben mein Mann und ich erkannt, dass wir getäuscht wurden.

Ich bin ein Einzelkind zwar angeblich sehnlichst erwartet, aber wohl nie besonders geliebt. Als ich 23 war und im fünften Monat schwanger, begann ich daran zu zweifeln, ob ich wirklich das leibliche Kind meiner Eltern bin. Meine Eltern sind mittlerweile über siebzig und unsere finanzielle Situation ist miserabel. Wir wohnen zur Miete in einer kleinen Wohnung in Frankfurt, die wir uns kaum leisten können. Meine Frau und ich studieren beide noch und jobben nebenher, aber das reicht hinten und vorne nicht für alle Ausgaben. Zweimal standen wir schon kurz davor, die Wohnung zu verlieren, weil wir die Miete nicht bezahlt haben. Wir mussten schon öfter bei Freunden Geld leihen, sind mittlerweile verschuldet, und manchmal reicht es kaum für das Notwendigste. Manchmal bringen meine Eltern uns etwas zu essen vorbei.
Sie wollten unbedingt, dass wir heiraten. Deshalb sind wir letztes Jahr ohne großes Zögern aufs Standesamt gegangen. Danach begannen meine Eltern plötzlich, den Wunsch nach Enkelkindern zu äußern. Meine Mutter sagte stets, ich müsse jetzt unbedingt ein Kind bekommen sonst würde ich wie sie ein altes Elternteil werden. Aber wir waren uns noch nicht sicher, ob wir schon bereit für ein Kind und die damit verbundene große finanzielle Verantwortung sind. Wir ließen uns Zeit.
Dann machten meine Eltern uns ein verlockendes Angebot: Wenn ich ein Kind bekomme, würden sie uns einen großen Batzen Geld geben, mit dem wir uns ein kleines Haus auf dem Land kaufen könnten. Sie selbst wollten dann aufs Land ziehen, und wir sollten ihre Wohnung in Frankfurt übernehmen. Nach einigem Überlegen hielten wir das für eine gute Gelegenheit: keine Sorge mehr um die Miete und mit dem restlichen Geld könnte man einiges anfangen. Meine Mutter versprach mir, sie würde sich um das Kind kümmern, damit ich mein Studium fertig machen kann.
Auch sonst wurde uns jede Menge Unterstützung zugesagt: finanzielle Hilfe, Unterstützung beim Einkaufen und für alles, was wir für mich und das Baby brauchen. Die Realität sah dann anders aus von den Versprechen wurde nichts gehalten. Nicht einmal Windeln haben sie besorgt. Währen ich schwanger war, rief meine Mutter zwar öfter an und fragte nach den Vorbereitungen zur Geburt. Doch selbst das Allernötigste wie ein paar Babykleider konnte ich mir kaum leisten. Stattdessen meinte meine Mutter, mein Mann solle doch noch einen dritten Nebenjob annehmen, um alles zu bezahlen. Immer wieder erinnerte ich sie an das Versprechen, uns finanziell zu unterstützen. Sie jedoch bestritt, jemals so etwas gesagt zu haben und kritisierte ständig unsere Lebensentscheidungen, nannte uns verantwortungslos.
Als unsere Tochter Lisa geboren wurde, erinnerten sie sich wieder irgendwie an das Thema Geld doch zu diesem Zeitpunkt hatten meine Frau und ich uns längst dazu entschlossen, eine kleine Eigentumswohnung selbst zu finanzieren. Uns war inzwischen klar, dass wir auf ihre Unterstützung nicht bauen können.

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Homy
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Meine Eltern haben vorgeschlagen, uns eine beträchtliche Geldsumme zu geben, wenn ich schwanger werde – doch mit der Zeit haben mein Mann und ich erkannt, dass wir getäuscht wurden.
Gestohlenes Glück Frühling hält dieses Jahr früh Einzug in Annes Schrebergarten—Ende März ist schon der ganze Schnee geschmolzen. Obwohl der Winter zurückkehren könnte, genießt Anne die ersten wärmenden Sonnenstrahlen: Sie repariert den Zaun, richtet das Holzlager, überlegt Hühner und ein Ferkel anzuschaffen—vielleicht auch einen Hund und eine Katze. Doch genug geträumt, denkt sie lächelnd, jetzt will sie das Beet umgraben, die Erde riechen, wie damals als Kind, barfuß über das frisch gepflügte Feld laufen, die warme, weiche Erde spüren. Noch können wir leben, sagt Anne halblaut, da steht plötzlich ein Mädchen am Gartentor: schüchtern, in dünner Jacke aus dem Ausbildungszentrum, mit billigen Schuhen und Nylonstrumpfhose—für diese Zeit viel zu dünn angezogen. Die junge Olya bittet ins Klo, dann fragt sie, ob Anne ein Zimmer vermietet und erzählt, sie wolle nicht ins Wohnheim, dort werde getrunken, geraucht, und Jungen gingen ein und aus. Wer bist du?, will Anne wissen—schließlich gesteht Olya: „Bist du Anna Samojlowa? Du… hast du mich nicht erkannt, Mama? Ich bin es, Olya, deine Tochter.“ Jahrzehntelang getrennt, fallen sich Mutter und Tochter schluchzend in die Arme. Das Leben geht weiter: Olya wächst auf, verliebt sich, will heiraten. Anne blüht auf, näht für ihre Tochter, den Schwiegersohn, später für die Enkel—das Haus erwacht zu neuem Leben. Doch dann holt sie eine Krankheit ein. Auf dem Sterbebett will Anne ihrer Tochter ein Geständnis machen: „Ich bin nicht deine leibliche Mutter, Olya…“ Doch Olya hält ihre Hand: „Niemals, für mich wirst du immer meine Mama sein. Die da oben wissen schon, warum sie uns zusammengeführt haben.“ Nach Annes Tod liest Olya deren aufgeschriebenes Leben—von Verlust, Hunger nach Liebe und schuldhafter Freude, als sie Olya einst für sich behalten hat. Am Grab legt die Enkelin einen Blumenkranz nieder und fragt: „War Großmutter Anna nett? Und schön?“—und Olya antwortet: „Die Allerschönste, mein Kind.“ Und der Wind flüstert in der Birke: „Wir sind immer bei dir.“ Gestohlenes Glück—eine Erzählung über mütterliche Liebe, zweite Chancen und das tiefe Bedürfnis, Familie zu haben.