Mein Mann hatte eine Oma, weißt du? Jeden Sommer hat er bei ihr in einem kleinen Ort in Bayern verbracht. Sie hat das überhaupt nicht gestört im Gegenteil! Damals hatte sie ihr eigenes kleines Unternehmen und war ziemlich beschäftigt, hat alles selbst organisiert und Heilkräuter an Apotheken verkauft. Er weiß gar nicht genau, wie das alles so lief, aber er erinnert sich, dass sie für damalige Verhältnisse richtig gut verdient hat. Sie war schon eine spezielle Frau, ein bisschen eigenwillig, aber immer herzlich zu ihm. Beim Essen hat sie nie gespart, er durfte immer zugreifen, aber wenns um Taschengeld für irgendwelche Kleinigkeiten ging keine Chance. Die Leute dachten immer, sie spare für irgendwas Großes.
Oma hatte in ihrer Wohnung riesige Schränke mit zig Fächern, alles sorgfältig abgeschlossen. Mein Mann war als Kind natürlich super neugierig, was da wohl drin war, aber sie hat ihm immer gesagt: Alles für die Arbeit. Dann haben sich die Zeiten eben geändert. Unternehmertum wurde irgendwann normal und der Konkurrenzdruck war ziemlich groß jemand anders war schneller. Da hat sie aufgehört und als Heilpraktikerin weitergemacht. Geld wollte sie nie für ihre Hilfe, aber es kamen oft sehr wohlhabende Leute zu ihr.
Wir haben sie manchmal besucht, solange sie noch lebte. Sie hat extrem bescheiden gelebt, manchmal in richtiger Armut ihre Klamotten waren alt und abgetragen, und zu essen gabs fast nichts. Oft haben wir ihr etwas mitgebracht, aber sie wollte es oft nicht annehmen. Sie meinte dann nur: Verwöhnt mich nicht, ich bins gewohnt, bescheiden zu leben.
Als sie starb, hat mein Mann das kleine Haus geerbt. Wir sind also hin, um alles zu regeln, und im Vorratskeller haben wir Unmengen an Lebensmitteln gefunden alles abgelaufen. Scheinbar haben ihr viele dankbare Patienten was mitgebracht, aber sie hat das meiste nie angerührt. Der eigentliche Hammer kam aber, als wir dann die ganzen Schränke geöffnet haben. Da war eine riesige Sammlung von teuren Sachen aus den Neunzigern, als hätte sie Museum gespielt alles in unglaublichen Mengen. Warum sie ihr Geld in Dinge gesteckt hat, die mit der Zeit an Wert verlieren das werde ich wohl nie ganz verstehen. Sie bleibt ein richtiges Rätsel für uns.




