Und die anderen gehen leer aus…

Und für andere gar nichts…

Marie tauchte bei Nadine wie immer aus heiterem Himmel auf eine Lawine mit High Heels, die stürmisch durchs Treppenhaus rauschte und sich mit lautem Hallo, meine Liebe! Hallo! an Nadines Hals warf. Drücken, Küsschen, das ganze Willkommens-Paket eben.

Ich war ja eh gerade unterwegs! Ja, der Michi fährt mich. Michi mein neuer Freund!, plapperte Marie schon. Nadine nickte höflich. Witzig, oder? Marie und Michi!, lachte die eine, die andere nickte. Tja, ein Brüller. Also, er kutschiert mich so durch die Stadt und ich sage: Stopp mal! Hier wohnt doch Nadine Becker, lass uns reinschneien und gratulieren! Aber Michi war sofort peinlich berührt! Stell dir vor, ein Zweizentnerkerl und schüchtern wie ein Kaninchen. Na, hier, der Strauß ist von ihm. Mir fehlt eh der Platz für noch mehr Blumen. Nimm schon!

Knallte sie Nadine einen schnöden Strauß mit später Mimosen in die Hände transparent verpackt, gelb wie Küken. Die kleinen Omas haben so was gestern an jeder Straßenecke verkauft, für ein paar lumpige Euros, Hauptsache weg damit.

Marie… Ehrlich gesagt… wollte Nadine ansetzen.

Ach, nun danke doch nicht groß! Blumen sind doch heilig heute, unser Tag! Schau dir die Jacke an, von Michi, kannst du mal testen! Echt hübsch, oder?, und Marie warf die Kunstpelzjacke mit dem Duft einer Parfümerie über den Stuhl.

Sieht gut aus, Marie. Aber ich muss gerade…

Du siehst toll aus, Nadine! Immer so gepflegt. Ich dagegen… Na ja…, seufzte Marie theatralisch, zupfte sich im Spiegel an den Augenwinkeln. Ich will mir die Augen so wie ein Reh machen lassen. Weißt schon, alle machen das jetzt. Meinst du, das steht mir?

Auf keinen Fall, schnitt Nadine ab. Marie, ich hab eigentlich keine Zeit und sei bitte leiser, Mama schläft.

Dachte ich mir!, flüsterte Marie jetzt schrill. Wir sind ja auch ganz leise! Übrigens ich hab Kuchen dabei, Ernährungsberater-Approved. Komm, wenigstens eine Tasse Tee! Nadine, wir haben uns ewig nicht gesehen! Und dein Tee ist einfach Legende!

Nadine rollte innerlich mit den Augen, checkte kurz die Uhr und nickte dann ergeben.

Na los, aber leise! Sonst dreh ich noch durch mit der ganzen Arbeit. Aber, Marie, echt: auf Zehenspitzen!

Sie schlichen in die Küche, Nadine packte rasch das Laptop zur Seite und schaltete den Wasserkocher an.

Schon wieder Tabellen?! Du kannst einfach nicht abschalten! Hier, der Kuchen ist Diät, da kann man kaum zunehmen. Sag mal, Nadja…, Marie linste auf den Laptop und hockte sich ans Fenster. Mir gehts echt mies im Moment

Was denn?, wandte sich Nadine um.

Zu viel Speck auf den Hüften. Ich ess eigentlich nie was, aber dann reißt der Faden und ich stürze mich auf alles, was nicht weglaufen kann. Die Nerven! Echt, ich brauch Baldrian in Fässern!

Worüber regst du dich denn auf?, Nadine kramte die guten Kuchenteller mit Wildrosen hervor und goss Tee in die hauchdünnen Tassen, die für große Anlässe gedacht waren.

Wie soll man nicht nervös werden? Wie in diesem Märchen, weißt du? Ich bin immer noch Single, Nadine! Wie alt bin ich? Sags nicht! Ach Traurigkeit, schweig! Ich hab einfach kein Glück, schau mich an, ganz allein!

Und Michi?, wunderte sich Nadine.

Marie machte auf Mauerblümchen, aber ihre Männergeschichte war lang. Vor Michi wars noch der Olli, davor Peter, davor Namen konnte sich Nadine ohnehin nicht mehr merken. Was soll’s.

Michi Ach, der will ja nur Spaß. Von Hochzeit keine Rede. Ich habs ihm ja durchdacht unterschwellig angedeutet und er meinte, das sei alles überflüssig. Familie, Kinder, Nest Überflüssig!, schluchzte Marie, die Wimperntusche schon in Gefahr.

Na so ein Lackaffe!, sagte Nadine trocken und schaufelte Kuchen auf den Teller. Genug oder noch mehr?

Genug. Und hack nicht auf Michi herum! Das verstehst du halt nicht. Bei dir läuft doch immer alles, bei mir nie! Deine Biografie ist wie aus dem Lehrbuch: Ehemann, Wohnung, Job gut, langweilig, aber da! Und ich? Studium an den Nagel gehängt, wollte ja einen Diplomaten heiraten und was war? Der ist nach Bulgarien abgehauen… Keinen Beruf, ich fühl mich wie die allerletzte Lusche, Nadine…

Mit deinem Erbe könntest du schon drei Hochschulen abschließen und fünf Ausbildungen machen wenn du nur wolltest, dachte Nadine still.

Ach, Schluss jetzt. Schönheit wurde mir halt zum Verhängnis. Blumen schon in die Vase?, wechselte Marie das Thema. Verwelken sonst!

Nadine hastete in die Küche, stopfte die müde Mimose in ein Marmeladenglas, Wasser drauf.

Hat dein Jens dir auch nichts geschenkt? Oder stehen die fünfundzwanzig Rosen bei dir im Schlafzimmer, gibs zu, Nadine!, fuchtelte Marie herum. Du bist einfach ein Glückskind. So ist das halt: Die einen kriegen alles, die anderen nichts!

Das Glückskind Marie wuchs im Überfluss auf Eltern Beamte, immer schicke Klamotten und Kosmetik aus dem Ausland, in die Uni kam sie per Vitamin B, die Noten waren wie abgemacht mit Papa, und alles andere erledigte Mama mit viel schlechtem Gewissen, weil sie ständig auf Dienstreise war. Marie durfte alles, das Leben genießen, bevor der Ernst kommt und wenn ein Freund mal nicht passte, wurde halt die Wohnung gewechselt.

Arbeiten ging sie nie, Unterhalt vom Vater, beschäftigte sich mit dem eigenen Liebesglück. Und wehe, das lief nicht, dann war sie eben das betrogene, schwache Mädchen, arm dran, keiner versteht mich.

Nadines Leben dagegen war einfach bis ins Mark: Mutter Ingenieurin, Vater Konstrukteur, eine Zweizimmerwohnung für alle, Großvater ein Kriegsveteran, schwerhörig zwang Nadine Gedichte zu rezitieren und verstand eh kein Wort, wurde darüber noch grantiger. Freundinnen wurden stets kritisiert: zu laut, zu bunt, zu respektlos.

Mit neunzehn starb der Opa, Nadine bekam das kleine Zimmer, installierte Regale für dicke Maschinenbau-Lehrbücher, saß danach stundenlang über Bauzeichnungen, die sie ins Abendstudium mitzerrte. Tagsüber Arbeit, Kleider nie so schick wie Maries, aber alles sauber, alles ordentlich. Von Gehalt zu Gehalt, immer auf Sparflamme, an Silvester wünschte sie sich meistens neue Stiefel.

Dafür kamen die Freundinnen gern zu Nadine auf einen Tee in die Mini-Küche zum Plaudern. Zu Marie mochte kaum eine obwohl dort ständig Wein im Kühlschrank lagerte und das Wohnzimmer wie ein Museum wirkte. Warum? Marie machte keinen Spaß. Immer war sie unglücklich, jammerte, drehte melancholisch ihre goldenen Ringe. Kicherte, wenn sie den Dosenöffner suchte, zuckte hilflos die Achseln, wenn der Korkenzieher verlegt war. Immer frisch getrennt, auf der Suche oder mal sehen, ob der taugt. Marie brauchte Trost, Zuspruch, Therapie und Bewunderung. Wer hat denn dafür Zeit?!

Als Nadine heimlich und ganz unaufgeregt heiratete, weinte Marie zwei Tage lang. Wegen fremdem Glück! Nadine kriegt alles, ich nichts. Und egal, dass Nadine fünf Jahre lang mit den Schwiegereltern in einer stickigen Wohnung hockte, weil fürs Eigenheim gespart werden musste. Sogar mit der Schwiegermutter Tamara Maximiliane verstand sie sich gut, aber selbst das und die Tatsache, dass Jens mal mit einer Lungenentzündung beinahe draufging, schien Marie eine Petitesse.

Ach was, der wird schon wieder gesund wir sind ja nicht im Mittelalter!, trank sie Tee bei Nadine, mampfte Nussplätzchen und bedauerte sich selbst. Was ein Glück, Jens kam wieder auf die Beine sogar fast eine Berentung stand zur Debatte.

Na, das wär doch was! Zuschüsse, Kuraufenthalte, alles dabei! Maries Augen leuchteten. So will ich es auch haben!

Da setzte Nadine sie vor die Tür. Jahre kein Kontakt, erst ein zufälliges Wiedersehen auf der Straße.

Und jetzt saß Marie wieder bei Nadine auf einen Tee, kurz angeblich, tatsächlich schon eine halbe Stunde. Natürlich zum Internationalen Frauentag.

Jens ist auf Geschäftsreise und holt alles nach, meinte Nadine achselzuckend.

Na, dann grüß ihn von mir. Weißt du, Nadine, eigentlich sollten die Frauen je nach Glücksstand Blumen bekommen. Je unglücklicher, desto größer der Strauß. Man könnte vor dem Hauptbahnhof Riesenkübel aufbauen und lauter Feuerwehrmänner als Blumenboten engagieren Hauptsache, die sind hübsch!

Und wer löscht dann bitte die Brände?, hakte Nadine ein.

Och, von den Feuerwehrleuten gibts auch weniger Schöne die bleiben dann eben bei der Arbeit. Unterbrich mich nicht ich bearbeite hier gerade meine Theorie! Also: Kommt eine Frau aus der U-Bahn. Sie schaut unglücklich, gebeutelt vom Leben, Nagel gebrochen, die Strumpfhose mit Laufmasche zack, kriegt sie hundert Rosen. Und schon strahlt sie! Das brauchen wir, Nadine! Glück muss man verteilen! Geht eine durch, die so mittelglücklich wirkt Lebensmut noch da, aber beeindrucken kann sie einen nicht der reicht auch ein Tulpensträußchen oder Mimose. Find ich persönlich komisch Farbe, Geruch, alles…

Deshalb hast du mir das Ding also geschenkt?, lächelte Nadine und schenkte Tee nach.

Ach Quatsch! Du magst Mimose eben! Rosen, Pfingstrosen das ist langweilig. Am Frauentag gibts Mimosa, so will es die deutsche Tradition! Und ich bin traditionsbewusst, verstehst du?

Ach so. Und unglücklich muss man auch gleich aussehen?, fragte Nadine. Es gibt viele, die lassen sich ihre Sorgen nicht anmerken.

Nein, Nadine! Nimm dich selbst immer so freundlich, irgendwie gemütlich. Klar, bei dir läuft alles!

Nadine verstand. Sie ließ Marie gewähren, weil es tatsächlich ein bisschen wie Zirkus war: mal brüllen, mal trällern, sich aufregen, und sich dabei selbst wahnsinnig wichtig nehmen. Nadine selbst war fertig die Schwiegermutter mit Rückenschaden zu versorgen, der Sohn am anderen Ende Deutschlands in der Berufsschule, die Arbeit nervenzerfetzend da tut ein bisschen Unterhaltungsprogramm mal ganz gut, auch wenns Marie heißt. Nicht fair, klar, aber Marie will es ja genau so: Jammern und dabei Funkeln.

Echt beneidenswert, Nadine! wieder das Lied von Marie. Nicht mal Falten hast du, die Haare so voll! Du bist ein Glückskind. Und der Jens geizt, hätte ja einen Blumenlieferdienst organisieren können! Mein Michi hat mir heut früh Rosen gebracht feuerrot! Dazu Lilien und dann diese Dinger, wie heißen sie noch siehst du überall in Bäckerläden

Gerbera?, half Nadine, linste auf die Uhr. Bald würde Tamara Maximiliane aufwachen.

Genau! Ich nenn sie nur Blümchen-Mutanten. Die hab ich mit ins Wasser geworfen. Wenn Michi abhaut, fliegen sie in den Müll. Brauch ich alles nicht ich will doch nur heiraten! Nadine, hast du was Hochprozentiges da?

Nadine schüttelte den Kopf. So ein Glück hast du… Solchen Frauen wie dir würde ich den Blumenverkauf glatt verbieten! Was braucht ihr das, wo doch schon alles da ist? Euch fällt alles in den Schoß.

Marie stand auf, riss ihren mickrigen Strauß an sich.

Und was hab ich? Dieses Warten, ob der Kerl heute nun kommt oder nicht, ob er anruft! Ständig Diäten, ständig alles perfekt vortäuschen! Ihr ihr habt keine Probleme. Mann an Land gezogen, Kind gemacht, Frikadellen braten und glücklich sein.

Dann machs nach, brate! Willst du noch Kuchen oder ein Stück für unterwegs? Marie, ich hoffe, das Glück findet dich. Aber jetzt reichts, die Mama wird gleich wach… Hier, nimm für die Blumen den Tütenbeutel, die tropfen.

Da prustete Marie los.

Leiser, Marie!, zischte Nadine.

Was leiser? Tüte will sie mir geben! Noch eine Zeitung dazu? Deine Mama putzt dir die Wohnung, während du am Arbeitsplatz Kaffee schlürfst wie clever! Meine will mich nicht mal kennen, aber egal! Ach, hätt ich mir sparen können, hierherzukommen. Zum Gruß, Nadine! Solchen wie dir sollte man wirklich keine Blumen schenken Verschwendung!

Marie schmiss sich die Jacke über, griff den Blümchenstrauß und verließ dramatisch und polternd die Wohnung.

Im Aufzug warf sie noch einmal einen langen Blick in den kleinen Spiegel, zog die Lippen nach. Passt schon! Jetzt hat sie vielleicht Pech, aber ewig dauert selbst Karneval nicht. Ihr Glück macht sie sich noch und der Riesenstrauß Rosen zu Hause ist der beste Beweis!

Na, endlich! Ich hab keinen Bock, ewig auf dich zu warten!, knurrte Michi vom Fahrersitz.

Auch dir Guten Tag. Hättest mal aufmachen können!, maulte Marie und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen.

Kannste doch selber! Wie wars bei deiner… Dings… Nadine? Michi verschluckte sich beim Blick auf ihr Dekolleté.

Wie immer sie schleppt sich so durch. Halt mal ist das etwa ihr Jens da vorne?, Marie glotzte aus der Windschutzscheibe.

Da zog ein Mann einen Rollkoffer entlang, in der anderen Hand ein liebevoll in rosa Netz verpacktes Tulpensträußchen Nadines Lieblingsblumen in Lila.

Die hat so einen Kerl gar nicht verdient! Und erst recht keinen Strauß! Los jetzt, das Restaurant wartet nicht!, fauchte Marie, klinkte sich den Gurt fest und klopfte, sichtlich genervt, auf das Handschuhfach. Das fiel ab.

Ey! Was machst du denn da?! Fliegste gleich raus!, fluchte Michi, aber das Fach saß fest.

Wie raus?, fragte Marie empört.

Na, so halt! Lass uns zu dir, auf Restaurant hab ich keine Lust mehr. Du tanzt für mich Bauchtanz, und dann ist gut. Sonst gibts Kohle nicht mehr!

Marie schmollte, schaute aus dem Fenster warum hat Nadine alles und ich nichts?!

Jens öffnete die Tür, rollte den Koffer rein, platzierte die Blumen, zog die Schuhe aus.

Hallo! rief Nadine, kam mit Mullbinden aus dem Zimmer, lächelte müde. Mama ist wach, ich mach noch die Verbände, bin gleich zurück…

Ich mach das hier, Schatz. Das ist für dich, zum Feiertag!, Jens kniete sich theatralisch mit Tulpen nieder. Wärst du nicht meine Frau, ich würde dich sofort wieder heiraten!

Ich sage Ja!, lachte Nadine, nahm die Tulpen glücklich entgegen. Marie war übrigens da. Sie meint, solche wie ich sollten keine Blumen bekommen wir haben ja schon alles.

Jens zuckte die Schultern.

Hat sie gar nicht mal so unrecht! Weg mit den Tulpen!, grinste er, aber Nadine war schneller sie küsste so charmant, dass der Strauß nicht mehr zu retten war.

Ihr seid wie Teenager!, kam die Schwiegermutter aus dem Zimmer. Ich verbinde mich schon selbst, kümmere dich um deinen Mann!

Nein, Tamara Maximiliane, ich mach das schon!, rief Nadine und eilte zurück. Die Wunden heilten zäh, aber bald… Bald gäbe es auch für Tamara Maximiliane einen richtigen Feiertag: Enkel Niklas käme zu Besuch, zusammen gingen sie durch den Park, in ein Café, fuhren Dampfer auf der Spree.

Und sehen wir uns die Museumsinsel an, Nadine?, fragte Tamara fast kindlich, müde von Schmerzen, aber immer frisch geschminkt, mit Ohrringen und Lächeln auch das war Antrieb für Nadine. Natürlich, sie würden alles anschauen.

Und ja. Nadine ist viel glücklicher als Marie. Sie hat alles: Familie, Liebe, ein Zuhause. Und einen Sohn, der immer wieder versichert: Mama, du bist die Beste!

Ich heirate nie, Mama, sagt Niklas eines Tages.

Warum das?, ruft Nadine entsetzt.

Weil ich nie eine Frau finde wie dich…, sagt Niklas mit einem Seufzen.

Ach was, du findest noch eine, die sogar noch besser ist. Für jeden gibts das passende Gegenstück, man muss die Augen offen halten.

Und Nadine lächelt. Natürlich gibts auch schwarze Tage, Katastrophen, Sorgen aber sie werden mit Humor und Optimismus vertrieben. Schwer, aber geht nicht anders!

Noch am selben Abend warf Marie Michi raus samt seiner Klamotten und dem gigantischen Rosenstrauß, der jetzt zerpflückt im Treppenhaus lag wie ein zerzaustes Herz.

Marie, so viel Verschwendung!, rief Nachbarin Irmgard.

Will ich alles nicht! Nehmen Sie ruhig!, schnaufte Marie.

Mach ich! Komm rüber, Marie, ich hab Apfelkuchen gebacken. Allein heulen bringt nix!

Marie trottete rüber, mampfte Apfelkuchen und schniefte.

Warum ist das so, Tante Irma? Die einen haben alles, die anderen?

Och, das weiß doch keine! Die einen Geld, Pelz, null arbeiten, Oberweite bis zum Horizont und Schmalspur im Kopf, die anderen müssen das Leben rocken. Total unausgewogen alles, Marie, total! Aber weißt du was irgendwann scheint auch auf deiner Straße die Sonne. Im Sommer kommst du mit zu uns aufs Land, da machen wir was aus dir! Kühe, Schweine, Ferkel, Gänse alles dabei, Marie! Und nimm noch Kuchen mit, scheu dich nicht.

Nachts träumt Marie von Rindviechern mit Borsten, Gänsen auf Stelzen, alle rennen hinter ihr her, sie blickt sie mit großen Rehaugen an, dann steht sie plötzlich vorm Berliner Hauptbahnhof, Rings rum Kübel voller Blumen, Feuerwehrmänner mit Sträußen, schenken allen was, nur ihr nicht. Solche brauchen nix! Bei denen stimmt eh alles!, rufen sie und weisen Marie ab. Und sie hat nichts. Außer Tante Irma und ihre Kühe auf dem Land…

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Homy
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