Vor drei Jahren habe ich mich von meinem Mann, Matthias, scheiden lassen. Wir hatten nichts mehr gemeinsam außer unserem Sohn, Felix. Es hat mich nicht überrascht, als Matthias nur einen Monat nach der Scheidung eine neue, jüngere Freundin gefunden hat. Vor drei Monaten haben die beiden geheiratet.
Ehrlich gesagt, ist mir das mittlerweile egal. Doch gestern erhielt ich plötzlich eine Nachricht von ihr, die mich sehr irritiert hat. Sie schrieb, wir sollten Matthias in Ruhe lassen und keine Unterhaltszahlungen mehr verlangen, da wir ab jetzt sowieso nichts mehr bekommen würden.
Mein Sohn ist fünf Jahre alt. Während meines Elternzeit war Matthias für alle Ausgaben aufgekommen. Mittlerweile arbeite ich halbtags.
Direkt nach der Scheidung haben wir beschlossen, unsere alte Dreizimmerwohnung zu verkaufen und dafür zwei kleinere Wohnungen zu kaufen eine für Matthias, eine für mich und Felix.
Matthias zahlt ordentliche Alimente. Trotzdem möchte ich meine Ausgaben selbst tragen, also gehe ich regelmäßig zu Vorstellungsgesprächen und suche eine Vollzeitstelle. Das Geld, das Matthias monatlich überweist, verwende ich ausschließlich für Felix Kindergartenbeiträge, Musikschule, Spielzeug, Essen und ein wenig für die Nebenkosten.
Die Judostunden, die Felix so gerne besuchen möchte, kosten natürlich zusätzlich Geld.
Diesen Sommer hat mein Exmann uns sogar mehr Geld gegeben unter der Bedingung, dass ich Felix mit in den Urlaub nehme. Also sind wir zusammen in den Schwarzwald gefahren. Die Begeisterung meines Sohnes war grenzenlos.
Trotz der Scheidung bin ich froh, dass Matthias ein guter Vater bleibt. Wenn ich dringend etwas zu erledigen hatte, ließ ich Felix oft bei ihm. Matthias zeigte ihm das Einkaufszentrum, machte Spaziergänge mit ihm oder ging mit ihm ins Kino. Doch zu Hause bei seinem Vater war Felix noch nie.
Ich dachte immer, es läge an der neuen Frau von Matthias. Es störte mich bislang nicht weiter bis zu ihrer Nachricht.
Neulich hat sie sich tatsächlich getraut, mich anzurufen. Sie warf mir vor, kein Gewissen zu haben, da Matthias angeblich den Großteil seines Gehaltes für uns ausgeben würde. Diesmal blieb ich nicht still. Ich erzählte Matthias alles. Er war ziemlich verärgert. Angeblich hat er ihr gesagt, sie solle sich nicht in seine Angelegenheiten einmischen vor allem nicht, wenn es um seinen Sohn und sein Geld geht.
Trotzdem mache ich mir Sorgen, dass sie vielleicht irgendeinen Einfluss auf Matthias gewinnt und er die Unterstützung für Felix verringert. Dann müsste ich meinem Kind so vieles verwehren.
Ich hoffe, dass Matthias immer noch die Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Güte in sich trägt, in die ich mich einst verliebt habe. Manchmal führen neue Wege im Leben zu unerwarteten Herausforderungen, doch ein Elternteil bleibt man für immer und Verantwortung und Fürsorge enden nicht mit einer Trennung.




