Die Wohnung? Welche deine Wohnung?..
Mama, die von Opa. Er hat sie mir vermacht. Du hast sie sogar vermietet. Erinnerst du dich nicht? fragte Alina verwirrt.
Ach so… Die Wohnung. Die war nie dein Eigentum antwortete Irina beiläufig. Vergiss sie. Ich habe sie verkauft.
Alinas Puls raste. Ihr Herz schien aus der Brust springen zu wollen. Die Knie wurden weich, und sie musste sich setzen.
Wie verkauft?
Ganz normal. Bei eBay Kleinanzeigen eingestellt, Käufer gefunden, fertig. Sergejs Auto war kaputt, und du weißt ja, er kommt ohne nicht klar. Da musste ein neues her.
Alina fand keine Worte. Sie legte einfach auf. Ein schmerzhaftes Gefühl schnürte ihr die Kehle zu, als hätte sie schreien müssen.
Sie erinnerte sich, wie Opa stolz die neu renovierte Wohnung zeigte und immer wieder betonte, dass sie einmal ihr gehören würde.
Wenn du groß bist, Enkelin, hast du deine eigene Festung. Gleich von Anfang an. Dann wirst du mich in guter Erinnerung behalten… lächelte er und strich ihr über den Kopf.
Opa starb, als sie zwölf war. Damals verstand sie noch nicht, was es bedeutete, eine eigene Wohnung zu haben. Klar, sie wusste, dass es gut war, aber die Tragweite erfasste sie nicht. Als sich herausstellte, dass Opa ihr die Wohnung nur mündlich versprochen hatte, war sie nicht einmal sonderlich enttäuscht.
Die Wohnung bleibt erstmal auf meinem Namen erklärte Irina als alleinige Erbin. Opa wollte, dass ich mich darum kümmere, damit du sie nicht verlierst. Ich werde sie vermieten, um die Nebenkosten zu decken und nach und nach Möbel und Renovierungen zu erneuern. Oder willst du am Ende eine Bude voller Schrott mit Schulden?
Natürlich nicht stimmte Alina leichtfertig zu.
Na also. So ist es einfacher. Ich kümmere mich um die Mieterverträge, nicht du. Und wenn du erwachsen bist, übertragen wir alles. Keine Sorge, Mama wird dich nicht betrügen.
Damit war die Sache erledigt. Alina vergaß die Wohnung lange sie war mit der Schule beschäftigt. Das Thema kam erst wieder auf, als sie ihr Abitur machte.
Mama, ich habe mich mit einer Freundin abgesprochen begann Alina zögernd. Wir wollen zusammen studieren. Ich dachte… Vielleicht könnten wir in der Wohnung wohnen? Zusammen wären die Nebenkosten leichter zu tragen. Und ich möchte selbstständig werden.
Sie dachte, es sei nur eine Formalität. Dass ihre Mutter zustimmen würde. Dass bald ihr aufregendes Studentenleben mit ihrer Freundin beginnen würde, mit gemütlichen Abenden und Gesprächen über Jungs. Doch weit gefehlt.
Alina, mit achtzehn bist du noch nicht erwachsen! Wovon willst du leben? Ihre Mutter zog die Augenbrauen hoch. Du müsstest jobben und studieren, das ist unrealistisch. Und wenn deine Freundin dann einen Freund findet und auszieht? Was dann? Mama, hilf mir!?
Der Groll keimte schon damals in ihr auf, aber die Argumente ihrer Mutter klangen noch überzeugend. Schließlich war sie eine erfahrene Frau, während Alina noch nie allein gelebt hatte.
Beschämt entschuldigte sie sich bei ihrer Freundin und erklärte, dass ihre Pläne geplatzt waren.
Doch dann bot ihre Mutter selbst eine Alternative an.
Hör mal, warum bewirbst du dich nicht an Unis in anderen Städten? Dort gibt es Wohnheime. Genau das, was du willst, nur kostenlos. Und ich unterstütze dich finanziell vom Mieteinkommen. Nicht viel, aber zum Leben reicht es.
Alina konnte es kaum glauben. Vor Freude fiel sie ihrer Mutter um den Hals und küsste sie.
Alles schien perfekt. Die ersten sechs Monate. Dann teilte ihre Mutter mit, sie würde weniger Geld schicken als sonst.
Ich war beim Zahnarzt, das war teuer sagte Irina. Wir müssen beide den Gürtel enger schnallen.
Dann kam das Geld immer später. Wenn die Mieter am Zehnten zahlten, überwies Irina es eine Woche später. Und jedes Mal wurde es später…
Dann erfuhr Alina, dass ihre Mutter kurz nach ihrem Auszug einen Liebhaber bei sich aufgenommen hatte.
Sergej lebte in zwei Beziehungen. Er war verheiratet, behauptete aber, sich scheiden zu lassen. Doch dieser Prozess zog sich hin. Und das war nicht sein einziger Makel.
Irina beschwerte sich ständig bei Alina über ihn, als wären ihre Ohren ein Mülleimer für Frust. Nach jedem solchen Gespräch fühlte sich Alina ausgelaugt. Sie sah klar, dass Sergej ihre Mutter ausnutzte, aber Irina wollte nichts davon hören.
Stell dir vor, er hat mich gestern um Geld gebeten! Für einen Ausflug mit seinen Kindern jammerte Irina am Telefon. Warum soll ich seine Kinder durchfüttern?
Mama… Und du hast ihm gegeben?
Natürlich. Was hätte ich sonst tun sollen? Weißt du, einen anständigen Mann zu finden ist heutzutage schwer…
Anständig ist, wer dir Geld aus der Tasche zieht und nichts zurückgibt?
Hör auf! Ich bin nicht so berechnend. Ich liebe ihn, es geht nicht um Geld fauchte Irina und beendete schnell das Gespräch.
Sergej nahm tatsächlich, was er kriegen konnte. Er lebte umsonst bei Irina, aß auf ihre Kosten. Brauchte er eine neue Jacke, kaufte sie sie ihm.
Was bekam sie dafür? Nichts. Er arbeitete in der Baubranche, doch als sie ein neues Bad brauchte, berechnete er ihr den dreifachen Preis.
Geschenke? Einzige Ausnahme: Eine Lampe zum Frauentag. Die hatte Irina sich fast erbettelt. Und selbst dann fehlte Sergej das Geld sie bezahlte den Großteil selbst.
Dann fing er an, ihr Grundstücke zu zeigen und deutete an, er wolle ihnen ein Haus bauen. Natürlich nur, wenn das Grundstück auf seinen Namen lief. Irina schwärmte davon, träumte schon von einer Gartenlaube.
Mama, hör auf! Siehst du nicht, dass er ein Schmarotzer ist? Er ist nicht mal dein Ehemann!
Was verstehst du schon? schnappte Irina. Das ist meine Sache! Habe ich kein Recht auf Glück?
Danach sprach Irina nicht mehr über Sergej eine kleine Erleichterung.
Im dritten Studienjahr hörte die Unterstützung ganz auf.
Ich wurde gekündigt, also musst du eine Weile allein klar





