Freundin quartiert sich für ein paar Tage zum Übernachten ein und bestimmt plötzlich den Ablauf – „Warum sind eure Handtücher so hart? Das ist ja wie Schmirgelpapier, kein Frottee! Gestern nach dem Duschen hab ich mir fast die Haut abgeschrubbt. Lena, du bist doch eine Frau, kann man da nicht mal einen guten Weichspüler kaufen? Oder spart ihr bewusst am Komfort?“ Olga steht mit der Kaffeetasse in der Hand und blickt auf ihre alte Freundin Larissa, die im Seidenmorgenmantel – dem, den Olga eigentlich für ganz besondere Anlässe reserviert hatte – am Küchentisch sitzt und sich dick Butter auf ihren Toast schmiert, während sie die Küche kritisch mustert, als sei sie eine Lebensmittelkontrolleurin. „Larissa, das sind neue Handtücher,“ erwidert Olga beherrscht, bemüht, ihren Unmut zu verbergen. „Sie sind aus Bambusfaser, da sind sie etwas fester. Und ich benutze hypoallergenen, geruchsneutralen Weichspüler.“ „Genau!“, verkündet Larissa, hebt den Finger, der mit einem klobigen Ring mit lila Stein glänzt. „Geruchsneutral heißt, ohne Seele. In einer Wohnung muss es nach Frische, Lavendel, vielleicht Alpenwiesen riechen! Aber bei euch riecht es… steril. Langweilig, Lena, ihr lebt langweilig. Dir fehlt die Fantasie.“ Olga wendet sich stumm dem Herd zu, auf dem Haferbrei für ihren Mann gart. Viktor schläft noch, muss aber bald zur Arbeit. Sein Geduldsfaden ist ohnehin angespannt, und Olga betet, dass der Morgen ohne Zwischenfall verläuft. Larissa erschien vor drei Tagen spät abends in ihrer Wohnung. Ihre Stimme war tränenreich und panisch: „Lenchen, hilf mir! Die Nachbarn haben mich geflutet, ein unfassbarer Wasserschaden, es ist feucht, Schimmel droht! Ich flehe dich an, lass mich für ein paar Tage bleiben, bis alles getrocknet ist!“ Olga, gutmütig wie sie ist, sagte zu. Einer Jugendfreundin hilft man doch, auch wenn man sich nur noch selten sieht. Aus „ein paar Tagen“ werden nun vier, von Abschied keine Spur. Dafür fängt Larissa immer mehr an, die Wohnung „umzuorganisieren“. „Übrigens wegen dem Haferbrei,“ Larissa verzieht das Gesicht, „du kochst wieder diesen Kleister? Viktor braucht Proteine! Männer brauchen Fleisch und Eier, nicht Pamps. Am Ende kriegt er davon Magengeschwüre, vielleicht sogar Impotenz.“ „Larissa, Viktor liebt Haferbrei, er hat Gastritis, der Arzt hat eine Diät empfohlen.“ Olga bemüht sich, ruhig das Essen zu servieren. „Ärzte haben keine Ahnung, die stecken doch mit den Pharmariesen unter einer Decke!“ Larissa beißt genüsslich in den knusprigen Toast. „Ich folge einem Ernährungsberater, der sagt: Alle Krankheiten kommen vom Zucker. Na gut, wenn du nicht hören willst. Aber wundere dich nicht, warum dein Mann so blass aussieht.“ Da betritt Viktor, der eher müde als blass wirkt, die Küche, murmelt ein „Guten Morgen“, setzt sich und greift nach seiner großen, dunkelblauen Tasse mit der Aufschrift „Bester Angler“. Doch die Tasse fehlt. „Wo ist meine Tasse?“ fragt er suchend. „Ach, Viti, guten Morgen!“, trillert Larissa. „Die habe ich weggeräumt. Die war so düster, die Atmosphäre wird davon negativ. Schau, ich habe dir eine neue genommen – mit Blumen, ganz fröhlich! Aus dem Porzellanset, das sonst langweilig in der Schrankwand steht. Die Dinge sollen genutzt werden!“ Vor Viktor steht stattdessen ein filigranes Tässchen mit rosa Pfingstrosen, kaum 150 Milliliter fassend. Sein Blick wechselt von der Kindertasse zu Olga und fragt stumm: „Warum?“ „Larissa“, sagt Viktor ruhig, „das ist ein Erbstück von meiner Urgroßmutter. Das benutzen wir nicht. Meine Tasse mag ich, weil sie einen halben Liter fasst. Gib sie bitte zurück.“ „Ihr seid aber auch spießig!“ ruft Larissa. „Langweilig, von gestern. Ich meine es doch nur gut, will mehr Stil. Deine Tasse war sowieso angeschlagen. Ich hab sie weggeschmissen.“ Peinliche Stille. Die Tasse war ein Geschenk seines inzwischen verstorbenen Vaters – winziger Sprung, aber Viktor hat sie gehütet. „Du… hast was gemacht?“ Sein Ton ist bedrohlich ruhig. „Weggeworfen,“ wiederholt Larissa. „In die Tonne. Aus kaputtem Geschirr trinkt man nicht, das bringt Unglück! Ihr solltet dankbar sein, dass ich mich um euer Karma kümmere.“ Viktor steht wortlos auf, fischt seine Tasse aus dem Mülleimer, spült sie ab, stellt sie vor sich und gießt sich unbeirrt Tee ein. „Wenn du noch einmal meine Sachen anrührst, ist deine Karma sofort ruiniert.“ „Unverschämt!“, stößt Larissa hervor, als Viktor mit dem Frühstück davonschlurft. „Lena, hast du das gesehen? Das ist pure psychische Gewalt, geradezu toxisch! Wie kannst du mit so einem Mann leben? Du brauchst dringend Therapie!“ Olga seufzt über ihrem kalten Kaffee. Sie braucht keinen Psychologen, sondern möchte Larissa mit samt ihres Schminkkoffers und den „richtigen“ Büchern hinauswerfen. Doch ihre deutsche Höflichkeit verbietet den Skandal. „Larissa, wann ist die Reparatur endlich fertig? Du meintest, zwei Tage. Heute ist Tag vier.“ „Ach, es ist komplizierter!“ winkt Larissa ab, heiter-jammernd. „Man muss die Zwischendecken öffnen. Es kann noch eine Woche dauern. Aber wir sind doch Freundinnen! Ich helfe euch ja, bringe Gemütlichkeit ein. Heute koche ich das Abendessen, ich halte es ja kaum aus, wie ihr euch mit Fertig-Pelmeni quält.“ Olga verlässt mit schwerem Herzen das Haus. Im Büro läuft alles schief – sie hat Larissas Eingriffe im Kopf und wird regelrecht krank davon. Am Abend, im Hausflur, begegnet sie Nachbarin Frau Meier. Die sonst freundliche ältere Dame schaut missbilligend. „Olga, ich habe Verständnis für Gäste. Aber muss man um zwei Uhr mittags volle Musik aufdrehen? Ich habe Kreislaufprobleme und wollte mich ausruhen – da wummert bei euch das Lied von Helene Fischer, dass die Kronleuchter wackeln.“ „Entschuldigung, Frau Meier.“ Olga errötet. „Das ist meine Freundin… Ich rede mit ihr. Es kommt nicht wieder vor.“ Mit einer strengen Ansage im Kopf geht Olga die Treppe hoch – sie will Larissa klar machen, dass ein Hotel vielleicht doch die bessere Erfindung ist und sie sogar bezahlen würde, wenn dafür Ruhe einkehrt. Doch als sie die Tür öffnet, kommt sie stumm ins Staunen. Kein vertrauter Teppich in der Diele. Stattdessen ein seltsames Strohrechteck. Die Schuhe von Viktor und Olga sind lieblos in die Ecke geworfen, das Regal ist voll mit Larissas Schuhen, nach Regenbogenfarben sortiert. „Larissa!“, ruft Olga. „Bin in der Küche! Komm sofort, wir probieren was Leckeres!“ Olga betritt die Küche – und ist sprachlos. Ihre geliebten Leinenvorhänge, zart und pastellfarben, sind verschwunden. Das Fenster nackt. Die Blumen, sonst am Fensterbrett, stehen im Pulk mittig auf dem Tisch – genau da, wo der Teller eigentlich stehen sollte. „Wo sind die Vorhänge?“ kann Olga nur noch fragen. „In der Wäsche!“ verkündet Larissa, während sie in einem großen Topf rührt. „Die waren so staubig! Ich hab sie bei neunzig Grad gewaschen, alle Milben müssen raus!“ Olga wird schwummrig. Leinen – bei neunzig Grad? „Larissa… Die laufen ein. Das ist Leinen! Die kann man nur bei dreißig…“ „Ach was!“ winkt Larissa ab. „Qualitätsware läuft nicht ein. Und falls doch – war’s eh Mist. Ich hab schon neue ausgesucht, bunt mit Geometriemuster, total im Trend! Setz dich, ich hab eine tibetische Suppe gekocht. Reinigt die Chakren und den Dünndarm.“ Olga blickt auf das grünlich-braune Gebräu: Es riecht nach Kohl und fremden scharfen Gewürzen. „Ich will keine Suppe,“ sagt sie fest. „Ich will wissen, warum du meine Sachen ohne zu fragen umstellst. Warum blumen auf dem Tisch? Sie brauchen Licht, am Fenster!“ „Am Licht kriegen sie genug, aber die Energie im Raum muss fließen. Die Pflanzen verstärken die Wohlstandszone“, dozierte Larissa. „Du wirst mir noch danken, wenn Viktor eine Gehaltserhöhung bekommt. Übrigens, ich bin in euer Schlafzimmer gegangen…“ „Du bist in unser Schlafzimmer?“ Olga spürt, wie ihr Zorn hochkocht. „Natürlich. Die Tür stand offen! Da war so schlechte Luft. Ich hab gelüftet und die Bettstelle verschoben. Man soll ja nicht mit den Füßen zur Tür schlafen – böse Omen, Bahrenstellung. Jetzt steht der Kopf zum Osten. Schweres Ding!“ Olga stellt sich vor, wie Larissa die Eichenbettstelle quer durchs Zimmer schiebt, den Parkett zerkratzt. Ihre Bettbezüge, ihre Kissen. Das ist kein Überschreiten von Grenzen mehr, sondern eine Invasion. „Larissa, setz dich,“ befiehlt Olga. „Was ist denn? Du bist ganz nervös. Vielleicht ein paar Baldriantropfen? Habe ich in deiner Hausapotheke gefunden. Hatte bald Ablauf, ich habe sie weggeschüttet: Risiko, Gift! Morgen besorgst du frische.“ Olga schließt die Augen und zählt bis fünf. „Ausgeleert. Weggeworfen. Umgestellt.“ „Hör zu, Larissa: Du gehst jetzt ins Bad und räumst deine Sachen. Alles, inkl. Tuben, Dosen und Unterwäsche vom Heizkörper. Danach packst du in deinem Zimmer den Koffer.“ Larissa starrt sie fassungslos an: „Du schmeißt mich raus? Um diese blöden Vorhänge und das Bett? Bist du irre? Ich tue doch alles für euch! Euer Zuhause ist ein Sumpf, ich wollte Leben reinbringen!“ „Du hast kein Leben reingebracht, du hast mir die Luft abgeschnürt“, kontert Olga. „Das ist mein Zuhause. Mein Sumpf. Und ich liebe es so. Ich hab dich gebeten, den Wasserschaden abzuwarten, nicht mein Leben umzukrempeln.“ „Da kann man doch gar nicht wohnen! Es ist feucht! Willst du, dass ich krank werde?“ „Ich will meine Ruhe“, antwortet Olga. „Es gibt Hotels, Hostels, andere Freundinnen. Aber hier bleibst du nicht mehr.“ Im gleichen Moment fällt die Haustür ins Schloss – Viktor kommt heim. Schaut auf die umgestellten Blumen, das leere Fenster, den merkwürdigen Suppenduft und die rot angelaufene Olga. „Was ist hier los? Warum riecht das so seltsam? Warum steht das Bett quer? Ich wollte mich umziehen und bin fast gestolpert.“ „Sag ihr was, Viktor!“ ruft Larissa, hilfesuchend. „Ich meine es doch nur gut, und sie wirft mich vor die Tür! So geht man mit Freunden nicht um! Wir kennen uns seit dem Kindergarten!“ Viktor schaut Larissa lange an, dann zu Olga, sieht ihre zitternden Hände. „Larissa,“ sagt er ruhig. „Du hast zwanzig Minuten. Wenn du dann noch da bist, packe ich deine Sachen selbst. Und ich werde sie nicht ordentlich falten, sondern aus dem Fenster werfen. Achtter Stock.“ „Ihr seid widerwärtig!“, schreit Larissa. „Spießbürger! Raffgierige! Hängt an eurem Plunder! Ich komme nie wieder her! Ich erzähle allen, wie ihr wirklich seid! Allen gemeinsamen Bekannten!“ „Zeit läuft“, sagt Viktor und schaut auf die Uhr. „Neunzehn Minuten.“ Larissa poltert schimpfend durch die Wohnung, wirft Kram in den Koffer, Türen schlagen. Olga sinkt kraftlos auf den Stuhl. „Tut mir leid, Viti“, flüstert sie. „Ich wollte das nicht.“ Viktor umarmt sie sanft und küsst sie auf den Kopf. „Nicht dein Fehler. Manche Leute sind wie Schimmel – räumst du sie nicht gleich weg, übernehmen sie alles. Um die Vorhänge tut es dir leid?“ „Sehr“, schluchzt Olga. „Ich habe sie monatelang gesucht. Und den Parkett hat sie sicher ruiniert.“ „Wir schleifen den Boden. Kaufen neue Vorhänge. Hauptsache, wir haben diesen ‚tibetischen‘ Suppenanschlag überlebt. Schau dir die Farbe an.“ Nach fünfzehn Minuten rollt Larissa in voller Montur ihre Koffer raus, die Lippen spitz wie ein Truthahnschnabel, das Kinn hoch. „Ich gehe“, verkündet sie dramatisch. „Ihr verliert den einzigen Menschen, der euch wirklich Gutes wollte. Lebt in eurem Mief und eurer Negativität. Lebt wohl.“ Mit lautem Rumms verlässt sie die Wohnung. Olga schließt hinter ihr ab. Im Treppenhaus dreht Larissa sich noch einmal um: „Und übrigens, Lena: Deine teure Gesichtscreme für 70 Euro taugt nichts. Hab sie drei Tage für die Füße benutzt – kein Effekt. Kauf lieber eine Babycreme, die ist natürlich.“ Tür zu. Doppelt abgeriegelt. Olga lehnt die Stirn gegen die kühle Tür und beginnt zu lachen. Es ist ein nervöses Lachen, das in Tränen umschlägt. Viktor taucht mit dem Müllsack auf. „Die Suppe ist im Klo gelandet. Das Klo war schockiert, aber hat’s geschafft. Wollen wir das Bett und die Blumen zurückstellen?“ „Gern“, sagt Olga und wischt sich die Tränen ab. „Und den Teppich holen wir auch wieder.“ Sie verbringen den ganzen Abend damit, die Wohnung rückzubauen. Das Bett hat Spuren im Parkett hinterlassen, aber an seinem Platz sieht man sie nicht mehr. Die Vorhänge – im Wäschetrockner zu Winzlingen eingelaufen, Larissa hatte wohl tatsächlich die Kochwäsche eingestellt. „Egal“, sagt Olga und wirft das ruinierte Leinen in den Müll – „jetzt ist es schön hell.“ Beim Abendbrot – einfache Nudeln mit Käse, ganz ohne „chakra-reinigende“ Zutaten – piept Olgas Handy. Eine Nachricht von Larissa: Foto aus einem Café, Tasse Cappuccino und Torte. „Genieße meine Freiheit von toxischen Menschen. Euch allen Liebe und Licht!“ Olga blockiert die Nummer wortlos. „Weißt du“, überlegt Viktor beim Nudelnessen, „in einem Punkt hatte sie recht.“ „Womit?“ fragt Olga misstrauisch. „Wir sollten wirklich die Schlösser wechseln. Wer weiß, ob sie einen Ersatzschlüssel hat, während sie angeblich unsere Energie harmonisiert hat.“ Am nächsten Tag lassen sie das Schloss austauschen. Erst dann atmet Olga wieder frei. Die Wohnung riecht wieder nach Zuhause, nicht nach fremden Parfüms und verrückten Ideen. Ein Monat vergeht. Von gemeinsamen Bekannten erfährt Olga, dass Larissa nun bei irgendeiner entfernten Tante in Bayern wohnt und dort bereits den Gemüsegarten umgegraben hat, alle „falschen“ Tomatensorten rausgeworfen, und die Tante nun überlegt, Larissa in ein Sanatorium abzuschieben – möglichst ans andere Ende der Republik. Olga hört die Geschichten mit einem Grinsen. Sie hat gelernt: Helfen ja, aber die eigene Festung nur Menschen öffnen, bei denen man sicher ist, dass sie nicht die Wände neu streichen. Und sie hat neue Vorhänge gekauft. Bunt, mit Muster. Larissa hatte in dem Punkt echt Geschmack – aber das würde Olga ihr nie verraten. Wie geht ihr mit Gästen um, die in eurem Zuhause plötzlich die Regeln bestimmen wollen? Erzählt uns eure Erfahrungen, kommentiert, liked und abonniert – hier wird das echte Leben ganz bestimmt diskutiert!

Tagebucheintrag, 17. Februar

Gestern Abend klingelte es an meiner Tür es war meine alte Freundin Annemarie, völlig aufgelöst und mit Tränen in den Augen. Clara, ich brauche dringend deine Hilfe! Die Nachbarn über mir haben einen Wasserschaden verursacht, meine ganze Wohnung steht unter Wasser, alles feucht, ich kann da nicht schlafen. Nur für ein paar Nächte, bitte!, flehte sie. Natürlich ließ ich sie rein, was sollte ich auch machen? Wir sind schließlich zusammen in Tübingen zur Schule gegangen, da hilft man sich.

Die paar Nächte ziehen sich inzwischen schon in den vierten Tag, und Annemarie hat sich bei uns so eingelebt, dass ich mich beinahe fremd fühle. Sie begann mit einer Inspektion unserer Wohnung, als wäre sie Kontrolleurin vom Gesundheitsamt. Heute Morgen saß sie im meinem liebsten Bademantel am Tisch dem aus Seide, den ich sonst nur zu besonderen Anlässen trage und schmierte sich dick Butter aufs Vollkornbrot. Mit kritischem Blick kommentierte sie alles: Clara, warum sind eure Handtücher so kratzig? Das fühlt sich an wie Schmirgelpapier! Nach dem Duschen hatte ich gestern beinahe einen Ausschlag. Kannst du nicht einmal einen vernünftigen Weichspüler kaufen? Oder spart ihr wirklich am Komfort?

Ich versuchte ruhig zu bleiben, obwohl ich innerlich kochte: Das sind neue Handtücher aus Bambusfaser, die sind eben etwas fester. Und ich verwende bewusst einen hypoallergenen, geruchsneutralen Weichspüler, wegen der Allergien. Aber Annemarie winkte ab und hielt ihren Finger mit einem großen Amethyst-Ring in die Luft: Eben! Geruchsneutral, das heißt seelenlos. Eine Wohnung muss nach etwas duften! Nach Lavendel, nach Bergwiesen, nach Leben! Bei euch riecht es nach Nichts. Ihr lebt so langweilig, Clara, einfach fantasielos.

Ich drehte mich zum Herd um, wo ich Haferbrei für Hans, meinen Mann, kochte. Er schläft noch, muss aber bald los zur Arbeit. Sein Geduldsfaden ist schon hauchdünn, und ich bete, dass dieses Frühstück ruhig verläuft.

Annemarie hatte sich von Anfang an bei uns ausgebreitet. Nur zwei Tage, hatte sie anfangs versprochen, doch von heimlicher Abreise ist nichts zu sehen. Stattdessen fängt sie an, alles umzustellen. Wieder Haferbrei? Hans braucht Proteine! Männer sollten Fleisch essen wenigstens Eier. Du machst ihn mit deinem Brei noch krank!

Ich versuchte ruhig zu bleiben: Hans isst Haferbrei gerne. Er hat Gastritis, der Arzt hat ihm eine entsprechende Diät empfohlen. Doch Annemarie schüttelte den Kopf, Biss in das knusprige Brot, dass es durch die ganze Wohnung schallte. Die Ärzte haben keine Ahnung, sie werden von der Pharmaindustrie bezahlt. Ich folge einem Ernährungsexperten auf Instagram, der sagt, Kohlenhydrate machen krank. Naja, du wirst schon wissen, was du tust. Aber du solltest mal überlegen, warum Hans so blass aussieht.

Und dann kam Hans verschlafen in die Küche. Er suchte nach seiner geliebten blauen Tasse mit der Aufschrift Bester Angler, die er von seinem verstorbenen Vater geschenkt bekommen hatte. Aber keine Tasse weit und breit. Annemarie strahlt: Guten Morgen, Hans! Die Tasse habe ich weggeräumt, sie war so traurig und hat die Stimmung ruiniert. Ich habe dir eine schöne mit Blumen herausgesucht, aus dem Porzellan-Service, das nur in der Vitrine staubte. Die Dinge müssen doch benutzt werden! Und so stand vor Hans plötzlich eine winzige Porzellantasse mit rosa Pfingstrosen definitiv ungeeignet für Hans morgendlichen Teekonsum. Er sah mich an, verzweifelt: Warum?

Annemarie, sagte er ruhig, die Tasse war aus dem Service meiner Urgroßmutter. Und ich mag meine Anglertasse, weil sie einen halben Liter Tee fasst. Kann ich sie bitte zurückhaben? Aber Annemarie zuckte die Schultern. Ihr seid so konservativ und engstirnig! Ich wollte nur etwas ästhetische Ordnung schaffen. Außerdem war sie schon angeschlagen ich habe sie entsorgt.

Mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Die Tasse war für Hans eine Erinnerung an seinen Vater. Doch da stand sie in den Müll geworfen. Hans sagte nichts mehr, sondern holte die Tasse mit Kaffeeresten aus dem Abfall, spülte sie ab und schenkte sich demonstrativ Tee ein. Noch einmal und deine Karma verschlechtert sich augenblicklich, falls du noch einmal meine Sachen anfasst, meinte er leise.

Annemarie schnappte nach Luft: Hans ist ja direkt cholerisch! Clara, das ist ja psychischer Druck. Du solltest mal deine Grenzen mit ihm aufarbeiten, am besten mit einem Therapeuten! Ich schluckte meinen mittlerweile kalten Kaffee und wünschte mir, einfach Annemarie samt Koffer vor die Tür zu setzen. Doch mein guter deutscher Anstand hielt mich zurück.

Wann werden denn die Renovierungsarbeiten in deiner Wohnung fertig? Du meintest doch, nur ein paar Tage? fragte ich vorsichtig.

Ach, das zieht sich, viel komplizierter als gedacht! Die Balken müssen freigelegt werden, vielleicht muss ich noch eine Woche hierbleiben… Aber hey, ich bin doch deine Freundin ich bringe hier mal richtig Gemütlichkeit rein! Ich bleibe heute daheim und koche euch Abendessen, damit ihr nicht immer diese Fertignudeln essen müsst.

Den ganzen Arbeitstag zerfielen meine Gedanken im Büro. Ich malte mir aus, wie Annemarie alles umdekorierte und wurde richtig schlecht vor Sorge. Auf dem Heimweg begegnete ich unserer Nachbarin Frau Schneider im Treppenhaus. Sie sagte vorwurfsvoll: Clara, ich verstehe ja, dass ihr Besuch habt. Aber muss man die Musik so laut aufdrehen um zwei Uhr nachmittags? Mein Blutdruck, wissen Sie… Und dieser Neue Deutsche Schlager, dass die Wände wackeln!

Ich entschuldigte mich peinlich berührt und versprach Besserung. Treppauf überlegte ich schon eine ernste Ansprache Hotels, notfalls meine Kosten, aber so gehts nicht weiter!

Doch als ich die Wohnungstür öffnete, verschlug es mir die Sprache. Der Vorleger im Flur war weg, stattdessen ein grober Strohteppich. Unsere Schuhe lagen durcheinander in der Ecke, das Regal war voll mit Annemaries Pumps sortiert nach Farbe. In der Küche dann die nächste Überraschung: Meine liebgewonnenen Leinenvorhänge waren verschwunden. Stattdessen nackte Fenster, die Blumen vom Fensterbrett standen jetzt mitten auf dem Tisch Veilchen, Geranien, alles samt Wurzeln umarrangiert. Wo sind die Vorhänge? brachte ich hervor.

In der Wäsche natürlich! Die waren so verstaubt. Ich hab sie bei neunzig Grad gewaschen da gehen alle Milben weg! Leinenvorhänge. Neunzig Grad. Mir wurde ganz anders. Annemarie, Leinen darf nur bei dreißig Grad gewaschen werden, sonst laufen sie ein…

Sie winkte ab: Wenn sie eingehen, waren sie eh nichts wert. Ich habe schon neue rausgesucht mit geometrischem Muster, ist jetzt total angesagt! Und schau, ich koche einen tibetischen Fenchelsuppe, reinigt Sämtliche Chakren und den Darm! Der Sud roch nach gekochtem Kohl und fremden Gewürzen. Ich wurde langsam ungehalten.

Ich möchte keinen Suppe. Ich möchte wissen, warum du einfach alles ohne zu fragen veränderst! Die Blumen brauchen Licht, auf dem Tisch gehen sie ein. Aber Annemarie plapperte weiter: Ich habe die Blumen umgestellt, damit die Reichtums-Zone aktiviert wird. Und im Schlafzimmer habe ich die Luft gereinigt und das Bett umgestellt man soll nicht mit den Füßen zur Tür schlafen! Ich habe das Kopfende Richtung Osten gedreht.

Mir kochte die Wut hoch. Du warst in unserem Schlafzimmer?

Natürlich! Die Tür war offen. Das Bett musste ja umgestellt werden! Schwer, aber ich habs geschafft.

Ich holte tief Luft: Annemarie, hör jetzt zu. Sammle deine Sachen Kosmetikartikel, Kleider, alles! Pack deinen Koffer. Jetzt.

Annemarie war sprachlos. Du willst mich rauswerfen? Nachts? Die beste Freundin? Wegen ein paar Vorhängen und Blumen? Ich tue doch alles für euch ihr lebt hier im Sumpf, ich bringe Leben rein!

Du bringst nicht Leben, sondern Chaos. Das ist mein Zuhause. Und ich mag es so, wie es ist. Ich wollte keine Umgestaltung, kein Feng-Shui und keine Erziehung für meinen Mann. Du solltest einfach den Wasserschaden bei dir abwarten, mehr nicht.

Sie kreischte: Du wünschst mir, dass ich krank werde? Willst du mich ins Hotel abschieben?

Ich will endlich Ruhe, Annemarie. Es gibt Hotels, Hostels, oder andere Freunde aber hier bleibst du nicht.

In dem Moment kam Hans nach Hause, roch den seltsamen Suppenduft, sah das Bett mitten im Schlafzimmer stehen und die wütende Clara. Was ist denn hier passiert? Und wieso steht unser Bett quer? Ich bin fast drüber gestolpert!

Annemarie suchte Schutz: Hans, bitte, ich wollte doch nur helfen jetzt wirft Clara mich raus!

Hans schaute sie lange und kalt an: Du hast jetzt zwanzig Minuten. Danach packe ich deine Sachen selbst und ich schmeiß sie einfach aus dem Fenster. Wir wohnen im fünften Stock.

Annemarie stampfte los, schnappte Sachen, knallte Türen. Ich fiel erschöpft auf den Stuhl. Entschuldige, Hans. Ich wollte das wirklich nicht.

Hans legte tröstend seinen Arm um mich: Du bist nicht schuld, manche Leute sind wie Schimmel setzt man sie nicht raus, breiten sie sich aus. Sind die Vorhänge sehr beschädigt?

Ich schniefte: Ja, die sind kaputt. Und bestimmt ist das Parkett zerkratzt.

Parkett kann man abschleifen. Vorhänge gibt es neu. Wichtig ist, dass wir den tibetischen Suppe überlebt haben. Schau dir die Farbe an …

Eine Viertelstunde später kam Annemarie, starr und aufgebrezelt mit ihrem Koffer zur Tür hinaus: Ihr werdet sehen ihr verliert den einzigen Menschen, der euch uneigennützig Gutes wollte. Bleibt im eigenen Schmutz und schlechter Energie. Adieu!

Ich schloss hinter ihr ab. Sie drehte sich nochmal um: Und übrigens, Clara, deine Gesichtscreme für hundert Euro: kompletter Quatsch. Ich hab sie drei Tage lang für die Füße genommen und keinen Effekt gespürt! Kauf lieber Kindercreme, die ist besser.

Die Tür fiel ins Schloss, ich verriegelte doppelt, danach kicherte ich und spürte, wie der Stress von mir abfiel.

Hans warf die Suppe weg: Selbst die Toilette hat sich gewehrt, aber jetzt ist’s geschafft. Lass uns das Bett und die Blumen zurückstellen.

Wir verbrachten den ganzen Abend damit, die Wohnung wiederherzustellen. Die Kratzer vom Bett sieht man zum Glück nicht mehr, aber die Vorhänge waren jetzt winzige Fetzen Annemarie hatte sie wirklich verkocht.

Egal, meinte ich, jetzt ist es wenigstens heller.

Als wir endlich zu unseren geliebten Nudeln mit Käse saßen, piepste mein Handy: Ein Foto von Annemarie aus einem Café Tasse Kaffee und Torte, mit der Nachricht: Genieße meine Freiheit von toxischen Menschen! Liebe und Licht für alle! Ich blockierte den Kontakt.

Hans meinte: Wegen einer Sache hatte sie recht. Wir sollten wirklich die Türschlösser tauschen nicht dass sie einen Ersatzschlüssel gemacht hat, während sie hier Energie umgestellt hat.

Am nächsten Tag tauschten wir die Schließzylinder aus. Endlich konnte ich wieder aufatmen, unsere Wohnung roch wieder nach Zuhause, und die verrückten Reformideen waren Geschichte.

Einen Monat später erfuhr ich, dass Annemarie bei irgendeiner entfernten Tante im Rheinland untergekommen ist. Gerüchte gehen herum, dass sie dort den ganzen Garten umgegraben hat und jetzt die Tante selbst nach einem Weg sucht, Annemarie möglichst weit weg in eine Kurklinik zu schicken.

Ich grinse über diese Geschichten. Eine Lehre habe ich gezogen: Helfen ist gut, aber das eigene Zuhause sollte nur für Menschen offenstehen, die die Grenzen respektieren.

Ach ja, ich habe neue Vorhänge gekauft mit geometrischem Muster, tatsächlich. Irgendwie hat Annemarie doch einen Punkt getroffen, aber das würde ich ihr niemals sagen.

Und wenn mal ein aufdringlicher Gast bei euch zu Hause eigene Regeln aufstellen will was tut ihr? Schreibt gern eure Erfahrungen in die Kommentare!

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Und ich benutze hypoallergenen, geruchsneutralen Weichspüler.“ „Genau!“, verkündet Larissa, hebt den Finger, der mit einem klobigen Ring mit lila Stein glänzt. „Geruchsneutral heißt, ohne Seele. In einer Wohnung muss es nach Frische, Lavendel, vielleicht Alpenwiesen riechen! Aber bei euch riecht es… steril. Langweilig, Lena, ihr lebt langweilig. Dir fehlt die Fantasie.“ Olga wendet sich stumm dem Herd zu, auf dem Haferbrei für ihren Mann gart. Viktor schläft noch, muss aber bald zur Arbeit. Sein Geduldsfaden ist ohnehin angespannt, und Olga betet, dass der Morgen ohne Zwischenfall verläuft. Larissa erschien vor drei Tagen spät abends in ihrer Wohnung. Ihre Stimme war tränenreich und panisch: „Lenchen, hilf mir! Die Nachbarn haben mich geflutet, ein unfassbarer Wasserschaden, es ist feucht, Schimmel droht! Ich flehe dich an, lass mich für ein paar Tage bleiben, bis alles getrocknet ist!“ Olga, gutmütig wie sie ist, sagte zu. Einer Jugendfreundin hilft man doch, auch wenn man sich nur noch selten sieht. Aus „ein paar Tagen“ werden nun vier, von Abschied keine Spur. Dafür fängt Larissa immer mehr an, die Wohnung „umzuorganisieren“. „Übrigens wegen dem Haferbrei,“ Larissa verzieht das Gesicht, „du kochst wieder diesen Kleister? Viktor braucht Proteine! Männer brauchen Fleisch und Eier, nicht Pamps. Am Ende kriegt er davon Magengeschwüre, vielleicht sogar Impotenz.“ „Larissa, Viktor liebt Haferbrei, er hat Gastritis, der Arzt hat eine Diät empfohlen.“ Olga bemüht sich, ruhig das Essen zu servieren. „Ärzte haben keine Ahnung, die stecken doch mit den Pharmariesen unter einer Decke!“ Larissa beißt genüsslich in den knusprigen Toast. „Ich folge einem Ernährungsberater, der sagt: Alle Krankheiten kommen vom Zucker. Na gut, wenn du nicht hören willst. Aber wundere dich nicht, warum dein Mann so blass aussieht.“ Da betritt Viktor, der eher müde als blass wirkt, die Küche, murmelt ein „Guten Morgen“, setzt sich und greift nach seiner großen, dunkelblauen Tasse mit der Aufschrift „Bester Angler“. Doch die Tasse fehlt. „Wo ist meine Tasse?“ fragt er suchend. „Ach, Viti, guten Morgen!“, trillert Larissa. „Die habe ich weggeräumt. Die war so düster, die Atmosphäre wird davon negativ. Schau, ich habe dir eine neue genommen – mit Blumen, ganz fröhlich! Aus dem Porzellanset, das sonst langweilig in der Schrankwand steht. Die Dinge sollen genutzt werden!“ Vor Viktor steht stattdessen ein filigranes Tässchen mit rosa Pfingstrosen, kaum 150 Milliliter fassend. Sein Blick wechselt von der Kindertasse zu Olga und fragt stumm: „Warum?“ „Larissa“, sagt Viktor ruhig, „das ist ein Erbstück von meiner Urgroßmutter. Das benutzen wir nicht. Meine Tasse mag ich, weil sie einen halben Liter fasst. Gib sie bitte zurück.“ „Ihr seid aber auch spießig!“ ruft Larissa. „Langweilig, von gestern. Ich meine es doch nur gut, will mehr Stil. Deine Tasse war sowieso angeschlagen. Ich hab sie weggeschmissen.“ Peinliche Stille. Die Tasse war ein Geschenk seines inzwischen verstorbenen Vaters – winziger Sprung, aber Viktor hat sie gehütet. „Du… hast was gemacht?“ Sein Ton ist bedrohlich ruhig. „Weggeworfen,“ wiederholt Larissa. „In die Tonne. Aus kaputtem Geschirr trinkt man nicht, das bringt Unglück! Ihr solltet dankbar sein, dass ich mich um euer Karma kümmere.“ Viktor steht wortlos auf, fischt seine Tasse aus dem Mülleimer, spült sie ab, stellt sie vor sich und gießt sich unbeirrt Tee ein. „Wenn du noch einmal meine Sachen anrührst, ist deine Karma sofort ruiniert.“ „Unverschämt!“, stößt Larissa hervor, als Viktor mit dem Frühstück davonschlurft. „Lena, hast du das gesehen? Das ist pure psychische Gewalt, geradezu toxisch! Wie kannst du mit so einem Mann leben? Du brauchst dringend Therapie!“ Olga seufzt über ihrem kalten Kaffee. Sie braucht keinen Psychologen, sondern möchte Larissa mit samt ihres Schminkkoffers und den „richtigen“ Büchern hinauswerfen. Doch ihre deutsche Höflichkeit verbietet den Skandal. „Larissa, wann ist die Reparatur endlich fertig? Du meintest, zwei Tage. Heute ist Tag vier.“ „Ach, es ist komplizierter!“ winkt Larissa ab, heiter-jammernd. „Man muss die Zwischendecken öffnen. Es kann noch eine Woche dauern. Aber wir sind doch Freundinnen! Ich helfe euch ja, bringe Gemütlichkeit ein. Heute koche ich das Abendessen, ich halte es ja kaum aus, wie ihr euch mit Fertig-Pelmeni quält.“ Olga verlässt mit schwerem Herzen das Haus. Im Büro läuft alles schief – sie hat Larissas Eingriffe im Kopf und wird regelrecht krank davon. Am Abend, im Hausflur, begegnet sie Nachbarin Frau Meier. Die sonst freundliche ältere Dame schaut missbilligend. „Olga, ich habe Verständnis für Gäste. Aber muss man um zwei Uhr mittags volle Musik aufdrehen? Ich habe Kreislaufprobleme und wollte mich ausruhen – da wummert bei euch das Lied von Helene Fischer, dass die Kronleuchter wackeln.“ „Entschuldigung, Frau Meier.“ Olga errötet. „Das ist meine Freundin… Ich rede mit ihr. Es kommt nicht wieder vor.“ Mit einer strengen Ansage im Kopf geht Olga die Treppe hoch – sie will Larissa klar machen, dass ein Hotel vielleicht doch die bessere Erfindung ist und sie sogar bezahlen würde, wenn dafür Ruhe einkehrt. Doch als sie die Tür öffnet, kommt sie stumm ins Staunen. Kein vertrauter Teppich in der Diele. Stattdessen ein seltsames Strohrechteck. Die Schuhe von Viktor und Olga sind lieblos in die Ecke geworfen, das Regal ist voll mit Larissas Schuhen, nach Regenbogenfarben sortiert. „Larissa!“, ruft Olga. „Bin in der Küche! Komm sofort, wir probieren was Leckeres!“ Olga betritt die Küche – und ist sprachlos. Ihre geliebten Leinenvorhänge, zart und pastellfarben, sind verschwunden. Das Fenster nackt. Die Blumen, sonst am Fensterbrett, stehen im Pulk mittig auf dem Tisch – genau da, wo der Teller eigentlich stehen sollte. „Wo sind die Vorhänge?“ kann Olga nur noch fragen. „In der Wäsche!“ verkündet Larissa, während sie in einem großen Topf rührt. „Die waren so staubig! Ich hab sie bei neunzig Grad gewaschen, alle Milben müssen raus!“ Olga wird schwummrig. Leinen – bei neunzig Grad? „Larissa… Die laufen ein. Das ist Leinen! Die kann man nur bei dreißig…“ „Ach was!“ winkt Larissa ab. „Qualitätsware läuft nicht ein. Und falls doch – war’s eh Mist. Ich hab schon neue ausgesucht, bunt mit Geometriemuster, total im Trend! Setz dich, ich hab eine tibetische Suppe gekocht. Reinigt die Chakren und den Dünndarm.“ Olga blickt auf das grünlich-braune Gebräu: Es riecht nach Kohl und fremden scharfen Gewürzen. „Ich will keine Suppe,“ sagt sie fest. „Ich will wissen, warum du meine Sachen ohne zu fragen umstellst. Warum blumen auf dem Tisch? Sie brauchen Licht, am Fenster!“ „Am Licht kriegen sie genug, aber die Energie im Raum muss fließen. Die Pflanzen verstärken die Wohlstandszone“, dozierte Larissa. „Du wirst mir noch danken, wenn Viktor eine Gehaltserhöhung bekommt. Übrigens, ich bin in euer Schlafzimmer gegangen…“ „Du bist in unser Schlafzimmer?“ Olga spürt, wie ihr Zorn hochkocht. „Natürlich. Die Tür stand offen! Da war so schlechte Luft. Ich hab gelüftet und die Bettstelle verschoben. Man soll ja nicht mit den Füßen zur Tür schlafen – böse Omen, Bahrenstellung. Jetzt steht der Kopf zum Osten. Schweres Ding!“ Olga stellt sich vor, wie Larissa die Eichenbettstelle quer durchs Zimmer schiebt, den Parkett zerkratzt. Ihre Bettbezüge, ihre Kissen. Das ist kein Überschreiten von Grenzen mehr, sondern eine Invasion. „Larissa, setz dich,“ befiehlt Olga. „Was ist denn? Du bist ganz nervös. Vielleicht ein paar Baldriantropfen? Habe ich in deiner Hausapotheke gefunden. Hatte bald Ablauf, ich habe sie weggeschüttet: Risiko, Gift! Morgen besorgst du frische.“ Olga schließt die Augen und zählt bis fünf. „Ausgeleert. Weggeworfen. Umgestellt.“ „Hör zu, Larissa: Du gehst jetzt ins Bad und räumst deine Sachen. Alles, inkl. Tuben, Dosen und Unterwäsche vom Heizkörper. Danach packst du in deinem Zimmer den Koffer.“ Larissa starrt sie fassungslos an: „Du schmeißt mich raus? Um diese blöden Vorhänge und das Bett? Bist du irre? Ich tue doch alles für euch! Euer Zuhause ist ein Sumpf, ich wollte Leben reinbringen!“ „Du hast kein Leben reingebracht, du hast mir die Luft abgeschnürt“, kontert Olga. „Das ist mein Zuhause. Mein Sumpf. Und ich liebe es so. Ich hab dich gebeten, den Wasserschaden abzuwarten, nicht mein Leben umzukrempeln.“ „Da kann man doch gar nicht wohnen! Es ist feucht! Willst du, dass ich krank werde?“ „Ich will meine Ruhe“, antwortet Olga. „Es gibt Hotels, Hostels, andere Freundinnen. Aber hier bleibst du nicht mehr.“ Im gleichen Moment fällt die Haustür ins Schloss – Viktor kommt heim. Schaut auf die umgestellten Blumen, das leere Fenster, den merkwürdigen Suppenduft und die rot angelaufene Olga. „Was ist hier los? Warum riecht das so seltsam? Warum steht das Bett quer? Ich wollte mich umziehen und bin fast gestolpert.“ „Sag ihr was, Viktor!“ ruft Larissa, hilfesuchend. „Ich meine es doch nur gut, und sie wirft mich vor die Tür! So geht man mit Freunden nicht um! Wir kennen uns seit dem Kindergarten!“ Viktor schaut Larissa lange an, dann zu Olga, sieht ihre zitternden Hände. „Larissa,“ sagt er ruhig. „Du hast zwanzig Minuten. Wenn du dann noch da bist, packe ich deine Sachen selbst. Und ich werde sie nicht ordentlich falten, sondern aus dem Fenster werfen. Achtter Stock.“ „Ihr seid widerwärtig!“, schreit Larissa. „Spießbürger! Raffgierige! Hängt an eurem Plunder! Ich komme nie wieder her! Ich erzähle allen, wie ihr wirklich seid! Allen gemeinsamen Bekannten!“ „Zeit läuft“, sagt Viktor und schaut auf die Uhr. „Neunzehn Minuten.“ Larissa poltert schimpfend durch die Wohnung, wirft Kram in den Koffer, Türen schlagen. Olga sinkt kraftlos auf den Stuhl. „Tut mir leid, Viti“, flüstert sie. „Ich wollte das nicht.“ Viktor umarmt sie sanft und küsst sie auf den Kopf. „Nicht dein Fehler. Manche Leute sind wie Schimmel – räumst du sie nicht gleich weg, übernehmen sie alles. Um die Vorhänge tut es dir leid?“ „Sehr“, schluchzt Olga. „Ich habe sie monatelang gesucht. Und den Parkett hat sie sicher ruiniert.“ „Wir schleifen den Boden. Kaufen neue Vorhänge. Hauptsache, wir haben diesen ‚tibetischen‘ Suppenanschlag überlebt. Schau dir die Farbe an.“ Nach fünfzehn Minuten rollt Larissa in voller Montur ihre Koffer raus, die Lippen spitz wie ein Truthahnschnabel, das Kinn hoch. „Ich gehe“, verkündet sie dramatisch. „Ihr verliert den einzigen Menschen, der euch wirklich Gutes wollte. Lebt in eurem Mief und eurer Negativität. Lebt wohl.“ Mit lautem Rumms verlässt sie die Wohnung. Olga schließt hinter ihr ab. Im Treppenhaus dreht Larissa sich noch einmal um: „Und übrigens, Lena: Deine teure Gesichtscreme für 70 Euro taugt nichts. Hab sie drei Tage für die Füße benutzt – kein Effekt. Kauf lieber eine Babycreme, die ist natürlich.“ Tür zu. Doppelt abgeriegelt. Olga lehnt die Stirn gegen die kühle Tür und beginnt zu lachen. Es ist ein nervöses Lachen, das in Tränen umschlägt. Viktor taucht mit dem Müllsack auf. „Die Suppe ist im Klo gelandet. Das Klo war schockiert, aber hat’s geschafft. Wollen wir das Bett und die Blumen zurückstellen?“ „Gern“, sagt Olga und wischt sich die Tränen ab. „Und den Teppich holen wir auch wieder.“ Sie verbringen den ganzen Abend damit, die Wohnung rückzubauen. Das Bett hat Spuren im Parkett hinterlassen, aber an seinem Platz sieht man sie nicht mehr. Die Vorhänge – im Wäschetrockner zu Winzlingen eingelaufen, Larissa hatte wohl tatsächlich die Kochwäsche eingestellt. „Egal“, sagt Olga und wirft das ruinierte Leinen in den Müll – „jetzt ist es schön hell.“ Beim Abendbrot – einfache Nudeln mit Käse, ganz ohne „chakra-reinigende“ Zutaten – piept Olgas Handy. Eine Nachricht von Larissa: Foto aus einem Café, Tasse Cappuccino und Torte. „Genieße meine Freiheit von toxischen Menschen. Euch allen Liebe und Licht!“ Olga blockiert die Nummer wortlos. „Weißt du“, überlegt Viktor beim Nudelnessen, „in einem Punkt hatte sie recht.“ „Womit?“ fragt Olga misstrauisch. „Wir sollten wirklich die Schlösser wechseln. Wer weiß, ob sie einen Ersatzschlüssel hat, während sie angeblich unsere Energie harmonisiert hat.“ Am nächsten Tag lassen sie das Schloss austauschen. Erst dann atmet Olga wieder frei. Die Wohnung riecht wieder nach Zuhause, nicht nach fremden Parfüms und verrückten Ideen. Ein Monat vergeht. Von gemeinsamen Bekannten erfährt Olga, dass Larissa nun bei irgendeiner entfernten Tante in Bayern wohnt und dort bereits den Gemüsegarten umgegraben hat, alle „falschen“ Tomatensorten rausgeworfen, und die Tante nun überlegt, Larissa in ein Sanatorium abzuschieben – möglichst ans andere Ende der Republik. Olga hört die Geschichten mit einem Grinsen. Sie hat gelernt: Helfen ja, aber die eigene Festung nur Menschen öffnen, bei denen man sicher ist, dass sie nicht die Wände neu streichen. Und sie hat neue Vorhänge gekauft. Bunt, mit Muster. Larissa hatte in dem Punkt echt Geschmack – aber das würde Olga ihr nie verraten. Wie geht ihr mit Gästen um, die in eurem Zuhause plötzlich die Regeln bestimmen wollen? Erzählt uns eure Erfahrungen, kommentiert, liked und abonniert – hier wird das echte Leben ganz bestimmt diskutiert!
Mamas großer Ausbruch