Ei, wohin gehst du? Und wer kocht jetzt für uns? — Was soll das? Wohin willst du gehen? Und wer übernimmt jetzt das Kochen? — fragte der alarmierte Ehemann, als er sah, was Antonia nach dem Streit mit ihrer Schwiegermutter tat…

Hanna, wohin willst du denn? Und wer soll jetzt für uns kochen?
Was ist denn das? Wohin gehst du? Und wer wird jetzt für uns kochen? fragt ihr Mann, aufgeschreckt, als er sieht, was Hanna nach dem Streit mit ihrer Schwiegermutter tut.

Hanna blickt aus dem Fenster auf das trübe Grau. Obwohl es gerade Frühling wird, ist es in ihrer kleinen Stadt im Norden Deutschlands selten sonnig. Vermutlich wirken die Menschen deshalb oft reserviert und wenig zugänglich.

Hanna bemerkt an sich, dass sie kaum noch lächelt und die ständige Falte auf ihrer Stirn sie älter aussehen lässt.

Mama! Ich geh mal spazieren, ruft die Tochter, Lieselotte.

Gut, winkt Hanna ihr zu.

Gut? Gib mir doch Geld.

Jetzt muss man sogar für einen Spaziergang zahlen? seufzt Hanna.

Mama! Was stellst du denn für Fragen?! Meine Freundinnen warten schon! Jetzt beeil dich! Und warum gibst du mir so wenig?

Reicht für ein Eis.

Du bist aber wirklich knauserig, motzt Lieselotte und verschwindet durch die Tür, bevor Hanna antworten kann.

Hanna schüttelt den Kopf, erinnert sich daran, wie lieb Lieselotte früher war, bevor die Pubertät kam.

Hanna, ich hab Hunger! Dauert das noch lange? ruft ihr Mann, Ralf, genervt.

Iss halt, sagt sie gefasst und stellt ihm einen Teller hin.

Kannst du mir das bitte wenigstens bringen?

Hanna wäre fast der Topf aus der Hand gefallen. Wie kann er nur

Hier wird in der Küche gegessen, Ralf. Möchtest du etwas, isst du hier. Willst du nicht? Auch gut, sagt sie und setzt sich allein.

Eine Viertelstunde später kommt Ralf in die Küche.

Das ist ja schon kalt Igitt.

Du hast dir Zeit gelassen.

Ich hab dich darum gebeten! Keine Wärme, kein bisschen Zuwendung! Du weißt doch, ich schaue das Spiel! schimpft Ralf und kaut an seinem Hähnchen. Schmeckt auch nicht besonders.

Hanna verdreht nur die Augen. Bei Fußball verwandelt Ralf sich. Wetten, Fanartikel, teure Tickets Er ist richtig süchtig danach, obwohl er früher nie etwas mit Sport am Hut hatte.

Er bleibt nicht sitzen, schnappt sich eine Dose zur Stärkung, Chips zur Beruhigung und verschwindet vor den Fernseher. Hanna bleibt in der Küche und kümmert sich um das schmutzige Geschirr.

Kochen, ganz umsonst. Niemand würdigt sie.

Sie ist völlig erschöpft von der Arbeit. Als Stationsleiterin im Krankenhaus hat sie täglich mit schwierigen Patienten und deren Sorgen zu tun. So vergehen die Tage: Stress im Job, zuhause keine Geborgenheit nur Pflichten. Waschen, bügeln, putzen.

Ist da noch mehr? Ralf sucht eine weitere Dose im Kühlschrank. Warum ist nichts mehr da?

Du hast alles ausgetrunken! Und ich soll dir jetzt auch noch mehr besorgen? Schäme dich, Ralf! platzt es aus Hanna.

Tja, empfindlich knurrt Ralf, knallt die Kühlschranktür zu und zieht los, um Nachschub zu holen das nächste Spiel steht an.

Hanna beschließt, schlafen zu gehen, der nächste Arbeitstag wird anstrengend. Doch sie findet keine Ruhe. Sie macht sich Sorgen um Lieselotte wo ist sie, mit wem unterwegs? Es ist längst dunkel, und Lieselotte kommt nicht heim. Beim Anrufen reagiert die Tochter gereizt.

Du blamierst mich vor meinen Freundinnen! Hör auf, mich anzurufen! schreit sie ins Telefon. Hanna lässt das Handy liegen und tröstet sich damit, dass Lieselotte gerade erst achtzehn geworden ist. Weder Arbeit noch Studium will sie nach dem Abitur macht sie eine Pause, um sich selbst zu finden.

Nach kurzem Einschlafen weckt Hanna der Jubel des Mannes. Offenbar hat jemand ein Tor erzielt. Gleich danach diskutiert er das Spiel mit dem Nachbarn, der zufällig vorbeikam und einfach blieb. Später bringt der Nachbar seine Freundin mit, und sie fiebern zu dritt mit. In der frühen Morgendämmerung taucht Lieselotte auf, klappert laut mit dem Geschirr, stampft und verschwindet ins Bett. Endlich wird es ruhig und Hanna kann einschlafen da fängt der Kater an zu miauen und fordert Futter.

Kann denn außer mir hier niemand den Kater füttern?! knurrt Hanna, gequält von Migräne und Schlafmangel, und verlässt ihr Schlafzimmer. Sie will sich Gehör verschaffen, aber Lieselotte sitzt mit Kopfhörern da und winkt nur kurz ab. Ralf schnarcht vorm Fernseher, eine Dose noch in der Hand.

Müde so endlos müde bin ich! denkt Hanna.

Am nächsten Tag klingelt die Schwiegermutter, um Hanna zu wecken.

Hanna, liebe, du weißt doch, es wird Zeit, Gemüse zu pflanzen! Und wir müssen ins Dorf fahren Großreine machen.

Ich weiß, seufzt Hanna.

Dann lass es uns morgen machen.

Am einzigen freien Tag arbeitet Hanna im Garten, unter Aufsicht der Schwiegermutter.

Nicht so fegen! Du musst den Besen anders halten! kommandiert sie, gemütlich auf der Bank sitzend.

Ich bin fast fünfzig, Frau Ingrid, und weiß, wie es geht, wagt Hanna zu erwidern.

Der Ralf

Wo ist denn Ihr Ralf? Warum bringt er Sie nicht her? Warum sitzen wir drei Stunden im Bus? Und Sie reden nur von Ralf, von Ralf

Er wird schnell müde.

Und ich? Meinen Sie etwa nicht, dass ich auch müde bin?

Hanna bereut sofort, dass sie widersprochen hat. Ingrid ist eine redselige Frau und legt Wert auf Gerechtigkeit. Doch für Hanna gilt diese Gerechtigkeit nie. Ingrid hat ihr Leben lang den Sohn verwöhnt und Hanna nur geduldet.

Auf der Rückfahrt sitzen sie weit voneinander entfernt. Tags darauf beklagt sich Ingrid bei Ralf über Hannas Benehmen.

Wie kannst du nur so mit meiner Mutter reden?! wirft Ralf empört vor. Ohne sie wärst du

Was denn? fragt Hanna mit verschränkten Armen. Ihr wird klar, dass sie dieses undankbare Verhalten nicht mehr dulden will.

Du würdest immer noch im Gesundheitszentrum arbeiten! Er erinnert sie daran, dass die Schwiegermutter ihr geholfen hat, den Posten im Kreiskrankenhaus zu bekommen. Das Gehalt ist besser, aber die Belastung groß oft hat Hanna bereut, das beschauliche Gesundheitszentrum gegen den Trubel des Krankenhauses eingetauscht zu haben.
Was machst du da? Ralf verstummt, als er sieht, was Hanna unternimmt.

Was Hanna tut, hätte Ralf sich niemals träumen lassen!

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Homy
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Unsere Kinder sind Stiefgeschwister