Hässlich, aber mit Mitgift: Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Die unschöne Braut mit Mitgift

Pauli, schau mal Ist das nicht Vadim? Nina hob den Kopf vom Gemüsebeet, als das Gartentor knarrte.

Ja, er ists. Und er hat eine große Tasche dabei. Paul und Nina tauschten bedeutungsvolle Blicke.

Sieht aus, als hätte er seine Sachen gepackt Hat ihn seine Marina etwa rausgeworfen? Der Don Juan hats wohl übertrieben.

Paul klopfte sich die Erde von den Händen sie hatten gerade Setzlinge gepflanzt und ging seinem Bruder entgegen. Nina blieb zurück und beobachtete das Ganze aus der Distanz. Paul wirds mir schon erzählen Warum sollte ich zu diesem eingebildeten Typen rennen?, dachte sie und wollte weiterarbeiten, als Vadim ihr plötzlich mit einem gequälten, schuldbewussten Lächeln zuwinkte. Sie winkte zurück, dachte aber: Wie ein begossener Pudel Also hat er tatsächlich Mist gebaut und ist jetzt bei den Verwandten aufgetaucht wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Paul sprach nur kurz mit seinem Bruder, dann kehrte er zum Beet zurück, während Vadim ins Haus ging.

Du hattest recht, Nina!, sagte Paul beim Wiederkommen. Marina hat ihn mit Sack und Pack vor die Tür gesetzt. Aber von ihm kriegt man die Wahrheit nicht bei ihm ist immer sie schuld. Doch wir wissen ja, wies wirklich ist. Sie hats wohl nicht mehr ausgehalten

Wer könnte so etwas vergeben? Sie hat jahrelang über seine Säufereien und Streitereien hinweggesehen. Und dann hat er sie auch noch geschlagen Man kann sie verstehen sie hat ihn sich ja ausgesucht: sechs Jahre jünger, gutaussehend. Und dann hat sie sogar ein Kind von ihm bekommen, obwohl sie in ihrer ersten Ehe fünf Jahre lang nicht schwanger wurde. Wahrscheinlich hatte sie Angst, ihn zu verlieren. Nina wurde nachdenklich.

Ja, bei ihrem Aussehen Weißt du, wie sie auf ihrer alten Arbeit genannt wurde? Paul grinste verschmitzt. Hexe!

Nina zog die Augenbrauen hoch.

Echt?

Ja. Und stell dir vor, sie hat darauf reagiert und nur gelacht.

Sie hat Humor, das stimmt. Aber der hilft auch nicht, wenn in der Familie so etwas passiert, seufzte Nina.

…Paul hatte Marina auf der Arbeit kennengelernt. Damals war sie achtundzwanzig. Sie arbeitete als Disponentin in einer Taxizentrale, er reparierte die Funkgeräte der Fahrer. Die Frau war mit dem jungen Chef verheiratet, doch nach fünf Jahren Ehe hatten sie noch keine Kinder. Damals wunderte sich Paul, dass der charmante Maxim Olegowitsch so eine unattraktive, barsche Frau hatte.

Eines Tages kam Pauls jüngerer Bruder Vadim zu Besuch. Es war Marinas Geburtstag, und sie lud die Kollegen ein, im Büro zu feiern. Es wurde ein lustiger Abend, bis Maxim plötzlich wegmusste. Und Marina und Vadim, der allen Frauen schöne Augen machte, verstanden sich auf einmal prächtig sie lachte über seine Witze, und er blühte auf.

Paul merkte gar nicht, wann der Funke übersprang, aber es passierte. Im November lernten sie sich kennen, und schon im März verkündete Marina ihre Scheidung.

Was soll ich von dieser Ehe noch erwarten? Meine biologische Uhr tickt, und noch immer kein Kind Ich bin untersucht worden bei mir ist alles in Ordnung. Aber Maxim weigert sich, zum Arzt zu gehen. Kinder scheinen nicht in seinen Plänen zu liegen. Und dann betrügt er mich auch noch. Alle lachen mich aus: Schaut euch diese Hexe an was findet er nur an ihr?

Als Vadim seiner Familie verkündete, er wolle heiraten, freuten sich die Eltern, doch Paul war skeptisch:

Wen willst du heiraten, Vadim?

Marina!, antwortete er grinsend.

Aber die ist viel älter als du, und

und nicht hübsch, was? Na und! Dafür ist sie gut situiert! Ihre Tante leitet ein Planungsbüro. Sie will mich dort unterbringen. Ihre Mutter und ihr Bruder leben in Israel und schicken ihr monatlich Pakete von Unterwäsche bis Kaviar. Und ihre Wohnung ist erstklassig zwei Zimmer, komplett renoviert. Dazu kommt noch ein zweistöckiges Wochenendhaus mit Garten. Wir waren schon dort Kurz gesagt: eine Braut mit Mitgift!

Die Mitgift ist gut Aber liebst du sie überhaupt?, fragte Paul.

Natürlich! Sie hat ein tolles Wesen!, lachte Vadim. Und sie kocht fantastisch!

Die Familie wechselte Blicke. Was sollte man da noch einwenden?

Bald heirateten Marina und Vadim.

Als Marina merkte, dass sie schwanger war, war sie überglücklich.

Ich habs Maxim ja gesagt das Problem lag bei ihm! Und mit Vadim waren wir drei Monate verheiratet, und schon kommt unser Baby!

Das Mädchen kam gesund zur Welt, zur Freude aller. Als es ein halbes Jahr alt war, ließen Marina und Vadim es oft bei den Großeltern, während sie aufs Wochenendhaus fuhren. Der große Garten erforderte viel Arbeit.

Doch Marina klagte bei Nina, dass Vadim sie oft allein ließ und vorgab, in der Stadt arbeiten zu müssen. Er jobbte nebenbei, hatte immer Geld. Paul und Nina halfen manchmal auf dem Grundstück.

Die Zeit verging, und bald wurde die kleine Irina drei Jahre alt. Die Familie feierte in Marinas Wohnung. Der Tisch war voller Delikatessen Geschenke aus Israel. Das Geburtstagskind trug Markenkleidung von der Großmutter. Doch Vadim verschwand mehrfach, um heimlich Telefonate zu führen. Marina warf ihm böse Blicke zu:

Vadik, wie oft noch? Wer ruft dich ständig an? Wir haben Gäste!

Nur wegen der Arbeit, murmelte er, ohne sie anzusehen.

Zwei Jahre später arbeiteten beide im Planungsbüro. Der Job war bequem, das Gehalt gut. Doch das Glück währte nicht lange.

Eines Tages erzählte Vadim stolz, dass die Familie nach Israel fliegen würde.

Die Verwandten wollen die Kleine endlich mal sehen. Meine Schwiegermutter hat drei Jahre gespart, um uns die Reise zu bezahlen. Und ihren Lieblingsschwiegersohn will sie auch sehen, prahlte er.

Die Reise war ein Erfolg. Vadim schwärmte noch lange davon.

Meine Schwiegermutter hat mich verwöhnt! Vadimchen hier, Vadimchen dort Ich habe drei Kilo zugenommen!

Na klar der Lieblingsschwiegersohn!, kicherte Marina und strich ihm über den Kopf.

Doch die Idylle zerbrach.

Eines Samstags klingelte es an der Tür. Ninas Schwiegermutter ging öffnen und kehrte verstört zurück.

Wer war das?, fragte Nina.

Nur jemand, der einen bestimmten Menschen suchte, murmelte die Frau und verschwand.

Später hörte Nina, wie die Eltern leise diskutierten.

Hallo, Pauli!, rief Marina am Sonntag an. Ist Vadim bei euch?

Nein, wunderte sich Paul.

Dann kommt er wohl bald nach Hause. Wie ist der Wasserhahn? Alles repariert?

Welcher Wasserhahn?

Der gestern geplatzt ist, sagte Marina misstrauisch. Vadik ist gestern um fünf zu euch gerannt, weil du angerufen hättest

Ach so, wich Paul aus.

Eine peinliche Pause entstand.

Alles klar, sagte Marina kühl.

Paul rief sofort Vadim an.

Wenn du Lügen erzählst, dann sag mir wenigstens Bescheid! Marina hat angerufen, und ich wusste nichts von deiner Geschichte. Sie hat gemerkt, dass du sie belügst. Wo du warst, ist mir egal aber wie willst du dich vor Marina rechtfertigen?

Die Mutter hörte das Gespräch.

Sohn, was ist los? Was passiert zwischen Vadim und Marina? Sie zögerte, dann gestand sie: Letzte Woche kam Ludmilla, eine Bekannte von Vadim mit zwei Kindern. Sie sagte, sie wolle mir meine Enkelinnen zeigen. Vadims Töchter Die Frau brach in Tränen aus. Wie konnte er das tun? Eine zweite Familie? Wenn Marina das erfährt

Und sie erfuhr es von freundlichen Menschen. Vadim hatte nicht nur eine Geliebte, sondern auch zwei Kinder mit ihr.

Das ist dein Dank für alles, was ich und meine Familie für dich getan haben!, schrie Marina. Du hattest einen guten Job, ein Haus, ein Auto, eine Wohnung, eine Reise nach Israel! Der Lieblingsschwiegersohn! Wie soll ich das meiner Mutter beibringen? Sie packte ihn an. Nimm deine Sachen und verschwinde! Sofort! Und such dir einen neuen Job morgen erzähle ich deiner Tante alles!

Wo soll ich denn hin, Schatz? Verzeih mir, ich liebe dich!, jammerte Vadim.

Du hast doch eine andere Familie!

Aber Ludmilla ist schon mit einem anderen zusammen

Dann ist das dein Problem.

Als Vadim, wie ein geprügelter Hund, bei den Eltern auftauchte, dachte Paul: Was für ein Narr wegen seiner Gier alles zu verlieren, was ihm geschenkt wurde, und am Ende wie in dem Märchen mit leeren Händen dazustehen.

Die Moral der Geschichte: Wer aus Habgier und Eitelkeit handelt, verliert am Ende mehr, als er je gewinnen kann.

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Homy
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