„Wen willst du denn noch interessieren, Luda?“ – Sergej lachte herablassend. „Eine Schönheit bist du ja schon lange nicht mehr, hast zugenommen, und dass du zwei Kinder hast, macht dich auch nicht gerade attraktiver! Also setz dich und benehm dich, Luda! Was willste machen, wenn der Mann mal ausgeht? Selber schuld, hättest dich eben besser um dich und deinen Mann kümmern sollen! Jetzt mach mir endlich Frikadellen zum Abendessen, deine Hähnchen hängen mir zum Hals raus…“ Gedemütigt von ihrem Ehemann, ohne Unterstützung ihrer Mutter, aber mit einer starken Großmutter im Rücken kämpft Luda – nach Jahren des Leidens, Verrats und Selbstzweifels – um ihr Glück und die Zukunft ihrer Kinder im Herzen eines kleinen deutschen Dorfes. Eine berührende Geschichte über Mut, Familie und einen Neuanfang, der alles verändert…

Wen glaubst du eigentlich, will dich noch? Jens lachte höhnisch. Schau dich mal an, Ute! Schönheit ist echt was anderes und zugenommen hast du auch noch!

Und mal ehrlich verstehst du nicht, dass zwei Kinder bei dir wohl auch nicht gerade Pluspunkte bringen?

Also bleib, wo du bist, Ute, und reiß dich mal nicht so auf. Dein Mann geht halt mal fremd, na und? Warum machen Männer das, hm? Na sag doch mal, Ute. Schweigst, was? Weil du weißt, dass du selbst schuld bist!

Du hättest dich mehr um dich kümmern müssen, Ute! Und um deinen Mann! Dann hätte er sich nicht so gern woanders vergnügt. Verstanden? Na ja, was soll’s Mach lieber Frikadellen zum Abendessen, von deinem Hähnchen habe ich echt genug…

Jens stand auf, stellte seine Teetasse in die Spüle und verließ die Küche. An der Tür drehte er sich noch einmal um und sah seine weinende Frau an.

Jetzt hör auf zu heulen, Ute! Kümmere dich ums Abendessen! Ich hole die Kinder selbst vom Kindergarten ab.

Jens ging, und Ute setzte sich erschöpft auf den Stuhl, auf dem noch eben ihr Mann gesessen hatte.

In Utes Herz herrschte Leere und Traurigkeit. Sie wollte einfach nur verschwinden, weit weg. Dorthin, wo sie niemand mehr finden würde…

Ihre düsteren Gedanken unterbrach das laute Klingeln des Telefons.

Ute blickte aufs Display. Es war ihre Mutter

Sie wollte nicht abnehmen, denn ihre Mutter bemerkte sofort, wenn etwas nicht stimmte.

Und dann würde es wieder nur Ärger geben, da ihre Mutter fand, Ute sei selbst schuld und Jens habe recht.

Hör auf deinen Mann, Ute! Na und, er geht mal fremd? Er kommt doch immer wieder zurück zu euch! Sei froh, dass du ihn hast. Jens ist kein Schlechter. Er bringt alles ins Haus!

Und er trinkt ja auch kaum, das ist das Wichtigste! Weißt du selbst. Oder willst du so leben wie ich? Von Gehalt zu Gehalt und mit einem saufenden Kerl und lärmenden Kindern? Nein, Ute!

Willst du etwa zurück ins Dorf? Zu deiner überforderten Oma? Da würdest du aber schnell sehen, wie das Leben ist!

Solche Sätze bekam Ute ständig von ihrer Mutter Gisela zu hören, und sie hörte meist einfach zu.

Sie hörte zu und schwieg.

Und sie ertrug es.

Sie ertrug die ständigen Seitensprünge ihres Mannes, den Streit, das Grobe. Das ging jetzt schon seit fast fünf Jahren so…

Jens hatte Ute kennengelernt, als sie auf der Berufsschule war.

Ein sympathischer, selbstbewusster Mann seine Zielstrebigkeit hatte sie beeindruckt.

Fast ein Jahr lang trafen sie sich, es gab Blumen, Dates, Geschenke. Dann merkte Ute, dass sie schwanger war, und Jens beschloss, sie zu heiraten wie es sich gehört.

Die junge Frau sagte glücklich Ja, doch das Eheleben war anders als in ihren Träumen…

In den ersten Monaten war Ute schwach und übersah, wann Jens anfing, sich andere Frauen zu suchen.

Als sie es dann bemerkte, war es längst zu spät denn ihr Sohn Max war geboren.

Max war ein Schreikind, Ute schlief kaum zwei Stunden in der Nacht.

Jens half so gut wie nie, meinte, das sei Frauensache, er müsse arbeiten und für die Familie sorgen. Was er ja auch tat.

Max war gerade mal anderthalb, da merkte Ute, dass sie wieder schwanger war.

Jens meinte, sie solle das Kind behalten, und auch ihre Mutter meinte, mit zwei Kindern sei Jens dann sicher gebunden.

Doch damals schon ahnte Ute, dass in ihrer Familie längst nicht alles stimmte.

Eine Weile benahm sich Jens wie in der glücklichen Anfangszeit kümmerte sich, half sogar mit Max. Ute schöpfte Hoffnung, alles würde gut.

Schließlich kam Hannah zur Welt, und Jens wurde wieder wie zuvor: fremdgehfreudig, ständig am Streiten.

Ute pendelte zwischen Kindern und Ehemann und wusste nicht mehr weiter, die Lage wurde immer schlimmer.

Hilfe bei ihrer Mutter Gisela? Keine Chance.

Der beruhigt sich schon. Du hast die Kinder, und seine Sprüche ach, das ist egal. Halt durch, Tochter, das geht vorbei, war alles, was sie bekam.

Also wusste Ute, dass sie von ihrer Mutter keine Unterstützung bekommen würde.

Mehrmals wollte sie ihre Großmutter Martha anrufen, schämte sich dann aber doch. Oma Martha hätte für Untreue und solche Unverschämtheiten nie Verständnis gehabt, ganz im Gegensatz zu ihrer Tochter Gisela.

Daher hatten die beiden Frauen Gisela und ihre Mutter Martha auch immer schon Reibereien.

Ute versteckte ihr eigenes Leid vor Oma, denn sie wusste, Martha würde nicht verstehen, wie Ute das alles jahrelang aushalten konnte

Sie briet die Frikadellen, setzte Wasser für die Nudeln auf. Da klingelte erneut das Telefon. Es war wieder ihre Mutter.

Ute drückte das Gespräch wortlos weg.

Wir haben uns nichts mehr zu sagen! dachte sie. Soll sie doch weiter ihren Schwiegersohn verteidigen.

Sie trat ans Fenster. Jens müsste jeden Moment mit Max und Hannah zurück sein.

Aber sie kamen nicht…

Da sah sie Jens und die Kinder draußen am Spielplatz. Die Kleinen tobten, Jens telefonierte vergnügt als wäre alles wie immer, als hätte es den Streit nie gegeben.

Und plötzlich wurde Ute alles klar! Sie verstand, dass sich nichts ändern würde, im Gegenteil, es würde schlimmer…

Eine alte Unterhaltung mit Jens kam ihr in den Sinn, als sie ihn mal ganz naiv gefragt hatte, warum er gerade an ihr Gefallen fand einfacher Mädchen vom Land.

Jens hatte eigenartig gelächelt.

Ute, gerade weil du vom Dorf bist, ist das super für mich!

Wie meinst du das?

Na ja, du bist gesund! Auf dem Land sind die Mädchen alle noch gesund und das ist heutzutage total wichtig auch für die Kinder! Verstehst du?

Ja, vermutlich schon…

Eben! Du bist stark und ich bin stark und dann werden unsere Kinder stark! Das ist für mich das Wichtigste! Und hübsch bist du auch, nicht wie n Model, aber eben schön genug. Noch ein Plus!

Ute erschien das Gespräch damals sonderbar, doch sie verwarf ihre Bedenken.

Und heute verstand sie: Jens wollte sie nur als Kindermädchen für seinen Nachwuchs

Ein treues, kräftiges Kindermädchen.

Und eine, die alles hinnimmt und schweigt

Die Entscheidung kam wie von selbst.

Ohne das Fenster aus dem Blick zu nehmen, griff Ute zum Handy und rief ihre Oma Martha an.

Am nächsten Tag verließ Jens das Haus für die Arbeit. Ute machte scheinbar die Kinder fertig für den Kindergarten.

Doch sie ging nicht los

Kaum war Jens aus dem Haus, drehte Ute mit den Kindern um und kehrte zurück in die Wohnung.

Sie rief im Kindergarten an, meldete Max und Hannah für den Tag ab, dann begann sie zu packen.

Ute wusste, Jens käme heute Mittag nicht nach Hause, denn er aß meistens im Bistro in der Nähe seiner Arbeit. Das verschaffte ihr wichtigen Vorsprung.

Wenige Stunden später saß Ute mit den Kindern im Bus sie fuhren zurück ins Dorf, zu Oma Martha, der einzigen, die ihr wirklich helfen konnte.

Oma Martha schaute seit dem Morgen schon unruhig aus dem Fenster und hatte sogar den Nachbarn Georg gebeten, Ute und die Kinder an der Haltestelle abzuholen.

Er wartete schon seit einer halben Stunde, als sein Auto endlich erschien und Martha vor Freude die Gartentür öffnete.

Der Tag verging im Trubel, für Gespräche blieb kaum Zeit. Erst am Abend, als Max und Hannah schliefen, setzten sich die beiden Frauen in der Küche zusammen.

Nach Utes kurzer Schilderung ihrer Lage sah sie ihre Großmutter hilfesuchend an.

Oma, was soll ich machen? Er wird uns nicht in Ruhe lassen. Ich brauche ihn nicht, aber die Kinder Um die wird er kämpfen.

Martha lächelte.

Na und? Er ist der Vater, du bist die Mutter! Wann hat je eine Mutter ihre Kinder nicht verteidigt? Wer eine echte Mutter ist, kämpft für ihre Kinder! Nicht jammern, Ute, nicht klagen kämpfen musst du!

Ich weiß, Oma. Aber ich habe Angst…

Angst ist normal. Zeig nur keine! Solche Männer mögen keine starken Frauen. Bleib standhaft, dann wird auch er nachgeben.

Und meine Mutter! Die wird bestimmt kommen und schimpfen.

Gisela? Die kann kommen. Mit der rede ich schon. Und mit deinem Mann auch!

Aber, Oma, du kennst ihn doch gar nicht!

Ach, das ist leicht, Kind. Und eines sage ich dir: Wenn du ihm alles verzeihst und zurückgehst, brauchst du dich hier nie wieder blicken lassen. Dann gibts keine Hilfe! Jeder muss sein Leben selbst wählen Jetzt bist du dran. Und das Glück? Das wartet noch auf dich, du musst Geduld haben. Du musst es erwarten und nicht das Falsche nehmen.

Am nächsten Tag kamen Jens und Utes Mutter. Es flogen heftige Worte, sie machten Ute Vorwürfe, doch dank Oma Martha blieb sie standhaft.

Schließlich fuhren Jens und Gisela unverrichteter Dinge wieder ab

Ute trat vor ihren kleinen Hof, atmete den Duft der blühenden Kirschbäume ein und zum ersten Mal seit Jahren wurde ihr Herz leicht.

Fast drei Jahre sind nun vergangen, seit sie sich von Jens getrennt hat. Es war ein langer, steiniger Weg.

Allein die Sorgerechtsstreitigkeiten kosteten Nerven, aber heute kann Ute endlich ruhig durchatmen.

All die Zeit war Oma Martha ihre unverzichtbare Stütze. Ihr Schutzengel.

Und natürlich Max und Hannah. Für die hat sie das alles durchgestanden sie sind ihr ganzer Stolz. Und deshalb ist sie heute frei.

Und das Glück als Frau?

Das ist ganz nah, sagt Oma Martha. Man muss es abwarten

Geduld haben und nicht zu schnell greifen dann kommt das Glück und läuft nicht vorbei. Denn das größte Glück hält Ute schon in den Armen: ihre Kinder.

Und das Glück kam wirklich! Ein Jahr, nachdem sie ins Dorf gezogen war, lernte Ute Andreas kennen.

Andreas ist Witwer und betreibt einen Laden im Nachbarort.

Sie begannen sich zu treffen; ein halbes Jahr später zog Ute mit den Kindern zu ihm ins frisch gebaute Haus und heiratete Andreas.

Ihr Exmann lässt sich im Dorf nicht mehr blicken, die Kinder besuchen ihn nur manchmal am Wochenende Andreas fährt sie.

Ute ist wirklich glücklich. Sie weiß, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Und für ihre Oma kann sie nur dankbar sein

Was ich daraus gelernt habe? Es gelingt, das eigene Glück zu finden, wenn man für sich und die Kinder einsteht ganz gleich, wie schwer der Weg auch ist. Wer stark bleibt und Hoffnung nicht verliert, der wird eines Tages ganz sicher mit wahrem Glück belohnt.

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Homy
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„Wen willst du denn noch interessieren, Luda?“ – Sergej lachte herablassend. „Eine Schönheit bist du ja schon lange nicht mehr, hast zugenommen, und dass du zwei Kinder hast, macht dich auch nicht gerade attraktiver! Also setz dich und benehm dich, Luda! Was willste machen, wenn der Mann mal ausgeht? Selber schuld, hättest dich eben besser um dich und deinen Mann kümmern sollen! Jetzt mach mir endlich Frikadellen zum Abendessen, deine Hähnchen hängen mir zum Hals raus…“ Gedemütigt von ihrem Ehemann, ohne Unterstützung ihrer Mutter, aber mit einer starken Großmutter im Rücken kämpft Luda – nach Jahren des Leidens, Verrats und Selbstzweifels – um ihr Glück und die Zukunft ihrer Kinder im Herzen eines kleinen deutschen Dorfes. Eine berührende Geschichte über Mut, Familie und einen Neuanfang, der alles verändert…
Vor einem Jahr kam ihr Mann nicht allein nach Hause zurück – dabei war Maria, ein siebenjähriges blondes Mädchen.