Ihr Mann kam vor einem Jahr nicht allein nach Hause zurück. Mit ihm war Katharina, ein siebenjähriges Mädchen.
Vor einigen Wochen traf ich mich mit einer ehemaligen Klassenkameradin. Wir hatten uns fünf Jahre lang nicht gesehen, also gab es viel zu erzählen. Sabine berichtete von Neuigkeiten aus ihrer Familie, und das wichtigste davon war, dass die Tochter ihres Mannes nun regelmäßig bei ihnen zu Hause ist.
Anfangs verstand ich nicht, worauf sie hinauswollte, doch als Sabine ausführlich schilderte, was sich bei ihnen abspielte, fehlten mir schlicht die Worte. Also saß ich schweigend da und hörte zu.
Ihr Mann kam vor einem Jahr nicht allein nach Hause, sondern brachte Katharina mit ein hübsches, siebenjähriges blondes Mädchen aus der ersten Klasse. Ihr Mann stellte Katharina Daniel und Annalena vor und bezeichnete sie als ihre kleine Schwester. Die beiden älteren Kinder Daniel, sechzehn, und Annalena, vierzehn begriffen schnell, dass sie Katharina akzeptieren mussten, wenn sie nicht auf die großzügigen Taschengeldzahlungen ihres Vaters verzichten wollten.
Deshalb begrüßten der große Bruder und die Schwester ihre neue kleine Schwester mit aller Höflichkeit und widmeten ihr genug Aufmerksamkeit. Natürlich hatte Katharina mit den Erwachsenenangelegenheiten nichts zu tun und war schlicht eine Geisel der Umstände.
Sabine lehnte zuerst ab, die neue Gasttochter ins Haus aufzunehmen, doch nach einem Ultimatum ihres Mannes verbrachte sie schließlich ein Wochenende mit Katharina, während ihr Mann sich mit der Mutter des Mädchens seiner Freundin vergnügte.
Ich war erstaunt und fragte Sabine, wie sie das überhaupt aushielt. Ihre Antwort war völlig nüchtern: Warum nicht? Meine Kinder sind fast erwachsen, mir fehlt es an nichts, ich lebe für meine eigene Freude warum sollte ich alles aufs Spiel setzen, nur weil mein Mann sich mit einer anderen trifft? Er ahnt nicht einmal, wie sehr ich mich von ihm erhole…
Vielleicht verstehe ich etwas nicht richtig, aber für mich wirkt das Familiensystem in dem der Mann die Tochter der Geliebten ins Haus bringt und die Familie mit Geld manipuliert völlig unmoralisch. Das ist meine Ansicht, und ich kann Sabine nicht verurteilen, auch weil ich selbst nie in einer solchen Situation war. Im Leben kann alles passieren; ich akzeptiere eine lockere Affäre, eine Schwärmerei, nach der man merkt, wie wichtig Familie ist. Aber absolute Liederlichkeit in Beziehungen das geht für mich nicht.





