In einem Linienbus saßen nebeneinander eine junge Frau mit einem verspielten Welpen auf dem Schoß und ein älterer Herr mit einem prächtigen Blumenstrauß in den Händen – zwei Fremde auf halber Strecke, deren Begegnung in einer halben Stunde das Leben einer kleinen Streunerhundseele und einer einsamen Seele für immer veränderte.

Im Linienbus auf der Strecke von München nach Rosenheim saßen zufällig nebeneinander eine junge Frau und ein älterer Herr. Auf dem Schoß der Frau zappelte ein temperamentvoller Welpe herum, während der Herr einen riesigen Strauß bunter Blumen hielt so prachtvoll, dass ihn sicher noch die Tauben am Marienplatz von Weitem bewundert hätten.

Die Fahrt sollte eigentlich nur eine halbe Stunde dauern, aber Annemarie war längst am Ende ihrer Nerven. Der kleine Rabauke langweilte sich ganz schrecklich, wollte spielen, zwickte alles, was seiner winzigen Schnauze vor die Zähne kam und hatte schon ein ordentliches Loch in ihre gestrickte Strickjacke gebissen.

Offensichtlich war sie nicht die Besitzerin des Vierbeiners. Annemarie wusste nämlich so gar nicht, wie man mit Welpen umgeht mal schimpfte sie, mal flehte sie ihn verzweifelt an, sich ruhig zu benehmen. Einen Namen hatte sie für ihn jedenfalls keinen parat.

Der ältere Mitfahrer beobachtete das Ganze mit einem sanften Schmunzeln. Doch als der Welpe richtig aufdrehte, anfing zu quengeln und die Mitreisenden die Augen verdrehten, beugte sich der Herr zu ihr und flüsterte:

Darf ich vielleicht helfen?

Annemarie blickte ihn hilflos an. Er lächelte herzlich.

Wenn ich mir das so anschaue, dann haben Sie noch nicht allzu viele wilde Hundebesuche hinter sich. Wären Sie so freundlich, kurz den Blumenstrauß zu halten

Er drückte ihr seine prächtigen Blumen in die Hände und nahm stattdessen den Welpen. Der war sofort mucksmäuschenstill und begann neugierig, seinen neuen Bekannten zu beschnuppern.

Wissen Sie, bei mir zu Hause wohnt ein Kater, darum muss er jetzt alles ganz genau inspizieren, erklärte der Mann. Also, dann stellen wir uns mal vor: Ich bin Herr Günter Baumgartner.

Annemarie, freut mich Und das hier ist einfach nur ein Hund. Kein Name. Ist ein Findelkind, lag einfach so vor unserer Tür. Meine Eltern sind total dagegen, dass ich ihn behalte. Ich hatte gehofft, dass einer der Nachbarn Mitleid bekommt und ihn nimmt, aber stattdessen meckern sie bloß, warum ich den fremden Köter immer füttere

Herr Baumgartner hörte aufmerksam zu, kraulte den Kleinen hinter den Ohren. Der Welpe beruhigte sich spürbar und schien sich bei ihm pudelwohl zu fühlen.

Und wohin bringen Sie ihn jetzt?

Zu meiner Oma, aufs Land bei Bad Tölz, erwiderte Annemarie betrübt. Die hat zwar schon zwei Hunde, vielleicht klappts ja. Oder sie findet für ihn jemanden. Und Sie? Wohin mit diesem Wahnsinns-Strauß Blumen? Entschuldigung, falls ich zu neugierig bin.

Ihr war ein bisschen unbehaglich. So einen opulenten Strauß hatte sie noch nie gehalten. Herr Baumgartner lächelte milde.

Die sind für meine Frau. Ihre Lieblingsblumen. Heute ist ein besonderer Tag

Er wollte noch etwas sagen, doch genau in dem Moment kündigte der Fahrer schon eine kleine Pause an der nächsten Haltestelle an.

Der Welpe wurde zappelig und Herr Baumgartner schlug vor: Ich geh mal mit ihm raus, ein bisschen an die frische Luft. Sehen Sie, da ist eine hübsche Wiese. Annemarie, kommen Sie mit oder warten Sie lieber?

Ich warte hier

Sie beobachtete gespannt durch die Scheibe, wie sich der sonst so förmlich wirkende Herr Baumgartner ins Gras warf und lachend mit dem kleinen Hund um die Wette rannte, als wäre er plötzlich selbst wieder 18. Der riesige Blumenstrauß lag auf ihrem Schoß unwirklich, nach Festtag duftend.

Er ist älter als meine Eltern, dachte sie nachdenklich. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass die je zusammen so gelacht hätten. Und Blumen gabs bei uns höchstens im Supermarkt zu Ostern. Aber warum eigentlich?

Da sind wir wieder!, Herr Baumgartner kehrte mit leuchtenden Augen und geröteten Wangen zurück. Das ist ein witziger Kerl. Energie hat er für drei. Und für die nächste Stunde im Bus gibts eine echte Bayerische Spezialität einen Stöckchen-Kau.

Bis zur Endstation hab ich noch etwa eine Stunde vor mir und Sie?

Ich muss bald raus

Eine Weile saßen sie schweigend nebeneinander, Annemarie roch an den Blumen, Herr Baumgartner wiegte den Welpen, der mittlerweile brav an seinem Stöckchen knabberte, auf den Knien.

Schließlich drehte sich Herr Baumgartner wieder zu ihr:

Annemarie. Ich sehe doch, Sie mögen Blumen wirklich. Was halten Sie davon wir tauschen? Sie nehmen den Strauß und ich übernehme den Hund. Auf dem Land wartet niemand auf ihn, aber wir beide wir haben uns schon angefreundet.

Er sah Annemarie an wie jemand, der auf richtige Zustimmung hofft. Sie war perplex. Sie wollte doch, dass der Welpe ein richtig gutes Zuhause bekommt. Und die Hände von Herrn Baumgartner schienen wirklich die richtigen für diesen Job zu sein. Nur der Blumenstrauß der Strauß war irgendwie fast zu schön, zu privat.

Und Ihre Frau?, fragte sie leise. Es ist doch heute ein wichtiger Tag

Herr Baumgartner atmete leise und warm aus.

Ach, machen Sie sich keine Sorgen, Annemarie. Sie wirds mir nicht übelnehmen. Im Gegenteil, ich weiß, dass sie mich versteht.

Und den Hund mag sie?

Ganz sicher. Sie hätte sich gefreut, dass ich einen neuen Freund gefunden habe. Und wie ich den Kleinen nenne? Strauß! Als Andenken an heute.

Ein paar Minuten später ruckelte der Bus wieder los. Annemarie saß am Fenster, klammerte den riesigen Strauß wie einen Schatz und blickte Herrn Baumgartner nach. Er marschierte flotten Schrittes davon, warf immer wieder einen versicherten Blick in seine Jacke, wo der kleine Welpe es sich gemütlich gemacht hatte, und grinste vergnügt vor sich hin.

Erst als er hinter den geschmiedeten Toren des alten Münchener Friedhofs verschwand, verstand Annemarie, für wen der prachtvolle Strauß Blumen eigentlich bestimmt war.

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Homy
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In einem Linienbus saßen nebeneinander eine junge Frau mit einem verspielten Welpen auf dem Schoß und ein älterer Herr mit einem prächtigen Blumenstrauß in den Händen – zwei Fremde auf halber Strecke, deren Begegnung in einer halben Stunde das Leben einer kleinen Streunerhundseele und einer einsamen Seele für immer veränderte.
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