Die Großmutter, die zur Rettung wurde – Wie Irina Petrowna ihrer Enkelin in schwersten Zeiten Halt gab und für ihren Urenkel zur Heldin wurde

Oma, die zum rettenden Anker wurde

Weißt du, als Friedrike gerade neunzehn war, hat sie plötzlich erfahren, dass sie schwanger ist. Total aus dem Nichts, wirklich. Es war das erste Mal, dass sie sich auf so etwas eingelassen hat, und dann sowas! Am Anfang hat sie irgendwie gar nicht kapiert, was mit ihr passiert. Und als sie es dann wirklich begriffen hat, war das Kind schon in den Brunnen gefallen im wahrsten Sinne des Wortes.

Ihre Eltern sind aus allen Wolken gefallen, das ging für sie überhaupt nicht. Der Schande wegen haben sie Friedrike einfach rausgeworfen. Total schlimm, oder? Aber ihre Oma, Waltraud Müller, hat einen klaren Kopf behalten und Herz bewiesen:
Keine Angst, mein liebes Kind, hat sie gesagt. Wenn Gott uns ein Kind schenkt, schenkt er auch die Kraft, es großzuziehen. Das schaffen wir schon.
Ehrlich, Waltraud hat Friedrike nie Vorwürfe gemacht, nicht ein einziges Wort, nicht einmal ein böser Blick! Im Gegenteil, sie hat alles daran gesetzt, dass es Friedrike gut geht, drauf geachtet, dass sie sich gesund ernährt und sie zu Spaziergängen im Park mitgenommen.

Als dann ihr Sohn geboren wurde kerngesund übrigens hat Friedrike ihn Georg genannt, nach ihrem verstorbenen Opa, dem Mann ihrer Oma. Seit Georg auf der Welt war, schien Waltraud ein paar Jahre jünger zu sein! Sie hat ihrer Enkelin in allem geholfen, und als der Kleine dann größer wurde, hat sie Friedrike ermutigt, wieder zu arbeiten.
Mach dir um uns keine Sorgen, Liebes, hat sie immer gesagt. Uns gehts bestens. Unser Georg ist ein Goldstück lieb, ruhig und mit gutem Appetit. Geh ruhig arbeiten, das bisschen extra Geld schadet nie.

Die Jahre gingen ins Land. Georg wuchs als schlauer, netter und fürsorglicher Junge heran. Friedrike und ihre Oma waren wahnsinnig stolz auf ihn zuerst im Kindergarten und dann später in der Schule.

Abends haben die drei sich oft zusammen aufs Sofa gesetzt, gequatscht und Waltraud hat aus ihrem Leben erzählt von Kindheit, Schule und Liebeskummer. Ein Abend blieb besonders hängen: Oma schwärmte gerade von ihren jungen Jahren und Georg wollte wissen:
Oma, warst du damals eigentlich hübsch?
Hach, weiß nicht, das sieht man wohl nur von außen, hat sie gelacht.
Gibt es Fotos?
Natürlich, warte, ich hol das Album.

Sie holt aus dem Schrank ein richtig altes Fotoalbum, das sie Georg noch nie gezeigt hatte.
Schau mal, da bin ich in der zehnten Klasse. Und hier schon nach dem Abschluss auf der Arbeit.
Wow, Oma, du warst ja echt eine Schönheit! Und wer ist das hier?, fragt Georg und zeigt auf einen Mann neben ihr.
Das ist dein Urgroßvater Georg Müller. Ein wunderbarer Mensch.
Und der hier?
Das ist mein Sohn, dein Opa Thomas Georg.
Dein Sohn? Lebt der noch?
Natürlich lebt er noch, warum fragst du? Oma runzelt die Stirn.
Ich versteh das nicht

Friedrike, die die alten Fotos ebenfalls angesehen hat, steht leise auf und verlässt das Zimmer. Sie wusste einfach nicht, wie sie Georg erklären sollte, dass ihre Eltern also Georgs Großeltern ihr nie verziehen haben und niemals ihr Enkelkind sehen wollten.

Aber Waltraud wollte Georg nicht anlügen sie war immer ehrlich zu ihm, schon seit dem Kindergarten.
Schau mal, mein Lieber manchmal werden Menschen, die einem am nächsten stehen, ziemlich fremd. Irgendwann erzähle ich dir, warum mein Sohn vergessen hat, dass er eine Mutter hat. Aber heute nicht. Ich will den schönen Abend nicht verderben.
Okay, Oma, hat Georg gesagt und einfach das Thema gewechselt: Jetzt mal ehrlich warst du eigentlich oft tanzen? Ich wette, du hattest damals ganz viele Verehrer!

Aber Pustekuchen, hat Waltraud verschmitzt gelächelt. Nicht ein Mal war ich auf einem Schulball. Kein einziger hat mich gefragt. Außerdem hatten wir sechs Mädels zu Hause, eine direkt nach der anderen. Tanzen? Da war einfach keine Zeit für sowas. Unsere Eltern waren streng da wurde nichts mit Ausgehen. Von Bällen habe ich nur geträumt.
Wie Aschenputtel, murmelte Georg nachdenklich.

Die Eltern von Friedrike tauchten wieder auf, als Georg schon in der Abschlussklasse war. Sie wollten mal sehen, wie ihr Enkel aussieht und die Tochter zur Vernunft bringen. Tja, aber da wusste Georg schon längst Bescheid. Waltraud hatte ihm ganz behutsam ohne Schuldzuweisungen erzählt, was damals passiert war.

Georg hat seine eigenen Schlüsse gezogen. Er ist nicht auf sie zugesprungen, hat keine Fragen gestellt einfach noch liebevoller sich um seine Mutter gekümmert. Er wusste, er ist alles, was sie hat.

Als die unerwarteten Gäste dann vor der Tür standen, ist keiner ihnen entgegengerannt. Sie wurden freundlich hereingebeten, Tee gemacht und Omas Streuselkuchen aufgetischt.
Soll ich uns vorstellen, oder sagst du deinem Sohn, wer wir sind?, fragte Thomas mit kühlem Ton.
Ich weiß, wer Sie sind, antwortete Georg ganz ruhig, bevor Friedrike was sagen konnte. Sie sind die Eltern meiner Mutter. Und Sie, dabei nickte er zu dem Mann, sind der Sohn meiner Oma.
Nicht Oma, Uroma, verbesserte Friedrikes Mutter. Seine einzige Oma bin ich.
Georg schaut sie ernst an:
Da täuschen Sie sich aber, gnädige Frau. Ich habe nur eine Oma. Nur eine, die ich liebe. Ihr Name ist Waltraud Müller. Blut verbindet nicht automatisch.

Oma hatte kaum Zeit zu reagieren, Georg war schon aufgestanden:
Ich bin dann mal weg. Hab noch einiges zu erledigen. Und ihr klärt für euch selbst, warum ihr wirklich hergekommen seid.
Er ging. Die Stimmung war wie abgeschnitten.
Komm, wir gehen, sagte Thomas. Es ist alles zu spät. Hab ich doch gesagt.
Warte, hielt Waltraud ihn zurück. Du hast einen wunderbaren Enkel. Er ist verletzt und das aus gutem Grund. Du bist erwachsen. Wenn du sein Vertrauen zurückgewinnen willst, dann streng dich an. Wenn nicht, gut, dann soll es so sein.

Antwort gab es keine mehr. Sie gingen.

Das Schuljahr ging zu Ende. Georg hat alle Prüfungen mit Bravour bestanden. Ein letzter wichtiger Moment stand noch bevor: der Abschlussball.

Am Vorabend zieht er sich den neuen Anzug an, den er mit einem Freund gekauft hat, kauft einen prachtvollen Blumenstrauß und klingelt bei Oma.
Waltraud kommt zur Tür, öffnet und bleibt sprachlos stehen. Da steht Georg, inzwischen ein richtiger junger Mann. Er gibt ihr die Blumen, geht auf ein Knie und sagt feierlich:
Meine liebste, wunderbare Oma Ich bitte dich, meine Begleitung auf dem Abschlussball zu sein. Sag ja, bitte.

Sie reicht ihm die Hand, er steht auf und umarmt die Frau, die ihm zur zweiten Mutter wurde

Und das, mein Lieber, ist wirklich Familie.

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Homy
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Ach, reg dich doch nicht so auf… – „Wem bist du überhaupt noch wichtig, alte Schachtel? Du bist do…