Sie wollte gerade das Haus verlassen, doch als sie sich im Spiegel sah, blieb sie stehen – ihre traurigen Augen und grauen Haare weckten Erinnerungen an eine Kindheit, in der die Oma immer Tosia bevorzugte und ihr selbst das Studium verweigerte, weshalb sie auf dem Land blieb und alles alleine machte, während Tosia in die Stadt zog; nun fragt sie sich, nachdem ihre Familie fort ist, ob ihr vielleicht doch etwas fehlt.

Ich wollte gerade das Haus verlassen, aber blieb stehen, als ich mich im Spiegel sah.

Ich legte mein Handy zur Seite und begann einzupacken, was ich brauchte, während ich die Euro zählte, die meine Frau und ich für unseren Sommerurlaub zur Seite gelegt hatten. Ich rief im Büro an, um mir einen Tag freizunehmen, und informierte meine Frau darüber. Kurz bevor ich zur Tür gehen wollte, fiel mein Blick auf mein Spiegelbild. Traurige Augen, graues Haar. Alte Erinnerungen mischten sich in meine Gedanken und meine Stimmung wurde noch schwerer.

Meine Großmutter hat meine Schwester und mich alleine großgezogen. Ich verstand nie, weshalb, aber sie hat immer Hedwig bevorzugt. Hedwig war für sie wie eine Tochter; Großmutter in ihrer Rolle als Mutter, und ich war immer der Vater, den sie nie wirklich mochte. Sie warf meiner Schwester oft vor, dass sie eines Tages einen Mann wie mich heiraten würde. Hedwig war schon als Kind klüger als ich, lernte besser und war immer fleißig. Da unsere Großmutter der Meinung war, Hedwig müsse auf jeden Fall weiter zur Schule gehen, durfte ich früh arbeiten und übernahm die ganze Hausarbeit vom Ofen über den Stall bis zum Kochen.

Meine Cousine Hedwig ging auf die Uni und Großmutter war unheimlich stolz, auch wenn sie hart dafür arbeiten musste und jeden Cent sparte. Mich stimmte es traurig, dass ich in meiner Familie nie wirklich die gleiche Chance bekam. So fasste ich den Entschluss, falls Großmutter mir das Studium nicht ermöglicht, ziehe ich eben in die Stadt. Nach dem Wochenende packte ich meine Reisetasche, nahm das ersparte Geld und machte mich auf nach Frankfurt.

Damals, als ich noch jung war, arbeitete ich auf dem Wochenmarkt. Dort lernte ich meinen Mann kennen er war Lieferant. Ein ehrlicher, guter Mensch und mit ihm kaufte ich schließlich unsere eigene Wohnung. Unsere Tochter hatte leider weniger Glück: Nach diversen gescheiterten Versuchen zog sie zurück aufs Land. Glücklicherweise hatte uns Großmutter in ihrem Testament das Haus hinterlassen, sodass ich immer ein Zuhause hatte. Heute Morgen wachte ich wütend auf, mit dem Gedanken, ich hätte vielleicht damals mit meiner Familie den anderen Weg gehen sollen. Jetzt, wo sie nicht mehr da sind, fehlt mir etwas zutiefst.

Ich habe daraus gelernt, dass das Leben manchmal ungerecht scheint und man nie alles planen kann; aber Familie und Erinnerungen sind das Einzige, was bleibt, und man sollte jedem Moment, auch den schweren, einen Wert geben.

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Homy
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Sie wollte gerade das Haus verlassen, doch als sie sich im Spiegel sah, blieb sie stehen – ihre traurigen Augen und grauen Haare weckten Erinnerungen an eine Kindheit, in der die Oma immer Tosia bevorzugte und ihr selbst das Studium verweigerte, weshalb sie auf dem Land blieb und alles alleine machte, während Tosia in die Stadt zog; nun fragt sie sich, nachdem ihre Familie fort ist, ob ihr vielleicht doch etwas fehlt.
Das Gartenglück ohne Heldentaten