„Halte durch, meine Tochter! Du bist nun Teil einer anderen Familie, ihre Regeln sind zu beachten. Du bist nicht nur zu Besuch – du bist verheiratet! – Welche Regeln denn, Mama? Die sind doch hier alle verrückt! Vor allem meine Schwiegermutter – sie hasst mich, das ist eindeutig! – Hast du schon mal gehört, dass Schwiegermütter nett sind? – So geht das, immer wieder der gleiche Ärger! – Frau Brigitte Schuster stand mitten in der Küche, das Gesicht vor Zorn gerötet, die Augen funkelten wütend. – Wenn ein Mann fremdgeht, ist immer die Frau schuld. Soll ich dir das wirklich noch alles erklären?“ Die Schwiegermutter tobte und schrie ihre Schwiegertochter Lisa an – nur weil diese ihren Ehemann, Brigitttes Sohn, des Fremdgehens verdächtigte…

Halte durch, Tochter! Du bist jetzt Teil einer anderen Familie, da musst du ihre Regeln beachten. Du bist verheiratet, bist ja nicht nur zum Besuch hier.
Was für Regeln, Mama? Die sind ja alle nicht ganz dicht! Besonders meine Schwiegermutter! Sie hasst mich, das ist doch offensichtlich!
Hast du je gehört, dass Schwiegermütter nett sind?
Jetzt geht sie schon wieder spazieren! Zieht das schon wieder ab! Brigitte Schmidt stand mitten in der Küche, das Gesicht vor Zorn gerötet, die Augen funkelten vor Wut. Wenn ein Mann fremdgeht, ist seine Frau immer selbst schuld. Soll ich dir jetzt alles erklären, oder wie?
Die Schwiegermutter tobte. Sie schrie ihre Schwiegertochter Mia an, als hätte sie den Verstand verloren. Der Grund dafür war, dass Mia ihren Mann, Brigittes Sohn Thomas, des Fremdgehens verdächtigte.
Mia, eine junge, zarte Frau mit großen, gutmütigen Augen, lehnte an der Wand und versuchte, die wütende Brigitte zu beruhigen.
Frau Schmidt, aber das ist doch nicht normal. Er hat eine Familie, ein Kind … versuchte Mia zu sagen, aber Brigitte fiel ihr sofort ins Wort, als ob sie eine lästige Fliege vertreiben wollte.
Das nennst du Familie? Und dieses Kind von dir, das uns nicht mal an sich ranlässt? Brigitte schnaufte verächtlich. Deine Erziehung, sage ich nur!
Welche Erziehung, Frau Schmidt? Jonas ist erst ein Jahr alt. Er ist doch noch ganz klein, entgegnete Mia leise.
Klein? Brigitte verzog das Gesicht. Die Enkelin von Müllers ist noch jünger und schmiegt sich trotzdem an, macht keinen Aufstand wie deiner, sie deutete zur Kinderzimmertür.
Er ist doch Ihr Enkel, sagte Mia mit zitternder Stimme. Und wissen Sie, Kinder spüren schlechte Menschen. Vielleicht deswegen kommt er nicht zu Ihnen.
Wir sind also die Schlechten? Schau dir mal diese Tussi an! Brigitte begann wieder zu schreien. Von wem lebst du hier eigentlich? Wer kauft das Essen? Wer zahlt die Miete? Unverschämte!
Mia hatte keine Kraft mehr, zu streiten. Wie oft hatte sie Thomas schon gebeten, unabhängig von seinen Eltern zu leben. Doch Thomas, ein Erz-Mamasöhnchen, sah keinerlei Notwendigkeit dafür.
Er fühlte sich bei seinen Eltern wohl, wie der sprichwörtliche Keks in der Keksdose. Gechillt ging er zur Arbeit, während Brigitte und ihr Mann alles andere erledigten Wäsche waschen, Saubermachen, Kochen. Es war wie ein bequemes Märchen!
Für Mia allerdings war das Leben alles andere als märchenhaft, denn Brigitte machte ihr das Leben zur Hölle. Anfangs versuchte Mia noch, mit Brigitte auszukommen, half im Haushalt, hörte geduldig ihre endlosen Klagen über die Nachbarn an. Doch mit der Zeit musste sie erkennen, dass es vergeblich war.
Wie sehr Mia sich anstrengte, Brigitte blieb kalt und feindselig, zeigte nicht im Geringsten, dass sie Mia jemals mochte.
Mein Sohn bringt so ein naives Ding ins Haus, als gäbe es keine anständigen Mädchen mehr, beschwerte sich Brigitte bei der Nachbarin, während Mia draußen, hinter dem Haus, die von Thomas verstreuten Spielzeuge einsammelte und jedes Wort mit anhörte.
Hat sie sogar aus einem anderen Dorf geholt! Als obs das Wert wär! Unsere Mädels sind viel fleißiger und gescheiter.
Du sagst es! pflichtete Erna, die Klatschbase des Ortes, ihr bei. Sie hatte längst über jeden im Dorf tratschen können.
Kann ja überhaupt nichts, wie du selbst sagtest, Brigitte, ist ihr alles zu kompliziert. Bringt nichts auf die Reihe.
Glaub mir, man kann ihr nichts anvertrauen. Entweder geht was verloren, oder es geht kaputt. Und das Kind auch irgendwie merkwürdig.
Die Enkelin von Müllers ist brav und klug. Deiner weint die ganze Zeit und bockt rum. Da sieht man gleich, dass die Gene nicht stimmen.
Wenn es Mia zu viel wurde, rief sie ihre Mutter im Nachbardorf an, klagte ihr Herz aus. Doch die Mutter antwortete stets:
Du musst durchhalten, Mia! Du bist jetzt Teil einer neuen Familie, also musst du dich anpassen. Du bist ja schließlich verheiratet.
Was soll ich akzeptieren, Mama? Die sind alle verrückt! Besonders die Schwiegermutter, sie hasst mich einfach!
Weißt du, Schwiegermütter sind nie nett. Da mussten wir alle durch. Hauptsache, du zeigst nicht, wie schwer es dir fällt. Halte durch, Kind.
Mia wusste, mit ihrer schüchternen, unsicheren Mutter würde sie keine Revolution starten. Also drohte sie scherzhaft, den Vater miteinzubeziehen.
Hast du Mitleid mit deinem Vater! erschrak die Mutter. Du weißt doch, er steht unter Bewährung. Wenn er wieder auffällig wird, sperren sie ihn ein!
Mia war alles bewusst. Sie wusste, dass ihr Vater seine Strafe nur bekommen hatte, weil er bei einem Streit Mia verteidigte, als sie im örtlichen Lebensmittelgeschäft beleidigt wurde. Sie wusste auch, dass ihr Vater nicht schweigen würde, wenn er wüsste, wie man mit ihr in der neuen Familie umsprang. Er war ein aufbrausender Mann.
Na gut, ich verrate es ihm nicht, sagte Mia. Aber wenn das so weitergeht, wenn deine Schwiegermutter so bleibt … Ich weiß nicht, was dann passiert.
Alles wird sich schon fügen, Tochter. Warts ab, in ein paar Wochen denkst du nicht mal mehr daran, versuchte ihre Mutter sie zu beruhigen.
Gern hätte Mia dran geglaubt, aber das Verhältnis zur Schwiegermutter wurde nicht besser. Brigitte schien immer verbitterter zu werden, als sei Mia an allem schuld. Sogar Brigittes Mann, Herr Schmidt, ein lebensermüdeter, älterer Herr, hielt es irgendwann nicht mehr aus.
Warum schreist du ständig das Mädchen an? platzte es eines Morgens bei einem Streit aus ihm heraus. Die geht uns noch weg! Und das wär sogar richtig so!
Ich geh doch niemandem, keifte Brigitte zurück. Ich zieh vor Gericht, sie zahlt mir jeden Cent zurück, den sie aufgefressen hat! Und das Kind nehme ich auch, damit sie es nicht in so einer nichtsnutzigen Familie großzieht!
Mia verstand, dass das Unsinn war, aber trotzdem fürchtete sie sich. Zumal sie ihren Thomas immer noch liebte.
Die Gerüchte, Thomas würde sich heimlich mit seiner Ex, Saskia, treffen, waren nur Klatsch von den alten Dorfweibern wie Brigitte keine Spur von Wahrheit.
Wer weiß, wie lang Mias Leid noch weitergegangen wäre, hätte Brigitte nicht irgendwann im Überschwang ihrer Erfolge” bei ihrer Busenfreundin Erna geprahlt.
Erna packte noch ein paar eigene Dramatisierungen dazu und erzählte es weiter erst der nächsten Freundin, dann deren Mann bis alles einmal durchs Dorf ging und schließlich auch Mias Vater Franz erreichte.
Franz, ein Hüne von fast zwei Metern, kräftig wie ein Eichbaum, überlegte nicht lang.
Er griff sich die Axt, mit der er gerade Holz gehackt hatte, zog seine Arbeitsjacke an, setzte sich auf sein altes Zündapp-Moped, sagte kein Wort zur Frau, und fuhr los ins Nachbardorf, um seine Tochter aus ihrem Elend zu holen.
Im Hause Schmidt entbrannte derweil ein heftiger Krach. Mia hatte ihren kleinen Jonas nur für eine Minute auf das neue, orangefarbene Sofa gelegt, um schnell eine frische Windel zu holen.
Als sie zurückkam, entdeckte sie einen kleinen braunen Fleck unter dem Kind. Für Brigitte jedoch war es, als wäre das Sofa ruiniert.
Es war, als wäre ein schwarzes Loch dort entstanden. Brigitte stürmte herein und schrie Mia hemmungslos an.
Sofa ruiniert! Mein Lieblingssofa! Weißt du, wie viel das gekostet hat? Am liebsten würd ich dir die Hände abhacken und wieder annähen, damit dus lernst!
Ich mache alles sauber. Ich regel das, versuchte Mia mit zitternden Händen Brigitte zu beschwichtigen.
Was willst du denn putzen? Ist doch eh alles neu! Aber woher solltest dus wissen, du hast ja noch nie etwas von deinem Geld gekauft!
Und Sie etwa? platzte es aus Mia heraus, die endlich wagte anzudeuten, dass Brigitte ihr ganzes Leben auf Kosten ihres Mannes gelebt hatte.
Jetzt wirst du auch noch frech zu mir? Brigittes Gesicht wurde noch röter.
Mach die Flecken weg, dann raus mit dir und deinem Sohn! Ihr könnt draußen leben, solange, bis ihr wisst, wie man sich zu benehmen hat!
Mia, von Tränen überströmt, versuchte, den Fleck auszuradieren. Doch der braune Spritzer auf dem orangefarbenen Bezug schien sie auszulachen.
Klein Jonas, der die Anspannung seiner Mutter spürte, schrie aus Leibeskräften, was die Stimmung noch weiter anheizte.
Brigitte stand über ihr und goss einen Schwall Schimpfwörter über sie aus.
Sie bemerkte erst gar nicht, dass plötzlich jemand in der Tür stand: Franz, Mias Vater. Er stand da wie ein Denkmal, die Hand um den Griff der Axt geschlossen.
Irgendwann spürte Brigitte die Anwesenheit. Ihr Blick fiel auf das Werkzeug.
Sie wusste um Franz hitziges Temperament und das Gerede über seine Strafe. Die Angst kroch ihr unter die Haut.
Er merkte, dass genug war, und dass die Sache in eine andere Richtung ging. Brigitte versuchte noch, das Gesicht zu wahren.
Ach, hallo Franz! Ich bring deiner Mia ja nur ein bisschen Disziplin bei …
Ich hab sehr wohl gehört, wie du das machst, sagte er mit eisiger Stimme und trat ein, ohne die Schuhe auszuziehen.
Er hob die Axt über den Kopf, sodass Brigitte instinktiv zusammenzuckte und die Augen schloss. Doch statt zuzuschlagen, legte Franz die Axt ganz ruhig über die Schulter und reichte Mia die Hand.
Komm, Mia. Hier hast du nichts mehr verloren, sagte er ruhig und führte sie hinaus.
Halt, Franz Brigitte fing sich langsam, wollte noch kontern. Was soll ich meinem Sohn sagen?
Dein Sohn soll ruhig zu mir kommen. Sollen wir unter Männern reden. Franz warf ihr einen eiskalten Blick zu, der für sich sprach.
So nahm Franz seine Tochter und Enkelin Jonas mit. Thomas traute sich lange nicht, sie abzuholen, zu groß war der Respekt vor dem Schwiegervater. Doch schließlich kam er doch.
Franz sprach lange mit ihm nicht bedrohlich, aber bestimmt, die Axt lag währenddessen sichtbar auf dem Tisch. Die ruhigen Worte wogen schwer.
Thomas versprach, fortan mit Mia allein zu wohnen, dass seine Mutter nicht mehr ihr Leben bestimmen würde und dass er Mia und Jonas schützen und niemandem übearlassen werde.
Franz drückte Thomas fest die Hand. Thomas spürte: Mit diesem Mann spaßt man nicht er würde sich an sein Versprechen halten müssen.
Von diesem Tag an mied Brigitte ihre Schwiegertochter und ihren Enkel auf der Straße, grüßte nicht einmal mehr.
Thomas und Mia lebten nun in ihrer eigenen Wohnung. Und plötzlich kehrte Ruhe und Verständnis ein, vielleicht, weil Thomas jetzt wusste, wie wichtig es ist, für die eigene Familie einzustehen.
Im Leben gilt: Mut bedeutet nicht nur, für andere einzustehen, sondern auch, Veränderungen zuzulassen, um Platz für Glück zu schaffen. Manchmal muss man loslassen, was einen niederdrückt, um neue Harmonie zu finden.

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Homy
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„Halte durch, meine Tochter! Du bist nun Teil einer anderen Familie, ihre Regeln sind zu beachten. Du bist nicht nur zu Besuch – du bist verheiratet! – Welche Regeln denn, Mama? Die sind doch hier alle verrückt! Vor allem meine Schwiegermutter – sie hasst mich, das ist eindeutig! – Hast du schon mal gehört, dass Schwiegermütter nett sind? – So geht das, immer wieder der gleiche Ärger! – Frau Brigitte Schuster stand mitten in der Küche, das Gesicht vor Zorn gerötet, die Augen funkelten wütend. – Wenn ein Mann fremdgeht, ist immer die Frau schuld. Soll ich dir das wirklich noch alles erklären?“ Die Schwiegermutter tobte und schrie ihre Schwiegertochter Lisa an – nur weil diese ihren Ehemann, Brigitttes Sohn, des Fremdgehens verdächtigte…
UND ICH HABE MEINEN MANN NICHT GELIEBT.