Nach der Scheidung von ihrem Ehemann konnte Roxana mit ihrem Anteil nur eine Einzimmerwohnung in ungünstiger Lage kaufen – weit entfernt von Kindergarten und Arzt, schlechte Busverbindungen und keine Supermärkte in der Nähe.

12. Juli 2023

Ich sitze heute Abend in meiner kleinen Wohnung in Berlin-Moabit und frage mich, wie es so weit kommen konnte. Nachdem ich mich von meinem Mann getrennt hatte, haben wir unser gemeinsames Zuhause verkauft. Mit meinem Anteil konnte ich gerade ein Einzimmerapartment in einer nicht besonders guten Gegend kaufen. Die Lage ist alles andere als ideal die Kita und die Hausarztpraxis sind weit weg, die Busverbindungen sind miserabel, und der nächste Supermarkt ist gefühlt am anderen Ende der Stadt.

Meine Mutter war nie wirklich begeistert von meinen Entscheidungen. Schon mit neunzehn, als ich Hans heiraten wollte, hat sie mich gewarnt.

Denk noch mal darüber nach, Franzi. Dein Freund kommt mir ziemlich unreif vor, sagte sie damals.
Ich liebe ihn, Mama. Er ist eben ein bisschen albern, aber das legt sich mit der Zeit. Wir sind doch noch jung, entgegnete ich immer.
Du bist alt genug, um selbst zu entscheiden, was du tust.

Am Ende habe ich nicht auf sie gehört und noch im selben Jahr geheiratet. Das Erste, was wir gemeinsam machten, war eine Mietwohnung zu nehmen. Als ich schwanger wurde, entschied meine Mutter, ihre eigene Wohnung zu verkaufen und mir einen Teil des Geldes zu geben. Den Rest haben Hans Eltern beigesteuert.

Hans arbeitete viel und hing jede freie Minute im Netz ab. Zwei Jahre später kam unsere zweite Tochter meine Mama wurde zur Dauerkinderbetreuerin. Ich klagte ständig über Geldprobleme, aber Mama war der Meinung, ich müsste lernen, alleine zurechtzukommen.

Als unser Jüngster, Emil, gerade ein Jahr alt war, verschärfte sich die finanzielle Krise. Streitigkeiten, Schuldzuweisungen alles, weil Hans mein ganzes Erspartes beim Online-Glücksspiel verpulverte. Halt noch ein bisschen durch, Franzi. Bald schwimmen wir im Geld, versprach er mir. Die Illusion hielt nicht lange an.

Die Scheidung war unumgänglich. Vom Geld, das mir nach der Teilung blieb, kaufte ich diese winzige Wohnung in Moabit. Kita, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten alles weit entfernt. Ich war nervlich am Ende und bat meine Mutter verzweifelt um Hilfe.

Wollen wir die Wohnungen tauschen, Mama? Du könntest hier wohnen, und ich ziehe samt Kinder zu dir.
Sie lehnte ab, riet mir stattdessen zu arbeiten und einen Kredit aufzunehmen.

Dir ist schon klar, dass Emil erst nächstes Jahr in die Kita kommt. Wie sollen wir bis dahin überstehen?
Meine Mutter zuckte bloß die Schultern. Das war der Moment, in dem ich beschloss, alles zu beenden. Ich packte die Kinder und schloss die Tür hinter mir. Für ein ganzes Jahr wollte ich keinen Kontakt mehr.

Heute frage ich mich oft, ob Mama recht hatte und ich wirklich auf mich allein gestellt sein sollte. Manchmal fühlt sich Berlin so groß und kalt an. Aber ich weiß es liegt an mir, das Beste draus zu machen.

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Homy
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Nach der Scheidung von ihrem Ehemann konnte Roxana mit ihrem Anteil nur eine Einzimmerwohnung in ungünstiger Lage kaufen – weit entfernt von Kindergarten und Arzt, schlechte Busverbindungen und keine Supermärkte in der Nähe.
Nicht so eine Jule