– Meine Tochter, so klug ist sie! – prahlte Oxana stolz vor den Nachbarinnen. – Sie hat ihre Prüfungen alle mit Eins abgeschlossen und arbeitet sogar nebenbei – nimmt keinen einzigen Cent von uns! – Da beneide ich dich, Oxana! Meine Kinder wollen nur immer Geld und haben keine Lust zu lernen. Mascha sagt, sie heiratet direkt nach der Ausbildung – ihr Mann soll gefälligst für sie sorgen. Und mein Sohn… ach! – Die Nachbarin seufzte enttäuscht. – Aber deine Nastja ist ein Vorbild, sie will ihr eigenes Leben aufbauen. – Ach ja, wenn du nur wüsstest, was deine Schwester wirklich in Berlin treibt, würdest du wohl kaum noch so stolz sein, – murmelte Michail leise, der ein paar Schritte entfernt stand und sich wünschte, endlich nach Hause zu gehen, denn sein Vater war auf Arbeit und er musste seiner Mutter beim Einkauf helfen… Hätte Oxana gewusst, welches Geheimnis ihre gefeierte Tochter wirklich in der Hauptstadt verbarg, würde sie bestimmt nicht mehr so stolz durch die Nachbarschaft erzählen, wie großartig ihre Nastja doch ist.

Und meine Tochter ist so klug! prahlte Anke ihren Nachbarinnen gegenüber. Sie hat das Semester mit lauter Einsen abgeschlossen! Sogar nebenher jobbt sie noch, nimmt keinen einzigen Cent von uns!
Da bist du wirklich zu beneiden, Anke! Meine Kinder tun nichts außer nach Geld fragen, lamentierte die andere Frau. Lernen wollen sie gar nicht. Luise meint, sie heiratet direkt nach der Ausbildung. Ihr Argument: Der Mann soll doch gefälligst für sie sorgen. Und mein Sohn ach! Die Nachbarin zuckte enttäuscht mit den Schultern. Aber deine Sophie ist wirklich ein Vorbild, die weiß, worum es im Leben geht.
Ja, ja, wenn du wüsstest, murmelte ich, Martin, leise, ein paar Schritte von der geselligen Frauentruppe entfernt. Eigentlich hätte ich längst heimgehen wollen, aber Mama hatte noch nicht alle Geschäfte abgeklappert. Und wenn Papa auf Montage war, war ich der offizielle Taschenträger der Familie heute wieder. Wenn die Nachbarinnen wüssten, womit meine Schwester in Berlin tatsächlich ihre Zeit verbringt, würden sie sie garantiert nicht mehr in den Himmel loben.
Hast du was gesagt? Anke warf mir einen missmutigen Blick zu, als hätte ich sie gestört. Die Einzelheiten über Sophies Heldentaten wollte sie schließlich vollends ausbreiten.
Ja, Mama. Ich hab gesagt, ich muss noch eine Präsentation machen und einen Aufsatz schreiben. Vielleicht erzählst du ein andermal weiter? meinte ich ruhig.
Immer das Gleiche mit euch Männern! Lass uns wenigstens mal reden! Na gut, gehen wir
Ich zuckte nur mit den Schultern und begegnete dabei dem erleichterten Blick der Nachbarinnen. Denen war es schon sichtlich unangenehm geworden, zwischen die mütterliche Laudatio zu geraten. Anke erzählte immer dieselben Geschichten über Sophie. Aus ihrem Mund klang es, als wäre meine Schwester das Maß aller Dinge, an dem sich alle messen sollten.
Nur ich kannte die Wahrheit. Und schwieg. Ich wollte Mama nicht beunruhigen
***
Wohnt hier eine Sophie Brenner? Der hochnäsige Blick der Dame an der Tür irritierte Anke. Die beiden Männer im Hintergrund taten das Übrige.
Meine Tochter lebt momentan in Berlin und studiert an der Uni, antwortete Mama stolz. Was wollen Sie von ihr?
Studieren? Sophie? Im Ernst? Die Besucherin lachte schallend. Sie ist doch schon nach dem ersten Semester rausgeflogen. Hat keine einzige Prüfung geschafft. Wer nie zur Vorlesung geht, um sich einen reichen Verehrer zu suchen, braucht sich auch nicht zu wundern.
Sie wagen es, meine Tochter zu verleumden? Ich zeig Sie an wegen übler Nachrede! Anke wurde durch Geräusche aus der Nachbarwohnung nervös und schwieg verstört. Sollte sie diese dreiste Frau reinlassen? Dann gäbe sie ihr womöglich noch recht Aber wenn nicht? Was erzählte sie dann dem Haus? Die Leute reden ja doch, Wahrheit hin oder her.
Kommen Sie doch herein, entschied ich für Mama. Dann gibts wenigstens keinen Anlass für Klatsch. Mama? Lass sie durch.
Aber, Martin!
Lass sie.
In dem Moment wirkte ich älter als meine sechzehn Jahre. Und auch ziemlich ernst, vielleicht sogar ein bisschen aufgeregt. Ich zeigte den Gästen das Wohnzimmer, wies auf das Sofa. Die Dame ließ sich lachend in den Sessel daneben fallen, die Männer blieben stehen.
Martin! Wie konntest du diese Leute in unsere Wohnung lassen! Hast du gehört, was die über Sophie gesagt hat?
Hab ich. Genau deswegen hab ich sie reingelassen, gab ich genervt zurück. Solange Papa beruflich unterwegs war, war es meine Aufgabe, die Familie zusammenzuhalten oder wenigstens das Schlimmste zu verhindern.
Was
Du kennst deine Schwester wohl besser als ich, meinte die Frau spöttisch. Weißt du denn, wo sie jetzt ist?
In Berlin, das stimmt. Aber in keinem Wohnheim sie lebt in einer gemieteten Wohnung. Die bezahlt ihr ein gewisser Herr. Die Adresse kenne ich allerdings nicht. Ich weiß aber, dass dieser Mann verheiratet, mindestens zwanzig Jahre älter ist als Sophie und drei erwachsene Kinder hat. Außerdem ist er enorm wohlhabend.
Heißt der Mann zufällig Georg?
Lassen Sie mich raten, Sie sind seine Frau?
Zum Glück nein. Ich bin seine Schwester und vollkommen genervt von seinem Verhalten, ihre Stimme klang eiskalt. Georg ist verheiratet mit der Tochter unseres wichtigsten Geschäftspartners. Die ist sehr empfindlich, was fremde Frauen um ihren Mann angeht, und überlegt, sich scheiden zu lassen.
Und das darf unter keinen Umständen passieren?
Kluger Junge, schnurrte sie. Also, weißt du, wo deine draufgängerische Schwester gerade steckt?
Ich nicht, aber ihre beste Freundin vielleicht. Ich kann sie anrufen aber erst sagen Sie mir Ihre Pläne. Ich hab nämlich nur eine Schwester.
Martin, was hat das zu bedeuten? Wer ist dieser Georg? Was hat Sophie denn angestellt? Anke war kreidebleich vor Schock. Ich hechtete ins Bad, wo Mama immer ihre Tabletten aufbewahrte.
Sollen wir einen Krankenwagen rufen? Die Dame klang plötzlich mitleidig.
Ich winkte ab natürlich hatte ich den Notarzt schon alarmiert, als ich Mamas Tabletten suchte. Frau Niemeyer, die liebste Nachbarin, hatte versprochen, gleich da zu sein.
Martin Woher weißt du das alles? hauchte Anke verzweifelt. Ihre Tochter eine Geliebte Wie sollte man damit leben
Weißt du noch, als Sophie letztes Mal hier war und ihr Handy kaputt war? Da hat sie mein Notebook genommen, um mit ihrer Freundin zu chatten. Und sich nicht ausgeloggt. Ich hab zufällig die Nachrichten gelesen, mich gewundert und sie direkt darauf angesprochen. Sie hat alles zugegeben, nur gebeten, dir nichts zu sagen.
Ich hatte wirklich Mitleid mit Mama. Sie ist einfach zu gutherzig ihr einziger Makel: der Drang, mit uns Kindern und unseren Erfolgen zu prahlen. Ich schäme mich jedes Mal zu Tode, wenn sie mir vor Nachbarn oder Bekannten meine Urkunden und Medaillen hinterherträgt.
Später, als Mama im Bett lag und von der Ärztin überwacht wurde, kehrte ich ins Wohnzimmer zurück. Was hatte diese Frau wirklich mit Sophie vor?
Also, was haben Sie vor?
Nichts Wildes. Ich werde ihr etwas Geld geben und sie ein paar netten Herren vorstellen. Unverheirateten, wohlgemerkt. Vielleicht lernt sie daraus und findet einen vernünftigen Ehemann.
Gut, ich ruf gleich Sophies Freundin an, seufzte ich innerlich. Das Mädchen war nicht leicht, aber ich musste einen Weg finden. Zum Glück hatte Sophie ausgerechnet jetzt eine erfolgreich bestandene Prüfung gefeiert. Wieso sollte der große Bruder nicht ein Geschenk überbringen wollen? Und bei der Entfernung eben per Kurier
Hier bitte, reichte ich der Dame einen Zettel. Ich hoffe, Sie halten Ihr Wort.
Darauf kannst du dich verlassen.
Beim Gehen sprach die Frau laut, damit die Nachbarn es hörten:
Entschuldigen Sie bitte die Aufregung. Aber anders hätte man nicht ungestört sprechen können. Ich hoffe, es bleibt alles ruhig. Sollte es doch Gerüchte geben, entschuldige ich mich selbst bei Sophie. Aber ich denke, hier sind die Leute anständig und lästern nicht.
Die Gerüchte kamen natürlich, aber sie blieben zahm. Anke schob jedem, der etwas erzählen wollte, einen Riegel vor und bat inständig, den Namen der Tochter nicht in den Dreck zu ziehen. Aber ihre Prahlerei ließ sie fortan, und sie vermied es, aus dem Haus zu gehen.
Papa und ich berieten, und wir fassten gemeinsam einen Entschluss: Wir würden umziehen. Anke war derart beschämt, dass sie den Nachbarn kaum noch in die Augen sehen konnte sie hatte sie ja all die Zeit getäuscht.
Eines schönen Tages zogen wir nach Berlin, offiziell um näher bei Sophie zu sein. Wir behaupteten, dort gäbe es bessere Ärzte, und in letzter Zeit gehe es Mama ohnehin recht schlecht.
Sophie aber tauchte nicht mehr auf. Sie hatte gut geheiratet und ihre Familie vollkommen vergessenSie schickte nur eine Postkarte: Macht euch keine Sorgen. Ich finde meinen eigenen Weg. Danke, dass ihr immer zu mir gestanden habt auch wenn ihr nicht alles wusstet. Seid stolz auf euch, nicht auf das, was man vorzeigen kann.
Anke legte diese Karte behutsam in ihre Schmuckschatulle, zwischen alte Bilder und Briefe aus glücklicheren Tagen. Wir lernten, unsere Geschichten nicht länger für andere zu inszenieren. In unserer neuen, kleinen Berliner Wohnung fühlte sich alles leerer an, aber auch ehrlicher wie nach einem langen Gewitter, das die Luft geklärt hat.
Mama blühte langsam wieder auf, fand Freundinnen unter Nachbarinnen, die ihre eigenen Sorgen kannten und Komplimente nicht für Münzen hielten. Papa lachte wieder, wenn er abends nach der Arbeit heimkam, und ich entdeckte, dass auch Brüder neue Wege gehen können. Manchmal, an dunklen Wintertagen, sprachen wir über Sophie leise, ohne Vorwurf, voller Hoffnung.
Und immer, wenn Post kam und ein vertrautes, unleserliches S. im Absender stand, wusste ich: Manche Geschwister, manche Mütter, manche Geschichten müssen losgelassen werden, damit sie zurückkehren können. Nicht als Heldensagen, sondern einfach als das, was sie waren und sind Familie, mit all ihren Geheimnissen, Wirrnissen und dem schlichten Glück, einander trotzdem zu lieben.

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Homy
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– Meine Tochter, so klug ist sie! – prahlte Oxana stolz vor den Nachbarinnen. – Sie hat ihre Prüfungen alle mit Eins abgeschlossen und arbeitet sogar nebenbei – nimmt keinen einzigen Cent von uns! – Da beneide ich dich, Oxana! Meine Kinder wollen nur immer Geld und haben keine Lust zu lernen. Mascha sagt, sie heiratet direkt nach der Ausbildung – ihr Mann soll gefälligst für sie sorgen. Und mein Sohn… ach! – Die Nachbarin seufzte enttäuscht. – Aber deine Nastja ist ein Vorbild, sie will ihr eigenes Leben aufbauen. – Ach ja, wenn du nur wüsstest, was deine Schwester wirklich in Berlin treibt, würdest du wohl kaum noch so stolz sein, – murmelte Michail leise, der ein paar Schritte entfernt stand und sich wünschte, endlich nach Hause zu gehen, denn sein Vater war auf Arbeit und er musste seiner Mutter beim Einkauf helfen… Hätte Oxana gewusst, welches Geheimnis ihre gefeierte Tochter wirklich in der Hauptstadt verbarg, würde sie bestimmt nicht mehr so stolz durch die Nachbarschaft erzählen, wie großartig ihre Nastja doch ist.
Du bist und bleibst die Beste Die Hochzeit im Dorf war ein echtes Fest – Dasha und Hermann gaben sich das Jawort. Wie immer wurde ein ländliches Fest ausgelassen gefeiert, und auch danach saßen die Lustigen noch lange zusammen, gröhlten Lieder in den Stuben oder sogar einfach auf einer Bank vor irgendeinem Haus – im Dorf findet sich immer ein Anlass zum Feiern. Dasha und Hermann lebten gleich nach der Hochzeit getrennt von den Eltern im Häuschen von Hermanns Oma. Hermann arbeitete als Fahrer auf einem Sprinter, brachte Waren aus der Stadt in die beiden Dorfläden. Die beiden waren noch nicht lange zusammen, als Hermann wusste: Aus dem bescheidenen und herzigen Mädchen wird mal eine fürsorgliche Ehefrau. Zwei Monate Beziehung, dann kam schon der Heiratsantrag. „Dasha, lass uns heiraten“, schlug Hermann eines Abends bei einem Spaziergang vor. „Was, so schnell?“ – „Warum warten – wir kennen uns doch schon seit der Schule, auch wenn ich zwei Jahre vor dir fertig war. Also, sag jetzt: Möchtest du?“ „Ich will“, antwortete Dasha fröhlich. Dasha Mutter war erstaunt, als sie von dem Antrag erfuhr. „Och Kind, das geht aber fix beim Hermann, bin mir nicht sicher, ob das wirklich Liebe ist… Was empfindest du denn für ihn?“ „Ich mag ihn. Es ist gut so.“ „Hauptsache, du triffst die richtige Wahl, mein Mädchen. Ein Mann sollte zuverlässig sein – eine Mauer im Leben.“ Im Dorf bemerkte inzwischen jeder, dass Michael in letzter Zeit gerne mal einen über den Durst trank. Eigentlich war er ein anständiger, wenn auch schüchterner Kerl. Doch seit er sich bei diesen Nichtsnutzen einnistete, die den ganzen Tag nur abhängen und trinken… „Tanja, was ist nur los mit deinem Michi?“ wunderten sich die Nachbarn. „Guter Junge, arbeitet als Mähdrescherfahrer – und jetzt versäuft er alles. Die werfen ihn noch raus, so eine verantwortungsvolle Arbeit…“ Mehrere Monate hörte Michael nicht mit dem Trinken auf. Seine Mutter kämpfte mit ihm, redete mal gut zu, schimpfte, aber nichts half. Während der Erntezeit erschien er nicht zur Arbeit – Schluss, raus. Früher war er einer der fleißigsten Fahrer gewesen, kannte jede Maschine in- und auswendig. „Was ist bloß mit dem Michael“, schüttelte Oma Evdoika den Kopf, als sie Tanja traf. „Hab ihn neulich wieder betrunken gesehen, wie schade…“ Tanja hatte keine Ahnung, was los war. Zu Hause lag Michael auf dem Sofa und murmelte vor sich hin. Sie beugte sich über ihn: „Dasha… warum nur… warum hast du ihn geheiratet… ich liebe dich doch…“ „Mein Gott, etwa wegen der Dasha von der Post? Unser Michael ist verliebt? Wer hätte das gedacht? – Er war immer so schüchtern, mit Mädchen hat er nie gesprochen…“ Am selben Tag kam Dasha an Tanjas Haus vorbei, brachte Briefe. Tanja wartete schon. „Dasha, warum hast du Hermann geheiratet? Michael ist jetzt am Boden, vielleicht trinkt er deswegen. Warum hast du uns das angetan?“ Dasha war völlig überrascht: „Tanja, ich weiß nicht, wovon du redest…“ Doch Tanja ließ nicht locker. „Michael liebt dich! Habs heute gehört. Er ist eben scheu…“ „Aber ich wusste das nicht, wirklich! Er hat mir nie seine Liebe gezeigt…“, versicherte Dasha. „So ist er nun mal… Aber red bitte mit ihm, ja? Vielleicht kommt er wieder zur Vernunft.“ Zwei Tage später begegnete Dasha Michael, gerade als der mit seinen Kumpels am Straßenrand Bier trank. Sie setzte sich zu ihm auf einen Stamm: „Wie lange geht das schon, Michael – diese Liebe?“ „Schon seit der Schule…“, gestand er nach langem Zögern. Dasha erklärte ihm: „Wenn man jemanden liebt, dann will man das Beste für den anderen. Wer aber trinkt, macht nur sich und seiner Mutter das Leben schwer… Du bist ein Mann, reiß dich zusammen. Und außerdem – so schön bin ich gar nicht! Schiefe Beine, chaotischer Haushalt, schlecht gelaunt – warum um mich weinen? Du findest noch eine bessere. Bitte, tu’s für deine Mutter.“ Er schwieg und sie ging weiter. Doch im Gehen hörte sie sein leises Murmeln: „Du bleibst trotzdem die Beste…“ Einige Tage später wunderte sich Dasha: Michael war plötzlich nirgends mehr zu sehen. Von Tanja erfuhr sie: „Er hat mit dem Trinken aufgehört, Dasha – du hast mit ihm gesprochen, nicht wahr? Vielen Dank, er hilft mir jetzt sehr im Haus…“ Mit einem Lächeln verteilte Dasha weiter ihre Post. Doch dann sah sie Hermanns Sprinter wieder am Laden stehen – obwohl er eigentlich in der Stadt sein müsste. Sie ging in den Laden, wo sie ihren Mann innig mit Verkäuferin Tatjana erwischte. Schnell war im Dorf die Scheidung bekannt. Dasha reichte ein: Ihr Mann hatte sie mit Tatjana betrogen. Wieder wusste es jeder vorher, nur die Ehefrau erfährt es zuletzt. Tanjas Mutter kam nach Hause: „Michael, Dasha ist geschieden! Hermann ist fremdgegangen. Jetzt gibt’s eine neue Chance! Dein alter Chef nimmt dich wieder, du kannst sofort wieder als Mähdrescherfahrer anfangen.“ Kurze Zeit später ging ein neues Gerücht durchs Dorf: „Hast schon gehört? Der Michael und Dasha von der Post heiraten!“ Bei der Hochzeit leuchtete Tanjas Mutter vor Freude. Und die Nachbarinnen bestätigten: „Michael ist ein ruhiger, fleißiger Kerl, er wird ein guter Ehemann. Sie werden glücklich!“ Und Hermann? Soll mit Tatjana seines Glück versuchen. Einige Zeit später. Michael kommt nach Hause, Dasha serviert Suppe und selbst gebackenen Kuchen. „Du bist die Beste, Dasha“, schwärmt Michael. Dasha lacht: „Ach was, ich bin doch so unangenehm…“ Michael blickt sie liebevoll an: „Für mich bist du immer die Beste.“ „Und, Michael – ich bin schwanger!“ Er springt auf, strahlt: „Ich wusste es! Du bist und bleibst die Beste!“ Dasha brachte eine Tochter zur Welt und drei Jahre später einen Sohn. Besonders glücklich: Schwiegermutter Tanja, die ihre Schwiegertochter und Enkelkinder über alles liebt. Das Dorfleben nahm seinen Lauf.