31. Dezember
Heute habe ich etwas erlebt, das wohl mein Leben verändern wird und ich schreibe diese Zeilen, damit ich mir alles von der Seele reden kann.
Es war Silvester, bei uns in Berlin. Wie jedes Jahr habe ich schon morgens alles für den Abend vorbereitet: Entenbraten mit Äpfeln im Ofen, Kartoffelsalat, frisch gebackene Brötchen, und natürlich durfte der Kaviar nicht fehlen, den ich liebe eine Tradition aus meiner ostdeutschen Kindheit. Ich hatte mir für diesen Abend sogar ein neues, dunkelblaues Samtkleid gegönnt und war beim Friseur, damit meine Haare wirklich perfekt liegen. Seit unsere Kinder, Jonas und Friederike, aus dem Haus sind Jonas feiert mit seiner Verlobten in den Alpen, Friederike verbringt Silvester mit ihrem Mann auf Mallorca sind mein Mann und ich an Silvester meist zu zweit. Ich wollte dieses Mal etwas Romantik zurückholen, wie zu unseren Anfangsjahren, und so war alles besonders schön hergerichtet.
Martin, mein Mann, lag bequem auf dem Sofa, die Füße auf dem Couchtisch, Fernseher lief mit irgendeiner Silvestershow, und wie so oft war sein Handy wichtiger als alles andere. Während ich in der Küche hantierte, rief ich:Du hast den Sekt nicht ins Gefrierfach gelegt, oder? Ich hatte dich doch gebeten, ihn einfach in den Kühlschrank zu stellen, er friert sonst ein und wir trinken nachher Eiswürfel!
Martin hob nicht einmal den Kopf, seine Finger sausten über den Bildschirm, und auf den Lippen lag dieses kaum merkliche, selbstgefällige Grinsen. Ach, das macht doch nichts, Anna. Wir holen ihn raus, während der Bundespräsident seine Rede hält, und bis dahin ist er perfekt. Wo ist eigentlich mein hellblaues Hemd? Das, das du letzte Woche gebügelt hast?
Mit einem Seufzer wischte ich mir die Hände am Schürzenzipfel ab, denn bis Mitternacht war nur noch gut anderthalb Stunden Zeit. Die Enten duftete schon himmlisch und mein Haar zupfte ich schnell mit ein paar Klemmen zurecht. Seit Jahren läuft Silvester bei uns wie eine Routine: Ich wirble durchs Haus, damit alles einladend aussieht, Martin nimmt die ganze Vorbereitung als Selbstverständlichkeit sein Beitrag ist meist nur nominell.
Du findest das Hemd im Schrank, zweite Ablage von oben. Wo sonst?, rief ich aus der Küche, prüfte den Braten und stellte die Kaviarschale auf den Tisch. Hilf wenigstens etwas mit! Leg die Servietten hin, hol die Sektgläser.
Mach ich gleich, Anna muss eben eine wichtige Nachricht wegen der Arbeit beantworten. Mein Mann ist Logistikmanager, aber am Silvesterabend kurz vor Mitternacht? Ich schob die Gedanken beiseite, immerhin vertraute ich ihm. Nach 25 Jahren Ehe gab es keinen Grund für Misstrauen, dachte ich oder ich wollte es einfach nicht sehen.
Ich sorgte für letzte Handgriffe am Essen in diesem Jahr blieben wir allein. Früher nervte mich das, jetzt dachte ich, es sei eine Chance für Zweisamkeit. Ich hatte ein schönes Geschenk für Martin besorgt: Eine teure, deutsche Automatikuhr, auf die er schon lange schielte, aber das Geld immer für Wichtigeres gebraucht.
Plötzlich hörte ich, wie er aus dem Schlafzimmer rief: Habs gefunden! Sieht doch gut an mir aus, oder? Ich hab gar nicht zugenommen, oder?
Er kam in den Flur, das Hemd spannte ziemlich um den Bauch, aber ich sah ihn mit Zuneigung an. Für seine 52 Jahre sah er immer noch gut aus, graue Schläfen geben ihm Würde und die kleinen Fältchen um die Augen blitzten auf, wenn er lacht.
Du siehst großartig aus, Martin. Setz dich, es geht los.
Wir setzten uns an den festlichen Tisch, Lichtketten blinkten am Tannenbaum, das Fernsehen plapperte fröhlich über die altbekannten Hits, und alles roch nach froher Erwartung. Martin legte sein Handy auf den Tisch, Bildschirm nach unten ein Trick, den ich nur zu gut kannte.
Ich hob das Glas. Auf das Gute im neuen Jahr, und dass alles Schlechte hinter uns bleibt!
Jawoll! Er stieß an, trank schnell aus und griff schon wieder zum Handy.
Leg das doch mal weg, Martin, bat ich ihn ruhig, aber bestimmt. Es sind wir zwei schenke mir doch mal deine Aufmerksamkeit.
Jetzt fang nicht an, Anna. Die Kinder könnten ja noch schreiben oder Bilder schicken
Darauf konnte ich schlecht etwas sagen vielleicht meldeten Jonas oder Friederike sich wirklich.
Wir aßen und redeten über das Wetter, über Pläne für die Winterferien. Martin schlug vor, aufs Land zu fahren, im verschneiten Wald spazieren zu gehen und Grillwürstchen zu machen. Ich nickte und malte mir schon die Spaziergänge aus.
Kurz vor Mitternacht öffnete Martin den Sekt. Jetzt wirds Zeit, Mutter. Gleich schlagen die Glocken.
Die Korke knallte, das prickelnde Getränk floss in die Gläser. Ich spürte diese kleine Aufregung, wie als Kind, wenn der neue Jahreswechsel magisch nahte. Ich hatte einen Zettel und Stift bereitgelegt mein Silvester-Ritual: Den Wunsch niederzuschreiben, ihn zu verbrennen und die Asche im Sekt zu trinken. Mein Wunsch war wie jedes Jahr schlicht: Gesundheit und Glück für alle.
Als das Glockenspiel begann, hob Martin das Glas. “Prosit Neujahr, meine Liebe!”
“Prosit Neujahr, Martin!” Ich lächelte zurück.
Genau da, mitten beim ersten Gongschlag, vibrierte Martins Handy laut auf der Tischplatte und der Bildschirm leuchtete auf. Das Handy lag direkt neben mir. Martin war abgelenkt mit dem Glas und reagierte nicht also fiel mein Blick automatisch auf die Benachrichtigung.
Die Nachricht kam von Herr Neumann, Autohaus.
Sie lautete in bunten Buchstaben: Frohes neues Jahr, mein Tiger! Kanns kaum erwarten, bis du dich von deiner Trutsche los machst. Der Sekt steht bereit, und unser Bett wartet. Lieb dich deine Kitty.
Mir fror das Blut in den Adern. Die Welt bewegte sich unerträglich langsam, jede Einzelheit brannte sich ins Gedächtnis. “Mein Tiger”, “Trutsche”, “deine Kitty”. Und die Unterschrift: Herr Neumann Autohaus.
In den letzten Monaten war Martin oft im Autohaus Neumann. Immer gab es angeblich Probleme am Wagen: die Federung, das Öl, irgendwelche Sensoren. Die alte Karre, Anna, braucht Pflege, sagte er und ich gab ihm immer Geld für Ersatzteile, ohne zu hinterfragen.
Jetzt sah er, dass ich lese und wurde rot, griff nervös nach seinem Handy und schob es hastig in seine Hosentasche.
Was ist los? Wünsch dir was es ist Mitternacht! Seine Stimme zitterte.
Ich schaute ihn an kein Tränen, nur kaltes Verstehen. Fünfundzwanzig Jahre. Ein Vierteljahrhundert. Und ich bin für ihn eine “Trutsche”.
“So, Herr Neumann also?” Mein Ton war fremd und heiser.
Martin schluckte. Wovon sprichst du? Das ist der Mechaniker, Spam aus dem Autohaus wohl! Schicken die an alle Kunden.
Der Mechaniker nennt dich seinen Tiger? Und wartet ohne Unterwäsche?
Sein Gesicht bekam Flecken, er versuchte zu grinsen, doch es wurde zur Fratze.
Anna, du guckst in fremde Handys das schickt man nicht! Hör auf, dich da reinzusteigern. Alles nur ein Spaß. Die Jungs vom Autohaus machen solche Scherze.
Zeig es mir, forderte ich ihn und streckte die Hand aus. Wenn das ein Witz ist, lache ich gern mit zeig die Chats.
Er presste sich an die Stuhllehne und schützte instinktiv die Tasche.
Du bist nicht mein Kontrolleur! Ein Mensch braucht Privatsphäre! Du inszenierst hier einen Eifersuchtstheater an Silvester? Bist du verrückt?
Im Fernseher singen die Leute, Raketen fliegen, draußen klirren die Gläser. Aber in unserer Wohnung war fröstelndes Schweigen.
Verrückt geworden… Trutsche und dort junge Kitty, ja?
Ich habe das nicht gesagt! Martin kreischte. Du interpretierst da was hinein! Hör mit dem Drama auf, stoßen wir an!
Ich sah auf den gedeckten Tisch, auf den Braten, den ich einen Tag lang mariniert hatte, auf die Salate und den Kristall, den es bei uns nur zu Silvester gibt. Alles wirkte auf einmal wie Requisite in einer billigen Komödie.
Schweigend verließ ich die Küche.
Anna! Anna, wohin gehst du? Martin sprang auf, folgte mir aber nicht und blickte verstohlen auf sein Handy.
Ich leuchtete das Schlafzimmer. Das grelle Licht fiel auf unser Ehebett, auf die Kissen, die ich ausgewählt hatte, passend zu den Vorhängen. Ich schob die Schranktür laut auf.
Oben lag der große Rollkoffer der, mit dem wir vor drei Jahren in die Türkei reisten. Schon damals war er komisch distanziert, hing dauernd am Handy. Ich zerrte den Koffer vom Regal, er polterte auf den Boden.
Ich öffnete den Zipper und begann, die Sachen meines Mannes unsortiert hineinzuschleudern. Pullover, Jeans, Hemden alles flog beulenförmig hinein. Ich faltete nichts, warf nur wahllos.
Martin erschien atemlos in der Tür. Was machst du da? Du bist doch nicht ganz bei Trost! Silvester und du schmeißt mich raus?!
Genau, sagte ich eiskalt und ließ Socken und Unterwäsche reinregnen. Neues Jahr, neues Leben. Du mit deiner Kitty, ich ohne Verräter.
Anna! Hör auf! Es war nur eine Nachricht! Da war nie etwas! Er sprang zu mir, wollte mich am Arm packen.
Ich schob ihn weg überraschend kraftvoll. Das Adrenalin gab mir die Wut einer Siegfried.
Rühr mich nicht an! Nichts war? ‘Ich warte auf dich’! Darum hast du mich beim Essen gedrängt? Wolltest fressen, trinken und dann zu ihr her mit dem Ehrlichen, dann Notlüge?
Er schwieg, sein nervöser Blick verriet, dass ich ins Schwarze traf. Das war der Plan Silvester daheim für das Protokoll, und dann ab zu Kitty.
Raus. Sofort.
Wohin denn? Es ist Nacht, Neujahr! Diese Wohnung gehört auch mir!
Diese Wohnung habe ich von meinen Eltern geerbt, Martin. Du bist nur gemeldet. Nach den Feiertagen bist du abgemeldet. Jetzt geh zu Herrn Neumann. Soll der dich wärmen.
Ich knallte den Koffer zu. Die Sachen quollen raus, der Reißverschluss hing schief, aber das interessierte mich nicht. Ich presste mit dem Knie drauf, schloss irgendwie, ein Hemdsärmel baumelte wie eine Fahne.
Anna, lass uns morgen reden, jetzt sind wir beide aufgewühlt
Ich bin kein bisschen betrunken, schnitt ich ab. Wir brauchen nicht zu reden. 25 Jahre ich habe dir vertraut. Für dich war ich die Trutsche.
Ich packte den Koffer, rollte ihn in den Flur. Die Räder rumpelten über den Boden. Martin rannte hinterher, ringend mit sich.
Du zerstörst die Familie! Denk an die Kinder! Was wird Jonas sagen?
Ich erzähle es ihnen selbst. Mit Screenshot wenn du dich nicht sofort verziehst. Jonas wird sicher schätzen, wie sein Vater seine Mutter nennt.
Martin wurde bleich. Jonas Meinung war ihm immer wichtig, da gab er sich als Musterpapa.
Ich öffnete die Haustür, kalter Berliner Treppenhausgeruch, Stimmen und Gläserklingen aus den Wohnungen. Nimm deine Jacke.
Langsam zog er sie an, immer noch hoffend, es sei ein Spiel und ich verzeihe ihm im nächsten Moment.
Anna, wo soll ich denn jetzt hin? Ist doch albern. Es war eine Affäre, nur so es war die Versuchung des Moments, weiter nichts. Ich liebe dich doch.
Genug. Es war eine seltsame Erleichterung endlich fiel die Maske. Da stand kein Ehemann, sondern ein fremder, verbitterter Mann. Hoffentlich kann Kitty Entenbraten kochen.
Ich schlug die Tür direkt vor seiner Nase ins Schloss. Zweimal drehte ich ab, dann ketterte ich zu.
Ich lehnte mich gegen das kalte Metall, hörte, wie er seine Schuhe anzieht, den Koffer über den Flur rollt, den Lift knarrend ruft. Dann Stille.
Ich ließ mich an der Tür hinunter auf den Boden sinken. Im Samtkleid, zitternd, das Herz schlug bis zum Hals. Ich blickte auf die leere Garderobe Martins Jacke war verschwunden.
Keine Tränen nur Schock, wie nach einem Unfall. Man sieht die Scherben, fühlt aber noch keinen Schmerz.
Nach zehn Minuten stand ich auf, strich das Kleid glatt und ging zurück in die Küche.
Dort war alles unverändert. Die Silvestershow im Fernsehen, Sekt im Glas, der Braten kühlte langsam aus.
Ich nahm mein Sektglas. Na dann, frohes neues Jahr, Anna. Damit beginnt jetzt alles neu.
Ich trank das Glas leer wie Wasser der Sekt war schal und geschmacklos.
Mein Blick fiel auf Martins Geschenk. Eine wertvolle, deutsche Automatikuhr, drei Monate fleißig gespart.
Ich öffnete die Schachtel, das Chrom blitzte. Nicht schlimm, murmelte ich. Jonas bekommt sie, oder ich verkaufe sie und gönne mir ein Wochenende im Spreewald.
Ich setzte mich auf Martins alten Platz, probierte den Salat. Schmeckte köstlich ich konnte immer toll kochen, mein Haus war ordentlich und ich achte auf mich. Trutsche. Das Wort steckte wie eine Gräte. Doch allein, nach der Trennung, verlor es jeden Sinn. Eine Trutsche hätte den Betrüger schweigend ertragen, geweint, und sich noch mehr Mühe gegeben.
Ich habe es beendet. Also bin ich keine Trutsche sondern eine Frau mit Stolz.
Mein Handy piepte. Ich zuckte zusammen dachte, Martin würde noch irgendeine Drama-Nachricht schicken. Aber das Bild zeigte Friederike: Sie und ihr Mann mit Nikolausmütze am Strand, Kokosnuss in der Hand. Mama und Papa! Frohes neues Jahr! Wir lieben euch! Wie gehts euch? Genießt sicher wieder Mamas Entenbraten! Kuss!
Ich starrte auf das glückliche Foto meiner Tochter so wie ich früher aussah. Da flossen endlich Tränen aber anders als erwartet, reinigend. Ich weinte über die verschwendeten Jahre, die blinde Liebe, die Enttäuschung, und aß den Kartoffelsalat direkt aus der Schüssel, mit dem großen Löffel.
Ich wischte die Tränen ab, schrieb zurück: Frohes neues Jahr, ihr Lieben! Uns gehts gut. Papa ist kurz raus zum Luft holen. Ich liebe euch.
Den beiden wollte ich den Abend nicht verderben. Ich erzähle alles in Ruhe, wenn ich bereit bin. Das war heute nur meine eigene Schlacht und mein Sieg.
Ich ging zum Fenster neunter Stock, überall Raketen. Die bunten Lichter spiegelten sich auf den verschneiten Autos unten.
Irgendwo da draußen stolperte nun Martin mit dem Rollkoffer über den Gehweg, versuchte wohl ein Taxi zu erwischen die Preise sind an Silvester astronomisch, und wartezeiten ewig. Ob Kitty ihn wirklich erwartet, mit Koffer und all dem Kram? Ein paar Stunden Liebelei ist was anderes als einen ausgesetzten Mann samt schmutziger Wäsche und leeren Kontostand (alle Karten laufen auf meinen Namen) dauerhaft zu beherbergen.
Ich schmunzelte. Die Autohaus-Romanze wird am Alltag zerbrechen, noch bevor die Raketen am Himmel verglühen.
Ich kehrte zum Tisch zurück, riss ein Stück von der Entenkeule ab und genoss das Essen. Mit jedem Bissen kehrten Stück für Stück die Kräfte zurück.
Plötzlich klingelte es. Langer, energischer Klingelton.
Ich spannte mich an war er etwa zurück? Würde er die Tür eintreten?
Vorsichtig schaute ich durch den Spion. Draußen stand Frau Schulze, die Nachbarin, im bunten Hausrock und mit einer mit Küchenhandtuch abgedeckten Platte.
Ich atmete auf und öffnete die Tür.
Anna, frohes neues Jahr!, rief sie, schon beschwipst. Ich hab eben frische Kraut-Piroggen gebacken, dachte, ich bring meinen Nachbarn was. Warum ists bei euch so ruhig? Wo ist Martin? Hab ihn eben mit Koffer und finsterem Gesicht am Fahrstuhl gesehen. Dienstreise heute Nacht?
Er ist abgereist, Frau Schulze eine lange Geschäftsreise. Für immer.
Ihre Augen wurden groß, die Brauen zogen nach oben.
Ach herrje Silvester? Krach gehabt?
Nein. Ich lächelte ehrlich und friedlich. Eigentlich haben wir nur endlich Klarheit geschaffen. Kommen Sie rein, Frau Schulze. Die Ente wird kalt und Sekt hab ich geöffnet allein ist das zu viel.
Sie zögerte einen Moment, dann winkte ab: Ach, warum nicht? Mein alter Herr schläft eh nach dem dritten Bier. Wir machen uns einen netten Abend!
Und so saßen wir zu zweit bis in die frühen Morgenstunden, genossen Ente, Piroggen, Sekt und Likör. Ich erzählte ihr gar nicht alles nur dass ich von einem Betrug erfahren hatte. Frau Schulze, erfahren und lebensklug, sagte nur: Genau richtig gemacht. So einen Kerl muss man ziehen lassen, wenn er keinen Anstand mehr kennt. Anna, du bist eine bildschöne Frau du wirst noch Schlange stehen haben!
Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich Hoffnung nicht Angst vor dem Morgen.
Als ich am nächsten Tag aufwachte, war die Wohnung friedlich still keine schnarchende Männerstimme. Durchs Fenster schien die Sonne, und die Stille war nicht traurig, sondern klar und frisch.
Ich ging durch die Zimmer, sammelte die Reste von Martins Dingen Rasierer, Pantoffeln, Ladekabel. Alles in eine große Mülltüte ab damit zur Müllabfuhr.
Ich brühte echten Filterkaffee auf kein Instantzeug, das Martin bevorzugte. Am Fenster trank ich langsam, spürte Ruhe.
Dann vibrierte mein Handy Nachricht von Martin:
Anna, bist du wieder bei Verstand? Bin bei nem Kumpel untergekommen. Das war alles ein Missverständnis. Lass uns doch in Frieden reden, ich bin bereit, dir den Aussetzer zu vergeben.
Ich musste laut lachen: Er vergibt mir Was für eine Ironie.
Ich drückte auf Blockieren. Dann sperrte ich alle Neben-Kreditkarten, die er benutzt hatte.
Mit dem letzten Schluck Kaffee sah ich mein Spiegelbild gerötete Augen, aber frische Haut, ein Hauch von Lebenslust.
“Willkommen im neuen Leben”, sagte ich zu der Frau im Spiegel. “Wir schaffen das.”
Ich drehte Musik auf, einen schnellen Beat, und begann, den Tisch abzuräumen.
Das ganze Jahr liegt vor mir und dieses Mal gehört es nur mir.
Mein persönliches Fazit: Wer immer sich selbst klein hält, verliert sich irgendwann. Ich habe daraus gelernt: Stolz ist der Anfang jeder neuen Freiheit.





