Mein Ehemann ist so von sich eingenommen, dass er glaubt, mir seine Bedingungen diktieren zu können – sogar bis zur Drohung, sich scheiden zu lassen, falls ich weiterhin Kontakt zu meiner Tochter aus erster Ehe halte.

Mein Mann, Sebastian, hat in letzter Zeit echt einen Höhenflug, als wäre er der Nabel der Welt und meint, er könnte mir seine Bedingungen einfach so diktieren. Und das sind nicht irgendwelche Bedingungen, sondern richtig krasse. Er hat tatsächlich gedroht, sich scheiden zu lassen, falls ich nicht aufhöre, meine Tochter Annika zu sehen, die ich aus meiner ersten Ehe habe. Echt jetzt? Das ist meine Tochter, mein Ein und Alles. Und er glaubt wirklich, durch Drohungen könnte er sie aus meinem Leben verbannen? Manchmal kann ich kaum glauben, wie tief der Mann gesunken ist, mit dem ich so viele Jahre geteilt habe.
Angefangen hat das alles vor ein paar Monaten. Sebastian war schon immer ein Typ mit ordentlich Ecken und Kanten, aber bisher hab ich das eher bewundert als als Makel empfunden. Er ist selbstbewusst, zielstrebig, gern alles nach seiner Pfeife das war mir nicht fremd. Als wir geheiratet haben, dachte ich, ich hätte einen zuverlässigen Partner gefunden, der mich unterstützt und auch meine Familie akzeptiert. Annika war da erst fünf. Sie hat ihn gleich ins Herz geschlossen, immer Papa Sebastian gesagt. Ich hab mich gefreut, die beiden so innig zu sehen. Aber mit der Zeit hat sich was verändert.
Er hat sich von ihr distanziert. Erst waren es Kleinigkeiten er hat nicht mehr gefragt, wie ihr Tag im Kindergarten war, er hat nicht mehr mit ihr gespielt wie vorher. Ich habs auf seine Arbeit geschoben, der Job ist stressig, er kommt oft spät nach Hause. Aber dann wurde er genervt, sobald ich Annika erwähnt habe. Du verbringst zu viel Zeit mit ihr, hat er einmal am Abendbrotstisch gesagt. Ich war so baff. Annika ist meine Tochter wie soll ich da nicht für sie da sein? Sie lebt ja bei meiner Mutter, Helga, im Nachbarort, ich sehe sie nur am Wochenende. Diese Zeit ist für mich wie Luft zum Atmen, einfach Mama sein, trotz der Distanz.
Doch dann kamen die richtig harten Ansagen. Vor einem Monat sitzt Sebastian mir in der Küche gegenüber, verschränkt die Arme und kommt ganz kalt rüber: Ich will nicht mehr, dass du jedes Wochenende zu Annika fährst. Das zerstört unsere Familie. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Welche Familie meint er überhaupt? Wir haben keine gemeinsamen Kinder, und Annika gehört nun mal zu mir. Ich hab versucht zu erklären, dass ich mein Kind nicht im Stich lassen kann, sie hat die Scheidung von ihrem Vater eh schon schwer verkraftet, sie braucht mich doch. Aber er hat nur abgewunken: Sie ist alt genug, sie schafft das schon allein. Machst du so weiter, geh ich zum Anwalt.
Ich war völlig fertig. Scheidung? Bloß weil ich meine Tochter nicht im Stich lasse? Das war so abwegig ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. In dem Moment ist mir klar geworden, dass Sebastian mich nicht als Partnerin sieht, sondern als jemanden, an dem er herumkommandieren kann. Er wollte nicht meinen Kontakt zu Annika einschränken er wollte die Kontrolle über mein ganzes Leben.
Mir sind dann auch all die kleinen Situationen wieder eingefallen: Seine Sticheleien gegen meine Mutter, Helga, weil sie Annika angeblich verzieht. Oder wie er die Augen verdreht hat, wenn ich Annika ein kleines Geschenk gemacht hab oder ihr eine Freizeitaktivität bezahlt hab. Und dann auch dieser Spruch: Die Vergangenheit sollte ruhen. Damit meinte er meinen ersten Mann und Annika. Ich hab damals nicht weiter drüber nachgedacht, aber jetzt fällt mir auf, wie falsch das alles ist. Er will Annika einfach ausradieren.
Was soll ich bloß machen? Ein Teil von mir will einfach nur noch die Koffer packen und gehen. Ich kann mit keinem Mann zusammenleben, der mir solche Beschränkungen aufbrummt. Aber andererseits habe ich Angst. Wir sind seit sieben Jahren zusammen, wohnen im eigenen Haus, haben Pläne geschmiedet. Ich hab viel in diese Beziehung gesteckt. Und wie erkläre ich Annika, dass ihre Mama jetzt wieder allein ist? Sie fragt schon dauernd, warum Papa Sebastian nicht mehr kommt. Wie soll ich ihr sagen, dass er möchte, dass ich sie einfach vergesse?
Meine Mutter, Helga, redet mir immer wieder gut zu, dass ich Annika schützen muss auch wenn es meine Ehe kostet. Du könntest dir das nie verzeihen, wenn du ihn über sie stellst, hat sie am Telefon gesagt. Und sie hat ja recht. Annika ist nicht nur meine Vergangenheit sie ist mein Herz, meine Verantwortung. Ich erinnere mich noch, wie ich sie nach der Geburt im Arm gehalten habe, an ihr erstes Lächeln, ihren ersten Schritt. Ich kann sie für keinen Mann der Welt verraten, erst recht nicht für einen, der sie als Problem betrachtet.
Trotzdem sieht Sebastian nicht ein. Neulich hat er das Thema wieder aufgebracht, noch schroffer als vorher: Entscheide dich ich oder deine Tochter. Ich will keine Frau, die ständig in alten Geschichten lebt. Ich hab nichts gesagt, weil ich wusste, jedes Wort macht es noch schlimmer. Aber ehrlich innerlich war meine Entscheidung längst gefallen. Ich werde Annika nie im Stich lassen. Nie. Nicht mal, wenn dadurch meine Ehe zerbricht.
Jetzt überlege ich, wie es weitergehen soll. Vielleicht sollte ich mal zu einer Anwältin gehen und mich über Scheidung schlau machen. Einen neuen Job suchen, damit ich finanziell unabhängiger bin. Ich schau sogar schon nach einer kleinen Wohnung in der Nähe von Annika. Es macht mir Angst, aber irgendwie hab ich auch wieder Hoffnung. Ich will, dass Annika weiß: Ich bin immer für sie da, ganz egal, was passiert.
Sebastian ist vielleicht überzeugt, dass er mich unter Druck setzen kann. Aber das hat er falsch eingeschätzt. Ich beuge mich nicht Regeln, die mein Herz brechen würden. Ich werde immer Annika wählen. Auch wenn ich dafür ganz von vorne anfangen muss. Für sie. Für uns.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Mein Ehemann ist so von sich eingenommen, dass er glaubt, mir seine Bedingungen diktieren zu können – sogar bis zur Drohung, sich scheiden zu lassen, falls ich weiterhin Kontakt zu meiner Tochter aus erster Ehe halte.
Und sie träumte von ihrem Hans