Sabine! Es tut mir leid! Darf ich zu dir zurückkommen?
Mein Mann, Matthias, und ich lebten über zwanzig Jahre gemeinsam. Unser Alltag war ruhig, fast idyllisch. An den Wochenenden fuhren wir in unser kleines Haus am Chiemsee. Matthias kümmerte sich um die Wohnung, ich kochte für uns beide. Ich war sicher, dass wir zusammen alt werden würden. Und dann aus heiterem Himmel sagte Matthias:
Sabine, es tut mir leid. Ich verlasse dich. Ich habe eine andere Frau kennengelernt und mich Hals über Kopf in sie verliebt!
Mit 38 Jahren war ich nicht naiv. Ich wusste längst, dass Matthias eine andere hatte. Ich versuchte, daraus kein Drama zu machen und redete mir ein, er würde mich nie wirklich verlassen. Gutmeinende Bekannte schickten mir sogar Fotos von Matthias und seiner Geliebten in München. Ich ertrug es schweigend. Doch eines Tages eröffnete Matthias mir, dass er endgültig geht. Das traf mich wie ein Schlag. Wenigstens war unsere Tochter Lisa gerade mit Freunden an der Ostsee. Um mich besser zu fühlen, erzählte ich meinen Freundinnen, dass mein Mann mich verlassen hatte.
Wir versammelten uns bei mir und veranstalteten einen echten Frauenrat. Eine empfahl mir, abzunehmen und mir einen neuen Mann zu suchen. Die andere riet mir, sofort eine Wahrsagerin aufzusuchen, die Matthias zurückholen könnte. Die dritte schlug ohne Umschweife vor, mir einfach einen neuen Partner zu suchen.
Und Annika sagte:
Leb dein Leben weiter, wie bisher! Das macht es leichter!
Aber ich kann so nicht weiterleben! Es tut zu sehr weh!
Musst du aber! Der Schmerz vergeht mit der Zeit, glaub mir. Ich habe drei Scheidungen hinter mir. Du putzt die Wohnung, kochst, gehst zur Arbeit, schaust Filme, liest Bücher.
Aber für wen soll ich denn kochen?
Für wen? Für uns! Wir kommen jeden Abend vorbei und essen, was du gekocht hast!
Ich bedankte mich für all die Ratschläge, doch konnte mich lange nicht entscheiden, welchen ich befolgen sollte. Letztlich ging ich zuerst zur Wahrsagerin. Ich brachte ihr ein Foto von Matthias und seiner neuen Freundin. Sie legte die Karten, führte irgendein Ritual durch und versprach mir, Matthias würde in zwei Wochen zurückkommen.
Doch auch nach zwei Wochen war er nicht da. Nach einem Monat noch immer nichts. Und in derselben Zeit zahlte ich der Frau die Hälfte meines Gehalts, 1200 Euro.
Allein und verzweifelt begann ich, tonnenweise Kuchen und Gebäck aus der Bäckerei zu kaufen. Nach zwei Wochen stellte ich mich auf die Waage. Sieben Kilo mehr. So konnte es nicht weitergehen. Ich fasste neuen Mut, putzte die Wohnung gründlich, ließ alles glänzen, verpflanzte die Blumen und stellte die Möbel um.
Meine Wohnung strahlte plötzlich Wärme und Schönheit aus!
Ich meldete mich zum Tanzkurs an ich musste die Kilos von den ganzen Torten und Keksen loswerden.
Jeden Tag kochte ich die Suppe, die Matthias am liebsten mochte. Und bald schon kamen meine Freundinnen abends vorbei und machten alles ratzeputz weg. Wenn sie gegangen waren, schaute ich Game of Thrones.
Matthias und ich hatten oft darüber gesprochen, ihn zu sehen, aber nie die Zeit gefunden. Jetzt genoss ich die Serie abends. Eines Tages, ich saß gerade auf dem Sofa, öffnete sich plötzlich die Tür. Matthias trat herein. Er sah, wie sauber und gemütlich es geworden war. Der Duft seiner geliebten Kartoffelsuppe lag in der Luft. Ich saß ruhig da und schaute weiter meine Serie.
Sabine, guten Abend. Ich wollte die Sachen abholen, die ich letztes Mal vergessen habe.
Natürlich! Ich hab sie schon gepackt. Hast du eine Tasche mit?
Nein.
Kein Problem, ich habe eine.
Ich gab Matthias die Tasche mit seinen Sachen.
Hast du Suppe gekocht?
Ja, willst du etwas essen?
Matthias zögerte, nickte dann aber.
Ich schöpfte ihm Suppe auf. Er aß zwei Teller und sagte dann:
Danke, Sabine. Ich gehe dann.
Mach das! Ich will noch meine Folge zu Ende schauen.
Was guckst du denn?
Game of Thrones.
Wir wollten die doch immer zusammen schauen erinnerst du dich? fragte Matthias traurig.
Ich erinnere mich, ja.
Matthias ging. Ich weinte, dann schaute ich die Folge zu Ende und ging ins Bett. Zwei Wochen später stand Matthias wieder vor meiner Tür diesmal mit all seinen Sachen. Verwirrt sah ich ihn an, verstand gar nichts.
Sabine, es tut mir leid! Ich liebe dich so sehr! Ich vermisse deine Suppen und dieses warme Zuhause. Verzeih mir bitte.
Du hast meine Suppe vermisst?
Ich vermisse alles! Aber am meisten dich!
Gut. Komm rein.
Ich schäme mich vor dir und vor unserer Lisa. Sagst du ihr es nicht?
Nein, ich sage nichts. Magst du Abendessen?
Ja. Danke, Sabine.





