Die Schwiegermutter hat es letztendlich doch geschafft!

Mutter, ich habe gerade darüber nachgedacht Ich könnte bei dir einziehen und gleichzeitig deine ehemalige Schwiegertochter aus dem Weg räumen, sagte Friedrich, während er in der kleinen Küche von Berlin sein Bier hinunterstieß.

Denkst du, Heike würde dem zustimmen? fragte er, ohne zu wissen, dass seine Mutter, Gisela Weber, bereits einen anderen Plan schmiedete.

Vielleicht könntest du mir ein Schenkungsversprechen ausstellen dann gebe ich es später zurück, schlug Gisela vor, doch das blieb nur ein Wortspiel.

Heike, die als Filialleiterin einer Bekleidungskette in Hamburg arbeitete, zuckte mit den Schultern. Dann lebt ihr einfach zusammen, meinte sie, sehr zu Giselas Überraschung.

Friedrichs einziger Sohn, den Gisela fast allein großgezogen hatte, weil sein Vater ständig beruflich unterwegs war, hatte sich in die Verkäuferin Anke verliebt.

Mutter, Anke ist die Administratorin im Modegeschäft, sie ist hübsch, freundlich und fürsorglich, erklärte ihr Sohn.

Gisela wischte die Hände trocken. Trotzdem ist sie nur eine Verkäuferin! Hast du vergessen, dass dein Großvater und dein Vater Ingenieure waren, während meine beiden Mütter und ich Ärztinnen sind? Wir kommen aus einer gebildeten Familie! Du hast ein Studium der Zahnmedizin abgeschlossen und hast eine glänzende Zukunft vor dir.

Mama, wir lieben uns, das andere ist egal, protestierte Friedrich.

Wird doch nicht sein! Die Frau muss zum Mann passen! Sieh dir doch die wunderbare Katharina an, die angehende Neurologin, die seit der Schule in dich verliebt ist, fuhr Gisela fort.

Aber ich liebe sie nicht, widersprach Friedrich. Genug, Mama, wir reden nicht länger darüber.

Doch das Gespräch endete nicht hier. Gisela ließ ihren Sohn immer wieder daran erinnern, wie hart sie nach dem frühen Tod seines Vaters gearbeitet hatte, zwei Jobs angenommen und ihm beim Lernen für die Prüfungen geholfen hatte. Nichts half. Friedrich und Anke heirateten und zogen in das Haus seiner Mutter. Gisela widersetzte sich nicht es war sogar praktisch, die Schwiegertochter in der Nähe zu haben.

Denkst du, du hast es gut hier? zischte Gisela Anke, als sie allein waren. Wir werden noch sehen, wie lange du die Rolle der Ehefrau aushältst. Du bist nicht die Richtige für meinen Sohn!

Wir werden sehen, schnaufte die Schwiegertochter. Bitte, Gisela, bremst eure Leidenschaft. Wir brauchen Frieden, damit Friedrich seine Karriere vorantreiben kann, anstatt sich mit euren Streitereien zu beschäftigen.

Friedrich versuchte, die Situation zu beruhigen, doch die Atmosphäre blieb gespannt. Zwei Monate später dachte Gisela, sie hätte gewonnen. Anke verhielt sich still und reagierte nicht mehr auf Giselas Vorwürfe sie schien bereit zum Auszug.

Doch plötzlich stellte sich heraus, dass das junge Paar die Wohnung über eine Hypothek gekauft hatte, ohne Gisela etwas zu sagen.

Bist du verrückt geworden? schrie Gisela, als sie die Nachricht hörte. Wie konntet ihr das ohne mich tun?

Beruhige dich, Mutter, sagte Friedrich gelassen. Zwei Haushalte in einer Küche funktionieren nicht. Wir haben eine neue Wohnung im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Wir kommen zu Besuch, wenn du willst.

Es stellte sich heraus, dass Anke das Haus ihrer Großmutter auf dem Land verkauft hatte. Das Grundstück war für einen örtlichen Unternehmer von Interesse, der dafür einen guten Preis in Euro zahlte. Friedrich verkaufte sein altes Auto und nutzte seine Ersparnisse als Anzahlung für die Zweizimmerwohnung.

Könntet ihr nicht etwas Bescheideneres wählen? fragte Gisela, die für die ständigen Zahlungen Sorge hatte.

Ich schaffe das, Mutter, und Anke arbeitet, erwiderte Friedrich.

Wir wissen, dass sie eine tüchtige Erwerbsarbeiterin ist!

Gisela versuchte weiter, die beiden zu trennen, indem sie Friedrich um Hilfe bei kaputten Wasserhähnen bat, Lebensmittel brachte oder einfach nur Gesellschaft leistete, weil sie meinte, Anke setze ihn unter Druck. Friedrich kam immer wieder nach Hause, doch mit der Zeit besuchte er die Wohnung seltener, weil er angeblich sehr beschäftigt war.

Eines Tages musste Gisela sogar den Rettungsdienst rufen, damit ihr Sohn nicht vergaß, wer ihm am wichtigsten war. Das half eine Zeit lang, und Friedrich dachte öfter an seine Mutter.

Dann kam die nächste Krise: Katharina ging für ein dreijähriges Praktikum nach Australien.

Ohne Friedrich ist mir hier ganz übel, seufzte sie. Aber das Ausland wird mir neue Erfahrungen bringen.

Gisela antwortete: Schade, Kind, dass du gehst, aber ich kann dich hier nicht festhalten.

Im Stillen plante Gisela, dass Katharina nach ihrer Rückkehr Friedrich von Anke trennen und eine neue, würdige Ehe mit einer anderen Fachkraft schließen sollte.

Die Spannungen zwischen Gisela und ihrer Schwiegertochter blieben, doch irgendwann kam sie selbst nicht mehr zu Besuch. Sie freute sich, dass ihr Sohn endlich wieder bei ihr wohnte.

Sechs Jahre später hatte Gisela ihr Ziel erreicht. Friedrich und Anke wollten sich scheiden lassen, aber Anke wusste bereits, dass Gisela die Begegnungen mit Katharina, die zurück nach Deutschland gekommen war, arrangiert hatte. Gisela ließ ihn glauben, er habe einen Fehler mit seiner jetzigen Frau begangen, aber man könne Fehler korrigieren.

Sie vermutete, dass die fehlenden Kinder ein Grund für die Scheidung seien Anke war unfruchtbar, und das machte die Trennung für Gisela einfacher.

Friedrich, der trotz allem ein edler Mensch war, sagte: Mutter, die Wohnung gehört zu gleichen Teilen Anke und mir, aber wir wollen sie nicht verkaufen. Darf ich zu dir ziehen?

Natürlich, antwortete Gisela. Wir müssen nur die Wohnungssituation klären.

So kehrte Friedrich zurück, und Katharina zog ebenfalls ein. Gisela freute sich, dass ihr Sohn und seine Partnerin nun ein harmonisches Leben führen konnten.

Doch Katharina, die sich sehr um die Gesundheit ihres Sohnes kümmerte, erklärte, dass frittierte Speisen ungesund seien und Fleisch lieber gebacken werden solle. Sie kritisierte sogar den Käseaufstrich, den Friedrich gern aß.

Gisela sah, wie sehr Katharina sich um Friedrichs Wohl sorgte, und lobte sie: Siehst du, wie sehr Katharina sich um dich kümmert?

Ein Monat später jedoch wurde Gisela von Katharinas ständigen Anweisungen genervt: Yoga am Morgen, das Entfernen aller Teppiche, weil sie Staub anstiften, und das strenge Reglement, wann er schlafen gehen darf.

Mutter, das geht nicht mehr!, protestierte Friedrich. Sie will mich kontrollieren.

Gisela hielt dagegen: Anke hat dich ja von Anfang an zu einem gesunden Leben erzogen! Und Katharina tut das nur aus Liebe.

Letztlich erkannte Gisela, dass ein gutes Familienleben nicht durch Machtspiele, sondern durch gegenseitiges Vertrauen und Respekt entsteht. Sie ließ los, akzeptierte die Entscheidungen ihrer Kinder und lernte, dass wahre Liebe nicht erzwungen, sondern geteilt werden kann.

So blieb die Familie zusammen, und alle fanden ihren eigenen Weg ein Weg, der zeigt, dass Freiheit und Verantwortung Hand in Hand gehen und dass das Herz eines Menschen am besten arbeitet, wenn es nicht von Angst, sondern von Liebe geleitet wird.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Die Schwiegermutter hat es letztendlich doch geschafft!
Ich bin hin und weg – Anna! Was ist denn mit deinen Händen passiert? – erschrak sich Nadja. – Alles in Ordnung, – antwortete Anna angespannt. – Morgen früh gehe ich zum Kosmetikstudio, dann bekomme ich meine Nägel und normale Haut zurück. – Wie hast du deine Hände derart ruiniert? Arbeitest du etwa nebenbei im Steinbruch? – mischte sich Swetlana ein. – Nur feuchtes Putzen in einer Junggesellenwohnung, – sagte Anna genervt. – Macht doch bitte kein Drama daraus! – Im Ernst? – wunderten sich die Freundinnen. – Seit wann nennst du deine Wohnung Junggesellenbude? Du hast sie doch immer dein Nest genannt… Und warum machst du das alles selbst? Es gibt doch Leute dafür… – Bei mir Zuhause ist alles in Ordnung, – konterte Anna betont. – Und das war schon immer so! – Arbeitest du jetzt als Reinigungskraft in fremden Wohnungen? – Swetlana wich zurück. – Anna, wir sind doch Freundinnen! Sag doch, wenn du Geldsorgen hast! Ich helfe dir doch jederzeit! – Ich habe Geld, – murmelte Anna, – und das Geschäft läuft gut. – Anna, ich verstehe gerade überhaupt nichts mehr! – beunruhigte sich Nadja. – Warum räumst du dann in fremden Wohnungen auf? Und warum alleine? – Hast du etwa eine Wette verloren? – warf Swetlana ein. – Wäre besser gewesen, – Anna wandte ihren Blick ab und starrte an die Wand. – Ich bin reingestolpert… so richtig reingestolpert. Da würde ich lieber mein Geschäft verlieren und stattdessen fremde Wohnungen putzen! Die Freundinnen waren perplex. Auf die stumme Frage in ihren Augen sagte Anna missmutig: – Ich habe einen Mann kennengelernt. Und so einen Typ, dass ich lieber Ungeziefer als ihn hätte! Diesmal schwappte bei den Freundinnen nicht Entsetzen, sondern Panik hoch. – Anna, lauf weg! Wenn du das sagst, dann lauf! – flüsterte Nadja. – Kann ich nicht, – verzog Anna das Gesicht. – Und ich will auch nicht! Ich will zu ihm, niemals von ihm weg! – Was? – Swetlana wich erneut zurück. – Anna, bist du das überhaupt? Du warst doch immer so tough, niemand hat dich verbogen! Und jetzt… wegen einem Typen!!! – Ich weiß! – schnauzte Anna. – Ich weiß alles! Ich erkenne mich selbst nicht wieder! Bin ausgeflippt, habe gebrüllt! Nur mit dem Kopf gegen die Wand bin ich nicht gerannt! Wobei, vielleicht sollte ich das mal probieren? Die Freundinnen waren endgültig ratlos. Aber die Idee mit dem Kopfschlagen gegen die Wand fanden sie einhellig schlecht. Und sie wunderten sich regelrecht darüber, wie Anna auf sich selbst wütend war. – Und was ist mit Sascha? – fragte Nadja aus dem Off. – Ihr wart doch ein tolles Paar! Und er war so bemüht! Hilfsbereit! – Kannst ihn haben, – winkte Anna ab. – Für mich ist er nutzlos! Und ich habe das sogar getestet! – Sie war nicht peinlich berührt, schließlich sind sie alle erwachsen. – Selbst an einen Stefan kommt er nicht heran! – Stefan? – verzog Swetlana das Gesicht. – Einfach so? Du hast Sascha gegen einen Stefan eingetauscht? Ich hatte schon gedacht, wenigstens Gabriel wäre es! – Geh doch mit deinem Gabriel! Und Raphael nimm gleich mit! – schnaubte Anna. – Ich habe Stefan. – Ist er reich? – fragte Swetlana. – Nein, – Anna schüttelte den Kopf. – Schön? – erkundigte sich Nadja. – Durchschnittlich, – meinte Anna. – Jung und attraktiv? – fragte Swetlana skeptisch. – Einundvierzig, – zählte Anna langsam auf. – Und was willst du dann von ihm? – Swetlana grinste. – Er kann lieben! – sagte Anna verträumt und ein seliges Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. – Er kann so lieben, dass ich ihm alles geben will! Wirklich alles! Wohnung, Haus, Autos! Sogar das Geschäft würde ich umschreiben! Hauptsache, er ist bei mir! Hauptsache, er gehört mir! Nur mir! – Sie braucht eine Therapie, – Swetlana schüttelte den Kopf. – Wo hast du ihn denn gefunden? – hakte Nadja nach. – Im Internet, – lächelte Anna. – Ich wollte ein Abenteuer für einen Abend… Karrierefrauen sind selten verheiratet. Es liegt nicht an fehlender Familie, sondern daran, dass Männer den Erfolg ihrer Frau schlecht ertragen. Vor allem, wenn sie nicht gerade von ihr und ihrem Geld leben. Anna hat sich schon in der Schulzeit für sich selbst entschieden. Damals hat sie leidenschaftlich Schmuck aus Perlen gebastelt. Ein Jahr später verkaufte sie eigene Kreationen an Mitschülerinnen – freilich nicht für Süßigkeiten! Studiert hat Anna dann Wirtschaft, doch Schmuck (und schon längst nicht nur Perlen) blieb ihre Haupteinnahmequelle. Die Ausbildung brachte sie auf die Idee, daraus ein Business zu machen. – Keine Perlen! – schmunzelte Anna. – Handgemachter Schmuck! Ganz exklusiv, mit Kundenwunsch! – Davon gibt‘s doch Tausende, – sagten die Leute. – Du bist eine unter vielen! Lebst von Cent zu Cent! – Wer sagt denn, dass ich Kleinkünstlerin bleiben will? Das war ihr zu klein, davon kommt man nicht groß raus. Leben kann man, aber eben nicht, wie sie es wollte. Also brachte Anna andere Schmuckmacher unter ihre Fittiche. Es war irre viel Arbeit. Werbung, Kataloge, Kundschaft, Verhandlungen, Verträge. Dann die eigenen Verkaufsstellen. Und wieder Werbung, um den Laden als exklusiv für wirkliche Kenner zu etablieren! Wahre Knochenarbeit! Aber Anna wurde mit 35 zur top erfolgreichen Geschäftsfrau und hatte alles, was man sich wünschen kann. Wohnung, Haus im Grünen, Garage für sechs Autos – und alle Wagen nicht gerade billig. Dazu ein praller Bankkonto. Jeder ihrer Wünsche war praktisch per Knopfdruck erfüllbar. Nur für Familie war kein Platz. Das fehlte ihr aber auch nicht wirklich. Für Gesundheit, Laune und Leistungsfähigkeit hatte sie „Jungs“. Die waren für ein Honorar bereit, sie zu lieben und zu vergöttern – solange sie es wollte. Und verschwanden, sobald das Interesse erlosch. In letzter Zeit war Sascha häufig bei ihr. Netter Kerl. Die Freundinnen tuschelten schon, sie würde ihn vielleicht als Dauergast nehmen. – Sie heiratet ihn bestimmt! – schwärmte Nadja. – Dann ist er endgültig für uns verloren, – seufzte Swetlana. Sie traf Sascha schließlich auch ab und zu. Was Anna geritten hat, sich in eine Dating-App einzuloggen, weiß keine. Sie hatte abends einfach Langeweile. Ein bisschen Abwechslung… Bei so viel Süßem wie Sascha, will man irgendwann mal etwas Salziges. Doch als ihr Profil aktiv wurde, bekam sie Nachrichten von denselben Typen wie Sascha. Langweilig. Da griff sie das „Guten Abend!“ von einem Stefan auf. – Sollen wir plaudern? – schob er noch nach. Anna entschied sich, mal mit diesem Stefan zu chatten. Las nebenher sein Profil und betrachtete die Fotos. Gleich dachte sie: Wo willst du denn hin? Siehst du nicht, dass ich auf den Fotos in Autos, auf Yachten bin, mit Gold und Diamanten? Und du? Heimische Kulisse wie bei Oma! Und ein Kosmetiker hat dein Gesicht nie gesehen! Völlig unpassend! Aber das Gespräch verlief gut. Über Gott und die Welt. Sie musste zugeben, dass Stefan belesen und gebildet war. – Warum bist du dann nicht reich? Anna fragte direkt. – Wozu? – erwiderte Stefan. Diese Antwort haute sie um. – Wie, wozu? – verstand Anna nicht. – Damit es einem an nichts fehlt! – Mir fehlt nichts, – schrieb Stefan. – Ich habe alles, was ich brauche. Eine Uhr für 100.000 zeigt dieselbe Zeit wie eine für 100 Euro. Und sie unterhielten sich weiter. Bis die Dämmerung kam. – Muss zur Arbeit, – schrieb Anna. – Gute Fahrt, – antwortete Stefan. – Mein Zeitplan ist flexibel, für mich kein Stress! Den ganzen Tag dachte Anna kaum an den merkwürdigen Chatpartner. Aber der fiel ihr doch ab und zu wieder ein. Abends lehnte sie eine Einladung zur Eröffnung eines neuen Restaurants ab – vom Besitzer persönlich! Sie schob dringende Arbeit vor, aber lag stattdessen mit dem Tablet auf dem Sofa und schrieb Stefan: – Na, noch da? – Klar, – kam zurück. – An Gedächtnisschwund leide ich nicht! Und wenn ich mal etwas vergesse, hab ich so richtig Spaß dabei! Und wieder schrieben sie die halbe Nacht. Anna schlief nur ein paar Stunden, war aber abends pünktlich zu Hause, um Stefan zu schreiben. Nach zwei Wochen Online-Kontakt war Anna so weit, dass sie Stefan unbedingt persönlich treffen wollte. Weil sie immer offen war, schrieb sie das direkt. Stefan antwortete: – Komm vorbei! Und schickte ihr die Adresse. Anna war baff – Tablet in der Hand, die andere in der Luft. Das war wie beim Gespräch, wenn die Worte fehlen. – Wie jetzt: Komm vorbei? – murmelte sie laut. Das fragte sie dann auch schriftlich. – Einfach vorbeikommen, – antwortete Stefan. – Aber sag direkt, trinkst du lieber Tee oder Kaffee? Sind Eclairs mit Buttercreme okay, oder lieber Steaks vom Grill? Hätte das ein alter Freund gefragt, wäre das normal gewesen. Aber als erstes Date gleich zu ihm nach Hause? Zu einem Mann? Allein? Sie hätte am liebsten geschrieben, ob er nicht ein bisschen dreist ist. Doch die Neugier war größer, also blieb sie höflich: – Ich hatte eher an ein Restaurant gedacht, – schrieb sie. – Ach, dazu bin ich echt zu faul! – kam zurück. Da fiel ihr wieder der grobe soziale Unterschied ein. – Machen wir es so – ich bezahle dein Taxi hin und zurück, und das Abendessen sowie alles andere! Sie war es gewohnt, für ihre „Jungs“ alles zu zahlen, dachte gar nicht drüber nach. – Zahlen kann ich selbst, – schrieb Stefan, – ich bin einfach zu faul! Sich fertig machen, raus, dann wieder heim! Bei dem Wetter erst recht. Also, raus gehen ist mir gerade zu mühsam! Wenn du mich sehen willst, komm vorbei! Adresse hast du. – Also wirklich! So ein Benehmen dulde ich nicht! – schrieb Anna und warf das Tablet weg. Zwei Tage lang rührte sie es demonstrativ nicht an. Quälte sich, blieb aber stur. Sie wartete, dass Stefan sich entschuldigen, um Verzeihung bitten und ihr jedes Restaurant anbieten würde! Anna wartete. Aber als sie das Tablet wieder anrührte, war ihr letztes, scharfes Statement immer noch die letzte Nachricht – von ihm kam nichts. Ihr Ärger kochte über, sie schimpfte laut und lange über Stefan. Wie lange? Zwei Stunden ließ sie Dampf ab. Dann merkte sie, wie sehr ihr das Gespräch mit ihm fehlte. Und der Wunsch nach einem Treffen war kein bisschen weniger geworden, eher noch mehr. – Mistkerl! – murmelte sie, griff wieder zum Tablet. Er könnte ja auch eingeschnappt sein nach ihrem letzten Kommentar. – Hi! – schrieb Anna und hielt die Luft an. – Hi, – schrieb Stefan zurück. – Alles klar? Völlig neutral, als wäre das Gespräch nie eskaliert. – Geht so, – antwortete Anna. – Wie sieht’s aus, Treffen heute? Oder wieder zu faul? Sie wollte sticheln. – Klar, – antwortete Stefan und schickte einen lachenden Smiley. – Ich bin so faul, ich backe mir das Brot selbst! – Wie sollen wir uns denn je sehen, wenn du immer zu faul bist? – fragte Anna. – Fährst du Auto? – fragte er. – Ja! Ich hab eins! – Funktioniert? – Natürlich, – Anna war baff. Sie hatte sechs Autos. Wenn etwas kaputt war, wurde es sofort repariert oder verkauft. – Kann dir die Adresse nochmal schicken, falls du sie gelöscht hast, – schrieb er. – Komm einfach vorbei! *** – Warte mal! – unterbrach Swetlana und packte Anna am Arm. – Du bist echt zu einem fremden Kerl gefahren? – Ja, – bestätigte Anna entschieden. – Hattest du keine Angst? – staunte Nadja. – Was, wenn er ein Verbrecher gewesen wäre? – Ich hatte Pfefferspray dabei, – meinte Anna. – Aber habe es nicht gebraucht. – Du bist wirklich zu einem Fremden aus dem Internet gefahren – direkt zu ihm nach Hause? – Swetlana war nahezu fassungslos. – Das ist völlig verrückt! – Ich bin gefahren, – nickte Anna. – Und ich habe keine Sekunde bereut! Mädels, ich bin hin und weg! Und als ich alles begriffen hatte, hab ich mich geärgert, dass ich ihn zwei Tage hab zappeln lassen! Wäre ich früher gefahren, hätte ich das Glück zwei Tage eher gehabt! – Was für Glück denn? – fragte Swetlana. – Das Glück, für das ich alles geben würde! – gestand Anna ehrlich. – Das ist doch nicht dein Ernst? Mit der Firma und dem Besitz? – Swetlana runzelte die Stirn. – Ich würde sogar Kredite für ihn aufnehmen! Und notfalls im Steinbruch ackern! – legte Anna die Hand aufs Herz. Nadja schlug die Hände vors Gesicht. – Erzähl weiter! – forderte Swetlana. – Du bist also wirklich hingefahren! – Ich bin hingefahren…