Man brachte mich in ein Pflegeheim, um mir mein Haus zu stehlen – doch sie vergaßen, dass die Firma, in der sie arbeiteten, ebenfalls mir gehörte

Der Regen fiel unaufhörlich, als wolle der Himmel selbst jede Straße Münchens bis auf den Grund säubern. Das Kopfsteinpflaster glänzte im matten Licht der alten Gaslaternen, während winzige Bäche Blätter, Zigarettenstummel und den Staub der Woche durch die Rinnsteine zu den Gullys trieben. In meinem silbernen Audi summte die Heizung leise, hüllte mich in eine wohlige Wärme. Klassische Musik schwebte aus dem Radio wie ein weicher Nebel, schirmte mich ab von der tosenden Welt draußen.
Es war ein unscheinbarer Mittwochabend. Ich kam von einer Sitzung aus dem Büro am Marienplatz, die überraschend gut gelaufen war. Neben mir auf dem Beifahrersitz lag eine Aktentasche voll Verträge, im Kopf ratterte die endlose Aufzählung an Aufgaben. Dieses normale Gedankenkarussell brach jäh ab, als ich an der Kreuzung zur Sonnenstraße eine kleine Gestalt unter der Regenflut hocken sah.
Sie war höchstens acht Jahre alt, das rotblonde Haar nass und wild an die Stirn geklebt, der viel zu dünne Mantel vollkommen durchnässt. In ihren schmalen Händen hielt sie ein Dutzend erbärmlicher Blumensträuße, von durchsichtiger, schon zerrissener Plastikfolie notdürftig zusammengehalten. Die Stoffschuhe an den Füßen schwammen in Regenpfützen.
Langsam ließ ich das Fenster herunter, stoppte den Wagen direkt am Bordstein. Ich hätte weiterfahren können, wie man es eben macht aber wie sie die welken Blumen fest an die Brust drückte, als wäre es alles, was sie besaß, nagte sich in mein Bewusstsein.
Ich schaltete aus, öffnete die Tür. Kalte, nasse Luft schlug mir entgegen, der Regen prasselte wie Trommelwirbel. Ich ging zu ihr.
Entschuldigung, Herr!, schrie sie gegen Wind und Wasser, Wollen Sie vielleicht Blumen für Ihre Frau mitnehmen? Sie sind hübsch und heute ziemlich günstig.
Trotz der Kälte bemühte sich ihre Stimme um Fröhlichkeit.
Ich zog meinen dicken Lodenmantel aus, legte ihn ihr um die Schultern. Für ihre schmale Gestalt war er wie ein Zelt, doch er wärmte.
Hier, nimm meinen Regenschirm dazu, sagte ich und reichte ihr den großen schwarzen Schirm, sonst wirst du krank.
Sie schaute mich an, als hätte ich ihr ein goldverziertes Märchenbuch geschenkt.
Nein, Herr… meine Mutter sagt, ich darf von Fremden nichts nehmen.
Deine Mutter hat Recht, entgegnete ich, aber das sind nur Leihgaben, bis du fertig bist mit deinem Verkauf.
Sie zögerte und nahm dann doch schüchtern den Schirm.
Wie viele Sträuße hast du noch? fragte ich.
Zwanzig, Herr. Normal kosten die je drei Euro… aber sie haben vom Regen gelitten, Sie können sie für zwei-fünfzig das Stück haben.
Ich kramte mein Portemonnaie hervor und drückte ihr fünfzig Euro in die kleine Hand.
Ich nehme alle.
Sie wollte widersprechen, doch Worte blieben ihr im Kehle stecken.
Alle? Aber was machen Sie denn mit so vielen Blumen?
Ich werde sie verteilen, sagte ich, an Menschen, die hier vorbeilaufen. Jeder hat einen freundlichen Moment verdient.
Ein Lächeln erschien wie ein Sonnenstrahl in ihrem Gesicht.
Das glaubt mir meine Mama nie.
Wo ist denn deine Mama?
Daheim… in unserer Wohnung in Giesing. Sie pflegt meinen kleinen Bruder, der ist krank. Deshalb gehe ich heute raus, damit sie im Warmen bleiben kann.
Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
Behalte Mantel und Regenschirm. Und jetzt lauf nach Hause, sonst wartet sie und macht sich Sorgen.
Sie drückte die Scheine fest an die Brust, sprang ein paar Schritte, dann drehte sie sich noch einmal um und rief:
Danke, Herr! Vergelts Gott!
Ich sah, wie sie mit meinem schwarzen Regenschirm verschwand, jetzt sicher vor Wind und Nässe. Klitschnass stieg ich in meinen Wagen zurück, spürte in mir ein seltsames Kribbeln Mischung aus Wehmut und leiser Hoffnung.
Die Heizung surrte, und der Duft der Blumen durchdrang alles. Während ich Strauß um Strauß an Fremde verteilte, wurde mir klar: Irgendetwas hatte sich in mir verändert, auch wenn ich noch nicht begriff, was.

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Homy
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Man brachte mich in ein Pflegeheim, um mir mein Haus zu stehlen – doch sie vergaßen, dass die Firma, in der sie arbeiteten, ebenfalls mir gehörte
„Ich bin einer Führungsposition würdig und gebe mich nicht mit weniger zufrieden!“ – antwortete der erwachsene Sohn seiner Mutter „Kannst du bitte einkaufen gehen und danach zu Hause aufräumen?“ „Ich bin beschäftigt.“ Seit Jahren besteht die Kommunikation von Sarah mit ihrem Sohn fast ausschließlich aus „Das mache ich nicht!“, „Ich habe keine Zeit!“ und „Später vielleicht.“ Heute versucht Sarah es noch einmal. „Mein Sohn, ich habe heute viel Arbeit, keine Zeit. Entweder gehst du selbst einkaufen oder du isst die Reste von gestern.“ „Ich verstehe nicht, warum du so ein Theater machst.“ Der Sohn knallte die Tür so heftig zu, dass beinahe der Putz von der Wand fiel. Jeder Versuch, ihn zu irgendeiner Hilfe zu bewegen, scheiterte vollständig. Mit Teenagern ist es schwer, aber in diesem Fall ist der Sohn längst kein Teenager mehr – er ist über dreißig. Sarah atmete tief durch, um sich zu beruhigen, bevor sie selbst zum Supermarkt ging. Sie wäre am liebsten gar nicht rausgegangen, aber sie brauchte etwas zu essen. Auf dem Weg überlegte sie, ob sie schuld daran ist, dass ihr Sohn so frech und faul geworden ist. Mit vierunddreißig Jahren hat er noch nie gearbeitet. Als er ein Kind war, hat sie ihm nie etwas verweigert, alles für ihn gemacht, aber nie zugelassen, dass er eigene Entscheidungen trifft. Das Ergebnis: völlige Unlust zur Arbeit, ja sogar zum Einkaufen. Als Sarah das Mittagessen zubereitete, war sie völlig erschöpft. Es war ein extrem anstrengender Tag. Danach warteten noch Berichte auf sie. „Gulasch? Du weißt doch, dass ich das nicht mag“, meckerte der Sohn und zog ein unzufriedenes Gesicht. „Du könntest wenigstens Kartoffelpüree und Frikadellen machen. Oder wenigstens einen Kuchen backen.“ „Ich habe keine Kraft zum Backen oder für Frikadellen“, erwiderte die Mutter. „Mama, du weißt doch, alle Menschen sind müde. Mir schwirrt schon der Kopf vom Computer. Ich verbringe den ganzen Tag damit, Stellenangebote zu suchen und Bewerbungen zu verschicken. Aber ich beschwere mich nicht.“ Sarah musste sich beherrschen, um nicht zu schreien. Sie wusste genau, wie ihr Sohn „arbeitet“ – morgens öffnet er das Jobportal und tut den ganzen Tag beschäftigt. Tatsächlich hat er bisher nur zwei Bewerbungen an die beiden größten Firmen der Stadt verschickt – und das höchstens einmal pro Halbjahr. Nur auf eine Führungsposition würde er sich einlassen. „Vielleicht solltest du dich mal nach etwas anderem umsehen?“ fragte Sarah gereizt. „Was meinst du mit ‚was anderem‘? Soll ich jetzt auch noch im Lager arbeiten? Ich bin dir sehr dankbar, Mama, für deine Unterstützung!“ Der Sohn stand auf, berührte seinen Teller nicht und spielte, als wäre er gekränkt und gedemütigt – nur um in Ruhe gelassen zu werden. Er liebte es, zu Hause zu sitzen und nicht arbeiten zu müssen. Das war sein gewohntes Leben! Dass er nie eine Führungsposition bekommen würde, war ihm bewusst, aber dank seiner Strategie konnte er weiter zuhause bleiben. Doch heute wollte Sarah nicht aufgeben. „Ich werde nie im Lager arbeiten und auch nicht an der Supermarktkasse sitzen. Für mich kommt nur eine Führungsposition infrage – ansonsten arbeite ich gar nicht!“ Der Sohn stellte seine Mutter vor vollendete Tatsachen. Macht er das absichtlich? Natürlich, er weiß ganz genau, dass Führungskräfte nicht gesucht werden. „Ich habe genug! Du arbeitest nicht, willst im Haus nicht helfen!“ sagte die Mutter. „Es ist mir egal, was du arbeitest, denn jede Arbeit ist respektvoll – ich will nur, dass du endlich etwas tust.“ Nach dem Streit ging sie in ihr Zimmer und starrte an die Wand. Sie fühlte sich wie eine Versagerin. Hatte sie als Mutter versagt und ihren Sohn zu sehr unter Druck gesetzt? Nein, sie wusste: sie liegt richtig. Er muss lernen, eigenständig zu werden. Aber versteht er das?