Glauben Sie weiterhin an das Glück!

Ich erinnere mich noch gut an meine Jugend, als ich, Liselotte Weber, eines Tages die belebte Messe in Köln betrat. Eine fahrende Künstlerin mit Augen so schwarz wie die Tiefe der Nordsee ergriff meine Hand und sang leise:

Du, schöne Maid, wirst einst in einem sonnigen Land wohnen, wo die Luft nach Meer und RheingauWein duftet.

Ich lachte nur und erwiderte:

Was für ein Unsinn! Ich verlasse niemals meine Heimatstadt!

So verlief mein Leben weiter, zunächst in großer Liebe verheiratet, dann mit der Geburt meiner Tochter Heike, und ich dachte an ein zweites Kind. Doch ich nahm eine Arbeit an, um nicht zu verkümmern. Fünf, sechs Jahre arbeite ich, dann kann ich wieder Zeit für den Sohn haben, überlegte ich.

Ein Geschäfts­trip änderte alles. Meine Nachbarin, die Krankenschwester Frau Schmidt, rief an:

Liselotte, dein Mann Johann wurde ins Krankenhaus gebracht! Der Rettungswagen kam von einer unbekannten Adresse in der Nebenstraße.

Man weiß nie, welche Familiengeheimnisse plötzlich ans Licht kommen.

Die Rückkehr nach Hause war wie ein schlechter Krimi. Noch am ersten Abend raste ich ins Krankenhaus, das Herz hämmerte mir im Hals. Johann lag blass da, die Hand verbunden, und mied meinen Blick.

Woher hast du dich denn abgeholt?, flüsterte ich.

Stille sprach lauter als Worte.

Es stellte sich heraus, dass in jener Wohnung eine alleinstehende Kollegin meines Mannes lebte, deren Freundschaft bereits über ein Jahr gedauert hatte. Jeder hatte seine Eigenheiten: Der eine schloss die Augen, der andere schmiss einen Skandal, und dann, die Zähne zusammengebissen, stellte er dem Betrüger eine Schüssel Suppe vor. Ich war jedoch aus anderem Holz. Ich wartete nicht auf Johann im Krankenhaus ich wollte das verwundete Herz selbst trösten.

Ich packte das Nötigste in einen alten Koffer, nahm Heike bei der Hand, und verließ die gemeinsame Wohnung, ohne zurückzublicken.

Wir beginnen ein neues Leben, meine Kleine, sagte ich, während ich ihre winzige Hand fest umklammerte.

Meine Mutter nahm uns für eine Weile auf. Danach ließ ich mich scheiden, teilte die Quadratmeter mit Johann und nahm ein Darlehen für ein Eigenheim auf. Ich lebte fast im Autopilot, bemüht, mir und meiner Tochter eine sichere Zukunft zu sichern.

Jahre später, erschöpft von Arbeit und Einsamkeit, flog ich nach Österreich, zu einer Gastfamilie meiner Mutterfreundin Ulrike, nur eine Stunde von Salzburg entfernt. Ich hatte lange gespart, doch plötzlich kaufte ich das Ticket, weil das Leben unerträglich geworden war. Ich hoffte, die Sonne der Alpen könnte das Eis in meiner Seele schmelzen.

Ulrike hörte meine bittere Geständnisse: Ich werde nie wieder vertrauen können, Liebe gibt es für mich nicht mehr. Sie rief heimlich ihren Bekannten, den Besitzer eines Weinguts in der Wachau:

Hans, find mir sofort Lukas. Sag ihm, ich habe eine Braut für ihn.

Meine Gedanken waren fern von Romantik. Ich lag bereits im weichen Morgenmantel, ein Buch lesend, um die trüben Gedanken zu vertreiben, während draußen die dunkle Nacht lag.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Eine Minute später stürmte Ulrike in mein Zimmer:

Liselotte, steh auf! Dein Verlobter ist da!

Was für ein Scherz, lachte ich, zog aber schnell meinen Morgenmantel an und ging in das Wohnzimmer.

Dort stand er: hochgewachsen, ein wenig ergraut an den Schläfen, aber mit funkelnden Augen. Lukas hielt einen Helm in der Hand, hinter ihm lehnte an der Hauswand ein abgenutztes Motorrad, das er 20 Kilometer über verschlungene Bergpässe gefahren war, um die unbekannte Frau zu treffen.

Ulrike hat gesagt du bist eine russische Prinzessin?, sagte er mit gebrochenem Englisch, seine Stimme klang wie Musik.

Ich war sprachlos, streckte die Hand zum Händedruck aus, doch Lukas ergriff sie mit warmen, großen Händen und ließ nicht los. Wir setzten uns dicht an dicht auf das Sofa, hielten uns fest. Er sprach kaum Englisch, ich kein Italienisch, doch unser Gespräch aus Gesten, Lächeln und Blicken war so intensiv, dass Ulrike lächelnd davongegangen war und uns allein ließ.

Am Morgen fuhr er wieder auf seinem eisernen Ross davon. Später erfuhr ich, dass sein Leben bis zu dieser Nacht aus Niederlagen bestand: zwei gescheiterte Ehen, keine Kinder, kein Zuhause. Er wohnte in einer kleinen Wohnung über der Werkstatt seines Bruders und glaubte kaum noch an Glück.

Zehn Tage vor seiner Abreise einigten wir uns auf alles. Ich komme zurück, sagte ich schlicht zu seinem Vorschlag. Wir werden zusammen leben.

Die folgenden Monate in der Heimat drehten sich im Sturm: Kündigung, Umzüge, schwierige Gespräche mit Verwandten, die mein Wahnsinn nicht verstanden. Jeden Tag explodierte mein Telefon vor Nachrichten.

Mein Sonnenlicht, wie gehts dir? Ich vermisse dich. Lukas.

Unser neues Fenster blickt auf den Olivenhain. Dein Zimmer wartet. Dein Lukas.

Das siebenjährige Altersgefälle (ich war die Ältere) und die zwölfjährige Tochter Heike störten ihn nicht.

Eines Tages, auf der Terrasse unseres neuen Hauses, in der Sonne getaucht, umarmte ich ihn und fragte:

Lukas, warum hast du sofort an uns geglaubt? Warum hast du dich nicht gescheut?

Er drehte sich zu mir, und in seinen Augen glitzerte das ganze ToskanaMeer:

Ein alter Winzer sagte mir einst, ich würde eine Frau aus dem Osten treffen, eine Frau mit einer stürmischen Seele und einem suchenden Herzen. Sie würde mir das Glück bringen, das ich mein ganzes Leben in meinen Weinbergen gepflegt habe, aber nie gefunden. Das bist du, Liselotte.

Und?, hauchte ich, Tränen stiegen. Hast du dieses Glück gefunden?

Er antwortete nicht. Stattdessen zog er mich zu sich, küsste mich, als wäre es unser erster und letzter Kuss, und lächelte dann mit seiner sonnigen Lächeln:

Sie hat mich selbst gefunden! Ich bin unendlich glücklich.

Und das Leben richtete sich tatsächlich ein. Wir fanden eine wunderbare Arbeit, nahmen ein Darlehen für ein Häuschen mit Blick auf die Hügel. Lukas schätzt die Stieftochter Heike, die nun begeistert Deutsch lernt. Morgens bringt er mir im Bett Kaffee mit Zimt, abends erfüllt unser Zuhause den Duft von selbstgemachter Spätzle, die er meisterhaft zubereitet. Seine Liebe zeigt sich in Feldblumensträußen auf dem Tisch, in sanften Berührungen und in dem liebevollen Blick, den er mir jeden Morgen schenkt.

Ich blühte auf. Ich hätte nie gedacht, dass gemeinsames Glück existiert. Jetzt weiß ich: Glück ist kein Mythos. Es wandert tatsächlich durch die Welt und sucht beharrlich nach seiner Hälfte. Findet es, verbindet es uns mit einer Kraft, die jeden Sturm überstehen lässt.

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Homy
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