Olya kehrt aus dem Studium in ihr Heimatdorf zurück. Kaum hat das Mädchen das Haus betreten, klopft es an der Tür. Auf der Schwelle steht die Tante von Olya.

Heike Schneider fuhr nach dem Studium zurück in ihr Heimatdorf Kleinwaldbach. Kaum hatte sie das Haus betreten, klopfte es an der Tür. Dort stand ihreTante, die Schwester ihres Vaters. Heike und Anke Becker waren einst Klassenkameradinnen und man hatte immer gemunkelt, ihr Vater sei ein Cousin dritten Grades von Heikes Mutter. Tatsächlich war die Verwandtschaft nur entfernt.

Obwohl die beiden Familien im selben Dorf lebten, waren Heike und Anke nie wirklich Freundinnen. Nach dem Abschluss der Realschule gingen sie beide an die Universität in Nürnberg. Die Eltern waren stolz: Anke wollte Rechtsanwältin werden, Heike studierte Wirtschaftswissenschaften.

In Nürnberg hatten sie keine Verwandten, daher plante Heike, im Studentenwohnheim zu wohnen. Ende August boten Ankes Eltern an, gemeinsam eine Einzimmerwohnung zu mieten.

Wir haben bereits eine gute Wohnung gefunden, nur einen kurzen Weg zur Uni entfernt. Sie ist möbliert, hat Kühlschrank und Waschmaschine. Den Rest bringen wir selbst mit, sagte Sabine Becker, Ankes Mutter. Das ist besser als ein Wohnheim.

Heikes Eltern stimmten zu, und die beiden Mädchen waren einverstanden. Da sie nicht blutsverwandt waren, hielten sie die Wohnung stets sauber, wechselten sich beim Kochen und Putzen ab, und es kam nie zu Streitigkeiten. Ihre Eltern brachten einmal im Monat frisches Gemüse und andere Lebensmittel.

So verbrachten Heike und Anke das erste Studienjahr zusammen. Beide bestanden die Prüfungen mit Auszeichnung und erhielten eine erhöhte Stipendiumzahlung.

Nach den Sommerferien kehrten sie zurück, und Anke verliebte sich. Ihr Freund Michael Wagner studierte ebenfalls Jura, lebte aber noch im Wohnheim und war im vierten Fachsemester. Der goldene Herbst, Spaziergänge im Stadtpark alles schien perfekt. Doch im November wurde es kalt, und Anke und Michael verbrachten immer öfter Zeit in der gemeinsamen Wohnung.

Heike mochte das nicht.

Heike, bitte sei leise und erzähle nichts unseren Eltern, bat Anke. Heike versprach nichts zu verraten, warnte aber Michael, bis 23Uhr zu gehen, weil sie schlafen müsse. Anke hielt sich zunächst daran, doch eines Nachts ließ sie Michael wieder hinein, während Heike schlief. Am nächsten Morgen sah Heike Michael und Anke auf dem Sofa einschlafen.

Ein heftiger Streit entbrannte.

Meine Eltern zahlen für die Wohnung, damit ich nicht mit einem fremden Jungen im Zimmer schlafe. Wenn er weiter hier übernachten will, ziehe ich ins Wohnheim, sagte Heike.
Du hast noch nie geliebt, du verstehst nicht, wie sehr wir zusammen sein wollen!, erwiderte Anke.
Dann verhandle mit Michaels Eltern, dass sie die Hälfte der Miete übernehmen, dann könnt ihr zusammenziehen, schlug Heike vor.
Seine Mutter schickt ihm sowieso das letzte Geld, sie kann sich keine eigene Wohnung leisten, erklärte Anke.
Das ist nicht mein Problem. Ich will in meiner eigenen Wohnung normal leben, und Michaels ständige Anwesenheit stresst mich, sagte Heike weiter.
Aber Mädchen aus unserem Kurs kommen doch auch zu Besuch, protestierte Anke.
Nur ein- bis zweimal pro Woche, nicht das ganze Wochenende. Und ich will nicht für Michael kochen, erwiderte Heike.
Einverstanden Michael kommt nur zweimal pro Woche zu mir und übernachtet nur von Samstag auf Sonntag, bot Anke an.
Aber nicht öfter!, beharrte Heike.
Und du sagst nichts zu deinen Eltern, sonst meldet deine Mutter das sofort, erinnerte Anke.

Ende Dezember bestand Heike ihre Prüfungen, packte ihre Bücher und fuhr nach Hause. Anke blieb in Nürnberg und erfand für ihre Eltern einen ungünstigen Prüfungs und Vorlesungsplan. In der Stadt traf Heikes Mutter, Sabine, Heike im Supermarkt und fragte, warum Heike an den Feiertagen nach Hause fahren könne, Anke jedoch nicht.

Wir studieren doch an verschiedenen Fakultäten, erklärte Heike.
Ja, das Jurastudium ist kräftezehrender, erwiderte Sabine. Du ziehst doch fast jedes Wochenende nach Hause, während Anke dieses Jahr völlig erschöpft ist.

Heike wollte Sabine gern widersprechen, erinnerte sich aber an ihr Versprechen gegenüber Anke und schwieg. Warum sollte ich mich in das Leben anderer einmischen?, dachte sie.

Zurück in Nürnberg fand Heike das Zimmer umgestaltet vor: Das Sofa stand an der gegenüberliegenden Wand, ein großer Schrank trennte es vom Rest, und ihr Bett war näher zum Fenster gerückt. Zwei Zonen entstanden Ankes Schlafbereich und Heikes größerer Wohnbereich.

Hast du die Vermieterin um Erlaubnis gefragt?, fragte Heike.
Sie hat nichts dagegen gesagt, nur dass wir alles wieder zurückstellen sollen, antwortete Anke.

Heike verstand sofort, dass Michael künftig öfter dort wohnen würde, als sie vereinbart hatten. Sie hatte zwei Möglichkeiten: den Eltern alles melden und einen großen Streit auslösen, oder abwarten. Ein Zimmer im Wohnheim war erst im nächsten Studienjahr verfügbar. Heike entschied sich zu warten, erinnerte Anke immer wieder daran, dass Michael nicht mehr mitwohnen dürfe.

Im März berichtete Anke Heike, dass sie und Michael heiraten wollten und sie sogar schwanger sei.
Erzählst du das jetzt endlich deinen Eltern?, fragte Heike.
Noch nicht. Wir ziehen erst zu seiner Mutter, planen die Hochzeit und sagen dann meinen Eltern Bescheid, erklärte Anke.
Wie willst du dann studieren, wenn du im Herbst ein Kind bekommst?, hakte Heike nach.
Vielleicht hilft meine Mutter, vielleicht bekomme ich ein Stipendium. Nach meinem Abschluss wollen wir nach Berlin, dort gibt es mehr Chancen, sagte Anke.

An den Maifeiertagen fuhr Michael allein nach Hause: Meine Mutter ist krank, ich muss mich zuerst um sie kümmern. Sobald sie von uns weiß, kommen wir zusammen, sagte er Anke. Zwei Wochen später kehrte er nicht zurück. Anke rief an, er brach das Gespräch ab und sagte nur, seine Mutter sei schwer krank.

Am 20.Mai meldete sich Michael wieder: Ich habe im Moment keine Lust zu heiraten, meine Mutter braucht meine Hilfe. Ich will die Vorlesungen vorzeitig abbrechen und nach Hause gehen.
Und was ist mit mir?, fragte Anke.
Mach deine Prüfungen, dann regeln wir das. Entschuldige, ich muss sofort zum Dekanat, um Prüfungszeiträume zu klären, sagte er.

In den folgenden zwei Wochen trafen sie sich nur ein paar Mal im Flur des Gebäudes. Als Heike und Anke die Sommerprüfungen bestanden hatten und Heike zum Heimweg bereit war, tauchte Michael überraschend in der Wohnung auf.

Heike, könntest du uns bitte einen Moment allein lassen? Wir müssen reden, bat er.
Heike sah Anke weinen.
Er sagte, seine Mutter sei gegen die Ehe, gegen mich und das Kind. Ihre Gesundheit steht für ihn an erster Stelle, deshalb wollen wir uns trennen. Und selbst wenn ich Unterhalt fordere, bekomme ich nichts, weil er nach Berlin geht, dort nur studiert und nicht arbeitet, erklärte Michael.
Was für ein Schurke!, schrie Heike. Komm, lass uns nach Hause fahren.

Heike half Anke, sich zu sammeln, rief ein Taxi und beide fuhren zum Bus. Am Haltestellenbus warteten die Eltern von Heike bereits. Heike kam mit ihrem Vater nach Hause, wo ihre Mutter und ihre jüngere Schwester auf sie warteten.

Kurz darauf stürmte Natalia Becker, Ankes Mutter, in die Wohnung: Wie konntest du das zulassen? Wir haben euch extra zusammengebracht! Du hast das alles gesehen und nichts gesagt! Das ist hinterhältig!
Heikes Vater fragte verwirrt: Was ist denn hier los?
Frag deine eigene Tochter!, schrie Natalia und verließ wütend das Haus.

Heike erklärte den Eltern, was geschehen war. Die Mutter von Heike war überrascht: Anke ist volljährig, sie weiß, was sie tut. Warum sollst du dafür einstehen?
Der Vater fragte: Ist Heike wirklich schuld?

Heike erwiderte: Vielleicht habe ich nicht alles gesagt, weil Anke mich gebeten hat, still zu bleiben. Ich wollte nicht in fremde Angelegenheiten eingreifen.
Was wird sie jetzt tun?, fragte ihre Mutter.
Sie hat keine Wahl mehr. Ich weiß nicht, wie sie ihr Studium weitermachen soll.

Im November brachte Anke ihre Tochter zur Welt. Sie nahm ein Jahr Elternzeit, ihr Vater verschwand. Ohne Ausbildung blieb ihr nur ein Job als Kassiererin im Supermarkt. Ihre Mutter brach den Kontakt zu Heikes Eltern und sah Heike auf der Straße mit missmutigem Blick entgegen.

Heike schloss ihr Studium erfolgreich ab, heiratete ihren Kommilitonen und arbeitet jetzt in Nürnberg. Sie besucht ihre Eltern regelmäßig, aber das Erlebte hat ihr gezeigt, dass offene Kommunikation und das klare Setzen von Grenzen wichtiger sind als stilles Dulden. Wer ehrlich über Bedürfnisse spricht, verhindert Missverständnisse und schützt die Beziehungen, die einem am Herzen liegen.

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Homy
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Olya kehrt aus dem Studium in ihr Heimatdorf zurück. Kaum hat das Mädchen das Haus betreten, klopft es an der Tür. Auf der Schwelle steht die Tante von Olya.
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