15. März 2025 Eintrag im Tagebuch
Der glänzende schwarze StretchLimousinenAntrieb berührte sanft den Bordstein. Es war nicht nur ein Auto, sondern ein Traum in lackiertem Stahl. Aus dem Fahrzeug stieg ich, Robert Völk.
Mein Anzug war tadellos, fast so, als hätte das Schicksal selbst ihn nach Maß genäht. Doch ein genauer Blick verriet, dass der teure Stoff an den Schultern leicht schlabberte ich hatte in den letzten Monaten stark abgenommen.
Das geglättete Gesicht zeigte die eisige Ruhe eines Mannes, doch in den von ständiger Anspannung geröteten Schläfen lag eine graue Müdigkeit. Mit einer Hand, deren Finger fast aristokratisch wirkten, richtete ich meine Krawatte. In dieser Geste lag das gewohnte Bedürfnis nach Kontrolle, das Kraft aus jedem Tropfen meiner Autorität sickerte.
Der Name Robert Völk trug ich wie ein Wappen mit Stolz und einem Anflug von Hochmut. Er hallte eindrucksvoll im Vorstand, überzeugend in Verhandlungen und kalt in der luxuriösen Leere meines Büros. Mit achtundvierzig Jahren habe ich zwanzig davon genutzt, ein Imperium Stein für Stein aufzubauen. Jetzt lösten sich diese Steine, enthüllen das Nichts.
Ich schritt mit erprobierter Eleganz, doch jeder Schritt kostete innere Arbeit. Schon der Weg zur privaten Klinik, zu der ich heute fuhr, erforderte Anstrengung. Als ich mich umdrehte, um einen letzten Blick auf mein perfektes Gefährt zu werfen, blitzte in meinen Augen mehr als nur Erschöpfung ein Schatten eines Mannes, der begriff, dass ich nur ein vorübergehender Hüter dieses Reichtums bin.
Neben der Klinik lag der Wochenmarkt in BerlinMitte. Dort, nicht weit von meinem rostigen Eisenross entfernt, stand ein anderer Mann, Andreas Klinke. Gerade hatte er mit seiner Frau und den beiden Kindern einem Sohn und einer Tochter, die ich Heike nannte die Einkäufe erledigt. Er wischte die Hände an abgenutzte Jeans, zog an einer Zigarette und lehnte sich gegen das Dach seines alten Kombis.
Andreas war knapp ein Meter neunundneunzig groß, breitschultrig, mit einem offenen, vom Stadtwind gegerbten Gesicht. Sein blondes Haar glänzte vom Sommer, kurz geschnitten. In ihm spiegelte sich die bodenständige Zuverlässigkeit, die man nach Jahren einfacher Arbeit erwirbt.
Sein Blick streifte das geschäftige Treiben des Marktes und blieb auf meiner Limousine haften. In seinen klaren Augen flackerte ein bekannter Funke eine Mischung aus bitterer Neid und süßer Bewunderung. Er nahm den letzten Zug seiner Zigarette, warf den Filter zu Boden und zertrat ihn mit dem Absatz seines Stiefels.
Das ist es, das wahre Glück, murmelte er, und in seiner Stimme lag kein Hass, sondern fast kindliche Träumerei. Ich wünschte, mein Leben wäre das deines, nicht dieses stumpfe Gefährt mit rostigen Schrauben, sondern ein schlanker Flieger. Statt Hauspfannkuchen lieber Steaks im Restaurant. Und das Meer Immer das Meer, zweimal im Jahr, nach Plan. Einmal im Juni mit den Kindern, damit sie planschen, und einmal im September mit meiner Frau, ganz still, im Rauschen der Wellen
Ein Seufzer entwich ihm, und seine breiten Schultern senkten sich leicht unter der Last dieses süßen, unerreichbaren Traums. Er stellte sich die weiche Kabine, die Ruhe und das Selbstvertrauen vor, die so dachte er von solch einem Auto und dem Leben seines Besitzers ausgehen müssten.
Oben, vielleicht ganz in der Nähe, hörte ein unsichtbares Ohr mein Flüstern und seufzte leise. Die Leute sehen nur das glänzende Plakat, ahnen nicht das Drama hinter den Kulissen.
Der Glückspilz, wie man mich nennt, schlurfte den Asphalt entlang, jeder Schritt dröhnte als dumpfe, verschwommene Qual tief im Inneren, in einem Körper, der nicht mehr gehorchen wollte und mich täglich verriet. Mein Mittagessen wartete zuhause fade, pürierte Kartoffelmasse, deren Geruch schon beim Gedanken an sie mich würgte.
Vor einer Stunde verließ ich das Büro des Ermittlers, und ein bleierner Schatten des bevorstehenden Untergangs hüllte mich von oben ein, zog das Strickzeug fester. In meinen Ohren hallte noch die gleichgültige Stimme, die Paragraphen aufzählte, jeder ein Nagel im Sarg meines Geschäfts.
Mein einziger Sohn, der klare Blick des jungen Lars, war einst meine Zukunft, meine Fortsetzung, der Sinn meines gesamten Reichtums. Jetzt befand er sich hinter den hohen Zäunen einer Spezialklinik, die versuchte, ihn aus den Fesseln von Drogen und elterlicher Vernachlässigung zu befreien.
Und meine Frau meine Eliza. Ihr Lachen ließ einst mein Herz schneller schlagen, jetzt roch ihr Parfüm nach fremdem Männerduft. Ich ahnte nicht nur ich wusste: In ihren immer häufiger werdenden Mädelsabenden, im neuen Glanz ihrer Augen, wenn sie auf ihr Handy starrte, in ihrer plötzlich leidenschaftlichen Fitness am Abend, sah ich die Spuren des Verrats. Jeder Blick von ihr war kein Zeichen von Liebe, sondern ein geduldiges Warten auf mein Ende.
Selbst die Haushälterin, Frieda Schneider, die mir die fade Masse brachte, sah mich seltsam an, zu lange und traurig. Vielleicht war es Mitleid, vielleicht jedoch ein stilles Einverständnis, dass sie nach Elizas heimlichem Befehl nicht nur Salz, sondern auch Beruhigungsmittel in mein Essen streute, um meine Fragen zu dämpfen.
Mir blieb nicht mehr viel Zeit. Das sah man in den Augen der Ärzte. Zuerst würde ich alles verlieren: das Unternehmen, das ich von Null an aufgebaut hatte; das Herrenhaus, in dem leere Räume nur Echo beherbergen; die Yacht, die zum Gespött geworden war; und meinen Namen, der bald in den Schlagzeilen zerschlagen würde.
Das Schlimmste war nicht das Sterben selbst, sondern der langsame, demütigende Weg dorthin das Bewusstsein, bereits abgeschrieben zu sein, betrogen zu werden, dass mein Leben zu einem Wartespiel geworden war, meine Existenz zu einem Gespenst, um das andere kämpfen.
Der neidische Mann an seiner alten Karre dagegen war gesund. Richtig gesund. Nicht das abstrakte Gesundsein, das man erst bemerkt, wenn es fehlt, sondern eine greifbare, lebendige Kraft. Er biss mit lautem Knirschen in einen saftigen Apfel, spürte das süß-säure Gleichgewicht im Mund. Stehend am halb geöffneten Kofferraum aß er ein Stück Roggenbrot mit gesalzenem Speck, Knoblauch und frischem Dill besser als jedes teure Steak. Sein Schlaf war fest, ohne Schlafmittel, ohne Sorgen.
Seine Welt war solid wie ein Fundament. Nicht karg und kalt wie ein Marmorsaal, sondern warm und verlässlich wie ein altes Fachwerkhaus. Für ihn gab es keine wankeligen Sandbänke des Verrats oder Finanzpyramiden. Alles war einfach: Verdienen bekommen; Helfen Hilfe; Lieben geliebt werden.
Und genau dieses stabile Fundament zog ihn an der Ärmel. Meine Frau, zart, doch ohne Gesellschaftsbekenntnisse.
Was schnüffelst du da? sagte sie und stupste mich leicht an. Lass uns zum Markt, wir kaufen Beine für den Sülze. Früh aufstehen, bevor alles weg ist. Und wir holen Vovi neue Turnschuhe, die alten riechen nach Weihrauch.
Wir gingen. Sie nahm meine Hand, als würde sie mich sicher durchs Leben führen. Ich ging daneben, und in meinem Herzen glühte eine stille, beständige Liebe. Vor uns rannten unsere Kinder, laut und voller Lebensfreude. Und über diesem kleinen, glücklichen Konvoi schwebte unsichtbar ein Schutzengel, der Sorgen mit einem sanften Flügelschlag vertrieb.
Ich, der Mann im makellosen Anzug, ging langsam zum Tor der Privatklinik. Mein Blick, benebelt vom Schmerzmittel, fußte auf dem geröteten, kräftigen Mann, den meine temperamentvolle Frau an der Hand hielt, als wäre er ein kostbarer Fund.
In meiner von Krankheit und Verrat ausgedörrten Seele regte sich ein klarer Gedanke: Ich würde all diese aufgeblasenen Millionen, diesen vergoldeten Staub geben für einen kleinen Ruck am Ärmel meiner Jacke. Für den kräftigen Stoß in die Seite und den Weg zum Markt für Rinderbeine. Für das Recht, diesen Sülze zu genießen, wenn er erst erstarrt.
Lass dich nicht von fremden Schicksalen verlocken. Das Glück anderer kann ein Gewand aus bitterer Wermut sein. Lebe dein eigenes Leben. Manchmal bringen ein einfaches Paar Turnschuhe mehr Zufriedenheit als das teuerste Sportauto. Jeder hat seinen eigenen Weg, und es zählt, ihn in eigenen, wenn auch bescheidenen Schuhen zu gehen.
Manchmal ist zu Fuß gehen besser, als mit dem Wind an den Rand des Abgrunds zu rasen.
Wünsch dir nicht das Glück anderer. Es trägt immer einen unsichtbaren, schweren Anhang fremdes Leid, fremde Fehler, fremde Sünden, die für deine Seele gefährlich sein können.
Dein Leben, mit seinen einfachen Freuden einem Morgenkaffee, dem Kinderlachen, der Wärme des Heims ist das wahre Vermögen. Es lässt sich nicht auf ein Bankkonto buchen, doch es füllt das Herz mit stiller, tiefer Glückseligkeit. Schätze, was du hast, denn für manche ist genau das ein unerreichbarer Traum. Gehe deinen Weg. Und möge dein Schuhwerk fest den Pfad zu deinem wahren Glück markieren.
**Lehre:** Das, was wirklich zählt, ist nicht das glänzende Äußere, sondern die einfachen, ehrlichen Momente im Alltag. Sie sind das Fundament, das uns trägt, wenn alles andere zerbricht.





