Mit einem Federstrich zerstörte ich zwölf Jahre glücklicher Ehe – wie ich meinen fürsorglichen Ehemann Mirko für einen Traum opferte und schließlich alles verlor

Mit einer schwungvollen Handbewegung habe ich zwölf Jahre scheinbar glücklicher Ehe einfach ausradiert. Mein Mann, Bernd, ein wirklich netter und angenehmer Typ bei ihm musste ich nie hungern. Nur blöd, dass ich immer mehr von ihm wollte, als er je hätte sein können. Vielleicht habe ich einfach zu viel Rosamunde Pilcher geschaut.

Als ich mit zwanzig heiratete, dachte ich bereits: Das wars jetzt, mein Leben wird so spannend wie ein Fahrplan der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Ehen war unsere Verbindung, na ja, die ARD-Mittagsmagazin-Version: wohlig, aber ungefährlich.

Wir wohnten mit seinen Eltern in einem klassischen Zweifamilienhaus am Stadtrand von Stuttgart wir zu oberst, die Schwiegereltern ebenerdig, immer schön mit separatem Eingang, sonst hätte ich vermutlich einen Handstand in der Badewanne machen müssen, um noch ein wenig Privatsphäre zu haben. Bernd reiste oft, verdiente fleißig unsere Brötchen, während ich mit unserer sechsjährigen Tochter zuhause saß.

Und dann, eines Abends, ploppte auf Facebook eine Nachricht von einem fremden Mann auf: Hallo, ich heiße Markus. Erst schrieben wir, dann trafen wir uns, in aller Heimlichkeit. Keine Butterbrezel war mehr sicher, seit mein Herz für Markus schlug.

Es dauerte nicht lange, da war mir klar: Ich kann und will nicht mehr ohne Markus leben! Kaum kam Bernd eines Winterabends von einer Geschäftsreise nach Hause, nahm ich all meinen Mut zusammen und beichtete. Ich gestehe, zum ersten Mal sah ich Bernd mit feuchten Augen. Alles, was er sagte, war: Was zum Himmel hast du noch gebraucht?

Heute weiß ich: Blöder hätte ich es kaum anstellen können. Ich hatte alles ein Dach über dem Kopf, ein Auto vor der Tür, ein gutes Stück Schwarzwälder Kirschtorte im Kühlschrank, Ketten und Ohrringe aus halb Europa und trotzdem habe ichs vergeigt. Mein Mann hat sich immer bemüht, aber was Glück heißt, verstand ich erst später. Die Feiertage kamen, ich packte meine Sachen und rief Markus an, er solle mich bitte abholen Drama pur.

Erstmal war ich wieder bei Mutti, die im schönen Freiburg wohnt. Meine jüngere Schwester, die mit Mann und Tochter seit Jahren in Mamas Haus wohnt, bot mir großzügig ihr Zimmer an. Ich dachte, Markus würde bald vorbeischneien und wir führen dann in den Sonnenuntergang. Tja Irrtum. Eines Tages war er einfach weg. Kein Anruf, keine SMS, nicht mal ein digitaler Kaktus zum Geburtstag. Irgendwann dämmerte es mir: Markus kommt nicht mehr. Und ich hatte kein Zuhause mehr, es ging einfach nicht, weiterhin mit den Eltern und Geschwistern auf der Pelle zu hocken.

Meine Familie spielte sich dann als Notfallkommando auf sie wollten Bernd überzeugen, mir zu vergeben. Aber Bernd, der war so verletzt, als ich zurückkam und um Vergebung bat. Er liebte mich, das schon. Aber er hat mir klargemacht, dass er mir nicht mehr vertraut und, oh ja, er habe da auch schon jemand anderen kennengelernt. Seine Eltern waren strikt gegen eine Versöhnung und drohten, dass wir im eigenen Haus keinen Platz mehr hätten, sollten wir uns jemals wieder zusammenraufen.

Als kleines Sahnehäubchen stellte sich noch heraus, dass Markus eigentlich gar kein richtiges Zuhause hatte finanziell eher im Dispokredit-Modus. Seine ganzen Pläne bestanden daraus, mal kein Minus auf dem Konto und irgendwann eine eigene kleine Wohnung zu haben.

Mein Mann hat mir den Seitensprung nicht verziehen. Tja, jetzt sitze ich in einer Mietwohnung in Heilbronn, deren Miete ich mir zusammen mit meiner Mutter und meinem Ex-Mann Bernd(!) teile. Einen neuen Job habe ich noch nicht gefunden. Manchmal frage ich mich, warum im Leben die Abzweigungen nie entsprechend ausgeschildert sind aber immerhin: Die nächste S-Bahn kommt bestimmt.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Mit einem Federstrich zerstörte ich zwölf Jahre glücklicher Ehe – wie ich meinen fürsorglichen Ehemann Mirko für einen Traum opferte und schließlich alles verlor
Der AnhängerAls der alte Zug endlich zum Bahnhof rollte, spürte er, dass der Anhänger mehr Geheimnisse barg, als er je erwartet hatte.