Wir sind keine stolzen Menschen

**Tagebucheintrag:**

Schwiegermutter Helga erinnerte sich noch genau an das Gespräch mit dieser unangenehmen Frau, die nun die Ehefrau ihres Sohnes Markus war. Sie hatte alles versucht, um ihn von dieser Hochzeit abzubringen. Doch vergeblich. Zumindest vorerst. Und überhaupt, diese einfache Provinzlerin erlaubte sich viel zu viel.

Hören Sie mal, Helga, warum tun Sie so, als wären Sie die weise Mutter? Ich sehe doch, dass Sie mich nicht ausstehen können. Nur weil ich Sie durchschaue und mich nicht unterkriegen lasse. Wieso kommen Sie eigentlich jeden Abend ungefragt in unsere Wohnung? Wir leben nicht von Ihrem Geld!, hatte diese freche Göre damals gesagt.

Was? Du wagst es, mir Vorträge zu halten? Warte nur, bis du so alt bist wie ich, begann Helga zu kochen. Ihre oberflächliche Freundlichkeit und der Hauch von Bildung fielen ab. Im Nu war sie wieder, was sie wirklich war: eine einfache Spießbürgerin, deren einziges Lebensziel es war, es sich gemütlich zu machen und wenn sie dafür andere seelisch zerstören musste. Jeder kämpft hier für sich allein.

Helga, Markus und ich lieben uns. Und ich habe bemerkt, dass Ihre Gespräche ihm nicht guttun. War Ihnen nicht genug, dass Sie seinen Vater rausgeworfen und ihn überredet haben, Ihnen seinen Anteil an der Wohnung zu überlassen? Jetzt lassen Sie ihm nicht einmal mehr Luft zum Atmen! Vielleicht haben Sie ein bisschen Mitleid mit Ihrem Sohn? Wenn Sie ihn schon nicht lieben können, dann gönnen Sie ihm wenigstens die Liebe einer anderen Frau, sagte die unverschämte Franziska.

Aha, jetzt zeigst du dein wahres Gesicht! Du Hungerleiderin! Wer bist du überhaupt? Aus welchem Kaff kommst du denn? Du bist niemand! Verlierst du deinen Job, stehst du auf der Straße. Diese Möchtegern-Schauspielerin! Und du unterstehst dich, mir Vorschriften zu machen?, explodierte Helga.

Ach, daran messen Sie also Anstand und Würde?, gab Franziska nicht nach. Wenn Sie sich eine Wohnung unter den Nagel reißen und alle rausekeln, sind Sie eine feine Dame? Aber wenn ich mein Geld ehrlich verdiene, ist das schlecht? Nicht jeder hat es nötig, sich an Männer mit Immobilien zu hängen und sie dann auszunehmen! Und übrigens ich weiß genau, dass Sie auch nicht aus Berlin stammen. Franziska traf Helgas wunden Punkt. Die hatte tatsächlich vor langer Zeit selbst aus einem winzigen Dorf angekommen ohne Bildung, ohne Beruf.

Du wirst niemals mit meinem Sohn zusammenbleiben! Eine Mutter ist heilig! Raus hier!!! Helga hatte keine Argumente mehr und spielte ihre letzten Trumpfkarten aus, gegen die sich kaum widersprechen ließ.

Franziska schnaubte nur und schwieg. Doch der Streit änderte nichts an der Beziehung der beiden. Markus und sie heirateten trotzdem.

Helga gab nicht auf. Als Franziska ihr Baby bekam, hetzte sie gezielt ihren Sohn gegen sie auf. Am Ende ließen sie sich scheiden. Ihr kleiner Felix war gerade erst vier Jahre alt.

Doch Helga fürchtete sich weiter davor, Markus könnte zu dieser frechen Schauspielerin zurückkehren. Sie wusste, dass er sie manchmal traf. Und dass er Franziska und Felix Unterhalt zahlte.

Was sie nicht wusste: Markus und Franziska lebten heimlich weiter zusammen und erzogen Felix. Während Helga dachte, ihr Sohn arbeite in einer anderen Stadt

Dieser geniale Plan war nicht nur wegen Helga entstanden. Lange vor der Hochzeit hatte Markus sich in Schwierigkeiten gebracht und Schulden angehäuft. Franziska hatte ihn damals gewarnt, mit seinem Kumpel Daniel Geschäfte zu machen.

Markus, lass das! Daniel ist ein Haifisch. Und du bist ihm gegenüber ein ahnungsloses Küken. Er wird dich benutzen und dann fallen lassen, hatte Franziska gesagt.

Franzi, übertreib nicht. Daniel ist ein guter Kerl. Männer müssen zusammenhalten. Nur so überlebt man in dieser Welt.

Markus, Daniel nutzt dich aus. Er weiß, dass du von Männerfreundschaft schwärmst. Wann verstehst du endlich, dass Anstand nichts mit Geschlecht zu tun hat?

Er hörte nicht auf sie. Daniel machte ihn zum Geschäftsführer einer Scheinfirma, zog dann alle Gelder ab, ließ ihn mit den Schulden sitzen und meldete sich nicht mehr.

Besser wäre es gewesen, er hätte sein bescheidenes Beamtengehalt behalten. Weniger Einkommen, aber wenigstens keine Schulden.

Also schmiedeten Franziska und Markus diesen Plan zwei Fliegen mit einer Klappe. Helga war zufrieden, weil ihr Sohn geschieden war. Und Franziska und Felix waren sicher vor den Gläubigern.

Offiziell wohnte Markus in einem Werkswohnheim. Doch abends kehrte er in ihr gemütliches Zimmer zurück, wo Franziska und Felix auf ihn warteten.

Er war glücklich. Doch einmal im Monat musste er zu Helga, als käme er von einer Dienstreise. Sie versuchte unermüdlich, ihn zu verkuppeln.

Sag ihr doch endlich von den Schulden! Und von uns!, schlug Franziska vor.

Nein Das würde sie zu sehr kränken. Wir müssen eine andere Lösung finden, seufzte Markus.

Aber welche? Wir können uns doch nicht ewig verstecken! Was für eine heimliche Familie!

Sie sahen keinen Ausweg. Franziska jobbte, sein Gehalt ging fast vollständig für die Schulden drauf. Sie waren arm. Markus bot manchmal an, sie zu verlassen. Doch Franziska liebte ihn.

Franzi, wie lange willst du das durchhalten? Du hast selbst kaum was, mietest dir ein Zimmer von deinem Geld, fütterst ihn noch Warum tust du das? Ihr seid doch nicht mal mehr verheiratet!, sagte ihre Mutter, eine einfache Lehrerin. Sie wollte Franziska und Felix zu sich holen aber ohne Markus.

Mama, du weißt, wie sehr ich ihn liebe Wir haben einen Sohn. Ich kann ihn nicht im Stich lassen!

Ihre Mutter hatte sie allein großgezogen. Natürlich machte sie sich Sorgen. Sie dachte, ein Ultimatum würde Franziska zur Vernunft bringen. Doch falsch gedacht

Also, Helga So steht es, sagte Franziskas Mutter, Gudrun, die extra aus der Provinz angereist war, um heimlich mit ihr zu reden.

Schulden? Und mein Sohn lebt immer noch mit der?! Und hat mir alles verschwiegen? Helga war empört.

Ja. Und stellen Sie sich vor, meine Tochter hilft ihm aus ihrer eigenen Tasche, füttert ihn, zahlt die Miete Deshalb bin ich hier. Obwohl Franziska es mir verboten hat!

Und er lügt, er arbeite woanders Dieser Halunke!

Was tun wir jetzt? Wir sind die Älteren. Wir müssen der Jugend helfen!, sagte Gudrun.

Aber wie?

Geld zusammenlegen Ich habe nicht viel, aber für meine Tochter und meinen Enkel.

Sie sind wohl nicht bei Trost! Mein Sohn ist erwachsen. Ich habe ihn großgezogen, das reicht! Keinen Cent! Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben!

Na gut Dann zieht eben zu mir! Eng, aber herzlich. Nach Helgas Abfuhr gab Gudrun nach. Was tut man nicht alles für das Glück der Kinder. Stolz war hier fehl am Platz.

Ich habe nichts dagegen, seufzte Franziska.

Mir bleibt ja nichts anderes übrig Es tut mir leid, Gudrun Wir haben uns auf der Hochzeit nicht von unserer besten Seite gezeigt.

Markus erinnerte sich, wie er über die Verwandten aus der Provinz gelacht hatte dass sie nicht mit Messer und Gabel essen konnten. Jetzt merkte er: Das war nebensächlich.

Du bist mir nicht mehr wichtig Aber meine Tochter braucht Hilfe! Gudrun rief ihren Ex-Mann an.

Gudrun, natürlich helfe ich. Franziska ist mein einziges Kind. Was

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Homy
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Wir sind keine stolzen Menschen
Die Nachbarin bekam ein Kind von meinem Mann.