Der Verräter tritt in Erscheinung

11.September 2025

Heute hatte ich das Schlimmste erlebt, das ich mir je vorstellen kann ein heimlicher Verräter, von dem niemand dachte, er würde überhaupt auftauchen. Vater, Dieter Petersen, schrie, als er mich sah: Da kommt ja der, den wir nicht erwartet haben! Also dann mach dich gleich wieder vom Acker!

Ich stand wie versteinert da, während meine Schwester, die ich seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, plötzlich vor mir stand. Papa, was soll das?, stammelte ich, ich war zwanzig Jahre lang nicht zu Hause und jetzt so ein Aufeinandertreffen!

Vater packte den Gürtel, den er immer um die Hüfte trug, und schwang ihn vor sich hin. Wäre es meine Absicht, ich würde dich mit dem Gürtel abknallen!, knurrte er, dann aber sofort: Aber das kriegen wir jetzt noch hin.

Langsam, bitte!, bat ich und wich zurück. Ich bin kein Kind mehr, ich kann mich wehren.

Siehst du, das ist deine Natur!, fauchte er, ließ den Gürtel fallen und fuhr fort: Auf die Schwachen losgehen, vor den Starken weglaufen, die Guten betrügen und den Bösen dienen!

Ich zuckte mit den Schultern. Und warum bist du eigentlich so wütend? Was soll ich dir vorwerfen? Wenn ich tatsächlich Schuld auf mich geladen habe, sind zwanzig Jahre vergangen das ist längst vergessen und verziehen.

Ganz schön, das zu sagen, wenn du noch Schuld trägst, erwiderte Vater scharf. Du willst natürlich, dass alle dich verzeihen. Bei mir gibt es kein Verzeihen.

Worin soll ich dir etwas schuldig sein? Ich war die ganze Zeit in der Marine, die Eltern haben mich als Verräter eingestuft und mir verboten, nach Hause zu kommen. Und ihr habt nie auf meine Briefe geantwortet!

Ach, weißt du das nicht?, spottete er.

Ich sah völlig ratlos aus, wollte gerade etwas erwidern, als plötzlich Mutter, Maria Petersen, dazwischen rief: Genug jetzt! Ich bin hier, um Ordnung zu schaffen! Schick ihn weg, Matthias, verschone unser Ansehen!

Ich war fassungslos und stand wie ein fester Pfosten. Mutter fuhr fort: Wenn Gott mir Kraft gäbe, würde ich dich mit einem Griff festhalten! Ich sehe, Gott hat schon das Schlechte an dir ausgesucht. Sie wies auf die dunkle Verfärbung unter meinem Auge.

Vater lachte schallend. Da hat jemand gut zugelegt! Ich würde ihm die Hand schütteln.

Eltern, was soll das?, schrie ich. Seid ihr verrückt? Ich war zwanzig Jahre weg! Warum dieses Vorgehen jetzt?

Wer hat dich denn belogen?, fragte Vater. Wir jagen dich jetzt fort, und ich werde ihm danken, wenn er helfen kann.

Wie soll ich das wissen?, fuhr ich wütend fort. Ich war gerade im Bus nach Hause, da hat mich Nachbar Peter erkannt, er wollte mich begrüßen.

Der Bus hielt, ein junger Typ sprang heraus, prallte mir in die Augen, spuckte mir ins Gesicht und rannte davon. Ich habe ihn nie wieder gesehen.

Vater schmunzelte: Ein unbekannter Held! Wir sollten Peter fragen, wer dir das angetan hat.

Pappa, interessiert dich das denn nur?, schrie ich. Nur weil ich zwanzig Jahre nicht da war, soll ich jetzt hierher kommen?

Mutter knurrte: Und warum brauchst du uns hier, du Verräter?

Ein dritter, aus dem Küchenbereich, rief: Weil du ein Verräter bist!

Und wer ist dieser mutige Typ?, wurde ich immer wütender.

Aus dem Dunkel trat ein junger Mann hervor. Ich zeigte auf ihn: Der kleine Schlingel hat mir die Nase voll gemacht!

Vater jubelte: Gut gemacht, mein Enkel! Du hast den Moment nicht verpasst.

Was soll das? Ich habe keinen Enkel!, ich warf zurück.

Mutter schützte mich mit ihrem Körper: Das ist dein Sohn, unser verloren gegangener Junge.

Ich habe keinen Sohn!, protestierte ich heftig. Nie hatte ich einen. Und wenn doch, wüsste ich das.

Vater platzte heraus: Erinnere dich doch, warum du vor zwanzig Jahren das Dorf verlassen hast!

Ich musste zugeben, dass ich das Dorf nicht aus Flucht, sondern aus einem geplanten Entschluss verließ. Ich wollte studieren und dafür ein Stipendium erhalten, doch das Geld reichte kaum für ein normales Leben die Eltern konnten mir nur Lebensmittel schicken, und das war ein Albtraum.

Ein zweiter Grund: Kurz vor meiner Abreise eskalierte die Situation im Dorf, die Mädchen wurden von allen Seiten bedrängt. Ich wollte nicht in ein solches Umfeld zurückkehren.

Ich erklärte, dass ich einst das Meer lieben lernen wollte.

Nach der Grundschule war ich zuerst in die Marine eingetreten, dann zur Berufsschule, um Schiffsmechaniker zu werden. Vor dem Studium nahm ich mir noch eine Auszeit, um ein bisschen das Leben zu genießen. Nach der Kaserne feierten wir, bis wir nicht mehr wussten, wo wir waren das war das typische Aus dem Nichts in den Sattel der jungen Soldaten.

Als ich endlich das Studium anfing, schickte ich einen Brief nach Hause, doch die Eltern antworteten nie. Stattdessen kamen Briefe mit Schimpfwörtern: Verräter, Feigling, und schließlich ein kurzer Zettel: Möge er ertrinken! Verräter! Feigling! Unterzeichnet von Dieter Petersen und Maria Petersen.

Ich verstand nicht, warum sie mich so hassen. Aber klar war: Sie erwarteten meine Rückkehr nicht mehr.

Statt nach Hause zu fahren, unterschrieb ich einen Vertrag und ging wieder zur See. Alle sechs Monate kam ich an Land, schrieb ein weiteres Mal, doch nie kam eine Antwort.

Mit vierzig Jahren fragte ich mich, warum ich nicht mehr nach Hause gehe und warum die Eltern mich seit zwanzig Jahren nicht akzeptieren.

Heute, nach all den Schimpfen und dem Streit, stellte ich mir die Frage: Was habe ich eigentlich verpasst?

Ich verspottete den Moment: Weshalb rannte ich? Weil ihr mich nicht heiraten wolltet, weil ihr mich mit der Hälfte des Dorfes aussprachen, um mich zu verkuppeln?

Mutter warf zurück: Wir wollten nur das Beste für dich, aber du hast Gretchen vernachlässigt und bist geflohen.

Ich fragte, wann das geschehen sei. Ein Monat nach meinem Weggang hast du geschrieben, und wir sagten, du sollst nicht zurückkehren.

Dieter widersprach: Gretchen sagte, sie habe dir von einer Schwangerschaft geschrieben! Du hast ihr gesagt, sie solle abortieren und aus deinem Leben verschwinden!

Wir diskutierten, ob ein DNA-Test Klarheit bringen könnte. Der Test war negativ, ich zeigte das Ergebnis den Eltern.

Jetzt ist klar, dass du nicht der Vater bist, aber ihr habt trotzdem geklagt, dass unser Sohn ein Feigling und Verräter sei!, schrie ich.

Am Ende habe ich beschlossen, dass ich keinen deren Verzeihung mehr brauche. Ich habe Mitleid mit ihnen, aber das genügt nicht.

Der Tag endete damit, dass ich meine Koffer packte und das Haus verließ, während mein Bruder (Stas) dort blieb und sich weiter als liebevoller Enkel ausgab, obwohl er wusste, dass das Ergebnis falsch war.

Ich habe das Gefühl, endlich das Gewicht von zwanzig Jahren Schuld und Scham abgeworfen zu haben.

**Persönliche Lehre:** Man muss lernen, seine eigenen Wege zu gehen, und die Last der Erwartungen anderer nicht zum eigenen Gefängnis werden zu lassen. Ich werde künftig das Steuer meines Lebens selbst in die Hand nehmen und nicht länger von den Stimmen der Vergangenheit gesteuert werden.

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Homy
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Der Verräter tritt in Erscheinung
Lebensfluss Nachdem sie bis zur Rente gearbeitet hatte, kündigte Arina sofort – vielleicht hätte sie weitergemacht, doch ihre Mutter war schwer krank. Sie konnte sie nicht allein im Haus lassen. Also zog Arina ins Dorf und pflegte ihre Mutter. In ihrer Stadtwohnung lebte ihr Sohn Igor mit seiner Familie. Als Kind lernte sie Julika kennen, eine Gleichaltrige, die in den Sommerferien zu ihrer Oma kam, die gegenüber wohnte. Julika lebte mit ihren Eltern in Berlin und träumte schon damals davon, dass Arina nach dem Abitur zum Studium nach Berlin kommt und sie dort Freundinnen bleiben. Ja, Träume… Träume. Es blieb bei den Träumen. Julikas Oma starb, als beide in der zehnten Klasse waren. Weitere Verwandte hatte Julika im Dorf nicht. So trennten sich die Freundinnen. Arina sagte zu ihren Eltern: – Ich möchte nach dem Abitur in Berlin studieren. – Tochter, das ist ein teures Vergnügen, – meinte der Vater, – geh lieber auf unsere Landesuni. Es half nichts, Arina studierte an der Landesuni, kam in den Ferien nach Hause, manchmal auch am Wochenende, die Busfahrt dauerte drei Stunden. Sie lernte begeistert Fremdsprachen und träumte heimlich davon, Übersetzerin zu werden und eines Tages nach Berlin zu Julika zu ziehen. Doch ihre Träume erfüllten sich nicht. Sie verliebte sich während des Studiums. Hals über Kopf in ihren Kommilitonen Boris. – Mama, Papa, ich will heiraten, – verkündete sie eines Tages ihren Eltern am Wochenende. – Wen denn? Wer ist er, Tochter? – fragten die Eltern besorgt. – Du musst ihn uns erst vorstellen, lade ihn zu uns ein. – Boris, nächstes Wochenende fahren wir zu meinen Eltern, sie wollen dich kennenlernen, – sagte Arina zu ihrem Freund. – Oh, sind deine Eltern streng? – Mein Vater ja, meine Mutter eher nicht. Sie kamen gemeinsam zu ihren Eltern. Boris war ein kluger Kerl und gewann sogar das Herz des strengen Vaters. – Gut, ihr dürft vor dem Abschluss heiraten, – stimmte der Vater zu, und die Verliebten freuten sich. Nach der Hochzeit mieteten sie eine Wohnung. Vorher war alles gut, doch der Alltag begann ihre Beziehung zu belasten. Boris war für das Familienleben wenig geeignet und schaute sich nach anderen Frauen um. Es gab so viele hübsche Mädchen. – Boris, du bist ein unverbesserlicher Frauenheld, – schimpfte Arina oft, wenn er wieder nicht zu Hause schlief. – Warum soll ich auf dich warten, wenn du unterwegs bist? – Dann warte nicht, geh auch aus, – bekam sie zur Antwort. Arina hätte vielleicht auch ausgehen können, aber sie hatte gerade einen Sohn bekommen, Steffen war sieben Monate alt. Ihr Mann half ihr in nichts. Arina brach das Studium nicht ab und verteidigte mit dem acht Monate alten Sohn auf dem Arm glänzend ihr Diplom. Die frühe Ehe brachte ihr kein Glück. Das Erste, was sie nach dem Abschluss tat, war die Scheidung von Boris. – Ich bereue nichts, dass ich mich getrennt habe, – erklärte sie ihren Eltern, als sie nach dem Abschluss allein mit dem Sohn kam. – Unser Papa war ein Taugenichts, dabei hat er sich so gut verkauft. – Ja, Tochter, er hat auch mich getäuscht, – seufzte der Vater. – Und jetzt bist du allein mit dem Kind. – Lass Steffen bei uns, wir helfen dir, bis du dich eingelebt hast. – Ja, Tochter, wir passen auf Steffen auf, – sagte die Mutter liebevoll zum Enkel. Arina griff die Idee auf. – Gut, ich wollte mich hier im Dorf niederlassen, obwohl ich das Stadtleben mag und dort schon eine Stelle habe – sagte Arina, – aber wenn ihr auf Steffen aufpasst, bin ich froh. Ich versuche, mich schnell einzuleben und hole ihn dann zu mir. So kam es, dass ihre Eltern Steffen praktisch großzogen. Arina lebte in der Landeshauptstadt und unterrichtete Englisch. Sie hatte inzwischen eine eigene Wohnung. Sie wollte den Sohn zu sich holen, lernte aber Vadim kennen, zufällig bei einer Besprechung im Bildungsamt. – Frau Arina, – sprach Vadim sie an, er hatte sie schon bei der Besprechung bemerkt, – bitte bleiben Sie nach der Sitzung, ich habe ein paar Fragen… dienstlich, – fügte er für die anderen hinzu. – Gut, – antwortete sie ruhig, war aber etwas überrascht. – Was will er von mir, seltsam. Als alle das Büro verlassen hatten, lächelte Vadim und sagte offen: – Arina, Sie gefallen mir, ich sage es ehrlich und direkt, ohne Umschweife… Ich würde unser Kennenlernen gern vertiefen, lade Sie in ein kleines Restaurant ein, ich weiß ein gemütliches Plätzchen. Haben Sie Lust? – Oh, Sie überraschen mich, daran habe ich gar nicht gedacht, – Arina war etwas verlegen, stimmte aber zu. Vadim war zehn Jahre älter, hatte eine angesehene Position, war aber verheiratet. Er machte daraus kein Geheimnis, versicherte aber: – Arina, mach dir keine Sorgen, irgendwann verlasse ich meine Familie. Uns verbindet wenig, nur die gemeinsame Tochter. Doch Arina glaubte Vadim nicht, dass er so einfach seine Familie verlässt. Sie fühlte sich wohl mit ihm. Sie reisten oft nach Bayern, nach Hamburg. Über die Ehe wurde nie gesprochen. Für beide war das tabu. Doch allein dachte Arina oft: – Wie schafft es Vadim, seine Affäre so lange vor seiner Frau zu verbergen? Viele Jahre traf sie sich mit Vadim, doch er dachte nicht daran, sich scheiden zu lassen. Schließlich zerbrach Arinas sorgloses Leben. Vadims Frau erfuhr von der Affäre, das konnte nicht ewig so weitergehen. Sie machte ihm eine Szene, die Tochter war schon erwachsen. – Wenn du die Beziehung zu dieser Arina nicht beendest, fahre ich selbst zu ihr und ziehe sie an den Haaren… Und auf der Arbeit mache ich dir auch Ärger, dass du mit einer Untergebenen ein Verhältnis hast. Vadim bekam Angst. Er wusste, von einer gekränkten Frau ist alles zu erwarten, also beendete er die Beziehung zu Arina. – Nun ja, für alles muss man zahlen, – sagte sie, – wie schnell sind die glücklichen Jahre vergangen, – dachte sie. Steffen wurde erwachsen und schloss das Studium ab. Er heiratete und brachte seine junge Frau in die Wohnung. Für Arina war das ungewohnt, aber sie mochte Maria, sie verstanden sich schnell. Arina war vierzig, als das erste Unglück kam: Ihr Vater wurde schwer krank. Als sie ins Elternhaus kam, lag der Vater schon, die Mutter pflegte ihn. Nach nur einem halben Jahr starb der Vater an einer heimtückischen Krankheit, er wurde keine fünfundsiebzig. Dieser erste Verlust schmerzte die Tochter sehr. Aber wie man sagt, ein Unglück kommt selten allein. Zwei Jahre nach dem Tod des Vaters wurde die Mutter schwer krank. Starke Kopfschmerzen. Als sie sah, wie die Mutter litt, zog sie aus der Stadt ins Dorf und pflegte sie. Arina dachte aus Verzweiflung und Angst, die Mutter stirbt, doch entgegen aller Erwartungen lebte sie schon das vierte Jahr. Beide litten, ohne Hoffnung. Steffen kaufte der Mutter einen Computer, legte Internet, damit sie beschäftigt war. In „StayFriends“ fand sie Freunde zum Schreiben. Ein ungutes Gefühl beschlich sie Draußen war es dunkel, der kalte Herbstwind heulte. Die trostlose Stille im Haus wurde nur vom Stöhnen der kranken Mutter unterbrochen. Arina surfte im Internet, als sie eine Nachricht von einer unbekannten Frau sah. „Hallo Arina, ich habe dich sofort erkannt“, schrieb die Frau, und als sie das Foto ansah, erkannte sie ihre Jugendfreundin Julika. Sie freute sich, Julika schrieb ihre Telefonnummer, Arina rief an. – Hallo Julika, wie geht’s dir? – Hallo, meine Liebe, – antwortete sie freudig. Arina erkannte in der gepflegten, eleganten Frau mit glatt zurückgekämmtem dunklem Haar kaum ihre Jugendfreundin. Sie war erschüttert und konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Eine ganz andere Julika, eine glänzende, gepflegte Dame. Es schien, als hätte das Schicksal sie mit allem beschenkt. Doch am Telefon erfuhr Arina von der wahren Tragödie der Freundin. Sie erzählte, dass ihr Bruder in einem Krisengebiet gefallen war, die Schwester an einer Krankheit starb, dann der Vater, dessen Herz den Verlust der Kinder nicht verkraftete. Danach starb die Mutter lange und qualvoll. Und vor fünf Jahren wurde Julika Witwe, nur der Sohn mit Familie lebt in Hamburg, sie sehen sich selten. – Das Einzige, was die Dramatik meines Lebens überdeckt, – sagte Julika, – ist mein Friseursalon und das Ausbildungszentrum für Friseurkunst. Das ist jetzt mein Leben. Ich schicke dir ein Video, dann siehst du, was ich mache. – Julika, ich fühle mit dir, bin aber auch froh, dass wir uns wiedergefunden haben. Ich würde so gern mit dir reden. Aber ich kann nicht kommen. Meine Mutter ist schwer krank. – Schade, Arina, wie gern hätte ich dich hier in Berlin. Erinnerst du dich, wie wir früher geträumt haben… Nach einiger Zeit starb Arinas Mutter. Nachdem sie sich etwas gefasst hatte, dachte sie: – Vielleicht sollte ich wirklich zu meiner Freundin ziehen. Sie lebt allein in einer großen Wohnung, lädt mich ständig ein… Eines Tages war Julika lange nicht im Internet. Als sie wieder auftauchte, schrieb sie, dass sie im Krankenhaus war. Beim Lesen liefen Arina die Tränen übers Gesicht, sie hatte ein ungutes Gefühl. Der Winter verging. Arina und Julika hielten Kontakt, und die Freundin war fast bereit zum Umzug, da verschwand Julika wieder. Der Frühling war warm, Arina machte das Haus nach dem Winter sauber. Alles war gewaschen und an den sauberen Fenstern aufgehängt, da schrieb Julika, dass sie eine schlimme Diagnose bekommen hatte, sie war schwer krank. Arina weinte, sie tat ihr sehr leid. Bald meldete sich Julika gar nicht mehr, weder im Internet noch am Telefon. Eines Tages rief Arina bei Julika an, ein Mann ging ran: – Mama lebt nicht mehr, wir haben sie gestern beerdigt, – es war Julikas Sohn. Arina weinte lange, sie wusste, sie hatte ihre Freundin für immer verloren. Nie wieder würde sie ihre Stimme hören. Oft erinnerte sie sich an Julikas Worte: – Ich lebe jetzt einfach, genieße jeden Tag, jede Minute. Wie viele werden es noch sein?