Die aufdringliche Schwiegermutter eindämmen

Du hast ja wieder die lästige Schwiegermutter!
Welcher Garten? Worüber flüstert ihr denn? Lina verzog demonstrativ die Augen. Ihr habt selbst gesagt, meine Hände wachsen dort, wo meine Beine herkommen!

Und besser wäre es, wenn ich weder das eine noch das andere hätte! Danach muss ich den Garten mit Asphalt überziehen!

Na gut, schnaufte Frau Gertrud Müller, keine Sorge, ein bisschen Schaufeln reicht doch völlig aus!

Du überschmeißt mich mit so schmeichelhaften Worten! schüttelte Lina den Kopf. Jetzt wird mir ja sogar noch rot die Nase!

Letztes Mal habe ich gefragt, ob du mir im Garten helfen willst? erhob Gertrud die Stimme.

Wie beim letzten Mal? Und dann? Verstummst du?

Deine Zunge hat keinen Knochen! Du würdest die Schaufel schwingen wie ein… na ja, du verstehst schon! knurrte die Schwiegermutter. Komm, ich zeig dir, was zu tun ist!

Wie soll das gehen? Ihr habt mir beim letzten Mal gesagt, meine Augen sollen euch nicht sehen!

Und jetzt soll ich euch, aus Liebe zur Schwiegermutter, die Augen nicht verkratzen, wenn wir auf eure heilige Erde treten! Ich muss mich ja irgendwie um meine geliebte Schwiegermutter kümmern!

Du bist ja ein echter Widersacher!, spottete Gertrud. Ich versuche wenigstens zu überleben! Ich zeig dir, was zu machen ist, und meine Augen bleiben heil!

Ach wirklich? Du bist ja eine richtige Trickkünstlerin! Ihr bittet um Hilfe, und dann gibts Chaos! grinste Lina. Also ihr wollt Hilfe, und plötzlich wirds ein Malheur!

Wenn meine Hände zu euren kommen, sehe ich euch nicht mehr! Auf einer Beetreihe würde ich sogar mitarbeiten, aber ohne Aufsicht, ohne Führung und ohne ein nettes Wort, das geht gar nicht!

Und wenn ich etwas falsch mache, werdet ihr mich auffressen! Und wozu das Ganze, wenn wir keine große Liebe teilen? Ich setz mich lieber an den Ofen, bis Lukas in der Sauna dampft!

Du redest ja wie ein Wasserhahn, der nicht zu stoppen ist!, schimpfte Gertrud. Du hättest das längst erledigen können jung, gesund und stark!

Danke für das Kompliment!, strahlte Lina breit. Meine Schwiegermutter hat ja noch jede Menge Energie! Sie schleppt Berge, vollbringt Heldentaten und vor einem Monat hat sie mich noch angeschrien, dass ich jetzt immer nur linksherum höre!

Was für eine Stimme! Da wird einem gleich neidisch!, lachte Gertrud. Macht euch keine Sorgen von Herzen!

Lina, ich sag Lukas, du hast dich geweigert, in den Garten zu kommen! Du hast meine Bitte abgelehnt! Glaubst du, er wird das verzeihen?

Wo habe ich das denn abgelehnt? Ich war doch voller Elan sag nur, was du willst! Ich bin die perfekte Helferin! Ich will dir ja genauso helfen, wie du mir!

Was für ein Geschenk! Ich gebe dir noch eins drauf, weil ich meine Schwiegermutter über alles liebe! Und du?

Was soll ich denn lieben?, fragte Gertrud verwirrt.

Im letzten Jahr haben Lukas und ich den ganzen Sommer auf eurem Hof die Rücken verbogen, und ihr habt uns dafür nur mit Flüchen belohnt!

Danke, dass ihr schlanker geworden seid und Muskeln aufgebaut habt, aber ein bisschen Essen wäre nicht verkehrt! Ihr habt doch unser Rückgrat und unsere Hände zerschunden, damit wir keine Gläser in den Bus tragen müssen!

Dieses Mal fahren wir mit dem Auto, und der Kofferraum ist frei! Also, ladet die Ernte ein, wenn wir wieder hier ackern und säen!

Oder, wenn’s wie letztes Jahr läuft, dann halt weg! Das Interesse ist ja weg!

Du bist doch vergesslich! schnaufte Gertrud.

Schon gar nicht! Ich habe ja sonst nichts zu tun, außer meinem Mann, der ohne Zärtlichkeiten verschwindet, und unserem lieben Sohn, der ohne Mama nach Liebe schreit!

Soll ich also wieder den Garten umgraben?, fragte Lina, die Gertrud fest in die Augen sah. Antwortet mir! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!

Du bist doch die Mutter! Du musst das verstehen!, tadelte Gertrud. Klara braucht Hilfe! Ich habe das Gemüse fertig gemacht und die Gläser eingemacht! Sie zieht alleine zwei Töchter groß! Und du hast ja deinen Mann!

Warum also nicht Klara und ihre beiden Töchter in euren Garten einspannen? Sie kommen nur wegen der Ernte! Dann können sie arbeiten und wir lassen sie in Ruhe! Ich will euch nicht im Weg stehen, sondern nur zum Vergnügen!

Ach, Lukas hat gewählt!, schüttelte Gertrud. Ob Fluch oder noch schlimmer!

Ihr schmeichelt mir wieder mit lieben Worten!, grinste Lina. Ihr nennt mich doch nicht eine Schlange? Das ist mir lieber, weil es ruhiger ist!

Oder habt ihr mich etwa lieb gewonnen? Dann geh ich beichten! Vielleicht schickt ihr mich ja schon zu einer Pilgerfahrt!

Spuck aus!, kreischte Gertrud.

Wozu das? Habt ihr etwa Lukas’ Schicksal als Witwer vorhergesagt, nur damit er mich loswird?

***

Lina heiratete Lukas, nicht die ganze Verwandtschaft. Sie liebte ihn, respektierte ihn und wollte mit ihm alt werden, um irgendwann die Enkelkinder zu betreuen. Die riesige Familie seiner Verwandten blieb in ihren Träumen.

Im echten Leben gab es die Mutter Gertrud, eine ältere Schwester, eine Tante, die man kaum benennen kann, und ein paar Cousins, die nie zur Ruhe kamen.

Diese fröhliche Truppe freute sich über Lina wie über himmlisches Manna.

Linas Eltern waren wohlhabend, aber nicht im Goldrausch. Sie schenkten ihr zur Hochzeit eine Wohnung!

Sie betrieben einen kleinen Viehzuchtbetrieb und verdienten damit ein stabiles Einkommen. Aber sie arbeiteten so hart, dass das Geld nie ausreichte, wenn sie es wirklich brauchten.

Mit fremden Händen kann man Berge versetzen, aber Geld, das man selbst nicht mit Schweiß verdient hat, fühlt sich immer leicht an. Und gerade diese Hände griffen nach Linas Geldbeutel!

Wäre Lukas bereit, seine Hände auszustrecken, würde er sofort zum Ex-Mann werden aber Lukas liebte Lina, nicht das Geld ihrer Eltern. Geld erfuhr er erst bei ihrer Hochzeit. Die Kosten für die Hochzeit haben sie zusammen verdient.

Lukas sagte: Lina, wenn uns das Geld wirklich dringend fehlt, versuchen wir erst selbst etwas zu verdienen. Wenn das nicht klappt, dann fragen wir um Hilfe. Und er hielt sein Wort. Drei Jahre nach der Hochzeit kamen sie zu Linas Eltern, weil ihr Sohn alles benötigte Bett, Kinderwagen, Badewanne

Lukas bestand darauf, einen Handschlag zu unterschreiben. Die Eltern ließen es beim Notar aus; Lukas zahlte den Kredit ehrlich zurück!

Wie wuchs Lukas in einer so komerziellen Familie auf? Vielleicht von einem Nachbarn? Gertrud war nämlich nicht in einer Ehe, obwohl sie schwor, dass Lukas Vater derselbe sei wie der von Klara.

Doch das bleibt Gertruds Geheimnis. Hauptsache, sie konnte Lukas nicht verderben sie hatte genug Mumm.

Als die Familiengeheimnisse ans Licht kamen, griffen gierige Hände nach Linas Katze. Lukas ging nicht mehr zu ihnen. Er sagte sofort:

Vor der Hochzeit helfe ich noch! Nach der Hochzeit habe ich meine eigene Familie und mein eigenes Budget! Wenn die Frau gibt, schenke ich einen Pfennig, sonst lass ich es bleiben!

Lina durchschaute den Hintergedanken. Statt die Verwandten in Felder, Wiesen, Berge und Sümpfe zu schicken, brachte sie sie zum Elterngut zum Schweinehof.

Leute! Hier gibts Arbeit ohne Ende! Und ihr werdet gut bezahlt! Ihr könnt das mit eurem Hauptjob verbinden! Die Schweine fressen, und das Endprodukt muss trotzdem entsorgt werden! Das geht nie vom Fleck!

Cousins und Tante traten zurück, obwohl ihr Ansehen bei Lukas Frau nicht besonders gut war.

Entschuldigung! Ich bringe das Geld selbst!, sagte Lina.

Als die Schwägerin fragte, wohin sie gebracht würden, wenn sie um Hilfe für ihre beiden unehelichen Kinder bat, brach Klara den Kontakt zu Lina und Lukas sofort ab. Sie hatte genug Abenteuer: Sie musste zwei Engel finden, nicht nach Schweinen suchen.

Gertrud, die von den Abenteuern ihrer Schwester und Neffen hörte, beschloss schlau zu handeln.

Jungie ist noch zu frech! Sie hat gerade geheiratet! Das Leben hat ihr noch nichts angetan! Jetzt wird sie im Haushalt ersticken, an Problemen ersticken, und unser Ertrag bleibt aus! Dann drücken wir ihr den Saft aus!

Gertrud hatte unendlich Geduld. Sie wartete, bis die Jungen ein wenig abgeruht hatten, ein Kind bekamen und alle Sorgen ein wenig nachgelassen hatten. Währenddessen blieb sie freundlich neutral.

Der Enkel Felix wurde fünf, und Gertrud wollte ihn ein wenig in die Finanzen einweihen.

Sie wusste, dass Lina keinen Zugriff mehr auf das Geld der Eltern hatte, und dass Lukas nicht mehr helfen konnte. Sie dachte: Wo man kein Geld findet, kann man mit Naturalien auskommen!

Gertrud lebte in einem kleinen Dorf, das bald von der Stadt verschluckt werden würde. Aber das Wesentliche war ihr prächtiger Gemüsegarten! Dort wollte sie die Kräfte der Schwiegertochter nutzen.

Lina wuchs in einem ähnlichen Dorf, wo ihre Eltern eine kleine Schweinefarm betrieben. Sie hatte als Wirtschaftlerin im Unternehmen der Stadt gearbeitet, konnte aber auch mit Schaufel und Hacke umgehen.

Als Gertrud bat, halfen Lina und Lukas gern. Sie nahmen zwei Wochen Urlaub, um alles zu pflanzen, dann noch zwei Wochen, um aufzuräumen. Am Wochenende fuhren sie hinaus, um zu jäten und zu häufeln.

Ihr seid zu zweit! Ihr arbeitet beide! Warum sollt ihr das tun? Aber Klara zieht allein ihre Kinder groß! Sie braucht Hilfe!

Ein offener Konflikt war die leichteste Lösung, doch es gab keine lauten Schimpfworte. Die Nachbarn lauschten an den Zäunen, um das bunte Deutsch zu genießen.

Lina beschloss, die Dinge nicht weiter aufzuwärmen.

Lukas, du verstehst das ja

Nein! schrie Lukas.

Ich sage nicht, dass ich sie verzeihen will, stoppte Lina den Aufschrei ihres Mannes. Aber ich kann sie verstehen! Das ist wirklich ein seltsames Verhalten. Deine Mutter lässt sich nicht ändern. Aber Feinde mit nahen Menschen zu sein, ist noch schlimmer! Und damit das nicht immer wieder passiert, sollten wir uns nicht mehr von ihr belasten lassen!

Lina, sie wird dich immer nerven! Ich bin dein Sohn, dein Geliebter, und du bist die Schwiegertochter! Das Gesetz verlangt, dass wir die Schwiegertochter schützen! seufzte Lukas. Ich muss dich beschützen!

Lukas, ich bin auch kein Ding!, lachte Lina. Vertrau mir, ich finde eine Antwort!

Linas Antworten ließen Gertrud die Stirn runzeln. Sie fühlte sich, als wäre sie über einen Haufen Mist gerutscht.

Gertrud antwortete offen und unverblümt, was Lina immer wieder zurückschlagen ließ, damit die Schwiegermutter nicht weiter schmachtete.

Lina half weder beim Aufräumen, noch beim Kochen, noch bei den Einmachgläsern, noch im Haushalt, noch im Garten.

Gertrud dachte, Lina käme nie wieder zu ihr. Doch Lina fuhr mit ihrem Mann, wie es sich gehört, und Gertrud dachte, Lina würde sich beugen. Nein! Wieder ein Gegenstoß, wieder ein Ausflucht, wieder ein Aufschrei aber nichts Beleidigendes.

Halt, so zu reden, ist nicht gut!, platzte Gertrud aus. Will ich meinem eigenen Sohn etwas Schlechtes wünschen? Ich versuche doch, ihm zu gefallen!

Wir haben die Zunge verloren!, jubelte Lina. Und ich gebe alles, um Lukas zu gefallen! Was, wenn ich im Garten versage? Was, wenn ich erschöpft bin?

Wie soll ich dann für Lukas sorgen? Wie soll ich ihn lieben? Wie soll ich ihn füttern, tränken und ins Bett legen? Wie soll ich meinem geliebten Lukas die Aufmerksamkeit schenken, damit er nicht unzufrieden wird und das seiner Mutter in die Hände spielt, dass die Frau ihn nicht liebt, nicht füttert, nicht trinkt und nicht pflegt?

Werdet ihr einfach schweigen? Nein, natürlich nicht! Ihr werdet schimpfen! Aber warum soll ich die Beziehung zur Schwiegermutter noch mehr verderben? Sie beneidet mich ja schon genug! Also, kein Garten! Ich spare meine Kraft für Lukas!

Lina, stammelte Gertrud.

Und überredet mich nicht!, antwortete Lina bestimmt. Ich bin für meinen Mann da! Ohne mich würde er verloren sein! Ich kann nicht für irgendwelche Gärten und Aufräumarbeiten bei euch eintauschen nur bei mir, nur für Lukas!

Gertrud begriff, dass Lina sie in allen Punkten übertroffen hatte. Sie konnte nicht mehr anklagen, doch sie wollte trotzdem gegen ihren Sohn vorgehen.

Als Gertrud schließlich die Flucht ergriff und die Schimpfworte zu Ende gingen, überlegte sie nüchtern über einen Schnaps:

Lukas ist zwar eigenständig, aber mit so einem Rückhalt fühle ich mich sicher!

Doch das war kein Grund, die Schwiegertochter weiter zu testen. Vielleicht würde sie doch noch nachgeben.

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Homy
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